Blablabla... Arranges hätte sich in jeder anderen Situation nochmals zu einer Bemerkung hinreissen lassen, aber er war einfach zu erschöpft. Mühsam schleppte er sich zu den Docks und dort zu Niennas Haus. Arranges war vielleicht noch zwei Schritte von der Tür weg, als selbige nach innen aufschwang und die Nord mit dem Rücken voraus, herauskam. Einige Schriftrollen unter den Arm geklemmt, zog sie mit dem anderen die Tür zu und drehte sich dann zum Gehen um. Als ihr Blick auf den Kaiserlichen fiel, erschrak sie erst und erstarrte dann für einige Sekunden. 'A... Arranges?! Was zum Teufel ist mit dir passiert?'
'Halb so wild... ich brauche ersteinmal nur eine Unterkunft...'
'Schwachsinn! Du brauchst einen Heiler...'
'Das ist der zweite Grund, warum ich zu dir gekommen bin...'
Nienna konnte noch nicht so ganz fassen, was sie sah, schob aber dann die Tür weit auf und winkte den Magier herein.

Drinnen bedurfte es einiger Worte, bis der Magier schließlich nachgab und die Wunde zeigte. Es sah in der Tat wirklich noch übler aus, als bei Beldaburo schon. Das Gewebe um den Einschuss herum war kohlrabenschwarz. Sofort verbreitete sich ein bestialischer Gestank im ganzen Raum und eine dunkelbraune, zähe Masse quoll gähnend langsam aus dem Wundkanal. 'Ein daedrischer Pfeil... vergiftet... ich habe noch zwei davon abbekommen, die Wunden sind aber recht gut verheilt, nur diese hier scheint sich entzündet zu haben. Die Nord starrte nur mit offenem Mund und deutlich besorgt auf die hässliche Wunde. 'Du weisst, was du mir damit abverlangst... und vor allem dir selbst...' Meinte sie schließlich. 'Also gut, setz dich erstmal, ich bereite alles vor...'

Nach einer Weile legte sich Arranges nur mit Hemd und Hose soweit bekleidet, dass Nienna an die Wunde herankam, in die Mitte eines Pentagramms, welches die Nord mit Kreide auf den Boden gezeichnet hatte. Die Tür war verschlossen, die Läden ebenfalls. 'Gut, ich beginne...' Arranges nickte und sie kniete sich neben ihn, legte die Hände links und rechts neben die Wunde und begann Worte in einer fremden Sprache zu murmeln. Arranges hatte das Gefühl, dass sich sein Puls beschleunigte, während sich seine Eingeweide ruckartig immer wieder zusammen zu ziehen schienen. Wellen purer Magie fluteten von den Händen der Nord ausgehend immer wieder seinen Körper. Alles steigerte sich, bis das Mädchen schließlich in einen Rythmus mit ihrem Singsang verfiel und immer laute wurde. Das ist Wahnsinn... ich hätte zur Gilde gehen sollen... Arranges Blickfeld wurde überlagert von vielen bunten Punkten. die Muskeln um die Wunde herum krampften unter der Überstrapazierung der Magie. Und dann war plötzlich alles vorbei... oder vielmehr der Anfang vom Ende. Nienna verstummte. Sie nahm ihre Hände weg und lehnte sich etwas zurück. Nur eine Sekunde später durchbrach ein gurgelnder Laut die Stille. Arranges stöhnte auf, als unangekündigt Schmerz in seinem Kopf explodierte. Das Gewebe um den Wundkanal herum zog sich zusammen und leise schmatzend quoll übel riechender und flockiger Eiter, dunkles Blut und farbloses, aber noch übler stinkendes Wundsekret aus dem ausgefransten Loch. Während der Schmerz unendlich langsam abklang, drang immer mehr der faulen Flüssigkeiten teilweise schäumend und blubbernd aus dem Loch hervor, bis das brüchig wirkende, nekrose Gewebe drum herum aufbrach und sich unter saugenden Lauten vom gesunden Gewebe darunter schälte. Nienna hatte bereits einige Tücher geholt und sah zu, dass es keine zu große Sauerei gab. Nach einigen Minuten, die dem Magier wie die Ewigkeit vorkamen, war alles vorbei. Nienna konnte nun für die kurzen Momente, die das Fleisch brauchte, um die offene Stelle zu schließen, den kompletten Schusskanal, bis hin zum Beckenknochen einsehen. Schlussendlich war nicht mehr übrig als ein handflächengroßer Fleck, der sich deutlich heller vom Rest der Hautfarbe abhob. Die Nachwirkungen dieses Rituals jedoch hatten den Magier für die nächsten Stunden in einen tiefen, dunklen Abgrund gestürzt. In der Zeit kümmerte sich Nienna um die restlichen Schrammen. Allerdings bedurfte es hier keiner weiteren Magie, da das meiste schon beinahe rückstandslos und recht ordentlich verheilt war.

Der Kaiserliche erwachte am frühen Morgen. Er fühlte sich gut und die gewohnte Stärke kehrte wieder in seinen Körper zurück. Aber die Nord wusste um ihren Zauber besser bescheid und hielt Arranges zurück. So musste er bis zum Mittag warten, bis Nienna endlich nachgab und ihn gehen ließ, jedoch nicht, ohne ihm nochmals vorzuhalten, dass er gefälligst auf sich aufzupassen hat und sie ihm das letzte Mal den Standort eines Tors verraten hätte.

Gut gelaunt und mehr oder weniger frei jeder Sorge, trat Arranges durch das Hafentor und kam die Straße herauf. Er war nichteinmal beleidigt, als er Erynn nirgends sah. Mein Pferd kam auch etwas zu kurz in den letzten Tagen... so lange die Dunkelelfe mich nicht belästigt und nervt, werd ich direkt mal noch nach ihm sehen... Er ging durch das Haupttor und hielt auf die Stallungen zu. Gerade kam er um die Bretterhütte herum und das freundliche Gesicht gefror. Ich hätte wetten können, dass ich sie gleich wieder an der Backe habe... Als er an Erynn herantrat, grummelte er ein 'Guten Morgen...' blickte sie fragend an, während er gleichzeitig nach seinem Rotfuchs schielte. 'Hast du noch was zu erledigen? Sonst würde ich nämlich direkt aufbrechen... wir müssen in Skingrad sowieso halt machen, ich brauche neue Armschienen...'