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Legende
Arranges hätte das Pökelfleisch vermutlich unbeachtet gelassen und wäre auch erst gar nicht nach Beldaburo hineingegangen. Aber wenn Erynn sich schonmal wortlos bereiterklärte, das auf Reisen eher seltene Gut zuzubereiten, war ihm das nur recht und so setzte er sich schweigend ans Feuer.
Die Frage der Dunmer überraschte ihn nicht wirklich, er hatte schon fast darauf gewettet, dass Erynn nach dem Untoten nochmal fragen würde. Er nahm den Trank entgegen, es hätte kaum Sinn gemacht, etwas dagegen zu sagen. Und bevor sie noch auf die Idee kommen würde, wieder ihre Nadeln und Messerchen und sonstige Werkzeuge auszupacken, die sie zur Wundversorgung nutzte, nahm er lieber den Trank. Er hatte den Gürtel, seitdem er ihn zum Wundverschluss zweckentfremdet hatte, nichtmehr wirklich angerührt, folglich wurde auch das Blut stellenweise abgedrückt, was den Nekromanten nicht weiter störte, er begrüßte es sogar, denn so hielten sich die Schmerzen weitestgehend in Grenzen, wenn das Gewebe um die Verletzung herum taub war. Er stellte den Trank neben sich ab und erhob sich. Während er sich bemühte, den Gürtel vorsichtig zu lösen, machte Arranges sich daran, die Frage der Dunmer zu beantworten. 'Nun, es gibt sicherlich Möglichkeiten, einen Zombie mehr oder weniger unbegrenzt lange am... Leben zu halten, ohne, dass sein Fleisch einfach zerfällt. Aber das sind Rituale, die jenseits von gut und böse liegen... sehr wahrscheinlich lassen sich Rituale dazu in dem Buch Kunst der Schleier finden, aber es ist nicht Sinn und Zweck der Nekromantie untote Geschöpfe zu erschaffen und diese dann so lange wie möglich zu halten... Ich weiss nicht, was die Ayleiden an dieser Stelle dachten, aber ich bin mir sicher, dass dieser Zombie dort unten nicht von ihnen war... das kann deswegen schon nicht sein, da die Kiste mit den Tränken zu genau auf der Trittplatte platziert war.' Arranges sog scharf die Luft ein, als der den Gürtel endlich aufgedreht hatte und jetzt wieder teilweise Blut durch zuvor gänzlich leere Bahnen strömte. 'Ich glaube eher, dass die Räuber den Öffnungsmechanismus ähnlich überraschend entdeckten wie wir und ihn dann zu ihrem Vorteil nutzten. Der Zombie war garantiert das Werk jenes Magiers, den wir vor einigen Tagen getötet haben...' Arranges löste die Gürtelschnalle und ließ das Lederband an dem ein Großteil seines Gepäcks hing, dann einfach fallen. Er stand seitlich zu Erynn, sodass sie nicht sehr viel sehen konnte. Der geknüllte Stofffetzen war bunt, im wahrsten Sinne des Wortes. Von schwarz über rot und braun, bis hin zu gelb, waren für eine Verletzung, die für gewöhnlich rot blutet, erstaunlich viele Farben dabei. Das wird lustig... Noch vorsichtiger als sowieso schon, zupfte der Nekromant an dem total verklebten Stoff herum. 'Die Alchemie bietet ebenfalls so einige Möglichkeiten, totes Fleisch weit bis über den natürlich eintretenden Verwesungsprozess hinaus zu konservieren, aber ich habe davon nicht sehr viel Ahnung, ich wurde in meiner Schülerzeit hauptsächlich dazu gezwungen, mich mit der Alchemie zu befassen und habe mittlerweile vieles schon wieder vergessen, die Grundlagen aber glücklicherweise noch behalten, wie mir scheint,' dabei sah er kurz auf seine schon recht ordentlich verheilten Arme, 'Ebenfalls und das ist der eigentliche Kern der Totenbeschwörung, kann man Verstorbene, die noch nicht einige Jahre unter der Erde verbracht haben, mit ihrer eigenen Seele durch Magie sozusagen an Nirn fesseln... gut, genau genommen kann man auch Leichen wieder auferstehen lassen, von denen nur mehr noch der halb zerbröselte Schädel übrig ist oder ähnlich wenige sterbliche Überreste...' Ich hätte von Meryann noch viel mehr als nur die Lichbeschwörung lernen können... Fast ein bisschen traurig dachte er kurz an die Erscheinung der Bretonin, mit der er die Inseln bereist hatte, konzentrierte sich aber dann wieder auf seine Wunde. Er hatte den Verband mittlerweile fast ganz entfernt. 'Ich selbst habe 9 Jahre lang...' Er brach ab, als er den Stoff in diesem Moment ganz entfernte. Darunter kam schneeweiße und wellige Haut zum Vorschein. Um den Einschuss herum war das Gewebe grau bis beinahe schwarz. Und kaum hatte er den Stofffetzen weggezogen, drängte farbloses Wundsekret und dicker, tiefgelber bis brauner Eiter aus der Wunde. Eine Mischung aus Ärger und ein wenig Ekel zeichnete sich auf dem Gesicht des Kaiserlichen ab. Schnell drehte er Erynn den Rücken zu und betete, dass sie nichts bemerkt hatte. Die säbelt mir aus einem Impuls heraus nur noch alles weg da unten, wenn sie das sieht... Da bin ich mal gespannt, ob der Heiltrank da etwas ausrichten kann... Der Kaiserliche blickte über die Schulter und bat Erynn mit Worten, die keine Widerrede zuließen, ihm den Heiltrank zu reichen, während er sich halb zu ihr drehte. Er tränkte das plattgedrückte, auf der einen Seite starre, auf der anderen Seite durchgesiffte Stoffknäuel mit ein paar Tropfen des Tranks und beeilte sich dann, den recht abstrakten Druckverband mit dem Gürtel wieder anzulegen. Nur war es jetzt unumgänglich, dass bei jeder Bewegung im Hüftbereich weiterer Eiter aus dem Wundkanal kam, der zu Arranges Unbehagen immer dunkler wurde. Der Pfeil hat gesessen... zu schade, dass ich die Zusammenstellung des Giftes nicht kenne, aber es müssen wohl von Mehrunes persönlich berührte Zutaten gewesen sein... da brauch ich auch den Trank nicht unnötig drauf verschwenden... Arranges versuchte, den Druckverband so schnell wie möglich wieder anzulegen, konnte dabei aber ein paar unterdrückte Flucher, jetzt, da er die Schmerzen wieder spürte, nicht zurückhalten.
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