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  1. #29
    Der Botschafter wartete am oberen Treppenabsatz auf sie. Erynn dankte ihm für seine Mühe und informierte ihn, daß sie seine Hilfe vermutlich nicht mehr brauchen würde. Der große Mann nickte und entfernte sich dann. Sie machte sich wieder auf die Suche nach den Schülern und spannte sie dafür ein, so weit das möglich war, ein warmes Essen zuzubereiten. Der Ork hatte die Erlebnisse während ihres verzweifelten Kampfes bisher am besten weggesteckt. Die übrigen funktionierten mehr oder minder, doch ihre Augen blieben leer. Ich wette einen Jahressold, daß ihr keine Ahnung hattet, worauf ihr euch einlaßt. Wolltet ein bißchen mit verbotener Magie herumspielen, weil es ja so verrucht ist, was? Von der großen Macht und Überlegenheit träumen. Nun, willkommen in der Wirklichkeit... Dafür habt ihr euch definitiv den falschen Laden ausgesucht.
    Erynn nahm den Ork beiseite und ging ein paar Schritte mit ihm. Von ihm erfuhr sie, daß Parlovar bereits seit längerer Zeit abwesend und seine Schützlinge seither auf sich selbst gestellt waren. Was für ein Vorbild... und das in Zeiten wie diesen. Nicht zu fassen. Zudem hat Arranges gesagt, daß die Ausbildung der Schüler noch nicht sehr weit fortgeschritten sei – ganz schön mutig, einen Haufen Frischlinge für so lange allein zu lassen. Hat sich der Meister gar keine Sorgen gemacht, daß sie aus Selbstüberschätzung sein Labor in Brand stecken könnten oder sowas? Sehr seltsam das Ganze. Das Bild des gut gefüllten Weinkellers drängte sich in ihr Bewußtsein, und für den Moment akzeptierte sie diese Tatsache als hinreichende Erklärung. Und natürlich war da noch eine weitere Sache: Magier!

    Der Ork blieb plötzlich stehen und sah sie an. „Meisterin Marie hat gesagt, ihr sollt uns bis nach Cyrodiil mitnehmen...“ Der Elfin entgleisten sämtliche Gesichtszüge. Hatte sie doch gerade erst die schlimmsten Wogen geglättet, dürfte diese Entwicklung den Beschwörer direkt zu einem erneuten Tobsuchtsanfall verleiten. Was bei allen Göttern und Ahnen hab ich bloß verbrochen, um das hier verdient zu haben, fragte sie sich zum wiederholten Male. Dem Schüler war ihr Aussetzer nicht entgangen. „Das war nicht meine Idee. Die Anweisung kam von der Meisterin“, sagte er mit deutlicher Verunsicherung in der Stimme. „Schon gut.“ Erynn zuckte die Achseln. „Ich werde es dem Mentor schon irgendwie begreiflich machen...“
    Sie ließ den Ork stehen und kümmerte sich um die Pferde, nahm ihnen endlich das Lederzeug ab und tränkte sie. Die Tiere hatten den Angriff wohl gut überstanden. Gelangweilt standen sie zusammen, dösten mit gesenkten Köpfen und schlugen mit den Schweifen träge nach einigen Fliegen.
    Erynn ging zurück in den Keller, hoffte, dort noch ein bißchen Ruhe zu bekommen. Sie fand Arranges unruhig schlafend, rückte die zerwühlte Decke zurecht und streckte sich dann an ihrem Platz vor dem Kamin aus. Das werden noch vier verdammt lange Tage...
    Geändert von Glannaragh (29.03.2011 um 12:54 Uhr)

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