Keuchend blieb Erynn für einige Augenblicke einfach nur liegen. Jetzt, da die unmittelbare Gefahr vorbei zu sein schien, holten die Reaktionen ihres Körpers sie ein. Ein Schaudern durchlief ihren ganzen Leib, und für einige Herzschläge lang zitterte sie unkontrolliert. Was war das? Ein Kind? Aber wie... und wo sind die Wölfe? Was geschieht hier? Bevor sie ihre Gedanken jedoch in Worte fassen konnte, trieb Arranges sie auf die Füße. Nach einem letzten, verwirrten Blick auf die gegenüberliegende Seite des Flusses riß sie sich zusammen und verschaffte sich einen raschen Überblick
Hastig erklommen sie das steile Südufer. Der lockere, sandige Boden rutschte unter ihren Füßen weg, und schon bald waren Haut und Rüstungen dreckverkrustet. Nach einer Weile, die wie eine Ewigkeit schien, zogen sich die Elfin und ihr Begleiter schließlich über die obere Kante der Böschung auf verhältnismäßig ebenes Gelände. Nach Süden also... Die Dunmer mußte tatsächlich erst kurz überlegen, in welcher Richtung das wohl liegen mochte. Die wilde Flucht war ihrer Orientierung nicht zuträglich gewesen.
Sie stolperten also weiter am Ufer des Corbolo entlang, nicht wirklich in leichtsinnigem Tempo, aber dennoch zügig. Erynns Gedanken rasten. Warum haben die Geisterwölfe aufgehört, uns zu verfolgen? Warum überhaupt haben sie uns nicht zur Strecke gebracht? Es hätte ihnen doch wohl ein Leichtes sein dürfen, so wie sie wirkten. Oder wurden sie letztendlich gar nicht von den Abtrünnigen geschickt? Wie zum Henker paßt dieses Kind... oder was auch immer das für eine Gestalt war, dort hinein? Sie zerbrach sich wirklich den Kopf darüber, übersah deshalb einen halbvermoderten Baumstumpf und fing sich gerade noch, bevor sie der Länge nach hinschlug. Für eine kleine Weile schenkte sie der Umgebung daraufhin etwas mehr Aufmerksamkeit, fand aber doch wieder zu ihren Grübeleien zurück. Und wenn die Tiere tatsächlich ganz wo anders herkamen? Vielleicht waren sie so etwas wie... Waldgeister, die uns als Eindringlinge sahen. Warum sonst sollten sie so plötzlich auf der anderen Seite des Flusses stehengeblieben sein, wenn der nicht die Grenze zu einem Revier markierte? Vor einer Woche noch hätte sie bei solchen Überlegungen abgewunken und sich an die Stirn getippt. Seit sie wußte, daß es Männer wie Harchaxas gab, fühlte sie sich durchaus genötigt, diese Einstellung zu überdenken.

Beide waren völlig fertig und zumindest die Elfin ziemlich durchgefroren, als das kleine Gehöft endlich in Sicht kam, von dem der Beschwörer gesprochen hatte. Zweifelnd ließ sie den Blick über ihrer beider Erscheinungsbild schweifen. Sie sahen aus wie abgerissene Wegelagerer, im besten Falle. Wer immer in dieser abgelegenen Kate wohnen mochte, Erynn hoffte, daß sie die Person nicht allzusehr verschrecken würden. Als sie das Gebäude jedoch erreicht hatten, zögerte sie nicht lange. Sie war todmüde, ihr war schlecht vor Erschöpfung und die Klamotten klebten ihr naß, kalt und schwer am Körper. Die Möglichkeit eines warmen Feuers und eines Dachs über dem Kopf verdrängte alles andere. Sie hob die Hand und klopfte an die Tür. Drinnen hörte sie bald darauf Geräusche und einen halblauten Ruf. Einige Augenblicke später wurde der Riegel zurückgeschoben und die Tür ein erstaunlich weites Stück geöffnet. Die Dunmer schaute direkt in das fragende Gesicht älteren Bretonin mit stechenden, blauen Augen.