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Fossil
Erynn wachte die Nacht hindurch. Sie schaute in den klaren Himmel und beobachtete die Sterne, lausche auf die Geräusche der Wildnis. Als die dunkelste Stunde vorübergegangen war und der Morgen langsam dämmerte, beschloß sie, sich in der näheren Umgebung ein wenig umzusehen. Dann erstarrte sie. Von der Ruine klang ein schabendes Geräusch herüber, der Klang von Stein auf Stein. Sie faßte die Schulter ihres Begleiters und schüttelte sie leicht. „Still“, flüsterte sie, als er alarmiert die Augen aufschlug. „Irgend etwas kommt aus der Ruine.“
Das Etwas entpuppte sich als zwei betrunkene Banditen in abgerissen aussehender Fellrüstung, ein Kaiserlicher und ein Khajiit. Lallend, ohne jede Vorsicht, torkelten sie aus den Schattend des Eingangs. Der Kajiit kam schwankend zum Stehen, stieß seinen Kumpanen an und deutete in ihre Richtung. Sie hatten die Pferde entdeckt. Die nächste Bewegung der Ganoven ging zu ihren Waffen, etwas unsicher, aber dennoch zielstrebig. Langsam näherten sie sich dem Lagerfeuer.
Erynn fluchte leise. Unter normalen Umständen hätten diese Kerle nicht die geringste Gefahr dargestellt, aber ihr fehlte die Bewegungsfreiheit zum Kämpfen. Ihr Glück war wohl, daß die Banditen viel zu dicht waren um darauf zu kommen, in die Ayleidenruine zurückzurennen und Verstärkung zu holen. Dann waren sie und Arranges entdeckt. Die Gauner kamen näher, nicht ganz sicher auf den Füßen, aber mit wachsamem Blick. Die Elfin sah nur eine Handlungsmöglichkeit. Sie verdrängte die aufkeimende Nervosität und griff mit dem Geist nach der in ihr schlummernden Kraft. Sie bekam sie zu fassen, setzte sie in Brand und ließ sie fliegen. Der schwache Feuerball versengte das Fell im Gesicht des Katzenwesens und lenkte es für einige Augenblicke ab. Erynn warf einen Seitenblick auf den Beschwörer und konzentrierte sich erneut, versuchte diesesmal, mehr Kraft in ihr magisches Geschoß zu legen...
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Legende
Der Kaiserliche wurde aus dem Schlaf gerüttelt und war bei den hastig geflüsterten Worten der Dunmer sofort hellwach. Er verharrte und blieb zunächst liegen. Als die Wegelagerer, wie er vermutete, jedoch näherkamen, stemmte er sich hoch und konnte gerade noch sehen, wie Erynn einen Feuerball nach dem Khajiit warf. Zu schwach... zu schwach, das wird nicht reichen... Arranges sollte Recht behalten, der Zauber richtete nicht sehr viel Schaden an, aber er sorgte einen Moment für Ablenkung. Diesen kurzen Augenblick nutzte Erynn. Alles ging blitzschnell, sodass Arranges erst kurz darauf begriff, was eigentlich genau geschehen war.
Der Nekromant bemerkte, wie sich langsam eine gewaltige Energiemenge von Erynn aus wie eine Aura ausbreitete. Der Gedanke, dass dies nicht gut gehen konnte, raste ihm noch durch den Kopf... Ein gleißendes Geschoss, einem Pfeil gleich, war für den Bruchteil eines Augenaufschlags in Richtung der Banditen unterwegs. Ein ohrenbetäubender, mächtiger Donnerschlag, nahm allen für einige Sekunden die Sinne. Arranges wurde umgerissen und segelte einige Fuß weit durch die Luft, ehe er hart aufschlug. Nach einigen Momenten während denen er auf dem Bauch liegend nach Luft japste, hatte er sich wieder so weit gefangen und wuchtete sich schwankend auf die Beine. Sein Gesicht brannte und sein Blickfeld wurde von grellen Punkten überlagert, als hätte er für einige Herzsschläge direkt in die Sonne gestarrt. In seinen Ohren verging langsam das Dröhnen der Explosion. Nach einem kurzen Rundumblick hatte er eine grobe Orientierung. Ein paar Meter weiter lag Erynn, ob bewusstlos oder nicht, konnte er kaum sagen, aber sie hatte ihren eigenen Feuerzauber auf jeden Fall besser überstanden, als er selbst. Er bemerkte, wie die Haut in seinem Gesicht vereinzelt Blasen schlug und schmerzte wie die Hölle selbst, auch sonst hatte es ihm die Lederrüstung und die Kleidung überall dort versengt und verkohlt, wo nicht das schützende Kettenhemd darüberlag. Verdammt... Dort, wo vor einigen Sekunden noch die Räuber gestanden hatten, war ein großer, leicht zum Krater gewölbter, rabenschwarzer Brandfleck auf der Erde, der im Durchmesser gut und gerne 3 Schritte maß. Von den Körpern der Angreifer war nicht mehr übrig, als ein paar verstreute Gliedmaßen und schwarze Hautfetzen... Was zum Teufel... Magie ist keine Kriegsaxt Erynn, lern das doch endlich, verflucht... dummes Weib! Arranges hatte aber nur wenig Zeit, sich wirklich darüber aufzuregen, denn schon drangen aus dem Eingang der Ruine ein paar weitere Stimmen. Und kurz darauf, sah sich der Magier zwei gut bewaffneten, aber nur leicht gepanzerten Rothwardonen gegenüber...
Nein, nicht am frühen Morgen! Ich habe keine Lust auf sowas... und schon gar nicht bevor ich nicht etwas gegessen habe! Der Kaiserliche war merklich wütend, nicht nur, weil Erynn ihm gezeigt hatte, wie sich ein Feueratronach wohl ständig fühlen musste, sondern schlicht deswegen, weil er seinen Schlaf, der so schon alles andere als wirklich erholsam war, wegen ein paar bescheuerten Wegelagerern so früh aufgeben musste... Die neuerlichen leichten Verletzungen ignorierend, zog er seine Magie zusammen. Es wurde kalt, so kalt, dass von dem heißen Erdreich an der Stelle der Explosion Dampf aufzusteigen begann. Die beiden neuen Gegner, waren verwirrt und blieben perplex am Eingang der Ruine stehen, während sie zu Arranges sahen. Die Erde schien sich vor dem Kaiserlichen aufzutun, ein tiefblauer Abgrund kam zum Vorschein, aus dem etwas Aufzutauchen begann. Majestätisch und absolut bedrohlich, schwebte ein Lich empor und hielt sich einige Handbreit über dem Boden, während sich das klaffende Loch aus Magie unter ihm schloss. Aufgehts... tu, was du am besten kannst und seh zu, dass ich nicht mehr von diesen Bastarden behelligt werde... Der Lich vernichtete die beiden Räuber einfach, aber gerade, als Arranges seinen Diener entlassen wollte, kamen nochmals Gestalten aus dem Eingang der Ruine hervor. 'Verdammt nochmal...!' Jetzt reichte es ihm entgültig. Mit schneidendem Zorn drang er in die Mentalität des Lichs ein und zwang ihn an das Führungskreuz einer Marionette, welches er hielt. Der Lich beschwor einen Skelettmeister an seine Seite, während Arranges sich seitlich zu seinen Beschwörungen bewegte um freies Schussfeld zu haben. Der Erste der drei Kontrahenten stürmte direkt auf das Skelett zu und fand sich einige Augenblicke später mit gespaltenem Kopf am Boden wieder. Der Zweite hatte den Lich über den Schaft seiner Pfeile hinweg ins Visier genommen und wollte gerade den zweiten Schuss abgeben, nachdem er die Silberspitze des ersten Pfeils im Torso des Untoten versenkt hatte. Bevor er jedoch noch die Sehne loslassen konnte, kassierte er die Quittung des Lichs und wurde von einem gewaltigen Feuerball in die Ruine zurückgeschleudert. Der Dritte verschwand derweil im Aufblitzen eines ihn treffenden Feuerzaubers, den Arranges geworfen hatte. Allerdings blieb er stehen. Arranges stutzte einen Moment, blickte aber dann hasserfüllt in die roten Augen eines Dunmers. Achso... das wird dir nur leider nichts nützen... Der Dunmer schien jedoch bewandert in der Magie und plötzlich machte der Skelettmeister kehrt und sprintete davon, als wäre Mehrunes Dagen persönlich hinter ihm her, auch der Lich sah sich plötzlich in seltsamen Fesseln wieder, die ihn am Angriff hinderten... Eine flimmernde Kugel jagte dem Dunkelelfen entgegen, der mit gezogener Klinge auf Arranges zukam. Er strauchelte und schlug schließlich hart auf. Der Kaiserliche war mit einigen wenigen Schritten bei ihm und ging ihm mit dem Knie voran ins Rückrad. Er hatte kein Schwert mehr, aber das sollte nicht das Problem sein. Ein gerufener Daedradolch verschwand knackend im Genick des Dunmers. Ein kurzes Zucken, dann hauchte er sein Leben aus.
Arranges erhob sich mühsig und lauschte einige Momente, ob nochmal jemand kam, aber das schienen alle gewesen zu sein. Er behielt den Lich trotzdem noch auf Nirn, auf Überraschungen hatte er nach so einem Tagesbeginn wahrlich keine Lust mehr. Vorsichtig strich er sich mit einer Hand über eine Wange. Die Haut hatte tatsächlich leichte Blasen geschlagen, das Haar an seiner Stirn war leicht angesengt und die Haut im ganzen Gesicht brannte abartig. Aber das war momentan nicht vorrangig für den Kaiserlichen, er eilte zu Erynn, die mittlerweile wohl wieder komplett zu sich gefunden hatte und auf dem Rücken liegend japste wie ein Fisch auf dem Trockenen. Neben ihr ließ er sich auf die Knie fallen. 'Verdammt, was habt ihr euch dabei gedacht?!' Seine Stimme klang mehr besorgt als verärgert. So vorsichtig wie irgend möglich hob er ihren Oberkörper in eine leicht sitzende Position und hielt sie mit einem Arm so, dass sie einigermaßen durchatmen konnte, während er ihr mit der anderen Hand das Haar aus dem Gesicht strich.
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Fossil
Die Elfin griff weit tiefer in die magische Kraftquelle als jemals zuvor. Sie wollte diese beiden Mistkerle einfach nur schnell erledigen; es hätte durchaus fatal werden können, würde sie in den Nahkampf gezwungen. Plötzlich entglitt ihr die Kontrolle über die Magie. Sie staute sich auf, immer weiter. Das ist zuviel. Viel zuviel! Panik zerrte an ihrer Konzentration, ließ das filigrane Geflecht des Zaubers instabil werden. Sie spürte die gewaltige Hitze auf ihrer Haut, in ihrem Kopf, in ihren Knochen. Es würde sie zu Asche verbrennen! Mit der Kraft der Verzweifelung stieß sie Energien von sich fort, wurde von der Druckwelle zurückgeschleudert. Der Aufprall preßte ihr die Luft aus den Lungen und sie blieb benommen auf dem Rücken liegen.
Nach einer Weile hob sie schwach den Kopf. Ihr war schwindelig und ihr Hirn fühlte sich an, als hätte es sich verflüssigt. Fast automatisch tastete sie nach ihrem Dolch, erstarrte aber mitten in der Bewegung, als einige Meter entfernt von ihr ein Wesen aus dem Nichts auftauchte, das ihr völlig unbekannt war. Es war furchteinflößend, gekleidet in verrottete Fetzen und trotzdem majestätisch. Eine eisige Aura umgab die Kreatur, so kalt und trostlos wie eine lange verschüttete und vergessene Gruft. Das unbekannte Ding wischte zwei weitere Angreifer fort -woher auch immer die so plötzlich gekommen waren- und rief dann ein Gerippe an seine Seite. Erynn ließ sich wieder zurückfallen. Der Beschwörer hatte offenbar alles im Griff.
Der Rest des Kampfes erreichte sie nur noch undeutlich. Nachdem sie all ihre magischen Reserven auf einen Schlag buchstäblich verbrannt hatte, konnte sie nur noch quälend langsam denken und reagieren, und jeder verkrampfte, abgehackte Atemzug flutete ihren Leib mit neuerlichem Schmerz.
Dann kniete der Kaiserliche neben ihr und zog sie so weit hoch, daß sie ein wenig leichter atmen konnte. Er sagte irgendetwas, das nicht sofort zu ihr durchdrang. Langsam beruhigte sich ihr hämmerndes Herz, und sie schlug die Augen halb auf. Für eine Weile schaute sie Arranges nur nachdenklich an und versuchte herauszufinden, was mit seinem Gesicht nicht stimmte. „Oh, verflucht...“, brachte sie schließlich heraus. „War ich das?“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht genau, was passiert ist“, beantwortete die Elfin schließlich seine Frage. „Ich habe irgendwie die Kontrolle verloren. Die Kräfte haben sich daraufhin verselbständigt und ließen sich nicht zurückdrängen... Arranges, bitte, in Neungötternamen, laß mich wieder runter. Du treibst mir die Rippe durch die Lunge.“
Geändert von Glannaragh (15.03.2011 um 10:15 Uhr)
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Legende
Der Kaiserliche zuckte erschrocken zusammen, als Erynn vor Schmerzen das Gesicht verzog und ihn stöhnend bat, ihn wieder herunter zu lassen. Langsam ließ er sie wieder absinken. Er wandte sich zu dem König der Untoten um und schickte ihn mit einem Wink ins Reich des Vergessens zurück.
'Halb so wild.' Versuchte er die Dunmer zu beruhigen. 'Es ist ja nichts weiter passiert... Ihr habt den Räubern ordentlich eingeheizt.' Sagte er und lächelte anerkennend. 'Aber bitte, tut mir den Gefallen, versucht das nächste Mal nicht irgendetwas... weckt mich, wenn ihr nicht kämpfen könnt...' Er warf Erynn nochmals einen flüchtigen, prüfenden Blick zu und erhob sich dann. Sein Gesicht brannte immernoch und die zahlreichen Schnitte an den Händen schienen auch wieder aufgeplatzt zu sein. Wird Zeit, dass wir nach Anvil zurückkehren... Arranges ging zu den Toten hinüber und durchsuchte ihre Leichen nach Heiltränken, aber außer einem arkanen Trank bei dem Dunmer fand er nichts. 'Verdammt!' Presste er hervor. Er ging zurück zu seinen Sachen, riss sich einen Stoffstreifen aus dem Umhang und tränkte ihn mit etwas Wasser. Vorsichtig und gähnend langsam ertastete er eine erste der relativ vielen Brandblasen im Gesicht und tupfte sie ab. Die Kühlung brachte nicht wirklich etwas, aber da ihm ebenfalls Rus und Staub entgegengeschleudert wurde, versuchte er so, die geschundene Haut ein wenig zu säubern, was sich als gar nicht so einfach herausstellte ohne Spiegel...
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Fossil
Erynn wuchtete sich schließlich auf die Füße und verschaffte sich einen Überblick. Als ihr Blick auf die verkohlten Leichenteile fiel, welche das Ergebnis ihres außer Kontrolle geratenen Feuerzaubers darstellten, wurde ihr kurz noch einmal ziemlich übel. Trotzdem überwand sie sich und durchsuchte jene Leichen, von denen etwas mehr übriggeblieben war. Bei einem der Toten fand sie einen Köcher voll mit Silberpfeilen, den sie an sich nahm. Ein paar gut gearbeitete Stahlwaffen sah sie noch, darunter ein hervorragend gepflegtes Kurzschwert, das ein Rothwardon bei sich getragen hatte. Sie nahm auch dieses mit. Andere nützliche Dinge fand sie ebensowenig wie Arranges. Es kam ihr seltsam vor, die Leichen zu fleddern, aber welche Wahl hatte sie schon? Keine Tränke, keine Spruchrollen, nicht einmal starken Alkohol tragt ihr bei euch. Was für Banditen seid ihr eigentlich!?
Erynn sah zu ihrem Begleiter herüber. Verdammt, sie hatte wirklich ein schlechtes Gewissen! Laß mich das machen“, bat sie und hielt ihm die Handfläche hin, bis er den Stoffetzen hineinlegte. Es dauerte nicht lange, bis sie den gröbsten Schmutz fortgewischt hatte. „Wenn du die Nerven dazu hast, wasch die Verletzungen mit Meerwasser aus. Sie nässen dann weniger. Ich werde derweil versuchen, noch ein paar dieser Pflanzen zu finden...“ Die Elfin sah mindestens so zerknirscht aus, wie sie sich fühlte. „Ich habe übrigens noch dieses Schwert hier gefunden. Ich weiß, es ist kein Silber, aber solide und gut ausbalanciert. Vielleicht kannst du ja etwas damit anfangen.“ Damit wandte sie sich ab und ging ein Stück an der Ruine entlang. Sie fand ein paar von den Stauden, die sie suchte, außerdem entdeckte Erynn eine Kiste an der Rückseite des Gemäuers, gut versteckt hinter einem Busch. Sie war verschlossen, aber ein paar kräftige Tritte lösten das Problem. Eigentlich war es den Aufwand nicht wert. Sie enthielt einen Haufen Plunder und einen Beutel mit zehn Septimen und einem kleinen, gelblich schimmernden Halbedelstein.
Schließlich kehrte sie zum Lager zurück und verarbeitete die Blätter wie schon einige Tage zuvor zu einer Salbe. Dann betrachtete sie nachdenklich das steinerne Portal, das den Eingang zu Beldaburo verschloß. „Ich kann nicht sagen, daß ich begeistert von der Aussicht wäre, in dieses Gemäuer hinabzusteigen“, sagte sie, als sie dem Kaiserlichen den Mörser mit der Frauenmantelpampe reichte. „Andererseits... sind wir nun schon mal hier. Ich habe sieben Tote gezählt. Zusammen mit den drei anderen, die wir auf dem Hinweg erwischt haben, macht das Zehn. Ich kann mir nicht vorstellen, daß diese Bande noch viel mehr Leute zählt.“
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Legende
Nach kurzem Zögern gab Arranges den Stoffetzen doch an Erynn weiter. Er war nicht sehr begeistert davon, die Dunmer hantieren zu lassen, aber es blieb ihm kaum etwas anderes übrig. Nachdem sie fertig war, gab sie ihm noch den Rat, sein Gesicht mit Meerwasser zu waschen. Naja, vielleicht hilfts ja... Und dann hielt sie ihm noch ein stählernes Kurzschwert hin, das er zuvor zwar ebenfalls erblickt hatte, ihm aber keine weitere Beachtung geschenkt hatte. Erynn meinte es aber wohl nur gut, also griff er nach der Klinge und nahm sie an sich. 'Besser als nichts...' Nuschelte er.
Während sie an der Ruine entlang nach weiteren Frauenmantelgewächsen suchte, ging er zum Strand hinunter und wusch vorsichtig sein Gesicht. Es brannte schlimmer als Feuer, aber als er fertig war und seine geschundene Haut trocknete, fühlte es sich nicht mehr so unangenehm an, wenngleich der Schmerz blieb.
Er ging zurück zum Lager, wo Erynn gerade die Arbeiten an einer neuerlichen Salbe beendete. Sie reichte ihm die massive, irdene Schale und sprach ihn darauf an, ob sie in der Ruine noch nachsehen sollten, ob es dort vielleicht etwas Verwertbares gab. Arranges trug vorsichtig die Salbe auf sein Gesicht und die Hände auf. 'Hmm... die Räuber werden nicht sehr weit in die Ruinen vorgedrungen sein... vielleicht haben sie nur den Eingangsbereich besetzt oder auch die erste größere Halle, aber sehr viel weiter hinein werden wir nicht müssen um ihr Lager zu erreichen... Könnt ihr überhaupt so gut laufen... ich meine, wir sollten keine weiteren Verletzungen riskieren, schließlich wissen wir nicht, ob die Gänge möglicherweise mit Fallen gespickt sind...' Er stellte nachdenklich den Mörser ab, als er fertig war und ließ seinen Blick über Erynn gleiten.
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Fossil
„Es wird schon gehen.“ Sie zog eine Augenbraue hoch. „Um meine eigenen Kratzer mache ich mir dabei übrigens die geringsten Gedanken.“ Die Elfin stand auf und holte ihr Schwert. Nachdem die Entscheidung einmal getroffen war, wollte sie keine Zeit mehr mit warten verschwenden. Von dem Lederkürass waren praktisch nur noch Fetzen übrig, also ließ sie ihn liegen. Sie hatte ohnehin keine Ahnung, wie sie das Ding über ihren Kopf kriegen sollte. Ungerüstet in diese Ruine herabzusteigen, ist tatsächlich etwas waghalsig. Dann muß ich eben zusehen, daß ich ungesehen dicht genug an eventuelle Gegner herankomme, um sie mit einem Stich auszuschalten... Erynn erschrak über ihre eigenen Gedanken. Bin ich wirklich so kaltblütig? Das wollte ich niemals sein. Aber es sind in letzter Zeit so viele Dinge geschehen, die ich niemals wollte...
Langsam ging sie auf den Eingang zu. Hinter sich hörte sie, daß der Kaiserliche ihr folgte. Das Portal stand halb offen. Dahinter erstreckte sich nach wenigen Stufen ein kurzer Gang, der nach nur wenigen Schritten eine scharfe Linksbiegung beschrieb. Die Erbauer hatten die Wände zum Teil mit großen, sorgfältig behauenen Steinblöcken gestützt, zum Teil den natürlichen Fels sichtbar gelassen. Zusammen ergab es ein elegantes, harmonisches und auch sehr fremdartiges Bild, als hätten die Baumeister des alten Elfenvolkes versucht, den Übergang zwischen der Wildnis draußen und ihren kühnen, hohen Hallen so fließend wie möglich zu gestalten.
Noch einmal hielt Erynn inne und lauschte sie auf irgendwelche Geräusche, hörte aber nichts. Dann trat sie einige Schritte in das Halbdunkel und spähte um die Ecke. Der Gang ging in eine Empore mit steinernem Geländer über. Einige Wurzeln waren durch die Decke gestoßen und hingen in der Luft wie sich windende Schlangen. Von ihrer Position aus konnte sie in eine große Halle hinabsehen, die von vier schlanken Säulen gestützt wurde. Große, helle Kristalle wuchsen direkt aus der Decke und tauchten die Umgebung in bleiches, überirdisches Licht. Der Boden des großen Raums war übersät mit Kisten, Fässern, Decken und anderem Krempel. Offenbar hatten sie das Lager der Banditen gefunden. Direkt in der Mitte erhob sich eine etwa mannshohe Strele, auf der ein metallener Behälter stand. Erynn gab Arranges ein Zeichen, sich still zu verhalten und beobachtete für ein paar Minuten die Szenerie. Nichts regte sich, es gab kein Anzeichen dafür, daß sich hier noch jemand aufhielt.
Die Galerie umgab den Raum von zwei Seiten, dann mündete sie wieder in einen schmalen Gang, der ein ganzes Stück abwärts führte. Nach einer weiteren Biegung öffnete er sich zu der Halle, in die sie vorhin hatten herunterschauen können. Noch immer war kein Anzeichen von Leben zu entdecken. Banditen schien es hier keine mehr zu geben. Das äonenlange Schweigen hatte bereits begonnen, sich diesen Ort zurückzuerobern, und die Gegenstände, welche die Verbrecherbande hier eingelagert hatte, wirkten in ihrer Profanität wie eine Beleidigung der zeitlosen Würde, die aus jedem Quadratzentimeter dieses stolzen Bauwerks sprach.
Erynn riß sich nach einer schieren Ewigkeit von dem überwältigenden Anblick los und durchsuchte die Kisten und Fässer. Tatsächlich gab es neben jeder Menge nutzlosem Kram einiges, was sie beide gut gebrauchen konnten. Sie fand Kleidung, Pfeile und einige Beutel mit Septimen, dazu in einem Faß eine großzügige Menge eingepökeltes Wild. Schließlich öffnete sie eine Truhe, in der sich eine größere Anzahl an Tränken und alchemistische Zutaten befanden. Auf den Fläschchen waren keine Etiketten angebracht, und so konnte sie nicht sagen, was sie enthalten mochten. Sie winkte den Beschwörer zu sich. „Weißt du, was für ein Zeug das hier ist?“
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Legende
Arranges folgte der Elfe in die Ruine, er war zwar ebenfalls beeindruckt von der Architektur, aber aufgrund dessen, dass er schon öfter eine Ayleidenruine von innen gesehen hatte, wurde er lange nicht mehr so in ihren Bann gezogen.
Während er Erynn mehr hinterher stolperte, als schlich, hatte er stets einige Zauber im Anschlag. Eigentlich wäre es ihm lieber gewesen, selbst vorauszugehen, aber seine um Unauffälligkeit bemühten Bewegungen hallten teilweise arg nach in den Gängen. Im Lager der Gesetzeslosen fanden sie zunächst nichts Besonderes, außer dem üblichen Krempel. Arranges besah sich einen Moment lang eine Tunika in einem etwas ausgewaschenen Meerblau. Mal sehen, ob die mir passt... Doch bevor er sich daran machen konnte, seinen Oberkörper zu entkleiden, rief Erynn nach ihm. Er ging zu ihr hinüber und blickte in eine Kiste mit haufenweise Tränken, aber allesamt ohne Etikett. Oh... das wird lustig... Geschmacksprobe... 'Nunja, wenn keine Beschriftung auf den Tränken ist, wird uns kaum etwas anderes übrigbleiben, als anderweitig herauszufinden, was sie beinhalten...' Er bückte sich und nahm das nächstbeste Fläschchen aus der Kiste... Im gleichen Moment, als er das Glasgefäß anhob, rügte er sich jedoch für sein Tun.
Ein schabendes Geräusch war zu hören und die Kiste senkte sich vielleicht zwei Fingerbreit ruckartig ab. Eine Falle! Verfluchte Ayleiden! Von irgendwoher aus der Halle drang ein mahlendes Geräusch zu ihnen herüber und mit ihm senkten sich zwei schwere Steinplatten in der Mauer hinter ihnen in den Boden. Der Nekromant fuhr herum und sah sich einer kleinen Kammer gegenüber, aus welcher ihnen jetzt ein herber Verwesungsgeruch entgegenkam, aber als ob das nicht genug wäre, stolperte ein einarmiger, kopfloser Zombie auf sie zu. Der Kaiserliche knirschte hörbar mit den Zähnen. 'Wegelagerer früh morgens reichen wohl nicht...?' Knurrte er. Herrisch und ungeduldig winkte Arranges dem Untoten entgegen. 'Zisch ab!' Der Zombie verharrte einen Moment, fuhr dann auf dem Absatz herum und rannte blindlinks aus der Halle in die tiefer gelegenen Teile der Ruine davon.
Genervt den Kopf schüttelnd widmete sich Arranges wieder der Truhe mit den Tränken, wobei er den einen noch immer in der Hand hielt. 'Ja äh... Geschmacks- und Geruchsprobe ist alles, was uns da bleibt...' Er grinste sie schief an, entkorkte dann die Flasche und träufelte sich ein paar Tropfen davon auf den Zeigefinger der anderen Hand. 'Verdammter...!?’ Schon als der erste Tropfen seinen Finger traf, dampfte die Flüssigkeit mit einem zischenden Laut auf. Der Kaiserliche schüttelte hektisch seine Hand und wischte sie schnell an seinem Umhang ab. Als er die Hand wieder hochnahm und seinen Finger betrachtete, warf er gleichzeitig der Flasche einen vernichtenden Blick zu. Etwas arg setzte er dem Gefäß wieder den Korken auf. 'Irgendein verdammt starkes und ätzendes Gift.’ Sagte er wie beiläufig, als er Erynn das Fläschchen in die Hand drückte. So ging das eine Weile weiter, einige der 10 Tränke waren schlecht und nicht mehr zu gebrauchen, was Arranges immer mit einer von Ekel geprägten Fratze angab. Zum Schluss standen sie mit zwei sehr starken Giften da, wobei Arranges nicht wirklich sagen konnte, für was sie eigentlich genau gut waren, aber um zu töten würden sie garantiert reichen. Ein einziger Heiltrank war dabei. 'Na wenigstens etwas...' Sagte er aufmunternd zu der Dunkelelfe, als er ihr den Heiltrank reichte. 'Nehmt ihr ihn, bei mir wird die Salbe weiterhin reichen denke ich.' Dann wandte er sich ab und ging wieder zu der Truhe mit den Kleidungsstücken hinüber.
Nach nur wenigen Minuten hatte er seinen Oberkörper komplett entkleidet und griff nach der Tunika. Unter ihr kam ein grobes graues Leinenhemd zum Vorschein. Arranges sah kurz abwechselnd zwischen seinem zerrupften Hemd und dem anderen hin und her. Also wenn ich gerade schonmal dabei bin... Er legte die Tunika zur Seite und griff nach dem Hemd. Naja es wird ein wenig kratzen, aber egal... Doch bevor er das Hemd überzog, blickte er kurz an sich herab. Die Wunde aus dem Kloster war gut verheilt, aber irgendwie hatten sie und einige andere, der deutlich sichtbaren, keine solch eine Narbe zurückgelassen, wie die drei dunklen Flecken auf seinem Bauch. Ich glaube der Skalon ist sich seiner ihm anhaftenden Krankheiten irgendwie bewusst... Kopfschüttelnd zog er sich das Hemd über. Auch die Tunika passte im Großen und Ganzen. Er warf sich wieder den Kettenpanzer über, legte sich den Rest seines Umhangs um die Schultern und schnallte provisorisch die Armschienen wieder an. Das war eine halbe Spezialanfertigung... und dazu nichteinmal billig... Ich würde am liebsten die Reste dieses Skamps zusammenkehren und nochmals ins Reich der Toten befördern wenn ich könnte... Er drehte sich zu Erynn um. 'Wollt ihr noch weiter in die Ruinen vordringen?'
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Fossil
„Nein. Verschwinden wir von hier, ein Zombie reicht mir völlig... Verdammt, ich hätte nicht geglaubt, daß die Biester so übel stinken.“ Wie lange der Untote wohl schon hier war? Ob die Ayleiden ihn hiergelassen haben? Wie kommt es, daß die Banditen diese Falle nicht ausgelöst haben? Oder war der Zombie das Werk dieses Magiers, der auch uns angegriffen hat? Erynn schüttelte den Kopf. Das Wesen stieß sie ab, aber es tat ihr auch leid. Vielleicht wäre es besser gewesen, sein Leiden zu beenden... Sie nahm die Beute auf und machte sich auf den Weg zum Ausgang der Ruine.
Die Elfin trat aus dem Schatten des Eingangs. Nach der Zeit in den kühlen Hallen von Beldaburo genoß sie die Wärme des jungen Morgens. Sie entfachte das Feuer neu -vorsichtshalber auf konventionelle Art- und legte zwei große, flache Steine in die Glut. Das Fleisch, das sie gefunden hatte, würde eine willkommene Abwechslung zu der faden Wegzehrung sein, die ihr schon seit Wochen zum Halse heraushing.
Während Erynn darauf wartete, daß das Feuer in Gang kam, sah sie sich auf dem Platz vor der Ruine um. Hier sitze ich, umgeben von Toten, und brate Fleisch. Irgendwas daran... läßt garantiert nicht auf einen gesunden Geisteszustand schließen. Sie erforschte ihre Gefühle und stellte fest, daß es ihr wirklich nichts ausmachte. Die ständigen Schmerzen und der wenige Schlaf in der letzten Zeit hatten sie abgestumpft. So geht das nicht weiter. Ich will mich nicht verlieren...
„Arranges? Ich habe mich gefragt, wie lange dieser Zombie wohl schon in dieser Ruine gewesen ist. Könnten die ursprünglichen Bewohner ihn vielleicht zurückgelassen haben? Es heißt jedenfalls, daß sie ihre Bauten von untoten Wächtern beschützen ließen, nachdem sie verschwanden. Kann man so ein... Ding über so lange Zeit zusammenhalten? Ich meine, totes Fleisch zersetzt sich nunmal. Irgendwann müßte doch nichts mehr davon übrig bleiben.“
Erstaunt stelle sie fest, daß es sie tatsächlich interessierte, und sei es nur um des schieren Wissens willen. Sie drückte ihrem Begleiter die Phiole mit dem Trank in die Hand. „Und was diesen Heiltrank betrifft: Wir werden ihn teilen. Zumindest die Schußverletzung in der Leiste solltest du damit behandeln. Sonst wirst du wochenlang nicht reiten können.“
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Legende
Arranges hätte das Pökelfleisch vermutlich unbeachtet gelassen und wäre auch erst gar nicht nach Beldaburo hineingegangen. Aber wenn Erynn sich schonmal wortlos bereiterklärte, das auf Reisen eher seltene Gut zuzubereiten, war ihm das nur recht und so setzte er sich schweigend ans Feuer.
Die Frage der Dunmer überraschte ihn nicht wirklich, er hatte schon fast darauf gewettet, dass Erynn nach dem Untoten nochmal fragen würde. Er nahm den Trank entgegen, es hätte kaum Sinn gemacht, etwas dagegen zu sagen. Und bevor sie noch auf die Idee kommen würde, wieder ihre Nadeln und Messerchen und sonstige Werkzeuge auszupacken, die sie zur Wundversorgung nutzte, nahm er lieber den Trank. Er hatte den Gürtel, seitdem er ihn zum Wundverschluss zweckentfremdet hatte, nichtmehr wirklich angerührt, folglich wurde auch das Blut stellenweise abgedrückt, was den Nekromanten nicht weiter störte, er begrüßte es sogar, denn so hielten sich die Schmerzen weitestgehend in Grenzen, wenn das Gewebe um die Verletzung herum taub war. Er stellte den Trank neben sich ab und erhob sich. Während er sich bemühte, den Gürtel vorsichtig zu lösen, machte Arranges sich daran, die Frage der Dunmer zu beantworten. 'Nun, es gibt sicherlich Möglichkeiten, einen Zombie mehr oder weniger unbegrenzt lange am... Leben zu halten, ohne, dass sein Fleisch einfach zerfällt. Aber das sind Rituale, die jenseits von gut und böse liegen... sehr wahrscheinlich lassen sich Rituale dazu in dem Buch Kunst der Schleier finden, aber es ist nicht Sinn und Zweck der Nekromantie untote Geschöpfe zu erschaffen und diese dann so lange wie möglich zu halten... Ich weiss nicht, was die Ayleiden an dieser Stelle dachten, aber ich bin mir sicher, dass dieser Zombie dort unten nicht von ihnen war... das kann deswegen schon nicht sein, da die Kiste mit den Tränken zu genau auf der Trittplatte platziert war.' Arranges sog scharf die Luft ein, als der den Gürtel endlich aufgedreht hatte und jetzt wieder teilweise Blut durch zuvor gänzlich leere Bahnen strömte. 'Ich glaube eher, dass die Räuber den Öffnungsmechanismus ähnlich überraschend entdeckten wie wir und ihn dann zu ihrem Vorteil nutzten. Der Zombie war garantiert das Werk jenes Magiers, den wir vor einigen Tagen getötet haben...' Arranges löste die Gürtelschnalle und ließ das Lederband an dem ein Großteil seines Gepäcks hing, dann einfach fallen. Er stand seitlich zu Erynn, sodass sie nicht sehr viel sehen konnte. Der geknüllte Stofffetzen war bunt, im wahrsten Sinne des Wortes. Von schwarz über rot und braun, bis hin zu gelb, waren für eine Verletzung, die für gewöhnlich rot blutet, erstaunlich viele Farben dabei. Das wird lustig... Noch vorsichtiger als sowieso schon, zupfte der Nekromant an dem total verklebten Stoff herum. 'Die Alchemie bietet ebenfalls so einige Möglichkeiten, totes Fleisch weit bis über den natürlich eintretenden Verwesungsprozess hinaus zu konservieren, aber ich habe davon nicht sehr viel Ahnung, ich wurde in meiner Schülerzeit hauptsächlich dazu gezwungen, mich mit der Alchemie zu befassen und habe mittlerweile vieles schon wieder vergessen, die Grundlagen aber glücklicherweise noch behalten, wie mir scheint,' dabei sah er kurz auf seine schon recht ordentlich verheilten Arme, 'Ebenfalls und das ist der eigentliche Kern der Totenbeschwörung, kann man Verstorbene, die noch nicht einige Jahre unter der Erde verbracht haben, mit ihrer eigenen Seele durch Magie sozusagen an Nirn fesseln... gut, genau genommen kann man auch Leichen wieder auferstehen lassen, von denen nur mehr noch der halb zerbröselte Schädel übrig ist oder ähnlich wenige sterbliche Überreste...' Ich hätte von Meryann noch viel mehr als nur die Lichbeschwörung lernen können... Fast ein bisschen traurig dachte er kurz an die Erscheinung der Bretonin, mit der er die Inseln bereist hatte, konzentrierte sich aber dann wieder auf seine Wunde. Er hatte den Verband mittlerweile fast ganz entfernt. 'Ich selbst habe 9 Jahre lang...' Er brach ab, als er den Stoff in diesem Moment ganz entfernte. Darunter kam schneeweiße und wellige Haut zum Vorschein. Um den Einschuss herum war das Gewebe grau bis beinahe schwarz. Und kaum hatte er den Stofffetzen weggezogen, drängte farbloses Wundsekret und dicker, tiefgelber bis brauner Eiter aus der Wunde. Eine Mischung aus Ärger und ein wenig Ekel zeichnete sich auf dem Gesicht des Kaiserlichen ab. Schnell drehte er Erynn den Rücken zu und betete, dass sie nichts bemerkt hatte. Die säbelt mir aus einem Impuls heraus nur noch alles weg da unten, wenn sie das sieht... Da bin ich mal gespannt, ob der Heiltrank da etwas ausrichten kann... Der Kaiserliche blickte über die Schulter und bat Erynn mit Worten, die keine Widerrede zuließen, ihm den Heiltrank zu reichen, während er sich halb zu ihr drehte. Er tränkte das plattgedrückte, auf der einen Seite starre, auf der anderen Seite durchgesiffte Stoffknäuel mit ein paar Tropfen des Tranks und beeilte sich dann, den recht abstrakten Druckverband mit dem Gürtel wieder anzulegen. Nur war es jetzt unumgänglich, dass bei jeder Bewegung im Hüftbereich weiterer Eiter aus dem Wundkanal kam, der zu Arranges Unbehagen immer dunkler wurde. Der Pfeil hat gesessen... zu schade, dass ich die Zusammenstellung des Giftes nicht kenne, aber es müssen wohl von Mehrunes persönlich berührte Zutaten gewesen sein... da brauch ich auch den Trank nicht unnötig drauf verschwenden... Arranges versuchte, den Druckverband so schnell wie möglich wieder anzulegen, konnte dabei aber ein paar unterdrückte Flucher, jetzt, da er die Schmerzen wieder spürte, nicht zurückhalten.
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Fossil
Die Dunkelelfin hörte den Ausführungen ihres Gegenübers genau zu. Je mehr sie erfuhr, umso mehr sträubte sich alles in ihr gegen diese ‚Wissenschaft’, oder als was man auch immer die Nekromantie bezeichnen mochte. Hätte ich bloß nicht gefragt. Das ist ja abscheulich!
Mehr aus Reflex stand sie auf, als Arranges im Kommandoton nach dem Heiltrank verlangte. Sie brauchte die Verletzung nicht zu sehen, um zu wissen, was vor sich ging. Die faulen Säfte auf dem Tuch und der bestialische Gestank, der aus der Wunde drang nachdem sie offengelegt war, sprachen ihre eigene Sprache. Als der Kaiserliche sich bemühte, den improvisierten Verband hastig wieder anzulegen, wurde ihr das Schauspiel zu dumm. „Arranges, bitte. Reinige die Verletzung wenigstens notdürftig, oder laß mich das machen, wenn du es nicht kannst. Sie stinkt ja schon nach Tod!“
Ich bin doch der leibhaftige Handlanger des Bestialischen, würde man dich nach mir befragen... Dem Kaiserlichen passte es nicht wirklich, dass Erynn schon wieder an seinem Umgang mit Verletzungen an sich, herumkritisierte. Bei aller Liebe, Zuneigung und Freundschaft, aber der Kaiserliche war nuneinmal ein erzogen anstrengender und undankbarer Patient. 'Ich bin Nekromant... natürlich rieche ich nach Tod... alles andere wäre eher seltsam... wagt es bloß nicht daran herumzufingern, Erynn!' Fügte er noch warnend hinzu, als er diesen... diesen unbeschreiblichen Ausdurck in ihrem Gesicht sah, der ankündigte, dass sie ihrer nicht vorhandenen Begeisterung über seine Worte gleich Luft verschaffen würde. Er selbst setzte seine Tätigkeit an dem Gurt unbeirrt fort...
Erynn verdrehte die Augen. "Vor allem bist du der lebende Beweis dafür, daß Intelligenz nicht gleichzeitig auch Vernunft bedeutet... meine Güte, jedesmal dasselbe Theater!" Sie wandte sich ab, holte ihren letzten Wasserschlauch aus der Satteltasche und hielt ihn dem Beschwörer mit Nachdruck unter die Nase. "Du kennst dich doch aus mit totem Fleisch. Muß ich dir erzählen was passiert, wenn eine Entzündung zu weit um sich frißt? ...warte, mir fällt gerade ein gutes Beispiel ein, noch aus meiner Zeit in Cheydinhal. Es handelte sich dabei um einen Ork, den die vergiftete Klinge eines Schmugglers erwischt hatte. Er bestand darauf, daß es sich nur um einen unbedeutenden Kratzer handelte. Nun, die Arkaypriester waren in diesem Fall tatsächlich mal zu etwas nutze. Sie konnten sein Leben damit retten, daß sie den Arm schließlich am Schultergelenk abtrennten. Verdammt häßliche Sache, wirklich."
Nein verdammt, ich habe sie nicht gern in meiner Nähe... ich sollte sie in den Brechern des Abeceanischen Meers ertränken... am besten jetzt gleich... Ärger zeichnete sich auf der Miene des Magiers ab. Er dachte nichteinmal daran, nach dem Wasserschlauch zu greifen, stattdessen zog er das Hemd und die Tunika bis fast zum Brustbein hoch, sodass sein Bauch entblößt wurde. 'Es zeigt sich mal wieder, dass du trotz so viel mehr Lebensjahren kein bisschen Erfahrung hast... vermutlich auch genauso wenig erlebt...' Er deutete auf die drei dunklen Flecken, welche etwas seitlich über den Bauchnabel in einer vertikalen Linie zu sehen waren. 'Ein Skalon konnte mich nicht töten und die üblen Krankheiten, die an seinen Klauen hafteten ebenfalls nicht... Und ich versichere dir, dass das weit schlimmer war, als diese etwas eiternde Wunde... ich kenn mich aus mit sterbendem und verwesendem Fleisch, also mach keinen Aufstand und sieh lieber zu, dass du deine eigenen Wunden versorgst.' Er zog die Kleidungsstücke wieder herunter und machte sich dann erneut daran, den Gürtel über der Wunde festzuziehen.
Sie seufzte schwer, setzte das Fläschchen mit dem Heiltrank an ihre Lippen und nahm einen kleinen Schluck. "Zufrieden? Für den Rest brauche ich deine Hilfe, ich komme im Moment nämlich nicht an meinen Rücken dran... und zum Henker, laß den Gürtel wenigstens so lange ab, bis die Fäulnis ausgelaufen ist!" Sie konnte nur den Kopf schütteln über so viel Dummheit. "Ich werde dich nicht anfassen, wenn du nicht willst - vorausgesetzt, du hörst jetzt mit den Spielchen auf, nimmst diesen beschissenen Wasserschlauch und kümmerst dich selber darum! Glaubst du etwa, ich habe Spaß daran, dich alle paar Wochen halbtot mitten in der Wildnis neben einem Lagerfeuer liegen zu haben und zu Akatosh und Molag Bal gleichermaßen zu beten, daß du mir nicht unter den Händen wegstirbst? Machst du das mit Absicht?"
Der Blick des Kaiserlichen verfinsterte sich. Er hielt ihre Augen gefangen. Dann, nach ein paar Herzschlägen zog er das gelochte Ende des Gürtels ruckartig und demonstrativ fest und schloss die Gürtelschnalle. Er ging gar nicht erst auf ihr Geplapper ein, sondern nahm ihr den Trank aus den Händen und machte eine auffordernde Geste. 'Wenn ich dir helfen soll, musst du mir schon sagen, was ich tun müsste...'
Erynn fluchte innerlich. Schlimm genug, daß ich dich um Hilfe bitten muß. Darf ich dir jetzt auch noch jeden Scheiß erklären? Na, fabelhaft... "Ich weiß nur, daß die Haut über dem Bruch aufgeplatzt ist. Keine Ahnung, wie es aussehen mag. Wird auch nicht besser dadurch, daß ich ständig darauf liege. Nimm ein Stück von den Verbänden, den Rest vom Trank und wasch es aus... bitte." Sie ließ sich auf die Knie nieder, während sie darauf wartete, daß Arranges den Kram zusammensuchte. "Übrigens... was ist ein Skalon?"
Arranges hatte sich schon darauf vorbereitet, auszuweichen, sobald Erynn versucht hätte auszuholen... aber sie blieb zumindest äußerlich ruhig. Der Magier hätte jetzt einen Kommentar zu ihren Worten abgegeben, aber das Risiko, doch noch eine zu fangen, wollte er jetzt auch nichtmehr eingehen. Er holte die Verbände und kniete sich dann hinter Erynn. Erst blickte er einen Moment unschlüssig auf den Rücken der Dunmer, während er sich am Kopf kratzte. Dann aber langte er nach dem Hemd und schob es einfach ohne weitere Vorbehalte nach oben. Darunter kam eine zwar relativ kleine, aber dafür arg ausgefranste Wunde zum Vorschein. Na Klasse... Der Kaiserliche konnte wenn überhaupt nur grob operieren, wenn man denn eine vergleichbare Handlung seinerseits bei Verletzten so bezeichnen konnte. Während er einen Streifen des Verbands zusammenfaltete, blickte er auf die Wunde und überlegte, wie er das anstellen sollte. Hmm... an Leichen zu arbeiten hat mir doch auch nie Schwierigkeiten bereitet... dort wurde meine ruhige Hand sogar gelobt... aber ich kann mir doch hier nicht vorstellen, dass Erynn totes Gebein wäre... Skeptisch und fragend schaute er auf das Stück Stoff in seiner Hand. Dann tränkte er es mit etwas Wasser und beäugte nochmals einen kurzen Moment die Wunde. Naja... so lange sie das nicht weiss... Mit der ruhigen und sanften Berührung eines Bildhauers, eines Chirurgen oder Zeichners, säuberte er sorgfältig und präzise die Wunde. Während er noch an der Wunde hantierte, begann er zu sprechen: 'Sicherlich hast du das Portal in der Nibenbucht nicht vergessen... du weisst schon, die Insel, an der wir vorbeikamen, als wir übersetzten. Es ist eine Tür ins Reich Sheogoraths, dem Daedraprinzen des Wahnsinns... Und sicherlich hast du in Cheydinhal mitbekommen, dass ich schoneinmal in einer Oblivionebene war. Ich war vor gar nicht so langer Zeit dort, auf den Zitternden Inseln... und neben all der schieren Pracht und Verliebtheit des Fürsten in sein Reich, ist es mindestens so tödlich wie jenes von Mehrunes Dagon... nur ist die Kreaturenvielfalt um einiges höher... so gibt es dort auch die Skalons. Aggressive sumpfbewohnende Monster, wie du sie noch nicht gesehen habt. Ich glaube nichts, was es im Reich Mehruns Dagons gibt, ist übler, als diese Bestien. Sie sind größer als Oger, flinker als Trolle und stärker als beide zusammen, darüber hinaus greifen sie im Schutze eines Chamälionzaubers an. Die dreigliedrige Klauenpranke von einer dieser Kreaturen ging durch meinen Kettenpanzer wie durch Butter... daher die drei Narbenpunkte...' Er tupfte die Ränder der Wunde nochmals ab und tränkte den Verband dann mit dem Heiltrank und benetzte damit vorsichtig das zerschundene Fleisch. 'Wie äh... soll ich dir beim Verbinden helfen oder willst du die Wunde offen lassen?'
Sie biß die Zähne zusammen, während Arranges die Wunde säuberte. Auf keinen Fall würde sie sich die Blöße geben, jetzt auch nur einmal zu zucken. Gebannt hörte sie zu, während er über Sheogoraths Reich sprach. Ihr wurde bewußt, wie recht er mit den Bemerkungen über ihre geringe Erfahrung hatte. Tausend Fragen schossen ihr durch den Kopf, und so dauerte es einen Moment bis sie registrierte, daß er sie direkt angesprochen hatte.
"Hm...? Nein, laß sie offen. Mit etwas Glück muß ich in Zukunft nicht mehr auf dem Rücken schlafen... du hast Talent, weißt du das? Ruhige Hände." Erynn hockte sich wieder ans Feuer und nahm das Fleisch von den heißen Steinen, reichte eines der Stücke ihrem Begleiter. "Du warst also tatsächlich auf den Zitternden Inseln..." murmelte sie und konnte nicht verhindern, daß sich so etwas wie Bewunderung in ihre Stimme schlich. Es ärgerte sie. Hoffentlich hat er das nicht gemerkt. Sonst habe ich neuen Arroganzanfällen gerade Tür und Tor geöffnet...
"Wir essen jetzt, dann gehen wir weiter", fuhr sie mit fester Stimme fort. "Ich will Anvil so schnell wie möglich erreichen. Du brauchst einen Heiler - am besten schon gestern." Und so lange der dich durch die Mangel dreht, kann ich in Ruhe jagen gehen...
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Legende
Goldküste -> Anvil
Ja... ich habe nicht nur ruhige Hände, sondern auch ein sehr schönes Talent dafür, mir eine lebendige Person als tot vorzustellen... Arranges grinste innerlich. 'Und du brauchts dringend mehr auf den Rippen, dann liegst du dich nicht immer derart wund...' Das Konnte Arranges sich nicht verkneifen. Breit grinsend aß er weiter.
Nachdem sie gegessen hatten, brachen sie das Lager ab und machten sich wieder auf den Weg nach Anvil. Die weitere Reise dauerte fast 5 Tage. Arranges begann während sie unterwegs waren, immer mehr zu humpeln. Er verdrängte den Umstand, dass ihm die Entzündung in der Hüfte mehr und mehr zusetzte, aber die zunehmende Blässe in seinem Gesicht war nur schwerlich zu ignorieren. In der Nacht zum 5. Tag gab er sogar völlig freiwillig und ohne auch nur ein Widerwort die Nachtwache an Erynn weiter, er war zu erschöpft um mit ihr darüber zu streiten. Zu allem Überfluss wurde das Wetter auch immer schlechter und als sie am Mittag endlich die Türme Anvils hinter den Hügeln auftauchen sahen, waren sie bereits schon bis auf die Haut durchnässt. Sie gaben die Pferde bei den Stallungen ab und passierten ohne groß aufgehalten zu werden die Tore der Stadt.
'Ich werde mich zu einem Heiler begeben.' Meinte der Magier, als sie auf dem großen Platz am Haupttor standen. 'Du kannst so lange in der Gilde Quartier beziehen oder so... am liebsten würde ich dich ja bei der Magiergilde bei einem Heiler wissen...' Arranges war sichtlich erschöpft und ausgezehrt. Ohne ein weiteres Wort, verabschiedete er sich mit einem stummen Nicken und schlurfte in Richtung Hafentor.
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