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Legende
Nachdem Erynn ihm das Essen gebracht hatte, musste Arranges nach einigem hin und her verärgert feststellen, dass er zwar kaum zwei Tage nach der Schlacht wieder brüllen konnte, aber das Schlucken nicht so recht funktionierte. Eines der Pila musste dort hart getroffen haben. Nicht nur einmal musste er arg husten, nachdem er sich verschluckt hatte. Und dann wurde es ihm doch zu bunt. Unsanft stellte er die Schüssel auf dem Stuhl neben dem Tisch ab. Vielleicht zwei Löffel hatte er hinuntergewürgt, der Rest war noch in der Schüssel. Er legte sich gerade wieder, als die Dunmer das Zimmer betrat. Sie hatte zwei Bücher unter den Arm geklemmt. Was wird das denn jetzt... du hast was?! Was machst du im Labor eines Meisters?! Aber ehe er sich wirklich darüber aufregen konnte, verschlug es ihm die Sprache, als Erynn das mit den Schülern erwähnte. 'Nein... auf keinen Fall! Die kannst du mit den Botschaftern zu Meisterin Marie schicken... wir können keine 4 Schüler beschützen...'
"Pfff... ich hab auch keine Lust darauf, Arranges. Aber es ist und bleibt eine Anweisung. Die Meisterin wäre sicher nicht begeistert, wenn ich sie einfach den Botschaftern aufhalsen würde. Außerdem... ich trau mich nicht, die Kerle darum zu bitten", antwortete sie zerknirscht. "Und einfach zurücklassen können wir sie auch nicht. Sie sind immer noch völlig aufgelöst."
Verdammt... es ist eine Anweisung... daran kann man nicht rütteln... 'Du... traust dich nicht die Botschafter darum zu bitten? Wie kann man nur so dämlich sein Erynn? Sie unterstehen deinem Befehl, die Jungs würden sich sogar für dich ins Feuer setzen, wenn es dein Überleben sichern würde...' Arranges atmete genervt aus. 'Und was hattest du überhaupt im Labor des Meisters zu suchen? ... Ich frage natürlich nur, damit ich weiss weswegen ich das nächste Mal von der Gathering zusammengefaltet werde...' Verdammt ich muss dringend etwas essen...
Erynn zuckte zusammen. "Äh. Also. Eigentlich hab ich einen Eimer gesucht... und dann... mußte ich mir das einfach nochmal genauer ansehen, weil... weil." Oh, Scheiße! "Weil ich sonst den Rest meines Lebens Alpträume von diesem Gewölbe gehabt hätte! Das war einfach nur abstoßend! Aber... ich hab nichts angefaßt. Ehrlich." Unsicher sah sie Arranges an. "Tut mir leid..."
Arranges zog eine Augenbraue hoch und blickte deutend auf die zwei Bücher unter ihrem Arm. 'Nichts angefasst? ... Wieso bist du dann nochmal rein, wenn es so abstoßend war? Und warum bekommst du von soetwas noch immer Alpträume... Außerdem sollten neben den vielen Alpträumen, die du mir zu verdanken hast, kein Platz mehr für andere sein.' Fügte er mit gespielter Eifersucht hinzu.
"Was? Oh, die Bücher..." Sie legte die beiden staubigen Wälzer rasch auf die Tischkante. "Ich meinte die Leichen. Die hab ich wirklich nicht angefaßt." Erynn bekam immer mehr das Gefühl, diesesmal wirklich Mist gebaut zu haben. "Warum ich da wieder reingegangen bin? Hab ich dir doch schon gesagt. Ich wollte wenigstens wissen, wovor ich mich fürchte. Beim erstenmal... also, da hab ich mich nicht so richtig umgeschaut..."
Dann stutzte sie. "Und überhaupt, was soll das heißen, kein Platz mehr? Willst du mir jetzt auch noch vorschreiben, was ich zu träumen habe?"
'Die Leichen hätte ich auch nicht angefasst... ich will nicht behaupten, dass Meister Parlovar ein sehr seltsamer Mensch ist, das sind sie sowieso alle, aber er ist, was die Totenbeschwörung an sich angeht, immer sehr... kreativ.' Arranges grinste schief. 'Hör zu Erynn, wenn er was merkt und einen Verantwortlichen sucht, nehme ich das sowieso auf mich. Mentor sein bedeutet nicht nur den verhassten Lehrer zu spielen... ich bin als Mentor auch schützend für dich verantwortlich... auch wenn wir die Schülersache der Gathering nur vorgaukeln.' Dann wurde sein Grinsen breiter. 'Und was die Sache mit den Träumen angeht... nun...' Arranges wurde von seinem Magen unterbrochen, der jetzt lauthals nach Nahrung verlangte. Verflucht... ich kann nichts essen... Und wie zur Demonstration, mit der er sich vor sich selbst zu rechtfertigen suchte, schluckte er leer... und es funktionierte, ohne, dass er sich vor husten krümmen musste. Was zur Hölle?! Aber dann kümmerte sich Arranges nicht mehr um Erynn. Er stemmte sich hoch und griff nach der Schüssel neben sich... nur einige Herzschläge später war der Magier wieder dabei nach Luft zu schnappen, nachdem er beinahe wieder am Essen erstickt wäre. Zornesröte stieg ihm ins Gesicht und seine Faust schloss sich um den Löffel so fest, dass die Fingerknochen weiß unter der Haut hervortraten und die Hand leicht zitterte. Mit einem Rumms landete die Schüssel wieder auf dem Stuhl, aber dieses Mal gab die Tonschale nach und zwei Risse zogen sich durch das Material. Arranges ließ sich wieder auf das Lager zurücksinken, während sein Magen enttäuscht angesichts der erwarteten und doch nicht bekommenen Nahrung wieder zu knurren begann. Der Kaiserliche starrte hasserfüllt zur Decke, weährend er einige Male versuchte zu schlucken. Warum bei den vier Säulen geht das im Liegen, nicht aber im Sitzen... bis ich in ein paar Tagen genesen bin, kann ich auch liegenbleiben, bis dahin habe ich gar nicht mehr die Kraft aufzustehen...
"Bist du dir sicher, daß das Ganze nach diesem Kampf immer noch ein Spiel ist? Ich meine..." setzte sie an, wurde dann aber von Arranges' Husten unterbrochen. "Verdammt!" Als ob es ihm nicht schon längst beschissen genug ginge... Ihr Blick fiel auf die Schüssel, und sie seufzte abgrundtief. Na, hervorragend!
'Wieso sollte es kein Spiel mehr sein?' Arranges hob den Kopf und blickte Erynn fragend an. 'Falls du dir irgendetwas seltsames zusammenreimst, egal was... für mich jedenfalls ist es noch genau der selbe Plan wie zu Beginn. Du bist nach außen hin meine Schülerin, damit ich für eine Weile Ruhe vor der Gathering habe und hinterher sagen kann, dass ich eine Schülerin hatte, falls sie in den nächsten Jahren wieder ankommen und mir meine Pflichten unter die Nase reiben wollen... Du wirst weder das Siegelpapier unterzeichnen, noch sonstetwas seltsames dahingehend unternehmen...!'
"Ich... nein. Solange niemand mitbekommen hat, daß ich in der Lage war einen Botschafter niederzuschießen, kommst du damit vielleicht sogar durch", murmelte sie und schüttelte sich. "Nach dem, was ich vorhin gesehen habe, will ich noch weniger ein Teil davon sein als ohnehin schon." Auch, wenn ich keine Ahnung habe, wie ich mein Leben einfach so weiterführen soll nach eben all den Dingen, die ich in den letzten Monaten gesehen und erlebt habe...
Erynn wechselte das Thema: "Willst du etwas anderes zu essen haben? Irgendwas mit weniger Brocken drin?"
Arranges schnaubte ärgerlich. 'Das liegt nicht am Essen, sondern vielmehr daran, dass ich nicht schlucken kann, sobald ich sitze... und so wie ich das sehe, wird mir das noch eine Weile bleiben...' Weiterhin starrte er an die Decke.
Mist... nein, vergiß es! Ich fütter dich nicht. Auf keinen Fall... verfluchte Scheiße. Erynn dachte ernsthaft darüber nach, den Botschafter zu bitten, Arranges noch einmal ins Reich der Träume zu befördern. Sie rannte sich schon den ganzen Tag die Hacken ab, um alle möglichen Leute zu betüddeln. Irgendwann mußte es doch genug sein! "Und... was heißt das genau?" fragte sie mißtrauisch.
'Naja, das heißt, dass ich mir jetzt ersteinmal überlegen muss, wie ich im Liegen essen kann, ohne, dass hinterher mehr von dem Zeug auf meiner Decke zu finden ist, als in meinem Bauch... trinken wird nochmal eine andere Herausforderung...' Arranges verschränkte die Arme vor der Brust. 'Derjenige, der mit dem Wurfspieß auf meinen Bauch gezielt hat, hat gut getroffen und dabei so einiges verletzt, das auch Marie nicht so einfach direkt heilen konnte, also werde ich mir besser eine längerfristig gute Taktik einfallen lassen müssen, wie ich im Liegen essen kann...'
Erynn faßte sich mit der Hand an die Stirn und atmete tief durch. Dann hob sie Arranges Kopf vorsichtig an, zog das Kissen darunter hervor, rollte es zusammen und bettete den Kaiserlichen ein wenig höher. Das. Ist. Entwürdigend. Warum immer ich? Sie nahm die Schale auf und hielt ihm einen Löffel von dem Eintopf unter die Nase. "Bitte, mach jetzt kein Theater und iß einfach. Für mich ist das gerade genauso schrecklich wie für dich." Ich schwöre, beim nächsten Kampf werde ich es sein, die völlig kopf- und planlos in die Gegner hineinrennt...
Arranges schaute sie schon verwirrt an, als sie das Kissen zusammengerollt unter seinen Kopf schob. Erst recht und komplett entgeistert starrte er Erynn an, als sie sich daran machte, ihn füttern zu wollen wie einen greisen Mann. Zur nächsten Mahlzeit werde ich einfach wieder aufste... ach verdammt... Verflucht, ich bin an dieses beknackte Krankenlager gebunden und das sogar ganz ohne Fesseln... Der Nekromant hätte seinem Ärger am liebsten durch Worte Luft verschafft, unterließ es aber und aß einfach. Im Stillen betete er zu allen Göttern, deren Namen er je gehört hatte, dass jetzt keiner hereinkommen würde. Mit einem Mal wusste er seinen derzeit schwachen Kreislauf zu schätzen, so konnte man ihm nicht etwa an geröteten Wangen ansehen, wie peinlich ihm die ganze Sache gerade war. Als die Schale endlich leer war, nuschelte Arranges ein 'Danke...' vor sich hin.
"Keine Ursache." Es gelang ihr nicht ganz, die Erleichterung aus ihrer Stimme zu verbannen, als sie von der Tischkante rutschte und die Schüssel abstellte. "Äh... was ist jetzt mit diesen Büchern?"
'Was soll mit denen sein?' Arranges warf einen kurzen Blick auf die Titel. Einen davon konnte man kaum lesen, da der Ledereinband bereits so rissig war, den anderen kannte er bereits. 'Das hier,' er deutete auf jenes, bei dem man den Titel lesen konnte, 'ist etwas zur Leichenaufbereitung... ich glaube kaum, dass dich das interessiert... Und das hier,' er schlug das andere Buch auf, '... ist in daedrischen Lettern geschrieben und bringt dir nichts.' Er grinste sie breit und etwas überlegen an. Arranges las die ersten paar Sätze für sich durch und blickte dann wieder zu Erynn auf. 'Eine nette Lektüre...hätte nicht gedacht, dass Meister Parlovar Sinn für Poesie hat... wo doch sein Verlangen nach kulturellem Luxus sehr einfach durch einen guten Wein gestillt werden kann...'
[Forsetzung folgt]
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