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Legende
Großer Forst
Verdammt... und ich habe mich noch gewundert, wo die Schriftrolle plötzlich hinverschwunden ist... Arranges atmete genervt seufzend aus. 'Gib her...' Schnaufte er und nahm ihr das Pergament ab. Ihm selbst waren die Zeichen bekannt und so legte er kaum noch Wert darauf, Schriftrollen wirklich mit Verstand anzusehen. Nuschelnd las er kurz über die eine Zeile, die da stand. 'Sieh her...' Er rückte neben sie und hielt das Papier so, dass sie ebenfalls auf die Schrift sehen konnte. 'Im Grunde steht hier: Leid komme über dich oder Leid wird über dich kommen... Das klingt an und für sich seltsam, aber die Formeln sind uralt und keiner kennt mehr genau ihre ursprünglich zugedachte Bedeutung... warte einen Moment.' Arranges drückte Erynn das Papier wieder in die Hand und stand auf. Er ging zu seinen Satteltaschen und kramte eine Weile darin herum, bis er sein Studienbuch, das eher aussah, wie eine gebundene, unsortierte Sammlung vieler verschiedener Aufzeichungen. Er blätterte eine Weile darin herum und riss dann eine beinahe leere Seite heraus und nahm sich noch Tinte, wie Federkiel. Er setzte sich wieder neben Erynn und begann damit, das Alphabet der Daedra aufzuschreiben: Ayem, Bedt, Cess, Doth, Ekem, Hefhed, Geth, Hekem, Iya, Jeb, Khot, Lyr, Meht, Neht, Oht, Payem, Quam, Roht, Seht, Tayem, Yoodt, Vehk, Web, Xayah, Yahkem, Zyr. 'Hier, jetzt kannst du es selbst lernen...' Er Gab ihr das Pergament und verstaute dann sein Studienbuch und das Schreibzeug wieder in den Satteltaschen.
Meine Güte, der hat ja wieder gute Laune heute... Erynn nahm das Papier entgegen und ließ die geschwungenen, mit sicherer Hand gezeichneten Symbole eine Zeitlang auf sich wirken. Die Namen der Buchstaben hatte sie gar nicht erst aufgenommen, dafür war die Abfolge zu schnell gewesen. Nach einer Weile begann sie, die unvertrauten Linien mit dem Finger nachzuziehen. Es gelang ihr, sich die ersten fünf Zeichen einzuprägen, danach kam sie durcheinander. Das war also der mühselige Teil, und dabei waren es gerade mal gut zwei dutzend. Als sie das Papier entnervt zusammenfaltete, war es gerade mal dunkel geworden. Sie zögerte. Jede weitere Frage würde ihr nur eine entnervte Antwort einbringen, dafür kannte sie ihren Begleiter längst gut genug. Andererseits ging ihr Arranges' unterschwellig aggressive Haltung auf die Nerven. "Was ist los mit dir?" fragte sie ruhig. "Irgendwas paßt dir doch nicht."
'Ja verdammt, mir passt sehr viel nicht...' Das Erste, was er jetzt eigentlich hätte aufzählen wollen, schluckte er aber wieder hinunter. Nachdem Erynn ihm wieder die Windwandlerrolle gezeigt hatte, war ihm wieder aufgefallen, warum er sie vor einigen Wochen nach Skingrad zurückschicken wollte... jetzt nach der Entführung hegte er diesen Wunsch mehr denn je. Vielleicht kann ich sie in die Obhut von Bruder Marbell geben oder noch besser, ich frage Harchaxas... Der Magier war sich selbst immer mehr darüber im Klaren, dass er die Person, die ihm seit seine Eltern nicht mehr waren, näher stand, alles alle anderen, nicht ausreichend schützen konnte... Er beschloss unterbewusst, dass er seinen Zorn über die Bemerkungen der Wirtin, vorschob. 'Ich bin der Wirtin aus Bleichersweg wirklich dankbar, dass sie wenigstens den Ansatz einer brauchbaren Auskunft hatte, aber für ihre Urteilung über den alten Harchaxas hätte sie schlichtweg vom Antlitz Nirns entfernt werden müssen...' Im Schein des Feuers war deutlich zu sehen, wie eine Ader an der Schläfe des Kampfmagiers immer dicker wurde...
Erynn wußte genau, daß sie jetzt eigentlich aufhören sollte. Doch da war noch etwas, irgendetwas, das der Beschwörer zurückhielt - und sie war nicht mehr bereit, sich mit Informationsfetzen zufriedenzugeben, nachdem sich die Bedrohung durch die Abtrünnigen noch einmal verschärft hatte. "Du regst dich garantiert nicht so über irgendwelche hohlköpfigen Leute auf... wer ist dieses Weib schon? Laß die Ausflüchte und sag mir, was nicht stimmt."
Ruckartig hob der Kaiserliche seinen Kopf und schleuderte der Dunkelelfe einen vernichtenden Blick entgegen. 'Ich war ein Trottel, dich gestern am Gehen gehindert zu haben...' Knurrte er. Tatsächlich fiel ihm jetzt erst auf, wie hin und her gerissen er war. Einerseits wollte er ohne Erynn nicht weitergehen, aber auf der anderen Seite musste er sie in Sicherheit wissen. Die Gedanken, sich weiterhin ihrer Unversehrtheit gewiss sein zu können, überwiegten schließlich doch... 'Zunächst einmal rege ich mich auf über wen oder was ich will... das solltest du wissen... und zweitens hast du wohl wieder einmal vergessen, wie dumm es ist, mich zu reizen, wenn ich mich bereits ärgere...'
Die Elfin senkte den Blick und schwieg eine Weile. Als sie wieder aufsah, sprach die schiere Verunsicherung aus ihrem Gesicht. "Du... du willst mich loswerden? Jetzt? Warum? Was habe ich dir getan?"
Blitze schossen aus den Augen des Magiers hervor, ihr entgegen, als sie ihre Frage beendet hatte. Wütend sprang Arranges auf. 'Was du mir getan hast?! Wie bescheuert kann man sein?! ... Du drängst dich in mein Leben, willst etwas von mir, zwingst mich dazu, dass ich mir tatsächlich ernsthafte Gedanken um jemand anderes, als um mich selbst und mein Pferd mache... DU parkst deine knochige Erscheinung in meinem Kopf so unpraktikabel, dass ich sie nicht mehr ohne weiteres herausgeschoben bekomme ohne, dass sie sich weiter verkantet, je mehr ich mich dagegen stemme... du hast mir mehr Freiheit und Unabhängigkeit genommen, als es die Gathering jemals gekonnt hätte... du hängst an mir dran, wie ein Klette und ich bin mir mittlerweile sicher, dass ich dich nicht vor den Abtrünnigen schützen kann, egal, was ich auch anstellen würde... und noch viel weniger, wenn du direkt bei mir bist...!' Schwer atmend stand er mit gespreizten Beinen vor ihr, seine Halsschlagadern waren beinahe fingerdick hervorgetreten, gleichzeitig aber war sein Blick absolut undeutbar...
Wieder schlug die Dunmer die Augen nieder, machte sich so klein wie möglich und wagte kaum zu atmen. Und ich dachte, über das Stadium seien wir lange hinaus. Bereust du, was du mir erzählt hast? Traust du mir doch nicht? Irgendwann nahm sie all ihren Mut zusammen und sagte mit erstickter Stimme: "Ich habe nichts genommen, was du mir nicht freiwillig gegeben hättest. Habe ich nur einmal versucht, dich von deinem Weg abzubringen?" Sie schluckte einmal und sprach dann etwas sicherer: "Dialga ist ohnehin hinter mir her, auch wenn ich nicht weiß, warum genau. Für mich gibt es keinen sicheren Ort, bis dieses Schwein nicht vernichtet ist. Nirgendwo."
Es gibt einige sichere Orte in Cyrodiil... nur bin ich keiner davon... Er ließ die Schultern hängen. Er konnte kaum etwas gegen ihre Worte sagen, schließlich hatte sie irgendwo Recht. Und dennoch... 'Lächerlich... was sollte Dialga mit dir vorhaben? Zwei Dinge, die ich ihm in dieser Hinsicht zutrauen würde, für die aber irgendeine Frau von der Straße mehr taugen würde als du... Hör zu, Dialga ist zwar ein perverser Bastard, aber weder für irgendwelche abstrakten Zuchtprogramme, noch für seinen Harem hättest du eine sinnvolle Verwendung... nichteinmal seine Handlanger würden Hand an ein Blutauge wie dich legen... und wegen deines Prügelknabendaseins könnten sie dir auch nichteinmal ab dem Hals aufwärts etwas brauchbares abgewinnen...' Es tut mir leid Erynn, aber so lange wir verfolgt werden, kannst du nicht bei mir bleiben... und wenn nicht einfach, muss ich dich eben davon überzeugen, dass du nicht mehr bei mir bleiben willst...
"Wenn du das sagst..." Erynn sprach danach nicht mehr. Sie verstand nicht, was den Kaiserlichen so plötzlich zu diesem Verhalten trieb, aber ihr war klar, daß sie nicht zu ihm würde durchdringen können. Wie kannst du nur so grausam sein? Einmal willst du, daß ich an nichts und niemand anderen denke als an dich, dann wieder beleidigst du mich und willst du mich fortjagen. Was soll ich davon halten, Arranges? Ich bin doch nicht dein Eigentum, so kannst du nicht mit mir umspringen! Verwirrt und verletzt blieb sie sitzen, wo sie war. Vielleicht würden die Dinge klarer, wenn der Beschwörer sich wieder abgeregt hätte. Solange wußte sie sich nicht ander zu helfen als den Kopf einzuziehen und zu hoffen, daß seine Launen vorbeigingen.
Sie war endlich still. Gut, das wird sie eher davon abhalten, sich Harchaxas entreissen zu wollen... ja, der Druide wird wohl den besten Schutz für sie gewährleisten können... dazu ist er sehr viel umgänglicher, als Bruder Marbell und hat eine ruhige, angenehme Art an sich... sie wird die Zeit bei ihm überleben... Ich sage ihm einfach, er soll sie irgendwo am südwestlichen Rand des Großen Forstes absetzen, von da aus kann sie schnell nach Skingrad kommen oder sowas... Arranges wartete, bis Erynn wohl im Sitzen eingedöst war. Vorsichtig legte er ihr eine der Wolldecken um den Leib und wachte bis zum Morgengrauen. Es wird wohl besser sein, wenn wir die Pferde in Bruma abgeben... Dachte er und warf einen Blick auf seinen Fuchs.
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Fossil
Auch am nächsten Morgen sagte Erynn kein Wort, sattelte nur stumm ihr Pferd und wartete darauf, was als nächstes geschehen würde. Ja, vielleicht sollte ich wirklich einfach verschwinden. Warum tue ich mir diesen ganzen Mist überhaupt an? Ich sollte mich endlich um die Belange meiner eigenen Gilde kümmern – als gäbe es da nicht genug zu tun. Ja, genau das sollte sie machen, während sie darauf wartete, daß irgendein Botschafter der Gathering erschien, um ihr entweder mit Nachdruck einen Vertrag unter die Nase zu halten oder aber ihr gleich den Kopf abzuschlagen – je nachdem, wie großmütig sich der Rat gerade fühlte. Darüber hinaus glaubte sie keinen Herzschlag lang daran, daß die Abtrünnigen sie in Frieden lassen würden, sobald sie nicht mehr mit dem Kaiserlichen unterwegs war. Wenn sie wirklich keinen Nutzen für sie hätte, gab es keinen Grund, warum man sie bei Fanacasecul nicht einfach hätte töten sollen und Arranges gleich dazu, wenn er schonmal völlig außer Gefecht gesetzt so praktisch mitten auf dem Weg gelegen hatte.
Nein, das ergab alles keinen Sinn. Darüber hinaus ärgerte sie sich maßlos, daß der Beschwörer sich in den Kopf gesetzt hatte, sie von der Jagd nach den Verrätern auszuschließen, ihr jede Möglichkeit zu nehmen, selbst zur Lösung dieses Problems beizutragen. Als sei sie ein kleines, dummes Kind! Du spinnst dir doch schon wieder etwas zurecht. Du erträgst es nicht, daß du deine Maske hast fallen lassen, und jetzt suchst du einen Vorwand mich loszuwerden, um nicht ständig an diese ‚Schwäche’ erinnert zu werden. Jammerschade, daß du nicht den Arsch in der Hose hast, mir das ins Gesicht zu sagen... Aber woher solltest du das auch können? Mit Toten diskutiert es sich recht einfach, schätze ich.
Erynn hatte die Schnauze endgültig voll. Sie war dicht davor, ihr Pferd herumzureißen und zurück nach Skingrad zu jagen, einzig die vage Hoffnung, noch ein paar Informationen mehr über die Verräter zu erhalten, hielt sie noch davon ab. Still vor sich hinbrütend achtete sie kaum auf den Weg, der sie nach Bruma führte. Nicht einmal die zunehmende Kälte nahm sie wahr, je weiter sie nach Norden kamen. Zu heiß pochte der Zorn durch ihre Schläfen.
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Legende
Bruma
Arranges drängte zur Eile, daher ritten sie durch, bis sie Bruma erreicht hatten. Im Morgengrauen tauchte die Stadt vor ihnen aus dem nebligen Dunst auf, der seit der halben Nacht überall im Vorgebirge stand. Alles ringsherum war weiß, lediglich Felsen und Bäume nahe der Straße konnte man erkennen. Die Kälte jedoch stach nicht so schmerzend ins Gesicht, wie Arranges es hier oben schon so manches Mal erlebt hatte.
'Ich werde mein Pferd hier abgeben... du kannst meinetwegen gerne weiterhin reiten... Ich weiss nicht, ob du schonmal in den Jerallbergen warst, aber sie stehen an Grausamkeit dem Velothimassiv, über das wir geritten sind, in nichts nach... Die Echohöhle liegt ein ganzes Stück im Westen, zwischen zwei Bergflanken, der Weg ist alles andere als einfach, ich rate dir, ebenfalls zu Fuß zu gehen...'
Die Tore der Stadt wurden gerade geöffnet, während die Wachablösung stattfand. Arranges stieg bei den Stallungen ab und klopfte einen Stallburschen, einen milchgesichtigen Jüngling mit roten Haaren und Hasenzähnen heraus. Der Nekromant gab dem Burschen ein paar Septime, woraufhin dieser sich beeilte, den Fuchs ordentlich zu versorgen. Nachdem er sich das Wichtigste an seinen Gürtel gehängt hatte, wartete Arranges darauf, dass Erynn auch so weit war. 'Willst noch ein paar Stunden schlafen oder sollen wir direkt loslaufen?' Er klang etwas monoton, aber im Vergleich zu dem recht einseitigen, groben Wortgefecht im großen Forst, war es fast schon wieder freundlich.
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Fossil
Bruma => Echohöhle
„Ich glaube, du unterschätzt meine Ausdauer“, gab Erynn unfreundlich zurück, lud ihr Pferd ebenfalls ab und hängte die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände an ihren Gürtel. „Also los, geh vor. Ich kenne den Weg nicht.“
Sie folgte dem Kaiserlichen, nachdem er sich endlich in Bewegung gesetzt hatte. Der Weg war tatsächlich nicht einfach, führte sie in einem weiten Bogen um Bruma herum, dann eine ganze Weile gerade nach Westen. In dieser Höhe wuchs kaum noch etwas außer krüppeligen Nadelbäumen, die störrisch den lebensfeindlichen Temperaturen trotzten und sich mit ihren Wurzeln an jedes noch so kleine Fleckchen Erde klammerten, das sie zwischen dem allgegenwärtigen Geröll erreichen konnten. Hin und wieder waren auch ein paar Büschel kleinerer, holziger Pflanzen und kleine Gruppen von Pilzen zu sehen, die sich wie schutzsuchend hinter einen Felsen kauerten. Bald schon war Bruma außer Sicht verschwunden, und nachdem sie einen kleinen, abgelegenen Hof passiert hatten, blieb die Zivilisation endgültig hinter ihnen zurück.
Erynn konnte nicht umhin, die bizarre, unwirkliche Schönheit des Hochlandes zu bewundern. Als sie vor... Wie lange ist das her? ...die Valusberge überquert hatten, hatte sie keinen Blick für diese Dinge gehabt, so entsetzlich hatte sie gefroren.
Als die Sonne schon im Sinken begriffen war, kreuzte ein kleines Wolfsrudel vielleicht hundert Schritte vor ihnen den Weg. Die Elfin blieb sofort reglos stehen und beobachtete die Tiere aufmerksam. Die Wölfe hielten ebenfalls inne, sträubten das Fell und fletschten die Zähne. Mit einigem Geknurre wichen sie schließlich zurück und verschwanden zwischen mehreren großen Findlingen. Als die Reisenden für die Nacht das Lager aufschlugen und ein Feuer entzündeten, konnten sie noch für lange Zeit ihr Geheul hören.
Die Dunmer versuchte noch immer nicht, ein Gespräch in Gang zu bringen. Sie fühlte sich unangenehm an die erste Zeit erinnert, in der sie mit dem Beschwörer unterwegs war, wo seine Verschlossenheit und Unnahbarkeit sie mehr als nur ein wenig eingeschüchtert hatten. Es schien, als fiele er jetzt genau in dieses Verhalten zurück, und es verunsicherte sie noch immer genauso. Allein, diesesmal war sie entschlossen, ihre Verunsicherung hinter finsteren Blicken versteckt zu halten.
Der nächste Morgen war klar, windstill und so kalt, daß die Luft selbst zu gefrieren schien. Sie waren noch nicht lange gegangen, bis sie auf einen anderen, weit schmaleren Pfad abbogen, der direkt nach Norden führte. Er endete schließlich an einem Höhleneingang, der von einem stabilen, hölzernen Tor verschlossen wurde. Erynn schauderte plötzlich. Die Höhle war mit Sicherheit bewohnt, aber nichts hier wirkte so, wie sie es von der Behausung eines Druiden erwarten würde. Einige der niedrigen Pflanzen in der Umgebung waren plattgetreten, links neben dem Eingang lag ein kleiner Berg aus Müll, den jemand nachlässig angezündet hatte und der infolgedessen nur halb verkokelt war. Hinzu kam ein schlecht hinter einem Stein versteckter, sauber aufgeschichteter Haufen aus geborstenen Knochen, die nicht alle aussahen, als würden sie von Tieren stammen. „Fragend schaute die Dunmer den Beschwörer an. „Bist du sicher, daß wir den Druiden hier finden werden?“
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Legende
Arranges sah die Dunmer an. 'Ich muss zugeben, dass ich mich auch ein wenig wundere, warum der alte Harchaxas sich hier herumtreiben soll...' Vielsagend blickte sich der Kaiserliche um. Hier wuchs kaum etwas. Nein, das war nicht die Welt des Argoniers, er hielt sich seit... ja seit wie vielen Jahren eigentlich? Es mussten unzählbar viele sein, die er schon im Großen Forst lebte... Fast ein wenig niedergeschlagen ließ der Nekromant die Schultern hängen. 'Es war wohl eine dämliche Idee, der Weisung der Wirtin zu folgen... los, gehen wir, bevor der Bewohner der Stollen noch auf die Idee kommt, im falschen Moment ein wenig frische Luft zu schnappen...' Die Enttäuschung war deutlich in seiner Stimme zu hören, aber statt auf eine Antwort zu warten, trottete Arranges einfach los, den Weg wieder zurück, den sie gekommen waren...
Nach einer Weile hatten sie die Kreuzung, von der aus ein Pfad zurück nach Bruma führte, wieder erreicht. Ein lauter Schrei, hoch über ihnen, weckte die Aufmerksamkeit der beiden Wanderer, aber nur für einen Moment, nachdem sie aufgeblickt hatten und feststellten, dass es nur ein Falke war, der weit oben seine Kreise zog und immer wieder einen langen Ruf ausstieß, der so unverkennbar für diese Vögel war.
Es wurde Nachmittag, sie waren immernoch auf dem steinigen Pfad unterwegs. Arranges, der normalerweise jedem noch so geringen Gewächs und jeder noch so lebensfeindlichen und abweisenden Landschaft irgendeine Faszination abringen konnte, hatte kein Auge mehr für seine Umgebung. In ihm brodelte Wut und Niedergeschlagenheit gleichermaßen. Der Druide und Bruder Marbell waren jetzt noch die einzigen bei denen er sich ganz sicher sein konnte, dass sie nicht unter dem verderbenden Einfluss der Abtrünnigen standen und keinen davon konnte er gerade wirklich schnell erreichen. Bruder Marbell, weil keiner außer mir weiss, wo er zu finden ist, aber selbst ich muss eher noch einen Tag Suche einplanen... Und der Druide, weil er schlicht ständig unterwegs ist... Der Magier hing weiterhin seinen Gedanken nach, während er durch das für ihn nur noch monotone Grau stapfte und sich nicht wirklich um Erynn kümmerte. Plötzlich jedoch durchbrach ein leises, aber eindringliches Piepsen die Stille. Ein Geräusch, das an abgehacktes Vogelgezwitscher erinnerte. Ein Rauschen, schnelles, quirliges Flügelschlagen. Ein graugelbes Etwas schoss zwischen den beiden hindurch und kam heftig und schnell mit den beiden kleinen Flügelchen wedelnd und schlagend, zum Stehen, ließ sich auf den Boden zu ihren Füßen gleiten und schaute zu Erynn und Arranges auf.
Die nachtschwarzen, kleinen Augen des Zaunkönigs wirkten seltsam intelligent. Nur einen Moment später, nachdem sich weder Arranges, noch Erynn vor Verblüffung nicht wirklich rühren konnten, begann das kleine Tierchen aufgeregt hin und her zu hüpfen und quengelnd zu piepsen und zu zwitschern. Was zum Teufel... Arranges sah sich einen Moment suchend um, schüttelte dann aber den Kopf und trat über das Vögelchen hinweg und machte sich daran, ihren Weg fortzusetzen. Der Zaunkönig verstummte, drehte ruckartig den Kopf und blickte Arranges hinterher. Dann schaute er wieder zu Erynn auf. Ein weiteres, kurzes Gezwitscher folgte, dann hüpfte das Tierchen an ihr vorbei, so dass sie sich unweigerlich umdrehen musste um ihn weiterhin sehen zu können. Der Vogel drehte den Kopf zu ihr herum. Ein kurzes Fiepen, dann flog er davon, zog eine weite Schleife nach Süden und kam wieder zurück zu der Elfe. Wie selbstverständlich landete der Vogel auf ihrer Schulter, drehte aber den Kopf und blicke in die andere Richtung, nach Nordosten, zu Arranges. Dieser hatte sich mittlerweile umgedreht und rief Erynn entgegen: 'Schön, du hast einen neuen Freund gefunden... bist du festgefroren oder willst du die schöne Aussicht genießen?'
Ein kurzes, leises Piepen erklang an ihrem Ohr von dem Vogel, der sie jetzt, da sie den Kopf drehte, mit den kleinen Augen anschaute, als wolle er ihr irgendetwas sagen...
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Fossil
Erynn ignorierte das Gemaule ihres Begleiters. Das Vögelchen zirpte ihr mittlerweile mit beeindruckender Lautstärke ins Ohr und pickte nach einer weißen Haarsträhne. Sie hob die Hand und ließ das kleine Wesen daraufhüpfen. Es schüttelte sein Gefieder, als wäre es empört über die Untätigkeit der beiden Reisenden, flog eine weitere Schleife und kehrte dann zurück. „Arranges, so benimmt sich doch kein Vogel...?“ Sie betrachtete das Tier genauer. „Du bist doch nicht irgendwo gegengeflogen, daß du so seltsame Sachen machst?“ murmelte sie ihm zu. Schließlich zuckte die Elfin die Achseln. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, daß der Vogel ihr irgendetwas mitteilen wollte, aber so wie es aussah, hatten sie gerade ohnehin jede Menge Zeit und sie war neugierig, warum er sich wohl so völlig umgekehrt zu jedem natürlichen Instinkt verhielt. Außerdem war er gerade die eindeutig angenehmere Gesellschaft.
Vorsichtig folgte sie ihm in südliche Richtung, als er eine weitere Runde drehte. Ihre behutsamen Bewegungen waren gar nicht nötig, stellte sie fest. Das Vögelchen schien entschlossen, sich nicht beirren zu lassen. Sie war so fasziniert, daß sie Zeit und Umgebung völlig vergaß, während es von Ast zu Ast flatterte und zwischendurch immer wieder zu ihr zurückkehrte. Irgendwann blieb es in einem niedrigen Busch sitzen und stimmte ein länger andauerndes Gezwitscher an. Erynn hätte schwören können, daß es begeistert klang...
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Legende
Arranges fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. Nach einigen Augenblicken, in denen er hasserfüllt auf Erynns Rücken schaute, gab er nach. Er war an einem Tiefpunkt seiner Laune angekommen und alles, was dort zu finden war, war Resignation, er hatte noch zwei, genau zwei Personen, denen er vertrauen konnte und egal, was er tun würde, es würde in jedem Fall inakzeptabel viel Zeit verschlingen, eine von beiden aufzusuchen...
Als er bei Erynn angekommen war, verstummte der Vogel, sah den Kaiserlichen einen Moment lang verstört an und flüchtete sich dann zu Erynn, die ganz automatisch eine Hand ausstreckte und dem Tierchen einen sicheren Landeplatz bot. Stumm aber deutlich genervt verdrehte Arranges die Augen. 'Was hast du jetzt vor? ... Willst du den Rest deines Lebens damit verbringen, dir die Hand weiß sprenkeln zu lassen, wenn der Pipmatz mal vergisst unterwegs fallen zu lassen? ... Naja, würde jedenfalls zu deinen Haaren passen...' Arranges verzog keine Miene, als er sprach.
Der Zaunkönig schenkte dem Magier keine weitere Aufmerksamkeit mehr. Er schaute wieder Erynn in die Augen, zwitscherte kurz und flog dann weiter in südlicher Richtung davon. Auch Erynn beachtete den Nekromanten nicht weiter und folgte dem gelbbraunen, flatternden Punkt vor dem bewölkten Himmel. Der Beschwörer musste ihnen folgen, er konnte Erynn hier unmöglich allein durch die Gegend laufen lassen. Der Abend brach herein, weit unter sich konnten sie bereits wieder die Ausläufer des Großen Forstes erkennen. Der kleine Vogel flog nochmal ein Stück voraus und blieb dann bei einer knorrigen, aber dichten Gruppe brusthoher Büsche auf einem vrospringenden Ästchen sitzen. Nachdem Erynn angekommen war, stimmte der Vogel wieder ein leises Gezwitscher an. Ein friedlicher, angenehmer Vogelgesang... bis Arranges sie ebenfalls eingeholt hatte. Der Kaiserliche trat neben Erynn und der Zaunkönig änderte seinen Gesang: Die zuvor noch zierlichen, geschmeidigen und entspannten Laute wandelten sich schlagartig in dunkle und beeindruckend tiefe, abgehackte und beinahe bedrohliche Töne, die nichts mehr mit der flüssigen Melodie von vor einer Minute gemeinsam hatten... Der Vogel beendete seinen Gesang augenblickglich, nachdem die Augen des Kaiserlichen aufloderten. das Vögelchen duckte sich kurz unter dem Blick des Magiers und flatterte dann hektisch zu Erynn, setzte sich wieder auf ihre Schulter und schmiegte sich an ihren Hals.
'Dann... werden wir hier wohl unser Lager aufschlagen...' Knurrte Arranges.
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Fossil
Großer Forst
„Ja, mach das“, meinte Erynn zerstreut und streichelte vorsichtig die Flügeldecke des Zaunkönigs. Sie hörte dem Nekromanten nur halb zu und es ärgerte sie, wie er den kleinen Vogel ansah. Mittlerweile war sie sich sicher, daß mit dem Tier etwas nicht stimmte. Er hatte sie praktisch bis hierher geführt, über viele Meilen. „Bist du aus irgendeinem Käfig abgehauen?“ fragte sie. „Warum sonst wärst du so zutraulich?“ Andererseits... wäre er dann wirklich so weit geflogen, bis mitten ins Nirgendwo der Jerallberge?
Das Vögelchen flog ein Stück tiefer in das Gewirr aus Büschen herein und tschilpte auffordernd. Zumindest glaubte die Elfin, das es eine Aufforderung war. „Da rein? Dir ist schon klar, daß ich nicht von Zweig zu Zweig hüpfen kann, so wie du?“ Sie seufzte, warf einen Blick auf das schwindende Tageslicht und entschied dann, daß es völlig egal war, wo sie sich letztendlich zum Schlafen zusammenrollte. In dem dichten Gestrüpp war wenigstens die Möglichkeit geringer, daß irgendwelche seltsamen Leute sie finden würden. Daraufhin schob sie die Zweige auseinander und schob sich durch die entstandene Lücke. Es war mühsam, und sie kam nur langsam voran. Das Unterholz wurde zunehmend dichter, und sie blieb mehrmals hängen oder stolperte über halb verborgene, gewundene Wurzeln. Bald schon steckten Unmengen an kleinen Stöckchen und Blättern in ihrem Haar. Erynn kämpfte sich weiter, mit einem Auge immer den kleinen Vogel im Blick. In diesen Teil des Waldes war sie noch nie vorgedrungen. Es gab keinen Pfad, keine Lücke im Bewuchs, nur verflochtenes, ungezähmtes Geäst zwischen uralten, mächtigen Bäumen. Das Blätterdach wurde so dicht, daß es die letzten Strahlen der Abendsonne aussperrte.
Der Dunmer kamen langsam aber sicher ernste Zweifel. Wohin führst du mich? Hier gibt es nichts, gar nichts... oder hast du hier ein Nest? Nein, unmöglich. Dann wäre das Tier auf keinen Fall so weit nach Norden geflogen, darüber hinaus gab es keinen einzigen vorstellbaren Grund, warum es sie zu seinem Brutplatz führen sollte. Oder bin ich nur im wirren Kopf meilenweit hinter irgendeinem Vogel hergerannt, der einfach einen Dachschaden hat? Sie blieb stehen, hörte wie Arranges hinter ihr fluchend durch die Büsche brach und schüttelte den Kopf. Nene. Die Genugtuung gebe ich dir nicht! Sie ließ ihren Blick wieder zu dem Zaunkönig schweifen. Er saß auf den obersten Zweigen eines Dornenbusches, blickte ihr gerade in die Augen, plusterte sich auf und schüttelte das Gefieder. Dann kam er zu ihr zurück und nahm wieder auf ihrer Hand Platz. Warum bist du so hartnäckig, du kleines Wesen? Du führst dich mehr auf wie ein Hütehund denn wie ein wildes Tier. Warum...? Die Dunmer hielt inne. Wer würde sich die Mühe machen, einen so winzigen Wildvogel abzurichten? Ein bestimmter Verdacht beschlich sie.
„Weiter“, sagte sie leise zu dem Vögelchen, und es flatterte wieder davon, während es fröhlich zirpte. Es war dunkel hier, so unglaublich, tintig dunkel und Gestrüpp und Bäume wirkten fast wie verzerrte, knorrige Gestalten, die mit deformierten Klauen nach ihr zu greifen schienen. Sie schüttelte den Eindruck ab. Ich bin seit frühester Kindheit durch Wälder geturnt... wäre ja noch schöner, wenn ich mich jetzt verrückt machen ließe!
Nach vielleicht zwei weiteren Meilen, es könnte auch nur eine gewesen sein, reichte das wirre Unterholz ihr bis fast ans Kinn und die Bäume standen so dicht, daß kein Vorankommen mehr möglich war. Der Zaunkönig setzte sich wieder auf ihre Schulter und begann, sich ausgiebig die Schwanzfedern zu putzen. Erynn sah sich etwas hilflos um. Und jetzt? Sie spürte den Blick des Beschwörers in ihrem Nacken und mußte nicht hinsehen um zu wissen, daß dieser vernichtend war. „Ich denke“, sagte sie lakonisch und ohne sich umzudrehen, „das hier ist ein ausgezeichneter Platz für ein Lager.“
Geändert von Glannaragh (07.04.2011 um 22:03 Uhr)
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Legende
Arranges brach sich seinen Weg regelrecht durch das Unterholz, er gab sich nicht die geringste Mühe, irgendwie leise oder vorsichtig zu sein. Ärger brodelte in ihm, aber noch gelang es dem Magier, diesen im Zaum zu halten. Als das filzige Buschgewirr immer dichter und höher wurde, konnte Erynn nicht mehr weiter und blieb stehen. Arranges wollte gerade erleichtert aufatmen, als der Zaunkönig bei ihren Worten wieder aufgeregt zu Piepsen und zu zwitschern begann... Er flog nochmal einige Meter voraus und verschwand zwischen den Bäumen. Auf der Stirn des Beschwörers, der hinter ihr stand, bildete sich langsam aber sicher eine tiefe Falte der Wut. Ich dreh dir den Hals um, wenn du jetzt weiterläufst... Aber genau das tat Erynn...
Es dauerte keine halbe Stunde, bis sie feststellten, dass das dichte Unterholz schnell abnahm... Sie schienen sich jetzt in einer vollkommen anderen Welt zu bewegen. Bis auf Gestrüpp dicht am Boden, war der Raum zwischen Grund und Blätterdach völlig leer. Ein tiefgrünes, Licht flutete von oben durch die Blätter und tränkte den Wald, in dem sich kein Lüftchen regte, die Zeit schien hier seit mehreren Jahrtausenden still zu stehen. Kein Tierlaut, kein Rauschen oder Rascheln war zu hören. Die Luft war dick, es roch irgendwie, fast schon angenehm, nicht penetrant nach Moder. Mächtige, von dunkelgrünen Flechten überwachsene Stämme standen breit gefächert auf dem moosigen Grund und hielten wie die Säulen in einer großen Halle das Dach des Waldes, von dem vereinzelt breite, dunkelgrüne, bis schwarze Filzteppiche herunterhingen. Einzig das Flattern des Vögelchens war zu hören und es klang beinahe störend, unangenehm laut, in dieser überwältigenden Ruhe...
Der Zaunkönig flog noch ein Stück voraus, bis er bei einem weiteren, sehr breiten Filzteppich kreiste und wartete, bis sie nachgekommen waren. Das Licht war zwar mittlerweile nur noch spärlich vorhanden, aber sofort fiel dem Nekromanten etwas Vertrautes an dem Filzteppich auf. Nein... und mir ist es die ganze Zeit nicht in den Sinn gekommen... Der Vogel flog um den jetzt gar nicht mehr so schlaff von oben herabhängend wirkenden, sehr breiten Moosteppich herum. Arranges hielt Erynn grob zurück, als sie versuchte dem Vogel zu folgen. 'Halt den Rand und beuge dein Haupt, wenn ich es tue... und mach keine Faxen!' Zischte der Kaiserliche eindringlich, dann ließ er sie los. Auf der anderen Seite war ein leises Zwitschern zu hören, dann eine lange Pause. 'Ahh... er hat also doch noch hergefunden... und seit er das letzte Mal hier war, vieles vergessen, was ich ihm erzählte...' Die Stimme, die zu hören war, wirkte, als würde die Kehle nur Luft aus den Lungen entweichen lassen, ein tatsächlicher Ton war gar nicht zu hören. Und doch waren die Worte voluminös und deutlich zu verstehen. Ein tiefes, jedoch nicht bedrohliches Grollen schwang in der Stimme mit. Ein Ruck ging durch den natürlichen Vorhang und plötzlich schien sich die ganze Waldkulisse vor ihnen zu bewegen. Auf dem Boden zu ihren Füßen rührte sich jetzt ein oberschenkeldicker, schuppiger Schwanz, den sie zuvor schlicht nicht gesehen hatten. Bewegung kam in die ganze Gestalt, bis sie sich einem gewaltigen Umriss, der sich absolut schwarz vor dem restlichen Forst abhob, gegenübersahen... Ein warmes, angenehmes Licht schien plötzlich von überall herzukommen und eine Lichtinsel inmitten der Dunkelheit des Waldes zu bilden. Die Gestalt des Argoniers war mächtig und hatte mit der Erscheinung jener Argoniere, die man sonst auf Tamriel antraf, nur mehr wenig gemein. Die Beine der Echse waren ihrer natürlichen Form Willen, im Sprunggelenk und Knie leicht angewinkelt, es sah ein wenig so aus, als würde er immer halb hocken, statt mit ganz ausgestreckten Gliedmaßen stehen. Was seine Größe jedoch nicht minderte. Arranges reichte dem Druiden gerade bis zum Brustbein. Aber die Gestalt war nicht nur groß, sondern wirkte aufgrund der Körperhaltung auch recht breit, vor allem die gewinkelten Knie, welche leicht zur Seite gespreizt waren, verstärkten diesen Eindruck. Auf dem kurzen Hals saß ein massiger Schädel. Eine makellos gleichmäßige Form ließ den leicht geneigten Kopf erhaben und unendlich wirken. Die leicht gebogene Linie des langen Nasenbeins beibehaltend, saßen leicht versetzt über den Augen auf beiden Seiten des Kopfes jeweils ein gewaltiges, makellos ebenes Horn, welches geradewegs nach hinten seitlich aus dem Schädel trat. Die großen, nackten Füße und die relativ großen Hände waren mit leicht gebogenen, jedoch nicht sehr langen Klauen bewehrt. Die einzigen beiden Kleidungsstücke, die der Druide am Leib trug, waren der Filzteppich, der als Umhang diente und ein breiter, vom Wetter gezeichneter Lendenschurz. Der Rest des Körpers wurde von feinen Schuppen bedeckt, deren Farbe je nach Körperteil wechselte. Der Bauch war hellgrün, während einzelne Schuppen am Kopf und auf den Armen dunkelblau waren und seltsame Muster bildeten, der Rest wechselte zwischen dunklem Braun und grün... Die Augen waren trüb und in die Höhlen eingesunken. Aber trotz dessen, dass Harchaxas uralt wirkte, fast blind zu sein schien, leuchteten im Zentrum der milchig getrübten Augen jeweils ein kaum wahrzunehmender, rotgelber, kleiner Punkt. Typische Dinge, die man bei einem Druiden vielleicht erwartete hätte, fehlten. Schmuck besaß und brauchte er nicht, genau wie vieles andere nicht. Lediglich ein kleiner Beutel hing an dem Band, das seinen Schurz um die Hüften hielt und ein eng geschnürtes, kleines Felltotem an einem Handgelenk.
Die Szene, wie der Argonier sie nur für einige Sekunden musterte, wurde lediglich von dem leisen Gezwitscher des Zaunkönigs wieder wachgerüttelt, der sich jetzt auf ein Horn des Druiden setzte und fröhlich und unbeirrt weiterzwitscherte. 'Arranges.' War wieder die langatmige, aber doch irgendwie warme Stimme zu hören, die wie ein surreal sanftes, weiches Donnergrollen über den Kaiserlichen und Erynn hinwegrollte, zu hören. 'Es ist eine Freude, dich wiedereinmal bei mir begrüßen zu dürfen...' Die Worte wirkten unglaublich zäh, obwohl der Druide mit ganz normaler Geschwindigkeit sprach. 'Es ist mir eine Ehre, euch besuchen zu dürfen Harchaxas...' Gab Arranges ehrfürchtig zurück und beugte sein Haupt. Erynn tat es ihm nach einer Sekunde des Zögerns gleich. 'Ihr... seid nicht allein gekommen... darf ich wissen welches Kind aus dem Schoße des Roten Berges ich ebenfalls in meiner Gesellschaft willkommen heißen darf?'
'Das ist Lady Erynn Releth... seit einiger Zeit meine Begleitung...'
'Ahhh... Erynnnnnnn... was für ein herrlicher Klang... kommt ein wenig näher Erynn...' Zögernd trat die Dunmer auf den Druiden zu. Wirkte Arranges schon recht klein vor dem massigen Körper, so ging die Elfe mit ihrer zierlich drahtigen Statur beinahe unter vor dem Leib des Argoniers. 'Ihr... habt ein schönes Gesicht Erynn und wunderbar reine Augen...' Wie zur Bestätigung stieß der Zaunkönig zwei hohe Töne aus und hüpfte einmal aufgeregt auf dem Horn auf und ab. '... er sagt, ihr habt ein gutes Herz... und was er sagt glaube ich... er ist viel zu klein um über etwas wie Lügen nachdenken zu können... es wundert mich fast ein wenig, da ihr mit jemandem wie Arranges unterwegs seid...' Erynn bekam nicht mehr als ein zögerndes Nicken zu Stande. 'Ahhhjaaa... ihr habt wie ich vor langer Zeit ebenfalls erkannt... dass sich hinter dem Nekromanten, den auch ich so nicht gutheiße, ein guter Mensch verbirgt... Arranges?'
'Ja Harchaxas?'
'Es gibt einen bestimmten Grund dafür, dass ihr vor einigen Tagen in meinen Wald eingedrungen seid und in der Siedlung Bleichersweg nach mir fragtet...'
'Nun ja, den gibt es... genau genommen gibt es zwei...'
'Nun mal langsam Arranges... habt ihr denn wirklich alles... vergessen, was ich euch beigebracht hatte?'
'Nein...'
'Gut, dann lasst die hektische, schmutzige Welt draussen vor sich hinrotten und denkt nach, bevor ihr mich um etwas bittet und denkt nochmals nach, bevor ihr mich um das Zweite bittet...'
'Ich brauche eine Auskunft von dir Harchaxas...'
'Eine Auskunft ist viieeel wert Arranges... sie kann sowohl Leid, als auch Freud bedeuten, habt ihr das reichlich überlegt?'
'Ja...'
'Dann will ich versuchen, euch Auskunft zu gebe, Arranges...'
'Ich brauche Auskunft über den Standort eines Oblivionstors... nur den Ort wo es steht, weiter...'
'Genug! ... Stellt nicht zwei Fragen auf einmal oder noch schlimmer, ihr stellt eine Frage und denkt dann, ihr müsst sie noch erklären, ich bin alt aber nicht dumm! ... Hmmmm... ich weiss zwar nicht, was ihr bei einem Obliviontor wollt, aber das ist mir im Grunde gleich, es war nicht Gegenstand unseres Gesprächs... ich komme gerade aus dem Süden... am äußersten Rand meines Waldes in der Nibeney habe ich die Kunde erhalten, dass sich wohl irgendwo eines im Dunkelwald aufgetan haben muss... ich bin mir selbst nicht sicher, aber das kann ich ändern, die Information scheint euch zu wichtig zu sein, als dass ich mich damit zufrieden geben könnte, euch nur eine halbe Antwort zu geben... Ich will euch die genaue Position sagen... sobald ich sie selbst weiss...' Einen Augenblick später segelte der Zaunkönig zwitschernd davon und verschwand im Wald zwischen den Stämmen. 'Aber bis es so weit ist, will ich euch und Lady Erynn einladen, meine Gäste zu sein...' Beide nickten sie. 'Gut... dann soll uns Speis, Trank und das Erzählen die Zeit verkürzen...' Ohne irgendeine Regung, ohne, dass der Argonier den Blick von den beiden nahm und ohne, dass sich sonst großartig etwas regte, bemerkte sowohl Arranges, als auch Erynn, dass sie nicht mehr allein waren. 5 Zweiglinge traten aus dem Schatten des Waldes hervor. Nur wenige Minuten später, saßen alle drei an einem Tuch, gewoben aus Gras, aber so fein wie ein Wolltuch - Erynn und Arranges nebeneinander, dem Argonier gegenüber - auf welchem sich zahlreiche exotisch wirkende Dinge befanden. Wildes Gemüse und Beeren in Hülle und Fülle...
'Nun, fehlt noch das Erzählen... Erynn, lasst mich ein wenig von euch wissen, bitte...' Erynn erzählte also von sich. Aufmerksam hörte der Argonier zu und stellte hin und wieder Fragen, bis sie allmählich zum Ende der groben Erzählung über ihr Leben und sich kam. 'Das soll genug für heute sein... Arranges, ihr hattet doch noch eine zweite Bitte... ich glaube, dass ihr reichlich darüber nachgedacht habt, also, stellt eure Frage...' Aber statt eines Wortes seitens des Kaiserlichen, sah der dem Druiden nur in die Augen. 'Hmm... es ist eine Schande, wie ihr zu manchen eurer Begleiter steht Arranges, aber auch das geht mich im Grunde nichts an...' Von hinten trat lautlos eine der Zweiglinge an Erynn heran, legte sanft ihre Hände auf die Schultern der Dunmer und strich dann mit einer zärtlichen und fast ein wenig verheißungsvoll und verführerischen Bewegung über ihre rechte Wange. In tiefen Schlaf gesunken, kippte Erynn nach hinten, wo sie von dem Zweigling aufgefangen und vorsichtig auf dem Boden abgelegt wurde.
Arranges indessen handelte mit dem Druiden aus, dass er auf Erynn aufpassen solle. Während sie das Für und Wieder diskutieren, kam der Zaunkönig wieder zurück und piepste aufgeregt. Der Kaiserliche erfuhr, wo sich das Tor genau befand. 'Aber seid auf der Hut Arranges, ich weiss nicht, was dort draussen wieder los ist, aber seit ihr bei Bleichersweg in meinen Wald eingedrungen seid, hat zweimal etwas abgrundtief Böses versucht hier ebenfalls hereinzukommen... irgendetwas hat eure Fährte aufgenommen... das ist im Übrigen auch der Grund, warum ich Erynn für euch in meinen Schutz nehmen werde...' Arranges bedankte sich ausgiebig und ließ sich dann von dem Vögelchen noch in der selben Nacht aus dem Wald auf die orangene Straße führen...
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Fossil
Erynn beendete ihre Erzählung. Dieses abgeschiedene, wie aus der Zeit genommene Fleckchen Wald vermittelte einen Frieden, wie sie ihn bisher noch nicht gekannt hatte. Wie einfach wäre es, wenn wir schlicht hierbleiben und die Welt ihre eigenen Kämpfe ausfechten lassen könnten... Sie horchte auf, als Harchaxas wieder sprach. Was soll das heißen, wie er zu seinen Begleitern steht... Ist das eine Falle? Sie wollte aufspringen, als sie eine Berührung wahrnahm, so leicht und sanft wie von einem Blatt, das ihre Wange streichelte. Arranges, du verdammter...
Das erste, was sie wieder mitbekam, war der Geruch. Schwere, fruchtbare Erde und einen Hauch von Lebendigkeit und Blütenduft. Für eine Weile weigerte sie sich einfach, die Augen zu öffnen und den Moment zu stören. Die Elfin hatte keine Ahnung wo sie sich befand – es war ihr auch egal. Sie konnte hier liegenbleiben und sich völlig sicher sein, daß kein Abtrünniger sie hier erreichen würde. Abtrünnige...? Erynn riß die Augen auf und sah sich wild um. Zunächst glaubte sie, völlig allein zu sein, bis ihr eine Bewegung auffiel. Die dryadengleichen, so seltsam anmutigen Zweiglinge standen verteilt zwischen den hohen Bäumen und wiegten sich leicht im Wind. Die Elfin glaubte, ein helles, plätscherndes Lachen von ihnen zu hören, aber es konnte sich genauso gut um eine Sinnestäuschung handeln. Sonst war niemand zu sehen. Es gab keine Hinweise darauf, daß außer ihr und den magischen Kreaturen überhaupt jemals jemand hier gewesen war.
Arranges und dieser Druide also... verdammt, was fällt dir ein, mich einfach so zurückzulassen? Alleine überlebst du in so einem Tor keine hundert Herzschläge lang! Wie kann man nur so dermaßen blöd, unvernünftig und sturköpfig sein? Sie begann am Rande des hohen Gestrüpps herumzutigern, in der Hoffnung, irgendetwas zu finden, das ihr half zu verstehen, was eigentlich vor sich ging...
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Legende
Großer Forst -> Ringstraße
Arranges hechtete dem Vogel hinterher. Der kleine Flattermann war plötzlich erstaunlich schnell unterwegs und der Kaiserliche hatte Mühe ihm zu folgen. Die Macht des Druiden wurde jetzt aber, da es eilte und Arranges mit dem Zuspruch Harchaxas den Wald durchquerte, deutlich spürbar. Der Nekromant hatte das Gefühl, als gingen ihm die Bäume plötzlich aus dem Weg, das Gestrüpp wurde hart und unnachgibig, bildete einen sicheren Grund unter dem Sprinter. Was Arranges nicht wusste, jedoch ahnte, war, dass ihn der Zaunkönig aus dem Wald heraus in südöstlicher Richtung auf die Ringstraße führen würde. Im Morgengrauen legte der Magier eine kurze Rast ein um verschnaufen zu können. Einmal mehr in seinem Leben dankte er seiner ihm von den Göttern gegebenen Ausdauer. Er hatte zwar nicht Arme und Beine eines Kriegers, aber seine Kondition war ausgezeichnet. So ging das die darauffolgende Nacht, bis hin zum nächsten Morgen weiter... bis Arranges endlich völlig erschöpft aus dem Wald hervorbrach und auf eine Heide stolperte. Einige Meter weiter unten an dem sanft ansteigenden Hang, erblickte er vor sich die Ringstraße. Etwas weiter östlich konnte er hinter einer niedrigen Kuppel im Hang die Dächer von Bockbierquell sehen. Vor sich, im Süden erstreckte sich der Rumaresee, in dessen Mitte die Kaiserstadt thronte.
Erst jetzt gönnte er sich eine richtige Rast. Völlig erschöpft und schwer atmend, ließ er sich einfach ins Gras fallen. Ich will nie Staffelläufer werden... Dachte er zwischen zwei Schnaufer. Der Zaunkönig ließ sich auf die Brustplatte gleiten und sah den Kaiserlichen an. Arranges hob den Kopf und blickte den kleinen Vogel an. 'Überbringe Harchaxas meinen Dank und sag ihm, dass ich ihm vertraue, was Erynn angeht...' Der kleine Vogel piepste ein paarmal und flatterte dann davon, wieder zurück in den Wald. Nach einer Weile setzte sich Arranges auf. Langsam drehte er sich um in Richtung Waldrand. Einige Minuten blickte er auf die grünschwarze Wand... Wäre auch zu schön gewesen... Dachte er und spürte plötzlich einen hässlichen Stich in der Brust. Nein Arranges, lass dich jetzt nicht auf eine Diskussion mit deinen Gefühlen ein...! Er beschloss, sein Unterbewusstsein einfach auszuschalten. Mit etwas unsicherem Schritt ging er auf die Straße zu und versuchte, wieder einen normalen Puls zu bekommen, regulierte seine Atmung und nach einigen Metern konnte er fast wieder normal laufen. Was man ihm jedoch nicht ansah, seine Beine waren schwer wie Blei und er war im Begriff, im Laufen einzuschlafen. Nur noch bis zur Taverne, dann kann ich endlich schlafen... Er würde den restlichen Weg zum Tor zu Fuß bestreiten. Spätestens bei Cropsford ging es wieder in den Dunkelwald und dort konnte man nicht reiten...
Am nächsten Tag verließ Arranges Bockbierquell und folgte weiter der Ringstraße. Er kam gut voran, das Wetter war einigermaßen gut und er war ordentlich erholt, trotz grausigem Bett. Aber irgendetwas störte ihn. Während der nächsten beiden Tagen hing er seinen eigenen Gedanken nach. Er hatte mittlerweile den Bogen, den die Straße nach Süden beschrieb, erreicht. Die Dämmerung brach herein und er schlug am Straßenrand sein Lager auf. Am Feuer sitzend, kam ihm wieder in den Sinn, dass etwas fehlte und zwar sehr. Mit ein und dem selben Gedanken schlug er sich nun schon seit den letzten drei Abenden herum. Er wusste nicht was fehlte, aber es fehlte etwas. Irgendetwas hatte er vergessen... oder wurde er langsam aber sicher wirklich schon verrückt... der Druck, der auf ihm seit dem Verrat der Meister ruhte, lastete schwer auf seinen Schultern, es war also kein zu absurder Gedanke, dass er mehr und mehr am Rad drehte. Sobald das hier vorbei ist, werde ich mich für eine ganze Weile bei Bruder Marbell einquartieren und ENDLICH das Buch studieren...
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Fossil
Großer Forst
Je länger die Elfin am Rand des undurchdringlichen Unterholzes entlanglief, umso mehr fühlte sie sich wie ein gefangenes Tier. Es bestand längst kein Zweifel mehr, dem Kaiserlichen war es gelungen, sie loszuwerden. Ich weiß deine Sorge ja zu schätzen, Beschwörer, aber das ist langsam mehr als albern. Ich bin doch kein kleines Kind, das du aus allem raushalten und beschützen müßtest... Und was zum Donner gibt dir eigentlich das Recht dazu, mich hier einfach kaltzustellen? Noch einmal blickte sie sich suchend um, aber noch immer war außer den Zweiglingen, die sie wachsam beobachteten, keine Seele zu sehen. „Harchaxas? Was soll dieses Spielchen? Zeigt Euch, verdammt noch mal!“
Einen Augenblick, nachdem ihr Ruf verklungen war, raschelte es im Blätterdach hoch über ihr. Ein einzelnes, grünes Blatt, gefolgt von zwei bereits vergilbten, abgestorbenen, selgelten hinter ihr zu Boden. Ein weiteres Rascheln von oben und plötzlich kam etwas Riesiges aus den Kronen heruntergeflogen. Ein dumpfer Aufprall, der den Boden kurz erzittern ließ... 'Ihr hättet natürlich auch warten können, bis ich euer Erwachen mit Worten meinerseits versehen hätte um euch einen möglichst schönen Morgen gewünscht zu haben...' Nachdenklich blickte Harchaxas zu Boden und hob das grüne Blatt auf. 'Hmm... ganz nebenbei, was fällt euch ein, Lady Erynn, mich in die Hektik der Welt draussen hinein zu ziehen?! Wagt es nicht noch einmal, mich herbeizurufen, wie einen Hund!'
Erynn legte den Kopf in den Nacken, um dem Argonier in die Augen sehen zu können. Der Druide war einschüchternd, ohne Zweifel, und sie mußte jede Menge Zorn und Mut zusammenkratzen, um dennoch mit fester Stimme antworten zu können: "Solange Ihr mich hier eingesperrt haltet wie ein wildes Tier, sehe ich keinen Grund für Geduld. Was habt Ihr und Arranges ausgekungelt? Warum glaubt ihr beide, ihr könntet mich einfach hier festhalten?"
Der Argonier seufzte. 'Ich glaube nicht, euch hier festhalten zu können, ich weiss, dass ich es kann... Arranges hat mich nur gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass euch nichts geschieht... Um so mehr, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass irgendetwas gezielt nach ihm sucht... Ich kann ihn verstehen, wenn er mich bittet, euch zu schützen... Allein die Tatsache, dass er gerade mich dafür aufsucht, zeigt, wie wichtig das für ihn ist und wie sehr ihr ihm am Herzen liegt, auch wenn euch das bis hierhin noch nicht aufgefallen sein dürfte... Und seid unbesorgt, ihr werdet euch nicht länger eingesperrt fühlen müssen, ich werde weiter in Südwestliche Richtung wandern und ihr kommt mit!'
"Von allen sturköpfigen, arroganten... dieser verdammte Idiot!" Erynn schnaubte. "Ich weiß, daß irgendwelche Leute hinter uns her sind! Und sie werden damit nicht einfach durchkommen! Was glaubt Arranges eigentlich, wer er ist? Ich brauche keinen Schutz und ich habe nicht darum gebeten!" Sie atmete tief durch. "Harchaxas, Ihr sagt, Ihr seid ein Freund des Magiers. Wieso laßt Ihr ihn dann allein durch die Gegend rennen, obwohl Ihr genau wißt, daß die Verräter ihm im Nacken sitzen? Ich begreife das einfach nicht... Wißt Ihr wenigstens, wer genau uns verfolgt hat? Wieviele sind es? Wie sind sie ausgerüstet? Davon abgesehen: Ich habe nicht das geringste Bedürfnis mit Euch zu kommen und Ihr werdet mich nicht dazu zwingen!"
'Genug! ... Ich will nicht wissen, warum Arranges verfolgt wird, es ist mir auch ersteinmal egal... warum mich das nun trotzdem etwas angeht beruht darauf, dass sich seit ihr durch Bleichersweg gekommen seid, zweimal irgend eine aggressive Widernatürlichkeit versuchte, sich Zugang in meinen Wald zu verschaffen um euch vor dem Erreichen der orangenen Straße abzufangen... Die Kreatur oder was auch immer das war, schreckte vor nichts zurück, um irgendwie in den Wald vordringen zu können, nur mit Mühe konnte ich mein Reich vor dieser Verschmutzung schützen... wäre ich selbst da gewesen, hätte ich das Ding dorthin zurückgeschickt wo es herkam... Seid Arranges nun den Großen Forst verlassen hat, ist auch sein Verfolger wieder verschwunden... Die Gedanken dieses Menschen gehen mich nichts an und ich frage auch nicht weiter danach...' Harchaxas fixierte Erynn mit seinen Augen. 'Ich zwinge euch nicht mitzukommen, ihr werdet das freiwillig tun...'
Die Dunmer ließ sich auf den Waldboden sinken. Ihr Geschrei würde zu nichts führen; es interessierte den Druiden nicht einmal. "Wie könnte ich mit Euch kommen nach dem, was Ihr mir gerade erzählt habt?" fragte sie hilflos. "Arranges mag mächtig sein, aber er ist auch draufgängerisch und unvorsichtig. Wir haben oft Seite an Seite gekämpft... Meistens endete es damit, daß er es war, der mehr tot als lebendig im Dreck lag, nicht ich. Er macht sich etwas vor wenn er glaubt, mich beschützen zu müssen oder es mit allen Gefahren allein aufnehmen zu können. In dieser Art von Selbstbetrug hat er es übrigens zur Meisterschaft gebracht." Sie schüttelte den Kopf. "Ich werde mir diesen Irrsinn nicht tatenlos mit ansehen, Harchaxas... selbst wenn es nicht der Beschwörer selbst wäre, um den ich fürchtete, so hängt zu viel von der Suche nach diesen Toren ab, als daß ich noch ohne Ekel in den Spiegel schauen könnte, wenn ich Euch jetzt nachgebe."
'Ihr unterschätzt den Magier... Arranges ist wahrlich nicht oft in Begleitung unterwegs, er agiert auch nur dann unklug, wenn er jemanden um sich hat... das war schon immer so. Ist er allein, bewegt er mit seiner unbändigen Zähigkeit schonmal Berge... für euer seelisches Befinden kann ich leider nichts tun, ich soll eure körperliche Unversehrtheit wahren, mehr nicht...'
Erynn spürte, wie ihre Halsschlagader pochte. Schiere Wut über die Bevormundung verdrängte jede Vorsicht vor dem alten Argonier. "Was fällt euch beiden überhaupt ein?! Was ich will, zählt wohl gar nicht, oder was? Wie könnt ihr es wagen über mich zu entscheiden als sei ich ein Gegenstand ohne freien Willen? Meine 'körperliche Unversehrtheit' interessiert mich gerade nicht besonders... Jene, die uns verfolgen glaubten ebenfalls, über mich verfügen zu können und dafür werde ich sie zur Strecke bringen! Und weder Ihr, noch Arranges, noch dieses elende Dornengestrüpp werden mich davon abhalten! Also: Entweder, Ihr gebt mir den Weg durch das Unterholz frei -ich bin mir sicher, daß Ihr dazu in der Lage seid, Druide- oder ich hacke mir den Weg hindurch!"
Harchaxas zeigte kaum eine Regung. 'Ihr seid recht dumm Erynn, auch wenn es mir widerstrebt, diesen Eindruck von euch zu haben, ihr wisst nichteinmal, in welche Richtung Arranges gegangen ist... Um ehrlich zu sein, kann ich die Sorgen des Magiers langsam ein wenig verstehen... ich werde versuchen, meine Gesellschaft für euch so angenehm wie möglich zu gestalten...' Der Druide schien gar nicht zu verstehen wollen, was Erynn so in Rage versetzte. 'Der Wald, gehorcht nicht mir, er folgt seinem eigenen, unergründbaren Wesen... Mir gehorchen nur die Zweiglinge, die Hüter des Waldes...' Und als ob er diese Aussage beweisen wollte, trat eine der Dryaden von hinten an die Dunmer. 'Wie gesagt, ich werde euch nicht zwingen, bei mir zu bleiben...' Der Zweigling legte sanft eine Hand auf die Schulter der Dunmer, während die andere vom Nacken aus nach vorn am Hals entlangstrich, sich seitlich um das Kinn der Kriegerin legte und sie zwang, zur Seite zu blicken, in die Augen des Zweiglings... Die Zeit schien still zu stehen, während sich ihre Lippen für einen Augenblick, der doch so lang wie die Unendlichkeit wirkte, aufeinanderlegten...
Du willst es einfach nicht begreifen! Laß mich einfach meiner Wege ziehen und wir beide sind glücklich... was zum...? Nicht schon wieder! Harchaxas, pfeif dieses Biest zurü..."
Was dann geschah überrumpelte die Elfin völlig, so daß ihr nicht einmal einfiel, sich wehren zu wollen. Wie paralysiert sackte sie in den Armen der Dryade zusammen und genoß die stille, sanfte Liebkosung, ohne einen Gedanken an die Seltsamkeit der ganzen Szene zu verschwenden, schloß die Lider und ließ den Kuß einfach geschehen. Sie fühlte, wie ein tiefer Frieden sie erfaßte und die Wut, die Sorgen und die Welt außerhalb der Lichtung hinfortspülte wie kühles, kristallklares Wasser. Unwillkürlich strich Erynn mit den Fingerspitzen über die borkige Haut am Arm des Wesens, komplett vereinnahmt von seinem Geruch, seinen Bewegungen und jeder seiner Berührungen. Wie viel Zeit verstrich, während sie so dasaß, fest an den schlanken, fremdartigen Körper der Baumfrau geschmiegt, vermochte sie danach niemals zu sagen. Es schien wie eine Ewigkeit.
Ein leiser, unwilliger Laut entrang sich ihrer Kehle, als der Zweigling sie schließlich vorsichtig auf dem Boden ablegte. Geh nicht weg... noch nicht jetzt... Sie schlug die Augen auf, stemmte sich auf die Ellbogen hoch und schaute reichlich verwirrt direkt in das Gesicht des Druiden. Hinter sich hörte sie ds leise, glockenhelle Kichern der Dryade. "Was... ist passiert?" fragte sie benommen. "Ich wollte irgendwas sagen, aber... es ist mir entfallen, wie es scheint..."
'Nun... wenn ihr nicht mehr wisst, was ihr sagen wolltet, wird es auch nicht weiter wichtig gewesen sein denke ich...' Der Druide machte eine auffordernde Bewegung mit einer der gewaltigen Hände. 'Wenn... ihr euch dann erheben würdet, Lady Erynn? Wir weilen schon zu lange am selben Ort... und...' Ein leises, vertrautes Zwitschern erklang aus dem Dickicht um die Lichtung. Der Zaunkönig kam aus dem Gebüsch geflogen und ließ sich wie auch schon am Abend zuvor, auf eines der Hörner des Druiden gleiten. Für Harchaxas schien das wohl keine weitere Bedeutung zu haben, außer eben jene, dass der Vogel von wo auch immer zurückgekehrt war. Der Argonier winkte Erynn und machte Anstalten, sich zum Gehen zu wenden...
"Ja... ja, so wird es wohl sein. Geschmeidig stand sie auf und folgte Harchaxas, während sie sich über das Bild des kleinen Vogels freute, der sich sich auf dessen horngekröntem Kopf sehr wohl zu fühlen schien. Woran habe ich bloß eben noch gedacht? Nun, vielleicht war es wirklich nichts besonderes... was solls.
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