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Thema: Krisensitzung

Hybrid-Darstellung

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  1. #1

    Bruma

    Arranges drängte zur Eile, daher ritten sie durch, bis sie Bruma erreicht hatten. Im Morgengrauen tauchte die Stadt vor ihnen aus dem nebligen Dunst auf, der seit der halben Nacht überall im Vorgebirge stand. Alles ringsherum war weiß, lediglich Felsen und Bäume nahe der Straße konnte man erkennen. Die Kälte jedoch stach nicht so schmerzend ins Gesicht, wie Arranges es hier oben schon so manches Mal erlebt hatte.

    'Ich werde mein Pferd hier abgeben... du kannst meinetwegen gerne weiterhin reiten... Ich weiss nicht, ob du schonmal in den Jerallbergen warst, aber sie stehen an Grausamkeit dem Velothimassiv, über das wir geritten sind, in nichts nach... Die Echohöhle liegt ein ganzes Stück im Westen, zwischen zwei Bergflanken, der Weg ist alles andere als einfach, ich rate dir, ebenfalls zu Fuß zu gehen...'

    Die Tore der Stadt wurden gerade geöffnet, während die Wachablösung stattfand. Arranges stieg bei den Stallungen ab und klopfte einen Stallburschen, einen milchgesichtigen Jüngling mit roten Haaren und Hasenzähnen heraus. Der Nekromant gab dem Burschen ein paar Septime, woraufhin dieser sich beeilte, den Fuchs ordentlich zu versorgen. Nachdem er sich das Wichtigste an seinen Gürtel gehängt hatte, wartete Arranges darauf, dass Erynn auch so weit war. 'Willst noch ein paar Stunden schlafen oder sollen wir direkt loslaufen?' Er klang etwas monoton, aber im Vergleich zu dem recht einseitigen, groben Wortgefecht im großen Forst, war es fast schon wieder freundlich.

  2. #2

    Bruma => Echohöhle

    „Ich glaube, du unterschätzt meine Ausdauer“, gab Erynn unfreundlich zurück, lud ihr Pferd ebenfalls ab und hängte die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände an ihren Gürtel. „Also los, geh vor. Ich kenne den Weg nicht.“
    Sie folgte dem Kaiserlichen, nachdem er sich endlich in Bewegung gesetzt hatte. Der Weg war tatsächlich nicht einfach, führte sie in einem weiten Bogen um Bruma herum, dann eine ganze Weile gerade nach Westen. In dieser Höhe wuchs kaum noch etwas außer krüppeligen Nadelbäumen, die störrisch den lebensfeindlichen Temperaturen trotzten und sich mit ihren Wurzeln an jedes noch so kleine Fleckchen Erde klammerten, das sie zwischen dem allgegenwärtigen Geröll erreichen konnten. Hin und wieder waren auch ein paar Büschel kleinerer, holziger Pflanzen und kleine Gruppen von Pilzen zu sehen, die sich wie schutzsuchend hinter einen Felsen kauerten. Bald schon war Bruma außer Sicht verschwunden, und nachdem sie einen kleinen, abgelegenen Hof passiert hatten, blieb die Zivilisation endgültig hinter ihnen zurück.
    Erynn konnte nicht umhin, die bizarre, unwirkliche Schönheit des Hochlandes zu bewundern. Als sie vor... Wie lange ist das her? ...die Valusberge überquert hatten, hatte sie keinen Blick für diese Dinge gehabt, so entsetzlich hatte sie gefroren.
    Als die Sonne schon im Sinken begriffen war, kreuzte ein kleines Wolfsrudel vielleicht hundert Schritte vor ihnen den Weg. Die Elfin blieb sofort reglos stehen und beobachtete die Tiere aufmerksam. Die Wölfe hielten ebenfalls inne, sträubten das Fell und fletschten die Zähne. Mit einigem Geknurre wichen sie schließlich zurück und verschwanden zwischen mehreren großen Findlingen. Als die Reisenden für die Nacht das Lager aufschlugen und ein Feuer entzündeten, konnten sie noch für lange Zeit ihr Geheul hören.
    Die Dunmer versuchte noch immer nicht, ein Gespräch in Gang zu bringen. Sie fühlte sich unangenehm an die erste Zeit erinnert, in der sie mit dem Beschwörer unterwegs war, wo seine Verschlossenheit und Unnahbarkeit sie mehr als nur ein wenig eingeschüchtert hatten. Es schien, als fiele er jetzt genau in dieses Verhalten zurück, und es verunsicherte sie noch immer genauso. Allein, diesesmal war sie entschlossen, ihre Verunsicherung hinter finsteren Blicken versteckt zu halten.

    Der nächste Morgen war klar, windstill und so kalt, daß die Luft selbst zu gefrieren schien. Sie waren noch nicht lange gegangen, bis sie auf einen anderen, weit schmaleren Pfad abbogen, der direkt nach Norden führte. Er endete schließlich an einem Höhleneingang, der von einem stabilen, hölzernen Tor verschlossen wurde. Erynn schauderte plötzlich. Die Höhle war mit Sicherheit bewohnt, aber nichts hier wirkte so, wie sie es von der Behausung eines Druiden erwarten würde. Einige der niedrigen Pflanzen in der Umgebung waren plattgetreten, links neben dem Eingang lag ein kleiner Berg aus Müll, den jemand nachlässig angezündet hatte und der infolgedessen nur halb verkokelt war. Hinzu kam ein schlecht hinter einem Stein versteckter, sauber aufgeschichteter Haufen aus geborstenen Knochen, die nicht alle aussahen, als würden sie von Tieren stammen. „Fragend schaute die Dunmer den Beschwörer an. „Bist du sicher, daß wir den Druiden hier finden werden?“

  3. #3
    Arranges sah die Dunmer an. 'Ich muss zugeben, dass ich mich auch ein wenig wundere, warum der alte Harchaxas sich hier herumtreiben soll...' Vielsagend blickte sich der Kaiserliche um. Hier wuchs kaum etwas. Nein, das war nicht die Welt des Argoniers, er hielt sich seit... ja seit wie vielen Jahren eigentlich? Es mussten unzählbar viele sein, die er schon im Großen Forst lebte... Fast ein wenig niedergeschlagen ließ der Nekromant die Schultern hängen. 'Es war wohl eine dämliche Idee, der Weisung der Wirtin zu folgen... los, gehen wir, bevor der Bewohner der Stollen noch auf die Idee kommt, im falschen Moment ein wenig frische Luft zu schnappen...' Die Enttäuschung war deutlich in seiner Stimme zu hören, aber statt auf eine Antwort zu warten, trottete Arranges einfach los, den Weg wieder zurück, den sie gekommen waren...

    Nach einer Weile hatten sie die Kreuzung, von der aus ein Pfad zurück nach Bruma führte, wieder erreicht. Ein lauter Schrei, hoch über ihnen, weckte die Aufmerksamkeit der beiden Wanderer, aber nur für einen Moment, nachdem sie aufgeblickt hatten und feststellten, dass es nur ein Falke war, der weit oben seine Kreise zog und immer wieder einen langen Ruf ausstieß, der so unverkennbar für diese Vögel war.

    Es wurde Nachmittag, sie waren immernoch auf dem steinigen Pfad unterwegs. Arranges, der normalerweise jedem noch so geringen Gewächs und jeder noch so lebensfeindlichen und abweisenden Landschaft irgendeine Faszination abringen konnte, hatte kein Auge mehr für seine Umgebung. In ihm brodelte Wut und Niedergeschlagenheit gleichermaßen. Der Druide und Bruder Marbell waren jetzt noch die einzigen bei denen er sich ganz sicher sein konnte, dass sie nicht unter dem verderbenden Einfluss der Abtrünnigen standen und keinen davon konnte er gerade wirklich schnell erreichen. Bruder Marbell, weil keiner außer mir weiss, wo er zu finden ist, aber selbst ich muss eher noch einen Tag Suche einplanen... Und der Druide, weil er schlicht ständig unterwegs ist... Der Magier hing weiterhin seinen Gedanken nach, während er durch das für ihn nur noch monotone Grau stapfte und sich nicht wirklich um Erynn kümmerte. Plötzlich jedoch durchbrach ein leises, aber eindringliches Piepsen die Stille. Ein Geräusch, das an abgehacktes Vogelgezwitscher erinnerte. Ein Rauschen, schnelles, quirliges Flügelschlagen. Ein graugelbes Etwas schoss zwischen den beiden hindurch und kam heftig und schnell mit den beiden kleinen Flügelchen wedelnd und schlagend, zum Stehen, ließ sich auf den Boden zu ihren Füßen gleiten und schaute zu Erynn und Arranges auf.

    Die nachtschwarzen, kleinen Augen des Zaunkönigs wirkten seltsam intelligent. Nur einen Moment später, nachdem sich weder Arranges, noch Erynn vor Verblüffung nicht wirklich rühren konnten, begann das kleine Tierchen aufgeregt hin und her zu hüpfen und quengelnd zu piepsen und zu zwitschern. Was zum Teufel... Arranges sah sich einen Moment suchend um, schüttelte dann aber den Kopf und trat über das Vögelchen hinweg und machte sich daran, ihren Weg fortzusetzen. Der Zaunkönig verstummte, drehte ruckartig den Kopf und blickte Arranges hinterher. Dann schaute er wieder zu Erynn auf. Ein weiteres, kurzes Gezwitscher folgte, dann hüpfte das Tierchen an ihr vorbei, so dass sie sich unweigerlich umdrehen musste um ihn weiterhin sehen zu können. Der Vogel drehte den Kopf zu ihr herum. Ein kurzes Fiepen, dann flog er davon, zog eine weite Schleife nach Süden und kam wieder zurück zu der Elfe. Wie selbstverständlich landete der Vogel auf ihrer Schulter, drehte aber den Kopf und blicke in die andere Richtung, nach Nordosten, zu Arranges. Dieser hatte sich mittlerweile umgedreht und rief Erynn entgegen: 'Schön, du hast einen neuen Freund gefunden... bist du festgefroren oder willst du die schöne Aussicht genießen?'

    Ein kurzes, leises Piepen erklang an ihrem Ohr von dem Vogel, der sie jetzt, da sie den Kopf drehte, mit den kleinen Augen anschaute, als wolle er ihr irgendetwas sagen...

  4. #4
    Erynn ignorierte das Gemaule ihres Begleiters. Das Vögelchen zirpte ihr mittlerweile mit beeindruckender Lautstärke ins Ohr und pickte nach einer weißen Haarsträhne. Sie hob die Hand und ließ das kleine Wesen daraufhüpfen. Es schüttelte sein Gefieder, als wäre es empört über die Untätigkeit der beiden Reisenden, flog eine weitere Schleife und kehrte dann zurück. „Arranges, so benimmt sich doch kein Vogel...?“ Sie betrachtete das Tier genauer. „Du bist doch nicht irgendwo gegengeflogen, daß du so seltsame Sachen machst?“ murmelte sie ihm zu. Schließlich zuckte die Elfin die Achseln. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, daß der Vogel ihr irgendetwas mitteilen wollte, aber so wie es aussah, hatten sie gerade ohnehin jede Menge Zeit und sie war neugierig, warum er sich wohl so völlig umgekehrt zu jedem natürlichen Instinkt verhielt. Außerdem war er gerade die eindeutig angenehmere Gesellschaft.
    Vorsichtig folgte sie ihm in südliche Richtung, als er eine weitere Runde drehte. Ihre behutsamen Bewegungen waren gar nicht nötig, stellte sie fest. Das Vögelchen schien entschlossen, sich nicht beirren zu lassen. Sie war so fasziniert, daß sie Zeit und Umgebung völlig vergaß, während es von Ast zu Ast flatterte und zwischendurch immer wieder zu ihr zurückkehrte. Irgendwann blieb es in einem niedrigen Busch sitzen und stimmte ein länger andauerndes Gezwitscher an. Erynn hätte schwören können, daß es begeistert klang...

  5. #5
    Arranges fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Nach einigen Augenblicken, in denen er hasserfüllt auf Erynns Rücken schaute, gab er nach. Er war an einem Tiefpunkt seiner Laune angekommen und alles, was dort zu finden war, war Resignation, er hatte noch zwei, genau zwei Personen, denen er vertrauen konnte und egal, was er tun würde, es würde in jedem Fall inakzeptabel viel Zeit verschlingen, eine von beiden aufzusuchen...

    Als er bei Erynn angekommen war, verstummte der Vogel, sah den Kaiserlichen einen Moment lang verstört an und flüchtete sich dann zu Erynn, die ganz automatisch eine Hand ausstreckte und dem Tierchen einen sicheren Landeplatz bot. Stumm aber deutlich genervt verdrehte Arranges die Augen. 'Was hast du jetzt vor? ... Willst du den Rest deines Lebens damit verbringen, dir die Hand weiß sprenkeln zu lassen, wenn der Pipmatz mal vergisst unterwegs fallen zu lassen? ... Naja, würde jedenfalls zu deinen Haaren passen...' Arranges verzog keine Miene, als er sprach.

    Der Zaunkönig schenkte dem Magier keine weitere Aufmerksamkeit mehr. Er schaute wieder Erynn in die Augen, zwitscherte kurz und flog dann weiter in südlicher Richtung davon. Auch Erynn beachtete den Nekromanten nicht weiter und folgte dem gelbbraunen, flatternden Punkt vor dem bewölkten Himmel. Der Beschwörer musste ihnen folgen, er konnte Erynn hier unmöglich allein durch die Gegend laufen lassen. Der Abend brach herein, weit unter sich konnten sie bereits wieder die Ausläufer des Großen Forstes erkennen. Der kleine Vogel flog nochmal ein Stück voraus und blieb dann bei einer knorrigen, aber dichten Gruppe brusthoher Büsche auf einem vrospringenden Ästchen sitzen. Nachdem Erynn angekommen war, stimmte der Vogel wieder ein leises Gezwitscher an. Ein friedlicher, angenehmer Vogelgesang... bis Arranges sie ebenfalls eingeholt hatte. Der Kaiserliche trat neben Erynn und der Zaunkönig änderte seinen Gesang: Die zuvor noch zierlichen, geschmeidigen und entspannten Laute wandelten sich schlagartig in dunkle und beeindruckend tiefe, abgehackte und beinahe bedrohliche Töne, die nichts mehr mit der flüssigen Melodie von vor einer Minute gemeinsam hatten... Der Vogel beendete seinen Gesang augenblickglich, nachdem die Augen des Kaiserlichen aufloderten. das Vögelchen duckte sich kurz unter dem Blick des Magiers und flatterte dann hektisch zu Erynn, setzte sich wieder auf ihre Schulter und schmiegte sich an ihren Hals.

    'Dann... werden wir hier wohl unser Lager aufschlagen...' Knurrte Arranges.

  6. #6

    Großer Forst

    „Ja, mach das“, meinte Erynn zerstreut und streichelte vorsichtig die Flügeldecke des Zaunkönigs. Sie hörte dem Nekromanten nur halb zu und es ärgerte sie, wie er den kleinen Vogel ansah. Mittlerweile war sie sich sicher, daß mit dem Tier etwas nicht stimmte. Er hatte sie praktisch bis hierher geführt, über viele Meilen. „Bist du aus irgendeinem Käfig abgehauen?“ fragte sie. „Warum sonst wärst du so zutraulich?“ Andererseits... wäre er dann wirklich so weit geflogen, bis mitten ins Nirgendwo der Jerallberge?
    Das Vögelchen flog ein Stück tiefer in das Gewirr aus Büschen herein und tschilpte auffordernd. Zumindest glaubte die Elfin, das es eine Aufforderung war. „Da rein? Dir ist schon klar, daß ich nicht von Zweig zu Zweig hüpfen kann, so wie du?“ Sie seufzte, warf einen Blick auf das schwindende Tageslicht und entschied dann, daß es völlig egal war, wo sie sich letztendlich zum Schlafen zusammenrollte. In dem dichten Gestrüpp war wenigstens die Möglichkeit geringer, daß irgendwelche seltsamen Leute sie finden würden. Daraufhin schob sie die Zweige auseinander und schob sich durch die entstandene Lücke. Es war mühsam, und sie kam nur langsam voran. Das Unterholz wurde zunehmend dichter, und sie blieb mehrmals hängen oder stolperte über halb verborgene, gewundene Wurzeln. Bald schon steckten Unmengen an kleinen Stöckchen und Blättern in ihrem Haar. Erynn kämpfte sich weiter, mit einem Auge immer den kleinen Vogel im Blick. In diesen Teil des Waldes war sie noch nie vorgedrungen. Es gab keinen Pfad, keine Lücke im Bewuchs, nur verflochtenes, ungezähmtes Geäst zwischen uralten, mächtigen Bäumen. Das Blätterdach wurde so dicht, daß es die letzten Strahlen der Abendsonne aussperrte.

    Der Dunmer kamen langsam aber sicher ernste Zweifel. Wohin führst du mich? Hier gibt es nichts, gar nichts... oder hast du hier ein Nest? Nein, unmöglich. Dann wäre das Tier auf keinen Fall so weit nach Norden geflogen, darüber hinaus gab es keinen einzigen vorstellbaren Grund, warum es sie zu seinem Brutplatz führen sollte. Oder bin ich nur im wirren Kopf meilenweit hinter irgendeinem Vogel hergerannt, der einfach einen Dachschaden hat? Sie blieb stehen, hörte wie Arranges hinter ihr fluchend durch die Büsche brach und schüttelte den Kopf. Nene. Die Genugtuung gebe ich dir nicht! Sie ließ ihren Blick wieder zu dem Zaunkönig schweifen. Er saß auf den obersten Zweigen eines Dornenbusches, blickte ihr gerade in die Augen, plusterte sich auf und schüttelte das Gefieder. Dann kam er zu ihr zurück und nahm wieder auf ihrer Hand Platz. Warum bist du so hartnäckig, du kleines Wesen? Du führst dich mehr auf wie ein Hütehund denn wie ein wildes Tier. Warum...? Die Dunmer hielt inne. Wer würde sich die Mühe machen, einen so winzigen Wildvogel abzurichten? Ein bestimmter Verdacht beschlich sie.
    „Weiter“, sagte sie leise zu dem Vögelchen, und es flatterte wieder davon, während es fröhlich zirpte. Es war dunkel hier, so unglaublich, tintig dunkel und Gestrüpp und Bäume wirkten fast wie verzerrte, knorrige Gestalten, die mit deformierten Klauen nach ihr zu greifen schienen. Sie schüttelte den Eindruck ab. Ich bin seit frühester Kindheit durch Wälder geturnt... wäre ja noch schöner, wenn ich mich jetzt verrückt machen ließe!
    Nach vielleicht zwei weiteren Meilen, es könnte auch nur eine gewesen sein, reichte das wirre Unterholz ihr bis fast ans Kinn und die Bäume standen so dicht, daß kein Vorankommen mehr möglich war. Der Zaunkönig setzte sich wieder auf ihre Schulter und begann, sich ausgiebig die Schwanzfedern zu putzen. Erynn sah sich etwas hilflos um. Und jetzt? Sie spürte den Blick des Beschwörers in ihrem Nacken und mußte nicht hinsehen um zu wissen, daß dieser vernichtend war. „Ich denke“, sagte sie lakonisch und ohne sich umzudrehen, „das hier ist ein ausgezeichneter Platz für ein Lager.“
    Geändert von Glannaragh (07.04.2011 um 22:03 Uhr)

  7. #7
    Arranges brach sich seinen Weg regelrecht durch das Unterholz, er gab sich nicht die geringste Mühe, irgendwie leise oder vorsichtig zu sein. Ärger brodelte in ihm, aber noch gelang es dem Magier, diesen im Zaum zu halten. Als das filzige Buschgewirr immer dichter und höher wurde, konnte Erynn nicht mehr weiter und blieb stehen. Arranges wollte gerade erleichtert aufatmen, als der Zaunkönig bei ihren Worten wieder aufgeregt zu Piepsen und zu zwitschern begann... Er flog nochmal einige Meter voraus und verschwand zwischen den Bäumen. Auf der Stirn des Beschwörers, der hinter ihr stand, bildete sich langsam aber sicher eine tiefe Falte der Wut. Ich dreh dir den Hals um, wenn du jetzt weiterläufst... Aber genau das tat Erynn...

    Es dauerte keine halbe Stunde, bis sie feststellten, dass das dichte Unterholz schnell abnahm... Sie schienen sich jetzt in einer vollkommen anderen Welt zu bewegen. Bis auf Gestrüpp dicht am Boden, war der Raum zwischen Grund und Blätterdach völlig leer. Ein tiefgrünes, Licht flutete von oben durch die Blätter und tränkte den Wald, in dem sich kein Lüftchen regte, die Zeit schien hier seit mehreren Jahrtausenden still zu stehen. Kein Tierlaut, kein Rauschen oder Rascheln war zu hören. Die Luft war dick, es roch irgendwie, fast schon angenehm, nicht penetrant nach Moder. Mächtige, von dunkelgrünen Flechten überwachsene Stämme standen breit gefächert auf dem moosigen Grund und hielten wie die Säulen in einer großen Halle das Dach des Waldes, von dem vereinzelt breite, dunkelgrüne, bis schwarze Filzteppiche herunterhingen. Einzig das Flattern des Vögelchens war zu hören und es klang beinahe störend, unangenehm laut, in dieser überwältigenden Ruhe...

    Der Zaunkönig flog noch ein Stück voraus, bis er bei einem weiteren, sehr breiten Filzteppich kreiste und wartete, bis sie nachgekommen waren. Das Licht war zwar mittlerweile nur noch spärlich vorhanden, aber sofort fiel dem Nekromanten etwas Vertrautes an dem Filzteppich auf. Nein... und mir ist es die ganze Zeit nicht in den Sinn gekommen... Der Vogel flog um den jetzt gar nicht mehr so schlaff von oben herabhängend wirkenden, sehr breiten Moosteppich herum. Arranges hielt Erynn grob zurück, als sie versuchte dem Vogel zu folgen. 'Halt den Rand und beuge dein Haupt, wenn ich es tue... und mach keine Faxen!' Zischte der Kaiserliche eindringlich, dann ließ er sie los. Auf der anderen Seite war ein leises Zwitschern zu hören, dann eine lange Pause. 'Ahh... er hat also doch noch hergefunden... und seit er das letzte Mal hier war, vieles vergessen, was ich ihm erzählte...' Die Stimme, die zu hören war, wirkte, als würde die Kehle nur Luft aus den Lungen entweichen lassen, ein tatsächlicher Ton war gar nicht zu hören. Und doch waren die Worte voluminös und deutlich zu verstehen. Ein tiefes, jedoch nicht bedrohliches Grollen schwang in der Stimme mit. Ein Ruck ging durch den natürlichen Vorhang und plötzlich schien sich die ganze Waldkulisse vor ihnen zu bewegen. Auf dem Boden zu ihren Füßen rührte sich jetzt ein oberschenkeldicker, schuppiger Schwanz, den sie zuvor schlicht nicht gesehen hatten. Bewegung kam in die ganze Gestalt, bis sie sich einem gewaltigen Umriss, der sich absolut schwarz vor dem restlichen Forst abhob, gegenübersahen... Ein warmes, angenehmes Licht schien plötzlich von überall herzukommen und eine Lichtinsel inmitten der Dunkelheit des Waldes zu bilden. Die Gestalt des Argoniers war mächtig und hatte mit der Erscheinung jener Argoniere, die man sonst auf Tamriel antraf, nur mehr wenig gemein. Die Beine der Echse waren ihrer natürlichen Form Willen, im Sprunggelenk und Knie leicht angewinkelt, es sah ein wenig so aus, als würde er immer halb hocken, statt mit ganz ausgestreckten Gliedmaßen stehen. Was seine Größe jedoch nicht minderte. Arranges reichte dem Druiden gerade bis zum Brustbein. Aber die Gestalt war nicht nur groß, sondern wirkte aufgrund der Körperhaltung auch recht breit, vor allem die gewinkelten Knie, welche leicht zur Seite gespreizt waren, verstärkten diesen Eindruck. Auf dem kurzen Hals saß ein massiger Schädel. Eine makellos gleichmäßige Form ließ den leicht geneigten Kopf erhaben und unendlich wirken. Die leicht gebogene Linie des langen Nasenbeins beibehaltend, saßen leicht versetzt über den Augen auf beiden Seiten des Kopfes jeweils ein gewaltiges, makellos ebenes Horn, welches geradewegs nach hinten seitlich aus dem Schädel trat. Die großen, nackten Füße und die relativ großen Hände waren mit leicht gebogenen, jedoch nicht sehr langen Klauen bewehrt. Die einzigen beiden Kleidungsstücke, die der Druide am Leib trug, waren der Filzteppich, der als Umhang diente und ein breiter, vom Wetter gezeichneter Lendenschurz. Der Rest des Körpers wurde von feinen Schuppen bedeckt, deren Farbe je nach Körperteil wechselte. Der Bauch war hellgrün, während einzelne Schuppen am Kopf und auf den Armen dunkelblau waren und seltsame Muster bildeten, der Rest wechselte zwischen dunklem Braun und grün... Die Augen waren trüb und in die Höhlen eingesunken. Aber trotz dessen, dass Harchaxas uralt wirkte, fast blind zu sein schien, leuchteten im Zentrum der milchig getrübten Augen jeweils ein kaum wahrzunehmender, rotgelber, kleiner Punkt. Typische Dinge, die man bei einem Druiden vielleicht erwartete hätte, fehlten. Schmuck besaß und brauchte er nicht, genau wie vieles andere nicht. Lediglich ein kleiner Beutel hing an dem Band, das seinen Schurz um die Hüften hielt und ein eng geschnürtes, kleines Felltotem an einem Handgelenk.

    Die Szene, wie der Argonier sie nur für einige Sekunden musterte, wurde lediglich von dem leisen Gezwitscher des Zaunkönigs wieder wachgerüttelt, der sich jetzt auf ein Horn des Druiden setzte und fröhlich und unbeirrt weiterzwitscherte. 'Arranges.' War wieder die langatmige, aber doch irgendwie warme Stimme zu hören, die wie ein surreal sanftes, weiches Donnergrollen über den Kaiserlichen und Erynn hinwegrollte, zu hören. 'Es ist eine Freude, dich wiedereinmal bei mir begrüßen zu dürfen...' Die Worte wirkten unglaublich zäh, obwohl der Druide mit ganz normaler Geschwindigkeit sprach. 'Es ist mir eine Ehre, euch besuchen zu dürfen Harchaxas...' Gab Arranges ehrfürchtig zurück und beugte sein Haupt. Erynn tat es ihm nach einer Sekunde des Zögerns gleich. 'Ihr... seid nicht allein gekommen... darf ich wissen welches Kind aus dem Schoße des Roten Berges ich ebenfalls in meiner Gesellschaft willkommen heißen darf?'
    'Das ist Lady Erynn Releth... seit einiger Zeit meine Begleitung...'
    'Ahhh... Erynnnnnnn... was für ein herrlicher Klang... kommt ein wenig näher Erynn...' Zögernd trat die Dunmer auf den Druiden zu. Wirkte Arranges schon recht klein vor dem massigen Körper, so ging die Elfe mit ihrer zierlich drahtigen Statur beinahe unter vor dem Leib des Argoniers. 'Ihr... habt ein schönes Gesicht Erynn und wunderbar reine Augen...' Wie zur Bestätigung stieß der Zaunkönig zwei hohe Töne aus und hüpfte einmal aufgeregt auf dem Horn auf und ab. '... er sagt, ihr habt ein gutes Herz... und was er sagt glaube ich... er ist viel zu klein um über etwas wie Lügen nachdenken zu können... es wundert mich fast ein wenig, da ihr mit jemandem wie Arranges unterwegs seid...' Erynn bekam nicht mehr als ein zögerndes Nicken zu Stande. 'Ahhhjaaa... ihr habt wie ich vor langer Zeit ebenfalls erkannt... dass sich hinter dem Nekromanten, den auch ich so nicht gutheiße, ein guter Mensch verbirgt... Arranges?'
    'Ja Harchaxas?'
    'Es gibt einen bestimmten Grund dafür, dass ihr vor einigen Tagen in meinen Wald eingedrungen seid und in der Siedlung Bleichersweg nach mir fragtet...'
    'Nun ja, den gibt es... genau genommen gibt es zwei...'
    'Nun mal langsam Arranges... habt ihr denn wirklich alles... vergessen, was ich euch beigebracht hatte?'
    'Nein...'
    'Gut, dann lasst die hektische, schmutzige Welt draussen vor sich hinrotten und denkt nach, bevor ihr mich um etwas bittet und denkt nochmals nach, bevor ihr mich um das Zweite bittet...'
    'Ich brauche eine Auskunft von dir Harchaxas...'
    'Eine Auskunft ist viieeel wert Arranges... sie kann sowohl Leid, als auch Freud bedeuten, habt ihr das reichlich überlegt?'
    'Ja...'
    'Dann will ich versuchen, euch Auskunft zu gebe, Arranges...'
    'Ich brauche Auskunft über den Standort eines Oblivionstors... nur den Ort wo es steht, weiter...'
    'Genug! ... Stellt nicht zwei Fragen auf einmal oder noch schlimmer, ihr stellt eine Frage und denkt dann, ihr müsst sie noch erklären, ich bin alt aber nicht dumm! ... Hmmmm... ich weiss zwar nicht, was ihr bei einem Obliviontor wollt, aber das ist mir im Grunde gleich, es war nicht Gegenstand unseres Gesprächs... ich komme gerade aus dem Süden... am äußersten Rand meines Waldes in der Nibeney habe ich die Kunde erhalten, dass sich wohl irgendwo eines im Dunkelwald aufgetan haben muss... ich bin mir selbst nicht sicher, aber das kann ich ändern, die Information scheint euch zu wichtig zu sein, als dass ich mich damit zufrieden geben könnte, euch nur eine halbe Antwort zu geben... Ich will euch die genaue Position sagen... sobald ich sie selbst weiss...' Einen Augenblick später segelte der Zaunkönig zwitschernd davon und verschwand im Wald zwischen den Stämmen. 'Aber bis es so weit ist, will ich euch und Lady Erynn einladen, meine Gäste zu sein...' Beide nickten sie. 'Gut... dann soll uns Speis, Trank und das Erzählen die Zeit verkürzen...' Ohne irgendeine Regung, ohne, dass der Argonier den Blick von den beiden nahm und ohne, dass sich sonst großartig etwas regte, bemerkte sowohl Arranges, als auch Erynn, dass sie nicht mehr allein waren. 5 Zweiglinge traten aus dem Schatten des Waldes hervor. Nur wenige Minuten später, saßen alle drei an einem Tuch, gewoben aus Gras, aber so fein wie ein Wolltuch - Erynn und Arranges nebeneinander, dem Argonier gegenüber - auf welchem sich zahlreiche exotisch wirkende Dinge befanden. Wildes Gemüse und Beeren in Hülle und Fülle...

    'Nun, fehlt noch das Erzählen... Erynn, lasst mich ein wenig von euch wissen, bitte...' Erynn erzählte also von sich. Aufmerksam hörte der Argonier zu und stellte hin und wieder Fragen, bis sie allmählich zum Ende der groben Erzählung über ihr Leben und sich kam. 'Das soll genug für heute sein... Arranges, ihr hattet doch noch eine zweite Bitte... ich glaube, dass ihr reichlich darüber nachgedacht habt, also, stellt eure Frage...' Aber statt eines Wortes seitens des Kaiserlichen, sah der dem Druiden nur in die Augen. 'Hmm... es ist eine Schande, wie ihr zu manchen eurer Begleiter steht Arranges, aber auch das geht mich im Grunde nichts an...' Von hinten trat lautlos eine der Zweiglinge an Erynn heran, legte sanft ihre Hände auf die Schultern der Dunmer und strich dann mit einer zärtlichen und fast ein wenig verheißungsvoll und verführerischen Bewegung über ihre rechte Wange. In tiefen Schlaf gesunken, kippte Erynn nach hinten, wo sie von dem Zweigling aufgefangen und vorsichtig auf dem Boden abgelegt wurde.

    Arranges indessen handelte mit dem Druiden aus, dass er auf Erynn aufpassen solle. Während sie das Für und Wieder diskutieren, kam der Zaunkönig wieder zurück und piepste aufgeregt. Der Kaiserliche erfuhr, wo sich das Tor genau befand. 'Aber seid auf der Hut Arranges, ich weiss nicht, was dort draussen wieder los ist, aber seit ihr bei Bleichersweg in meinen Wald eingedrungen seid, hat zweimal etwas abgrundtief Böses versucht hier ebenfalls hereinzukommen... irgendetwas hat eure Fährte aufgenommen... das ist im Übrigen auch der Grund, warum ich Erynn für euch in meinen Schutz nehmen werde...' Arranges bedankte sich ausgiebig und ließ sich dann von dem Vögelchen noch in der selben Nacht aus dem Wald auf die orangene Straße führen...

  8. #8
    Erynn beendete ihre Erzählung. Dieses abgeschiedene, wie aus der Zeit genommene Fleckchen Wald vermittelte einen Frieden, wie sie ihn bisher noch nicht gekannt hatte. Wie einfach wäre es, wenn wir schlicht hierbleiben und die Welt ihre eigenen Kämpfe ausfechten lassen könnten... Sie horchte auf, als Harchaxas wieder sprach. Was soll das heißen, wie er zu seinen Begleitern steht... Ist das eine Falle? Sie wollte aufspringen, als sie eine Berührung wahrnahm, so leicht und sanft wie von einem Blatt, das ihre Wange streichelte. Arranges, du verdammter...

    Das erste, was sie wieder mitbekam, war der Geruch. Schwere, fruchtbare Erde und einen Hauch von Lebendigkeit und Blütenduft. Für eine Weile weigerte sie sich einfach, die Augen zu öffnen und den Moment zu stören. Die Elfin hatte keine Ahnung wo sie sich befand – es war ihr auch egal. Sie konnte hier liegenbleiben und sich völlig sicher sein, daß kein Abtrünniger sie hier erreichen würde. Abtrünnige...? Erynn riß die Augen auf und sah sich wild um. Zunächst glaubte sie, völlig allein zu sein, bis ihr eine Bewegung auffiel. Die dryadengleichen, so seltsam anmutigen Zweiglinge standen verteilt zwischen den hohen Bäumen und wiegten sich leicht im Wind. Die Elfin glaubte, ein helles, plätscherndes Lachen von ihnen zu hören, aber es konnte sich genauso gut um eine Sinnestäuschung handeln. Sonst war niemand zu sehen. Es gab keine Hinweise darauf, daß außer ihr und den magischen Kreaturen überhaupt jemals jemand hier gewesen war.
    Arranges und dieser Druide also... verdammt, was fällt dir ein, mich einfach so zurückzulassen? Alleine überlebst du in so einem Tor keine hundert Herzschläge lang! Wie kann man nur so dermaßen blöd, unvernünftig und sturköpfig sein? Sie begann am Rande des hohen Gestrüpps herumzutigern, in der Hoffnung, irgendetwas zu finden, das ihr half zu verstehen, was eigentlich vor sich ging...

  9. #9

    Großer Forst -> Ringstraße

    Arranges hechtete dem Vogel hinterher. Der kleine Flattermann war plötzlich erstaunlich schnell unterwegs und der Kaiserliche hatte Mühe ihm zu folgen. Die Macht des Druiden wurde jetzt aber, da es eilte und Arranges mit dem Zuspruch Harchaxas den Wald durchquerte, deutlich spürbar. Der Nekromant hatte das Gefühl, als gingen ihm die Bäume plötzlich aus dem Weg, das Gestrüpp wurde hart und unnachgibig, bildete einen sicheren Grund unter dem Sprinter. Was Arranges nicht wusste, jedoch ahnte, war, dass ihn der Zaunkönig aus dem Wald heraus in südöstlicher Richtung auf die Ringstraße führen würde. Im Morgengrauen legte der Magier eine kurze Rast ein um verschnaufen zu können. Einmal mehr in seinem Leben dankte er seiner ihm von den Göttern gegebenen Ausdauer. Er hatte zwar nicht Arme und Beine eines Kriegers, aber seine Kondition war ausgezeichnet. So ging das die darauffolgende Nacht, bis hin zum nächsten Morgen weiter... bis Arranges endlich völlig erschöpft aus dem Wald hervorbrach und auf eine Heide stolperte. Einige Meter weiter unten an dem sanft ansteigenden Hang, erblickte er vor sich die Ringstraße. Etwas weiter östlich konnte er hinter einer niedrigen Kuppel im Hang die Dächer von Bockbierquell sehen. Vor sich, im Süden erstreckte sich der Rumaresee, in dessen Mitte die Kaiserstadt thronte.

    Erst jetzt gönnte er sich eine richtige Rast. Völlig erschöpft und schwer atmend, ließ er sich einfach ins Gras fallen. Ich will nie Staffelläufer werden... Dachte er zwischen zwei Schnaufer. Der Zaunkönig ließ sich auf die Brustplatte gleiten und sah den Kaiserlichen an. Arranges hob den Kopf und blickte den kleinen Vogel an. 'Überbringe Harchaxas meinen Dank und sag ihm, dass ich ihm vertraue, was Erynn angeht...' Der kleine Vogel piepste ein paarmal und flatterte dann davon, wieder zurück in den Wald. Nach einer Weile setzte sich Arranges auf. Langsam drehte er sich um in Richtung Waldrand. Einige Minuten blickte er auf die grünschwarze Wand... Wäre auch zu schön gewesen... Dachte er und spürte plötzlich einen hässlichen Stich in der Brust. Nein Arranges, lass dich jetzt nicht auf eine Diskussion mit deinen Gefühlen ein...! Er beschloss, sein Unterbewusstsein einfach auszuschalten. Mit etwas unsicherem Schritt ging er auf die Straße zu und versuchte, wieder einen normalen Puls zu bekommen, regulierte seine Atmung und nach einigen Metern konnte er fast wieder normal laufen. Was man ihm jedoch nicht ansah, seine Beine waren schwer wie Blei und er war im Begriff, im Laufen einzuschlafen. Nur noch bis zur Taverne, dann kann ich endlich schlafen... Er würde den restlichen Weg zum Tor zu Fuß bestreiten. Spätestens bei Cropsford ging es wieder in den Dunkelwald und dort konnte man nicht reiten...

    Am nächsten Tag verließ Arranges Bockbierquell und folgte weiter der Ringstraße. Er kam gut voran, das Wetter war einigermaßen gut und er war ordentlich erholt, trotz grausigem Bett. Aber irgendetwas störte ihn. Während der nächsten beiden Tagen hing er seinen eigenen Gedanken nach. Er hatte mittlerweile den Bogen, den die Straße nach Süden beschrieb, erreicht. Die Dämmerung brach herein und er schlug am Straßenrand sein Lager auf. Am Feuer sitzend, kam ihm wieder in den Sinn, dass etwas fehlte und zwar sehr. Mit ein und dem selben Gedanken schlug er sich nun schon seit den letzten drei Abenden herum. Er wusste nicht was fehlte, aber es fehlte etwas. Irgendetwas hatte er vergessen... oder wurde er langsam aber sicher wirklich schon verrückt... der Druck, der auf ihm seit dem Verrat der Meister ruhte, lastete schwer auf seinen Schultern, es war also kein zu absurder Gedanke, dass er mehr und mehr am Rad drehte. Sobald das hier vorbei ist, werde ich mich für eine ganze Weile bei Bruder Marbell einquartieren und ENDLICH das Buch studieren...

  10. #10

    Großer Forst

    Je länger die Elfin am Rand des undurchdringlichen Unterholzes entlanglief, umso mehr fühlte sie sich wie ein gefangenes Tier. Es bestand längst kein Zweifel mehr, dem Kaiserlichen war es gelungen, sie loszuwerden. Ich weiß deine Sorge ja zu schätzen, Beschwörer, aber das ist langsam mehr als albern. Ich bin doch kein kleines Kind, das du aus allem raushalten und beschützen müßtest... Und was zum Donner gibt dir eigentlich das Recht dazu, mich hier einfach kaltzustellen? Noch einmal blickte sie sich suchend um, aber noch immer war außer den Zweiglingen, die sie wachsam beobachteten, keine Seele zu sehen. „Harchaxas? Was soll dieses Spielchen? Zeigt Euch, verdammt noch mal!“

    Einen Augenblick, nachdem ihr Ruf verklungen war, raschelte es im Blätterdach hoch über ihr. Ein einzelnes, grünes Blatt, gefolgt von zwei bereits vergilbten, abgestorbenen, selgelten hinter ihr zu Boden. Ein weiteres Rascheln von oben und plötzlich kam etwas Riesiges aus den Kronen heruntergeflogen. Ein dumpfer Aufprall, der den Boden kurz erzittern ließ... 'Ihr hättet natürlich auch warten können, bis ich euer Erwachen mit Worten meinerseits versehen hätte um euch einen möglichst schönen Morgen gewünscht zu haben...' Nachdenklich blickte Harchaxas zu Boden und hob das grüne Blatt auf. 'Hmm... ganz nebenbei, was fällt euch ein, Lady Erynn, mich in die Hektik der Welt draussen hinein zu ziehen?! Wagt es nicht noch einmal, mich herbeizurufen, wie einen Hund!'

    Erynn legte den Kopf in den Nacken, um dem Argonier in die Augen sehen zu können. Der Druide war einschüchternd, ohne Zweifel, und sie mußte jede Menge Zorn und Mut zusammenkratzen, um dennoch mit fester Stimme antworten zu können: "Solange Ihr mich hier eingesperrt haltet wie ein wildes Tier, sehe ich keinen Grund für Geduld. Was habt Ihr und Arranges ausgekungelt? Warum glaubt ihr beide, ihr könntet mich einfach hier festhalten?"

    Der Argonier seufzte. 'Ich glaube nicht, euch hier festhalten zu können, ich weiss, dass ich es kann... Arranges hat mich nur gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass euch nichts geschieht... Um so mehr, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass irgendetwas gezielt nach ihm sucht... Ich kann ihn verstehen, wenn er mich bittet, euch zu schützen... Allein die Tatsache, dass er gerade mich dafür aufsucht, zeigt, wie wichtig das für ihn ist und wie sehr ihr ihm am Herzen liegt, auch wenn euch das bis hierhin noch nicht aufgefallen sein dürfte... Und seid unbesorgt, ihr werdet euch nicht länger eingesperrt fühlen müssen, ich werde weiter in Südwestliche Richtung wandern und ihr kommt mit!'

    "Von allen sturköpfigen, arroganten... dieser verdammte Idiot!" Erynn schnaubte. "Ich weiß, daß irgendwelche Leute hinter uns her sind! Und sie werden damit nicht einfach durchkommen! Was glaubt Arranges eigentlich, wer er ist? Ich brauche keinen Schutz und ich habe nicht darum gebeten!" Sie atmete tief durch. "Harchaxas, Ihr sagt, Ihr seid ein Freund des Magiers. Wieso laßt Ihr ihn dann allein durch die Gegend rennen, obwohl Ihr genau wißt, daß die Verräter ihm im Nacken sitzen? Ich begreife das einfach nicht... Wißt Ihr wenigstens, wer genau uns verfolgt hat? Wieviele sind es? Wie sind sie ausgerüstet? Davon abgesehen: Ich habe nicht das geringste Bedürfnis mit Euch zu kommen und Ihr werdet mich nicht dazu zwingen!"

    'Genug! ... Ich will nicht wissen, warum Arranges verfolgt wird, es ist mir auch ersteinmal egal... warum mich das nun trotzdem etwas angeht beruht darauf, dass sich seit ihr durch Bleichersweg gekommen seid, zweimal irgend eine aggressive Widernatürlichkeit versuchte, sich Zugang in meinen Wald zu verschaffen um euch vor dem Erreichen der orangenen Straße abzufangen... Die Kreatur oder was auch immer das war, schreckte vor nichts zurück, um irgendwie in den Wald vordringen zu können, nur mit Mühe konnte ich mein Reich vor dieser Verschmutzung schützen... wäre ich selbst da gewesen, hätte ich das Ding dorthin zurückgeschickt wo es herkam... Seid Arranges nun den Großen Forst verlassen hat, ist auch sein Verfolger wieder verschwunden... Die Gedanken dieses Menschen gehen mich nichts an und ich frage auch nicht weiter danach...' Harchaxas fixierte Erynn mit seinen Augen. 'Ich zwinge euch nicht mitzukommen, ihr werdet das freiwillig tun...'

    Die Dunmer ließ sich auf den Waldboden sinken. Ihr Geschrei würde zu nichts führen; es interessierte den Druiden nicht einmal. "Wie könnte ich mit Euch kommen nach dem, was Ihr mir gerade erzählt habt?" fragte sie hilflos. "Arranges mag mächtig sein, aber er ist auch draufgängerisch und unvorsichtig. Wir haben oft Seite an Seite gekämpft... Meistens endete es damit, daß er es war, der mehr tot als lebendig im Dreck lag, nicht ich. Er macht sich etwas vor wenn er glaubt, mich beschützen zu müssen oder es mit allen Gefahren allein aufnehmen zu können. In dieser Art von Selbstbetrug hat er es übrigens zur Meisterschaft gebracht." Sie schüttelte den Kopf. "Ich werde mir diesen Irrsinn nicht tatenlos mit ansehen, Harchaxas... selbst wenn es nicht der Beschwörer selbst wäre, um den ich fürchtete, so hängt zu viel von der Suche nach diesen Toren ab, als daß ich noch ohne Ekel in den Spiegel schauen könnte, wenn ich Euch jetzt nachgebe."

    'Ihr unterschätzt den Magier... Arranges ist wahrlich nicht oft in Begleitung unterwegs, er agiert auch nur dann unklug, wenn er jemanden um sich hat... das war schon immer so. Ist er allein, bewegt er mit seiner unbändigen Zähigkeit schonmal Berge... für euer seelisches Befinden kann ich leider nichts tun, ich soll eure körperliche Unversehrtheit wahren, mehr nicht...'

    Erynn spürte, wie ihre Halsschlagader pochte. Schiere Wut über die Bevormundung verdrängte jede Vorsicht vor dem alten Argonier. "Was fällt euch beiden überhaupt ein?! Was ich will, zählt wohl gar nicht, oder was? Wie könnt ihr es wagen über mich zu entscheiden als sei ich ein Gegenstand ohne freien Willen? Meine 'körperliche Unversehrtheit' interessiert mich gerade nicht besonders... Jene, die uns verfolgen glaubten ebenfalls, über mich verfügen zu können und dafür werde ich sie zur Strecke bringen! Und weder Ihr, noch Arranges, noch dieses elende Dornengestrüpp werden mich davon abhalten! Also: Entweder, Ihr gebt mir den Weg durch das Unterholz frei -ich bin mir sicher, daß Ihr dazu in der Lage seid, Druide- oder ich hacke mir den Weg hindurch!"

    Harchaxas zeigte kaum eine Regung. 'Ihr seid recht dumm Erynn, auch wenn es mir widerstrebt, diesen Eindruck von euch zu haben, ihr wisst nichteinmal, in welche Richtung Arranges gegangen ist... Um ehrlich zu sein, kann ich die Sorgen des Magiers langsam ein wenig verstehen... ich werde versuchen, meine Gesellschaft für euch so angenehm wie möglich zu gestalten...' Der Druide schien gar nicht zu verstehen wollen, was Erynn so in Rage versetzte. 'Der Wald, gehorcht nicht mir, er folgt seinem eigenen, unergründbaren Wesen... Mir gehorchen nur die Zweiglinge, die Hüter des Waldes...' Und als ob er diese Aussage beweisen wollte, trat eine der Dryaden von hinten an die Dunmer. 'Wie gesagt, ich werde euch nicht zwingen, bei mir zu bleiben...' Der Zweigling legte sanft eine Hand auf die Schulter der Dunmer, während die andere vom Nacken aus nach vorn am Hals entlangstrich, sich seitlich um das Kinn der Kriegerin legte und sie zwang, zur Seite zu blicken, in die Augen des Zweiglings... Die Zeit schien still zu stehen, während sich ihre Lippen für einen Augenblick, der doch so lang wie die Unendlichkeit wirkte, aufeinanderlegten...

    Du willst es einfach nicht begreifen! Laß mich einfach meiner Wege ziehen und wir beide sind glücklich... was zum...? Nicht schon wieder! Harchaxas, pfeif dieses Biest zurü..."
    Was dann geschah überrumpelte die Elfin völlig, so daß ihr nicht einmal einfiel, sich wehren zu wollen. Wie paralysiert sackte sie in den Armen der Dryade zusammen und genoß die stille, sanfte Liebkosung, ohne einen Gedanken an die Seltsamkeit der ganzen Szene zu verschwenden, schloß die Lider und ließ den Kuß einfach geschehen. Sie fühlte, wie ein tiefer Frieden sie erfaßte und die Wut, die Sorgen und die Welt außerhalb der Lichtung hinfortspülte wie kühles, kristallklares Wasser. Unwillkürlich strich Erynn mit den Fingerspitzen über die borkige Haut am Arm des Wesens, komplett vereinnahmt von seinem Geruch, seinen Bewegungen und jeder seiner Berührungen. Wie viel Zeit verstrich, während sie so dasaß, fest an den schlanken, fremdartigen Körper der Baumfrau geschmiegt, vermochte sie danach niemals zu sagen. Es schien wie eine Ewigkeit.
    Ein leiser, unwilliger Laut entrang sich ihrer Kehle, als der Zweigling sie schließlich vorsichtig auf dem Boden ablegte. Geh nicht weg... noch nicht jetzt... Sie schlug die Augen auf, stemmte sich auf die Ellbogen hoch und schaute reichlich verwirrt direkt in das Gesicht des Druiden. Hinter sich hörte sie ds leise, glockenhelle Kichern der Dryade. "Was... ist passiert?" fragte sie benommen. "Ich wollte irgendwas sagen, aber... es ist mir entfallen, wie es scheint..."

    'Nun... wenn ihr nicht mehr wisst, was ihr sagen wolltet, wird es auch nicht weiter wichtig gewesen sein denke ich...' Der Druide machte eine auffordernde Bewegung mit einer der gewaltigen Hände. 'Wenn... ihr euch dann erheben würdet, Lady Erynn? Wir weilen schon zu lange am selben Ort... und...' Ein leises, vertrautes Zwitschern erklang aus dem Dickicht um die Lichtung. Der Zaunkönig kam aus dem Gebüsch geflogen und ließ sich wie auch schon am Abend zuvor, auf eines der Hörner des Druiden gleiten. Für Harchaxas schien das wohl keine weitere Bedeutung zu haben, außer eben jene, dass der Vogel von wo auch immer zurückgekehrt war. Der Argonier winkte Erynn und machte Anstalten, sich zum Gehen zu wenden...

    "Ja... ja, so wird es wohl sein. Geschmeidig stand sie auf und folgte Harchaxas, während sie sich über das Bild des kleinen Vogels freute, der sich sich auf dessen horngekröntem Kopf sehr wohl zu fühlen schien. Woran habe ich bloß eben noch gedacht? Nun, vielleicht war es wirklich nichts besonderes... was solls.

  11. #11

    Herzland; Grafschaft Cheydinhal

    Arranges setzte seinen Weg am nächsten Tag fort. Er folgte der Straße weiter nach Süden, bis er an die Kreuzung kam, wo die Straße in östlicher Richtung nach Cheydinhal führte. Er bog auf diese Straße ein und wanderte weiter, bis endlich Nagastani in Sichtweite kam. Arranges beabsichtigte auf Höhe der Ruine die Straße zu verlassen und dann in die nördlichen Ausläufer des Dunkelwaldes zur Nibenay zu gelangen.

    Die Sonne war bereits hinter dem Rand der Welt versunken, als er den Waldrand endlich erreicht hatte und ein Feuer aufschichtete. Das Gefühl, das ihn schon seit er den Druiden verlassen hatte, zermürbte, war im Laufe der Tage immer stärker geworden. Er konnte es auch nicht mehr ausblenden. Als er am Feuer saß und den Proviant wieder einpackte, nachdem er festgestellt hatte, dass er gar keinen Hunger verspürte, beschloss er doch auf diese grausig ablenkende Wahrnehmung einzugehen... er hatte kaum damit angefangen zu überlegen, schon traf ihn die Erkenntnis hart wie ein Faustschlag ins Gesicht. Erynn...! Verwundert und gleichermaßen erschrocken über sich selbst, konnte er sich weiteren Eindrücken seines Unterbewusstseins nicht mehr erwehren und so haderte er mit sich selbst, bis er Argumente gefunden hatte, mit denen er seine Entscheidung zum Wohle ihres Schutzes, vor sich selbst zu rechtfertigen vermochte...

    Während er jedoch stumm mit sich selbst stritt, bemerkte er nicht, wie hinter ihm im Wald ein paar Zweige knackten. Erst, als ein leiser, glucksender Laut gefährlich nahe zu hören war, schrak Arranges auf. Doch es war zu spät. Der Zauber war bereits auf dem Weg und traf Arranges, ehe er ausweichen konnte. Seine Magie entzog sich seinem Zugriff, ohne, dass er etwas dagegen hätte tun können. Verdammt... Wegelagerer... Der Magier riss sein Schwert aus der Scheide und machte ein paar Schritte rückwärts, weg vom Wald. Zwei Goblins tauchten aus dem Dunkeln auf, mehr oder weniger gut gerüstet, viel gefährlicher war jedoch der Schamane, der wohl auch den Zauber gewirkt hatte und hinter den beiden Kriegern aus dem Dickicht trat... Das... könnte hässlich werden... Sofort waren alle Gedanken an Erynn oder den Druiden verflogen, er konzentrierte sich nur noch auf die beiden heranstürmenden Goblins....
    Geändert von weuze (10.04.2011 um 17:41 Uhr)

  12. #12
    Erynn ging hinter dem Druiden her durch den Wald. Sie kam nicht umhin, Harchaxas’ Bewegungen zu bewundern. War sie doch recht zufrieden über die Sicherheit, mit der sie selbst sich in schwierigem Gelände bewegen konnte, so mußte sie jetzt feststellen, daß sie im Gegensatz zu dem Argonier bestenfalls ein Amateur war. Trotz seiner massigen Gestalt und der Krallen an seinen Füßen verursachte er beim Laufen kein Geräusch und hinterließ keine sichtbaren Spuren. Es war, als berührte er den Boden gar nicht. Während die Elfin ihm gedankenverloren folgte, fragte sie sich plötzlich, wohin sie eigentlich gingen. Wie kam es, daß sie allein mit diesem Druiden unterwegs war und noch dazu, warum erschien es ihr nicht seltsam? Irgendetwas fehlte. Etwas, das sie vergessen hatte. Ihr Blick blieb an dem Zaunkönig hängen. Sie war diesem Vögelchen gefolgt, bis zu der lichten Stelle mitten im Wald, an der sie auf Harchaxas getroffen war. Nur... warum eigentlich? Sie zermarterte sich das Hirn darüber, warum sie dem Tier hätte hinterherlaufen sollen Zunächst dachte ich, daß vielleicht etwas nicht stimmt mit ihm. Dann habe ich mich darüber geärgert, daß Arranges es wegjagen wollte und... Moment mal. Stück für Stück fiel die Erinnerung wieder an ihren Platz. Von der ersten Begegnung mit dem Argonier über den seltsamen, unnatürlichen Schlaf bis hin zu dem Disput mit dem Druiden und dem Zweigling. Dieses elende Baumweib... Erynn dachte darüber nach und stellte fest, daß die Erinnerung daran keinesfalls unangenehm war. Ganz und gar nicht – wenngleich sie das nicht einmal in volltrunkenem Zustand und zugedröhnt mit Mondzucker zugeben würde.
    Also schön, Argonier. Die letzte Runde ging an dich. Dann auf ein Neues... Vier schnelle Sprünge brachten sie neben den Tiermenschen. „Harchaxas? Könnt Ihr mir nicht wenigstens sagen, wo sich dieses Tor befindet? Es ist nur... ich wüßte es einfach gern.“

    Harchaxas seufzte. 'Ich wüsste auch vieles einfach gern... frage aber trotzdem nicht ständig danach... was ich erfahren soll, das erfahre ich, was ich nicht erfahren soll, behält die Welt für sich...'

    Erynn hob die Hände in flehender Geste zum Himmel. "Oh bitte, hört auf damit! Ihr habt doch bekommen was Ihr wolltet. Ich laufe hinter Euch her, oder nicht? Warum könnt Ihr es mir nicht einfach sagen?" Laß endlich die schlauen Sprüchen und sag mir schlicht, was ich wissen will!

    'Wisst ihr Erynn, warum ich erst nach einer kurzen Diskussion mit Arranges zugesagt habe, euch zu schützen? ... Weil es genau das ist, was ihr gerade tut, was ich an euch Fremdlingen in meinem Wald hasse... ihr habt ständig das Bedürfnis, zu plappern, ihr macht schlicht Krach, den ich nicht dulde...' Aus dem Wald vor Erynn tauchte ein Zweigling auf und blieb genau auf der Linie stehen, die Erynn neben dem Argonier herging, sie schien fast auf die Dunmer zu warten.

    Sie blieb abrupt stehen, als die Dryade ihr den Weg vertrat. Nicht schon wieder... "Harchaxas, bitte. Euch dieser Zweiglinge zu bedienen, um mir Euren Willen aufzuzwingen, ist keine besonders anständige Haltung, meint Ihr nicht auch? Überhaupt eine sehr kreative Definition von 'freiwillig', die Ihr da habt... Sagt mir nur, wo dieses Tor ist, und Ihr werdet kein weiteres Wort von mir hören."

    Der Argonier fuhr zu Erynn herum. 'Ihr müsst sagen, wenn euch die Sache mit den Zweiglingen unangenehm ist... ich dachte nur, das wäre vielleicht die bessere Lösung... aber wenn ihr wollt, kann ich euch gerne fesseln und knebeln, mir über die Schulter werfen und euch mit mir herumtragen wie einen nassen Sack...' Er atmete hörbar aus. 'Was hättet ihr denn davon, wenn ich euch sage, wo das Tor ist?' Langsam glitt der Zweigling auf Erynn zu.

    "Ja, ich scheine diese Wirkung auf Leute zu haben...", gab Erynn lakonisch zurück. Leicht geduckt wich sie Schritt um Schritt vor dem Zweigling zurück. Ihre Rechte wanderte automatisch zum Griff ihres Schwertes, doch sie besann sich schnell eines besseren und ließ die Hand wieder sinken. "Was für Geschichten hat Aranges Euch eigentlich über mich erzählt? ...Ach, vergeßt es. Ich will es gar nicht wissen." Sie warf einen schnellen Blick über die Schulter, um nicht eventuell einer zweiten Dryade direkt in die Arme zu stolpern. "Warum ich diese Information haben will? Um dort irgendwann in Zukunft mal vorbeizuschauen und die verkohlten Reste des Beschwörers zusammenzufegen... bitte, Harchaxas. Es ist mir wirklich wichtig!"

    Die Dryade stoppte. 'Wenn es euch so wichtig ist, warum habt ihr ihn dann nicht davon überzeugen können, ihn begleiten zu dürfen?' Die Dryade nickte dem Argonier zu und verschwand wieder im Wald. 'Ich werde es euch sagen, aber nur unter zwei Bedingungen: Ihr werdet nicht versuchen zu flüchen, Arranges konnte sich noch immer auf mich verlassen und ich will, dass das weiterhin so bleibt, zweitens werdet ihr euren Mund halten und nicht mehr ständig den Wald mit eurem Geschnatter stören! ... Ich habe dem Magier gesagt, dass er in der Nibenay südlich von Hame am Fuß der Valusberge nach dem Tor suchen soll...'

    Erynn brachte eine knappe Verbeugung zustande und schwieg daraufhin, wie sie versprochen hatte. Sie ließ sich wieder ein paar Schritte zurückfallen und beobachtete nachdenklich den breiten Rücken des Druiden. Hame also... ein ganzes Stück südöstlich von Cheydinhal, jenseits des Corbolo... Erynn wußte nur so ungefähr, wo die Ruine sich befand. Sie war auf einigen Karten eingezeichnet, die den weiteren Umkreis ihrer Heimatstadt zeigten. Dennoch, es war wohl die beste Beschreibung, die sie bekommen würde. Wenn ich dorthin wollte, vom Großen Forst aus... nein, Arranges wird nicht den Weg über Cheydinhal nehmen. Nicht nach dem, was das letzte mal dort geschehen ist. Er wird sich irgendwo von der blauen oder der Ringstraße aus in die Wildnis schlagen... Wie weit er wohl gekommen sein mag? Wie viel Zeit ist eigentlich vergangen, seit wir hier angekommen sind? Sie warf noch einen prüfenden Blick auf den Druiden, dann auf den umgebenden Wald. Die Zweiglinge waren nirgendwo zu sehen, aber die Elfin wußte, daß sie da waren. Sie würde schnell sein müssen. Wie waren die Worte nochmal? Ach ja, richtig... Noch ein paar Schritte ging sie ruhig weiter, ging ihr Vorhaben im Kopf wieder und wieder durch. Dann zog sie mit einer raschen Bewegung die Windwandlerrolle hervor. „Leid komme über dich“, murmelte sie.
    Plötzlich verschob sich ihre Welt, schien träger, langsamer zu werden, während sie sich als einzige noch normal bewegen konnte. Erynn warf sich herum und lief, stellte fest, daß sie mit jedem Schritt unglaublich viel Raum griff. Sie stürmte voran, nahezu unbehindert durch jegliches Hindernis, glitt um Bäume und Felsen herum wie fließendes Wasser, immer weiter nach Osten. Wie lange sie so rannte, wußte sie nicht. Aber die schiere Geschwindigkeit war berauschend.

    Irgendwann bemerkte sie, wie die Wirkung des Zaubers nachließ und kam schlitternd zum Halt. Sie befand sich nur vielleicht zehn Schritte von der Blauen Straße entfernt und war kein bißchen erschöpft. Sie nutzte das Adrenalin, das durch ihre Adern peitschte, und verfiel in einen schnellen Lauf, an dem Kleinen See südlich der Straße vorbei und weiter in östlicher Richtung in das Hinterland hinein, dem Waldrand entgegen. Ab hier gab es kaum noch einen anderen Weg, den er gewählt haben könnte. Außer der gelben Straße vielleicht, aber das wäre ein Umweg gewesen... nein, der Beschwörer mußte hier irgendwo sein. Sie hielt inne und sah sich um. Es war längst dunkel geworden, und so sanken ihre Chancen, irgendwelche Spuren zu finden, beträchtlich. Selbst wenn jene, die Arranges für gewöhnlich hinterließ, ungefähr so deutlich waren wie die einer ganzen Herde Minotauren. Was sie gegen den finsteren Waldrand jedoch recht deutlich sehen konnte, war der flackernde Schein eines Feuers in einigen hundert Schritt Entfernung. Geduckt huschte sie darauf zu. Sie wollte sich dem Kaiserlichen nicht sofort zu erkennen geben – wenn er es denn überhaupt war.
    Erynn wurde schneller, als sie Kampfeslärm und das charakteristische Schnattern von Goblins vernahm. Einige Augenblicke später sah sie es. Ihr Begleiter befand sich in üblem Gehacke mit zweien von den Biestern. Ein Schockzauber jagte nur knapp über seinen Kopf hinweg. Warum hat er keinen Diener an seine Seite gerufen? fragte sie sich noch, zögerte dann aber nicht länger. Sie nahm den Bogen von der Schulter, legte an und feuerte. Mit einem gurgelnden Schrei stürzte der Schamane. Erynn griff nach einem weitern Pfeil und wartete auf einen günstigen Moment. Sie bekam ihn, als einer der Gobbos sich mit einem flinken Sprung nach hinten aus der Reichweite der Silberklinge brachte. Das letzte der Viecher starb, als Arranges sein Schwert in dessen Brust versenkte.
    Die Elfin wartete noch einige Herzschläge ab, bevor sie langsam aus den Schatten in den Lichtkreis des Feuers trat. „Sieh an“, sagte sie ruhig. „ich merke, du brauchst meine Unterstützung wirklich nicht... zu blöd, jetzt habe ich mir vermutlich völlig umsonst den Zorn eines sehr mächtigen Mannes zugezogen. Schon wieder.“
    Geändert von Glannaragh (11.04.2011 um 02:12 Uhr)

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