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Thema: Krisensitzung

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Die... Hübschen?! Alles klar, sie muss irgendeinen üblen Schlag auf den Kopf bekommen haben... schon vor längerer Zeit... Dem Kaiserlichen blieb nicht viel mehr zu tun, als dazuliegen und in den Himmel zu starren. Es war in der Zwischenzeit hell geworden. Vereinzelte Schäfchenwolken zogen über den sonst blauen Himmel. Na wenigstens etwas... wir haben fast erholsames Wetter... Arranges korrigierte seine Gedanken zum Wetter nur wenig später, als die Sonne nicht mehr weit vom höchsten Stand entfernt war. Zu der angenehmen Wärme kam jetzt eine leicht kühlenden Briese von der See her hinzu. Wir haben erholsames Wetter... Dem Kaiserlichen war langweilig. Er traute sich nicht aufzustehen. Das klaffende Loch in seiner Hüfte könnte wieder anfangen zu bluten und wenn Erynn mitbekam, dass dies nur deswegen geschah, weil er aufgestanden war oder sonstwie herumturnte, würde sie nur auf die Idee kommen, das zu nähen. Der Nekromant beschränkte sich für die nächsten Stunden damit, herum zu zünseln, zu meditieren oder schlicht Löcher in die Luft zu starren. Aber irgendwann wurde ihm alles zu langweilig. Ihm missviel die gesamte Situation, weder konnte er sich zum nächsten Obliviontor aufmachen, noch sonst irgendetwas sinnvolles tun. Ach egal, sie schläft, was will sie schon bemerken... Der Kasierliche knüllte mühsam den Saum seines Umhangs zusammen und presste ihn mit einer Hand so fest er konnte auf die Wunde in der Hüfte, dazwischen hatte er noch ein Stück gefaltetes Tuch gelegt. Dann versuchte er sich auf die Beine zu wuchten. Sofort spürte er wieder die beiden anderen von den Pfeilen gerissenen Verletzungen. Als er auf die Knie kam, wurde ihm für einen Moment schlecht und sein Blick verschleierte sich... Schützen sind nicht tödlich, Schützen sind nicht tödlich... Arranges überlegte kurz, während er schwankend vor dem Lagerfeuer kniete. Er griff mit der anderen Hand vor sich in die Luft und hielt einen daedrischen Kampfstab in der Faust. Damit müsste es zumindest kurzfristig gehen... Mit unterdrückten Schmerzlauten zog sich der Kaiserliche an der Waffe hoch. Als er stand wurde ihm wieder für einen Moment schlecht. Keuchend fing er sich wieder und blickte sich schwer atmend um. Stolpernd und wankend drehte er sich zum Strand um und ließ seinen Blick umherwandern. Ah... genau, was ich suchte... Der Kaiserliche humpelte los zum Strand. Im Hinterkopf hoffte er, dass Erynn nicht vom Knirschen seiner unbeholfenen Schritte auf dem kiesigen Boden erwachte. Am Wasser angekommen, fiel er auf die Knie. Das war hier allerdings auch nur wegen des weichen Sandes möglich. Er ließ den Daedrastab verschwinden und angelte mit einer Hand nach einem langen, mehr oder weniger stabil wirkenden Stock, der wohl als Treibholz an den Strand gespült worden war. Als Feuerholz nicht wirklich zu gebrauchen, erfüllte das Holz jetzt dafür einen wunderbaren Zweck als Krücke.
    Genauso mühsig, wie er hergekommen war, schleppte er sich wieder zum Lager zurück. Allerdings setzte er sich nicht wieder ans Feuer. Er wollte den Hang hinaufgehen und sich ein wenig umsehen. Aber gerade, als er an Erynn vorbeistolperte, regte sich die Dunkelelfe. Arranges erstarrte mitten in der Bewegung und blickte erschrocken auf Erynn herunter...

    Die Elfin schreckte hoch, als ein Geräusch durch ihren Schlaf drang, das sie nicht genau einordnen konnte. Sofort darauf fiel sie zurück und verbrachte die nächsten paar Sekunden damit, haltlos zu brüllen. "Verfluchter Idiot", keuchte sie, als die Schmerzwellen endlich auf ein erträgliches Maß verebbt waren. "Wofür schlage ich mir eigentlich die Nacht um die Ohren, wenn Ihr die nächste Gelegenhiet nutzt, um alles wieder zunichte zu machen? Habt Ihr Todessehnsucht, oder was?" Sie versuchte, sich auf die Ellbogen hochzustemmen, scheiterte aber kläglich. "Hinlegen! Sofort."
    In einem Winkel ihres Bewußtseins registrierte sie, daß die Salbe wohl besser wirken mußte als angenommen, wenn der Beschwörer schon wieder einen Stock halten konnte. Allerdings war sie viel zu wütend, um sich darüber freuen zu können.

    Arranges erschrak so heftig, dass er den Stock fallen ließ und sich erst wie zur Salzsäule erstarrt, nicht rührte. Er schrumpfte vor Erynn zusammen und wurde kleinlaut. 'Aber... aber...' Er legte sich mühsam seine Gliedmaßen verrenkend hin, erst als er auf dem Rücken neben ihr lag, kam es ihm, was er eigentlich tat. Ja bin ich denn jetzt ganz verrückt?! Er holte tief Luft. 'Ich habe euch nicht um eure Hilfe gebeten!' Sagte er laut, aber nicht brüllend.

    "Doch, das hast du. Es war in Skingrad, und ist schon eine ganze Weile her. Also halt das Maul, du undankbares Stück!" In diesem Moment beschloß sie, auf die förmliche Anrede zu verzichten. Sie reservierte sie für Personen, die sich durch eine gewisse Vernunft auszeichneten. "Du bist ungehobelt, verzogen und völlig von dir selbst eingenommen! Und darüber hinaus..." fuhr sie lauter fort, als er tief Luft holte "...ein mieser Schwertkämpfer, ein noch mieserer Taktiker und komplett unfähig, in der Gruppe zu kämpfen!"

    WAS?! Ungeachtet all seiner Wunden schnappte er hoch, lenkte seinen Schwung über Erynn und ging ihr mit dem Ellenbogen voran auf das Brustbein. Irgendetwas in ihrem Torso knirschte vernehmlich. 'Ich bin also ein schlechter Schwertkämpfer und ein mieser Taktiker?! ... Nur, weil ich nicht mit so einer brutalen Kraft zuschlagen kann wie Dremoras, die ihr ja so liebt, bin ich deswegen noch kein schlechter Schwertkämpfer... was die Taktik ins Gespräch bringt... warum glaubt ihr wohl, konnte ich bis jetzt mein Leben sichern, das ja alles andere als ruhig und ungefährlich ist... geht doch zu euren Dremoras! Vielleicht erwiedern sie eure Liebe irgendwann mal... WENN SCHLAMMKRABBEN DAS FLIEGEN GELERNT HABEN!' Er wuchtete sich wieder von der Elfe herunter und blieb schnaufend auf dem Rücken liegen.

    Erynn schrie auf, als die Knochenenden ekelhaft knackend übereinanderschabten. Mit einem Bein holte sie aus und traf Arranges sauber am Schienbein, als er wieder neben ihr zu liegen kam. "Du versteckst dich feige hinter irgendwelchen beschworenen Dingern und stichst dann ab, was sie übriglassen! Allein deshalb lebst du noch. Ich bin schwer beeindruckt! Welche Kunstfertigkeit", höhnte sie mit gifttriefender Stimme. "Meine Güte, hör endlich auf zu heulen, oder die nächste Schlammkrabbe fliegt direkt an deinen Holzkopf!"

    Dem Kaiserlichen blieb die Luft weg, als Erynn sein Bein traf. Erst nach einigen endlos langen Sekunden lichteten sich die Schleier vor seinen Augen wieder. Er wollte aufspringen und sie einfach töten, aber dazu fehlte ihm die Kraft, er war in diesem Moment sogar zu erschöpft, um ihr den Ellenbogen in die Seite zu jagen. 'Achja... es ist also nicht feige, irgendwo aus dem Hinterhalt heraus seinem absolut unwissenden Gegner einen Pfeil ins Genick zu jagen... oh und natürlich hat der Feind auf offenem Feld sehr viel mehr Chancen, wenn er mit gezogener Waffe auf euch zukommt und ihr ihm in die Augen schaut, wenn ihr den Pfeil von der Sehne lasst... Tiber Septim hätte sich vor eurem ehrenwerten und taktischen Genie bis zum Boden verneigt! ... Und meine Güte, hör auf so einen Schwachsinn zu reden bei dem ich lachen müsste, wenn ich könnte, du könntest eine Schlammkrabbe nichteinmal hoch heben... geschweige denn werfen...'

    "Ich heb dir auch ein Wildschwein hoch, wenns sein muß! Aber das kannst du dir wahrscheinlich sowieso nicht vorstellen. Woher auch, wenn du tagelang über irgendwelchen vermoderten Wälzern hockst. Ihr Magier seid allesamt ein verweichlichtes, spinnertes Pack! Völlig bekloppt in der Birne und nichtmal in der Lage, euch selbst die Tintenkleckse aus den Klamotten zu waschen! Und außerdem..." sagte sie mit einem gemeinen Funkeln in den Augen "...lieber ein Dremora als ein Pferd."

    Arranges wollte erst noch etwas erwiedern, besann sich dann aber eines besseren. Schließlich wusste er, dass sie mit ihrer Behauptung im Unrecht war. Er war keiner dieser Magier, die tagelang ausschließlich über ihren Büchern brüteten. Er hatte wahrscheinlich sogar mehr Training mit der Klinge genossen als so mancher hochrangige Protektor der Gilde, dazu hatte er deutlich mehr gesehen und erlebt als Erynn und viele andere. Er hörte im Geiste die Stimme seines Meisters: Arranges, ihr dürft euch nicht zu schnell aufregen, atmet tief durch... es nützt euch nichts, wenn ihr euch zu sehr damit beschäftigt, wie ihr euren Gegner am qualvollsten bezwingen könnt... handelt stattdessen! Aber die letzte Bemerkung der Elfe hatte ihn getroffen wie ein ungebremster Faustschlag ins Gesicht. 'Ihr könnt mich mal kreuzweise, Erynn...' Sagte er monoton. Hob mühsam die Hand ein wenig und schob sie ihr auf den Bauch. Ein kurzes, grünes Flackern war zu sehen und die Elfe wurde von ihrem eigenen Gewicht an das Erdreich gefesselt. Ungeachtet ihrer Reaktionen, die sich jetzt nurmehr ausschließlich in Worte äußern konnten, stemmte er sich stöhnend hoch. Nach einigen Augenblicken, während denen er neben ihr kniete und sich am Gürtel herumnestelte, hielt er sein Gebrauchsmesser in der Hand. Er fasste es an der Klinge und blies den lederumwickelten Griff ab, sodass keine groben Fussel oder sonsiges mehr darauf war. Dann lehnte er sich zu der Dunkelelfe herüber und zwang ihr den Griff des Messers zwischen die Kiefer. Die eigenen Schmerzen ignorierend, nahm er sich seinen Umhang ab als er sich wieder mit der Hilfe des Stocks aufgerichtet hatte und deckte die Dunmer halb damit zu. Dann humpelte er ohne ein weiteres Wort zum Strand hinunter.

    Erynn erwiderte nichts mehr, als sie die Auswirkung des Zaubers spürte, starrte den Kaiserlichen aber unverwandt mit bitterbösem Blick an. Halb erwartete sie, daß sie bald eine weitere blutige Verzierung auf ihrem Leib tragen würde, als das Messer in seiner Hand aufblitzte, doch Arranges zog es vor, ihr nur dessen Griff zwischen die Zähne zu drücken. Die Warnung war deutlich. Sehr deutlich.
    Er löste den Bann, als er am Strand angelangt war. In hilflosem Zorn packte die Elfin die Klinge und rammte sie bis zum Heft in die Erde. Die Bewegung riß den Schnitt in ihrer Schulter wieder auf, oder vielleicht war das auch schon vorher geschehen. Eigentlich war es ihr herzlich egal. Du wirst dich schon wieder einkriegen, dachte sie grollend. Spätestens wenn du es geschafft hast, daß die Verletzungen wieder aufbrechen, kommst du ohnehin zurückgekrochen...

  2. #2
    Arranges wusste nicht, wie er mit seinen jetzigen Gedanken umgehen sollte. Die letzten Worte der Dunmer und auch die Diskussion davor schon, hatten wie eine glühende Klinge in seinen Verstand geschnitten. Er ließ den Zyklon an seltsamen Gefühlen einfach dahinrauschen, während er auf das Meer hinausstarrte. Warum treffen mich ihre Worte so sehr... ich weiss doch, dass sie gar nicht recht haben kann... was ist schon dabei, wenn eine dumme, junge Dunmer irgendeinen Schwachsinn von mir behauptet... In seinem Innersten jedoch wusste der Kaiserliche, was so an ihm kratzte, er verdrängte es jedoch aus dem guten Wissen heraus, dass es ihm nur schaden würde, darüber nachzudenken...

    Er bemerkte nach einer Weile, dass die Wunde in seiner Hüfte wieder zu bluten begann, nicht sehr stark, aber auch nicht so gering, als dass man es einfach hätte unbeachtet lassen können. Arranges hob mit einer Hand ein wenig ungelenk die sich überlappenden Schürzenglieder des Kettenhemds. Während er einige Augenblicke lang auf die Wunde schaute, überlegte er, wie er den Blutfluss stoppen konnte... Dann fädelde er etwas mühsig die steife Lederscheide seines Gebrauchsmessers vom Gürtel. Hmm... das müsste funktionieren... Er schob den Gürtel so weit nach unten, dass dessen breites Lederband jetzt genau über der Wunde lag. Zwischen Wunde und Gürtel hatte er wieder das leicht zerknüllte Tuch gelegt. Nach einigem Hantieren und unterdrücktem Fluchen, hatte er den Gürtel so eng wie möglich gestellt. Auf der anderen Seite der Hüfte, drückte er jetzt die Lederscheide quer zum Gürtel auf selbigen und begann damit, sie im Uhrzeigersinn zu drehen, wobei er die Scheide bei der ersten Umdrehung halbseitig so einfädelte, dass er nun eine Kordel aus dem Gurt drehen konnte. Es kostete ihn einige Mühe und schon nach zweimaligem Drehen ging er in die Knie, weil das Stehen zu anstrengend war. Noch einmal drehte er. Es war nicht ganze infach, da der Lastgurt eher ungewöhnlich breit war, aber nicht unmöglich. Durch das Zusammenziehen des Leders um seinen Körper hatte er jetzt einen guten Druck, mit dem das Tuch auf die Wunde in seiner Hüfte gepresst wurde. Das sollte reichen... Wiederum nach einigem Fluchen, dieses Mal laut, hatte er es geschafft, die Lederscheide so hinter den Gurt zu schieben, dass dieser sich nicht von allein wieder aufdrehen konnte. Ich brauche Erynn nicht um zu überleben... das wäre ja noch schöner! ... Ihre Folter hat zudem manchmal nur sehr wenig mit tatsächlicher Heilung zu tun wie ich glaube... Nur dass sie keine Heilzauber nutzte, rechnete ihr Arranges mehr oder weniger hoch an...

    Nachdem er sich vorsichtig aufgerichtet hatte und erleichtert feststellte, dass sein provisorischer, aber effektiver Druckverband die Bewegungen ohne weiteres mitmachte, hinkte er wieder zurück zum Lager. Zwar taten seine Hände und Arme von diesem Übermaß an Anstrengung weh, aber das war das kleinste Problem, dazu hatte die Salbe ihr Übriges getan, die Heilung während der letzten Stunden erstaunlich schnell voran zutreiben. Beim Lager angekommen, kniete er sich wortlos neben Erynn nieder, zog das Messer aus dem Boden, setzte sich dann ihr gegenüber ans Feuer und starrte in die Flammen, während er mit der Klinge geistesabwesend herumspielte.

  3. #3
    Erynn starrte in den Himmel und haderte mit ihrem Schicksal. Sie war wütend auf den Kaiserlichen, der sich so bodenlos unvernünftig benahm, wütend auf ihre Verletzung, die sie an diesen Ort fesselte und wütend auf sich selbst, weil sie Arranges am Ende schon wieder unterlegen war. Es war zum Durchdrehen.
    Sie ignorierte den Beschwörer, als er zum Feuer zurückkehrte. Ihr erster Impuls war gewesen, ihn um Verzeihung zu bitten, allerdings wußte sie nicht so recht, wofür. Seit er wieder bei Besinnung war, hatte er nichts anderes getan als sie zu demütigen, während sie sich nach besten Kräften in Geduld übte. Irgendwann mußte Schluß damit sein, vorzugsweise sofort.
    Die Elfin folgte einer kleinen, weißgrauen Möwe mit den Augen und bemerkte, wie sich die Müdigkeit wieder heranschlich. Es war alles zu viel gewesen heute. Sie würde den Rest dieses abscheulichen Tages einfach verschlafen.

  4. #4
    Nach einer Weile bemerkte Arranges, dass Erynn wohl eingeschlafen war. Er ließ die Gespräche der letzten Stunden nochmals revue passieren. Aber mit seinen Gedanken kam er auf keinen grünen Zweig... alles lief immer wieder darauf hinaus, dass er sich gegen seinen Willen eingestand, dass Erynn mehr für ihn war, als nur ein Mittel zum Zweck. Er hätte das für sich selbst nur zu gern revidiert, aber jedes Mal, wenn er daran dachte, wie oder warum er auf diesen abstrusen Gedanken kam, drängten sich die Worte Erynns mit dieser widerlichen Stimme in sein Bewusstsein. Lieber ein Dremora... Warum immer die Hübschen? ... Lieber ein Dremora... Der Kaiserliche stand vor sich selbst und wusste nicht, warum er darüber so brütete. Blöderweise drängten mit diesem Gedankenansatz auch gleich noch mehr Dinge nach. Warum habe ich sie nicht einfach irgendwo sterben lassen? Ich hätte sie in Torrahs Schlammloch einfach liegen lassen können, dann hätte ich jetzt fast keinerlei Probleme... Arranges konnte sich keinen Reim darauf bilden, warum er jetzt, da Erynn nicht mehr nur auf ihn fixiert war, er sich darum so viele Gedanken machte...

    Er versuchte sich irgendwie abzulenken. Erst wollte er meditieren, aber das war fast unmöglich mit seinen Verletzungen. Eine Weile stocherte er im Feuer herum, beschäftigte sich in Form von Streicheleinheiten mit seinem Reittier besah sich die Umgebung nahe des Lagers. Irgendwann wurde es schließlich doch dunkel. Der Kaiserliche kehrte zum Lager zurück und blieb neben der Dunmer stehen. Als er so in ihr beinahe friedliches Gesicht schaute, spürte er einen seltsamen Schmerz. Als würde ihm jemand in die Brust greifen und dort die Organe zerquetschen wollen... Das wird jetzt aber doch nicht das Gift sein... nein, unmöglich... Der Kaiserliche war sich nicht sicher, was er davon halten sollte, aber dieses seltsame Gefühl wollte nicht verschwinden. Er ging neben Erynn in die Knie und deckte sie bis zum Hals hin zu.

    Erst als er sich wieder abwandte, verrauchte dieser komische Schmerz, der ihn aber irgendwie nicht behindert hatte, er war einfach da, ohne, dass Arranges hätte sagen können woher er kam... Arranges hielt die Nacht hindurch Wache. Mit dem Rücken zum Feuer, damit er die Dunmer nicht sehen musste.

    Langsam schob sich die Sonne im Osten über den Horizont, als die Nacht wich. Der Kaiserliche hatte das Feuer erst vor ein paar Stunden nochmal ein wenig angefacht, aber trotz der knisternden Flammen hörte er, wie sich Erynn regte.

  5. #5
    Träge schlug sie die Augen auf. War es noch immer hell, oder schon wieder, fragte sie sich, als sie ins Dämmerlicht blinzelte. Nein, die Sonne stand tief im Osten. Sie hatte tatsächlich den halben Tag und die Nacht verschlafen. Eigentlich hatte Erynn vorgehabt, noch einmal im Meer zu baden. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gab sie es auf, sich erheben zu wollen. Dann würde sie eben einfach hier liegen bleiben, dachte sie sich – etwa für eine Stunde. Ihr wurde langweilig. Außerdem nervten sie die Fliegen, die immer lästiger um sie herumschwirrten. Und es war unbequem. Nicht zuletzt müßte sie sich mal dringend in die Büsche schlagen. „Verflucht...“
    Arranges hat ganz andere Probleme als eine gebrochene Rippe, und hüpft trotzdem durch die Gegend... nicht zu fassen! Das gab letztendlich den Ausschlag. Sie spannte die Bauchmuskeln an, schwang ein Bein über das andere und wuchtete sich mit wildem Fauchen herum auf die Knie. Dort verharrte sie für einen Moment, bis sich die schwarzen Pünktchen vor ihren Augen verflüchtigten.

    Diesesmal brannten die Schrammen nicht mehr so schlimm, als sie sich von den Wellen umspülen ließ. Erynn kehrte zum Feuer zurück und aß lustlos etwas von den Reiserationen. Sie konnte das Zeug jetzt schon nicht mehr sehen. Möglicherweise, so überlegte sie, könnte sie demnächst versuchen, ein paar Fische zu fangen.
    Letzendlich überwand sie sich dazu, Arranges anzusprechen. „Wir sollten so langsam überlegen, wie wir hier wegkommen“, sagte sie, nachdem sie für eine Weile gegrübelt hatte. „In ein paar Tagen schaffe ich es vielleicht bis Beldaburo. Mit etwas Glück finde ich dort noch etwas Brauchbares, das die Banditen dort gehortet haben. Einen besseren Vorschlag habe ich leider nicht.“

  6. #6

    Nördliche Goldküste -> Beldaburo

    Der Kaiserliche ignorierte, dass Erynn aufgestanden war. Er verdrängte krampfhaft ihre Anwesenheit in der Annahme, dass dieses ihm immer unangenehmere Drücken in der Brust nachließ... Er wusste selbst nicht, warum er gerade darauf schloss, dass es wegen Erynn entstanden war, aber irgendwoher musste es schließlich kommen...

    Als die Dunmer ihn ansprach stellten sich die Nackenhaare des Magiers auf. Was zum Henker hat sie mit mir gemacht... Arranges bemühte sich um eine gleichgültige Haltung, als er sich zu Erynn umwandte. 'Nun... reiten werdet ihr kaum können... vielleicht könnten wir ein einfache Pritsche konstruieren und einem der Pferde anhängen...' Nach kurzer Überlegung jedach verwarf Arranges seinen Vorschlag. Sie hatten hier nichts, aus dem man hätte etwas halbwegs Stabiles bauen können. Nach einem weiteren kurzen Wortwechsel brachen sie das Lager ab und machten sich auf den Weg.

    Der Weg war mühsam, Erynn tat sich schwer beim Laufen. Der Kaiserliche zwar ebenfalls, aber er hatte nicht das Problem mit der Atmung, er humpelte schlicht nur. Arranges tat sich währen der ganzen Zeit, die sie unterwegs waren schwer und war ungewöhnlich unsicher im Umgang mit Erynn. Stets wich er ihrem Blick aus, war teilweise abweisend und kühl, sorgte sich aber indirekt um sie, drängte immer wieder zu kurzen Pausen, damit sich die Dunmer erholen konnte. Wenn sie sprachen, behielt Arranges eine seltsam gleichgültige Tonlage. Weder versuchte er sich durch freundliche Worte an einem kurzen Wortwechsel zu beteiligen, noch würgte er irgendeinen Einwand von Erynn ab. Er ließ ihr verbal komplett freie Hand... Immer, wenn sie gerade nur schweigend nebeneinander herliefen, kehrten unerwünschte Gedanken in den Verstand des Kaiserlichen. Ihnen folgte das Gefühl eines Stichs in die Mitte seiner Brust. Er räzelte noch immer über die Ursache, war sich aber mittlerweile sicher, dass Erynn daran schuld war. Jedes Mal, wenn er ihr einen unauffälligen Seitenblick zuwarf, wurde das quälende Gefühl stärker und machte ihn schier wahnsinnig. Nichteinmal die Nähe seines Rotfuchses konnte den unnormalen Schmerz verdrängen, Der Kaiserliche war mit seinem Wissen, seinen Ideen und Vermutungen am Ende... Mit was für einem widerlichen Fluch hat sie mich nur belegt? Das kommt davon, wenn man seine Verletzungen nicht von vertrauenswürdigen Menschen versorgen lässt, bestimmt hat sie irgendeine Ohnmacht schon vor längerer Zeit ausgenuzt... schon vor Torrahs Tod...

    Am Abend des dritten Tages, nachdem sie losmarschiert waren, zeichneten sich vor ihnen fast grell die weißen Ruinen Beldaburos gegen die hereinbrechende Nacht ab. Arranges wirkte während sie auf die Ruinen zugingen, einen Zauber um nicht überrascht zu werden. Aber es waren keine Banditen mehr da, alles war ruhig. Auch als sie näherkamen, war nichts Auffälliges zu sehen oder hören. Das Lager der Räuber war noch halbwegs intakt, sodass sie zwei einfache Zelte hatten und selbst keine aufbauen mussten. Bis sie schließlich ein kleines Feuer in Gang gebracht hatten, war es zu dunkel, um noch einen Blick in die Ruine zu werfen. Arranges hatte sich um diese Tatsache ein wenig zu bekräftigen, mit dem Buch, mit seinen eigenen Aufzeichnungen an das Feuer gesetzt und vergrub sich in den Seiten. Er hatte genug, er wollte endlich wissen, was es mit den Stichen und dem unangenehmen Druck in seiner Brust auf sich hatte, vielleicht hatte er auch nur etwas vergessen... von den Verletzungen jedenfalls stammten diese untypischen Schmerzen nicht, da war er sich sicher...

  7. #7
    Erynns Überlegungen schlossen eigentlich nicht ein, Arranges mitzunehmen, aber wie sie ihn kannte, würde er sich ohnehin davon abhalten lassen. Sie protestierte also nicht, hatte keine Lust auf einen weiteren Streit.
    Der Weg war mühsam. Selbst wenn sie vornübergebeugt ging, wurde das Laufen mit der Zeit immer unerträglicher. Während der Nächte schlief sie mehr schlecht als recht im Sitzen, die Stirn auf die Knie gelegt. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, jetzt schon wieder durch die Wildnis zu latschen, überlegte sie. Sobald wir die Ruine erreichen, werde ich mich da einfach verkriechen und erst wieder hervorkommen, wenn das schlimmste überstanden ist.

    Tatsächlich war das so ziemlich alles, was sie noch wollte. Die Verletzung war nicht weiter gefährlich, aber die ständigen Schmerzen machten sie mürbe und unleidlich. Arranges behandelte sie noch immer überaus kühl, aber der Elfin entging nicht, daß er sich auf seine eigene, verdrehte Art bemühte, Rücksicht zu nehmen. Sie hätte heulen können vor Erleichterung, als die Ayleidenruine an einem späten Abend vor ihnen auftauchte. Von den Leichen der Banditen war nicht mehr viel übrig. Wilde Tiere hatten die meisten Teile von ihnen fortgeschleppt, Insekten hatten sich zuverlässig um die wenigen Reste gekümmert.
    Erynn ließ sich einfach zu Boden sinken, nachdem sie ihr Ziel erreicht hatten. Ihr Geist war hellwach und rastlos, und sie verfluchte die momentane Schwäche ihres Körpers. Der Kaiserliche widmete sich einem seiner Bücher, während sie sich ausruhte. Es war längst zu dunkel, als daß es Sinn ergeben hätte sich noch umzusehen, und so verschoben sie diese Aktion in stillem Einverständnis auf den folgenden Tag.
    Erynn beobachtete ihren Begleiter aus dem Augenwinkel. Es wollte ihr nicht in den Kopf, woher er diese Zähigkeit nahm, die es ihm ermöglichte, sich selbst so gnadenlos voranzutreiben. Auf der anderen Seite begriff sie auch nicht, warum er seinen eigenen Körper dermaßen schund. Ehrgeiz? Selbsthaß? Oder vielleicht das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben? Ich möchte mit einem von den kurzlebigen Völkern wahrlich nicht tauschen...
    Sie fragte ihn danach, behielt ihre Mutmaßungen jedoch für sich. Aber sie wollte endlich das Schweigen brechen, das nach ihrem kindischen Streit entstanden war. Sie hatte genug davon. Es lag einfach nicht in ihrer Natur, sich zu lange in ihren Zorn hineinzusteigern...

  8. #8

    Goldküste; Beldaburo

    Arranges spürte wieder dieses unangenehme Sticheln, als Erynn ihn ansprach. Er hatte nichts darüber gefunden, weder bei seinen Aufzeichnungen zu Flüchen, noch bei sonstirgendwelchen nachhaltigen Sprüchen und Formeln, er tappte komplett im Dunkeln. Er schlug das Buch zu, legte es zur Seite und blickte der Dunmer fest in die Augen. Zunächst war er einen Moment fast überrascht von dieser Frage. 'Hmm... am liebsten würde ich euch sagen, dass ich mir selbst nicht im Klaren darüber bin, aber das wäre mindestens zur Hälfte gelogen... Wisst ihr, als ich vor 12 Jahren aus Cheydinhal fortging, war ich, wie ihr schon sagtet, ein schwacher, nicht sehr eigenständiger, verweichlichter Magier in viel zu großen Kinderschuhen... Erst mit der Zeit, in der ich streng genommen ständig unterwegs war, habe ich gelernt, mich nicht von Verletzungen egal welcher Art sie auch sein mochten, länger als unbedingt nötig, aufhalten zu lassen... Es stört mich auch nicht weiter, wenn der Heilprozess dadurch in die Länge gezogen wird und ich deswegen einige Zeit beeinträchtigt bin... irgendwann, in spätestens 10 Jahren, wird mich das Los meiner Leidenschaft als Nekromant, sowieso einholen... wisst ihr, wie alt ein Mitglied der Gathering, welches sich nicht zu den Großmeistern zählt, in der Regel wird? 35...'

    Erynn wollte die Erklärung ihres Gegenübers schon akzeptieren. Sein letzter Satz jedoch schockierte sie so sehr, daß sich das Erschrecken deutlich auf ihrem Gesicht abzeichnete. "Das ist... nicht viel. Warum? Und wie, wenn doch... wenn doch ihre Mitglieder so mächtig sind? Ist es das wert?"
    Mit einem Mal empfand sie einen brennenden Haß auf die Gathering. Sie wollte nicht, daß Arranges so jung sterben würde. Warum sie das eigentlich dermaßen mitnahm, war ihr selber nicht ganz klar. Irgendwie jedoch, gestand sie sich selbst ein, hatte sie diesen verrückten Kerl liebgewonnen. Trotz all seiner Macken, oder vielleicht auch gerade deswegen. Es war falsch, mehr noch, es war krank. "Was für ein entsetzliches Schicksal, sehenden Auges in das eigene Verderben laufen zu müssen", setzte sie flüsternd hinzu.

    Wieder war Arranges erstaunt. Er hatte mit einer ruhigen zur Kenntnisnahme ihrerseits gerechnet, nicht aber damit, dass sie so sehr die Fassung verlieren würde. Gleichzeitig war ihm, als würde sich etwas unter seinem Brustbein schmerzhaft zusammenziehen. Hergott nochmal, ich muss diesen Scheiss endlich loswerden! 'Es hat nichts mit Macht zu tun... es ist nur so, dass die intensive Studie und die bis teilweise zum Fanatismus gereichende Leidenschaft, den Geist und den Körper von innen heraus zerfrisst. Die Großmeister haben Mittel und Wege gefunden, die den inneren Zusammenhalt der Gathering dadurch gewährleisten, dass man nicht alle paar Jahre einen neuen Großmeister für einen verstorbenen benennen muss... sie haben Möglichkeiten gefunden ihre Lebenszeit zu dehnen... diese Rituale sind jedoch geheim... Aber...' er stockte einen Moment, während er in ihrem Gesicht forschte, 'anfangs habe ich in der Nekromantie einen unschätzbaren Wert und gleichzeitigen Trost gesehen, mittlerweile ist sie für mich nur noch Studienobjekt um meinen Wissensdurst zu stillen und ein sehr nützliches Mittel zum Zweck... Aber sagt, warum seid ihr darüber so... entsetzt?' Der Kaiserliche bemühte sich um einen mehr oder weniger sachlichen Ton, er konnte nicht wirklich sagen, was die Dunmer so erschüttert hatte.

    "Wie erkläre ich es am besten..." Der Elfin fiel es tatsächlich schwer, die richtigen Worte zu finden, da Arranges auch in dieser Sache völlig andere Maßstäbe anzulegen schien als sie selbst. "Vielleicht mit einer Gegenfrage: Stört es dich denn gar nicht zu wissen, daß dir nur ein so kurzes Leben beschieden sein wird, selbst nach menschlichen Maßstäben? Erscheint es dir nicht wie Verschwendung, daß all dein Wissen, all deine Kunst, in nur wenigen Jahren einfach verlöschen werden? Mich macht es unglaublich wütend, selbst wenn ich viele deiner Ansichten nicht teile." Erynn hielt den Blick des Beschwörers für einige Herzschläge lang fest, bevor sie sehr viel leiser fragte: "Fürchtest du dich nicht davor?"

    'Nun... warum sollte ich etwas fürchten, das unausweichlich ist?' Arranges überlegte kurz. 'Vielleicht habe ich das Glück und gehöre nicht zum allgemeinen Rest der Mitglieder, vielleicht lebe ich auch so deutlich länger, ich habe praktisch alles erreicht, was ich mir bis zum heutigen Tag vorgenommen habe... sollte mir morgen etwas einfallen, das es lohnt, es bis zur Perfektion zu treiben, werde ich dies tun und so lange dem Tod trotzen, was also wollt ihr hören?' Kaum, dass er diese Worte ausgesprochen hatte, bereute er sie auch schon wieder. 'Allerdings ist mir in den letzten Tagen aufgefallen, dass ich wohl nur eine Sache nie erreichen kann... selbst wenn mein Leben mir Zeit über die 35 hinaus gewähren sollte...' Verdutzt zuckte er zusammen, trotz seiner mentalen Sperre gegenüber solcher Gedanken, hatte sie sein Unterbewusstsein einfach hinausgeschleudert.

    Erynn lächelte ein wenig. "Was ich hören will? Nur die Wahrheit, wie du sie siehst. Ich versuche, die Welt zu verstehen, in der du lebst, das ist alles. Auch wenn es mir schwerfällt und das alles sehr verwirrend ist." Sie legte den Kopf schief. "Deine nächste Frage wird sein, warum. Nun, weil auch ich danach strebe, meinen Horizont zu erweitern, auf eine andere Weise als du. Aber... was glaubst du, niemals erreichen zu können?"

    Arranges senkte den Blick. Er haderte einen Moment arg mit sch selbst, während er nur in die Flammen blickte, dann antwortete er ihr endlich: 'Ich war immer der festen Überzeugung, dass ich niemand außer mich selbst brauche, wobei mein Pferd das einzige war, was ich als Familie und Freunde im Gesamten akzeptierte und liebte. Klar, ich brauche Personen wie Falanu, Meister Jurano, Bruder Marbell oder Nienna... auch Meisterin Marie oder Torrah waren nie schlicht nur Ärgernisse auf meinem Weg, aus jeder dieser Personen habe ich irgendeinen Nutzen für mich gezogen, vielleicht ist und war auch teils Freundschaft im Spiel... aber...' Er brach ab. Er wusste, was er sagen wollte, auch wenn es ihm quer gegen seiner Denkweise lag. Die Worte drängten jedoch heraus, während sich das Brennen und Stochern steigerte und sein Herz jeden Moment zu zerspringen drohte: 'Ich bin nun schon einige Zeit mit euch unterwegs Erynn... es... ich,' er schluckte, 'ich... dachte immer... ich meine, ich brauchte euch nur um dieses verdammte Amulett aus der Festung zu holen... und dann... ich dachte, ihr wärd mir gleichgültig, eine Begleitung, eine Ausrede dafür, dass ich in absehbarer Zeit wieder meine Freiheit, fernab vom Drängen der Gathering haben könnte...' Wieder brach er ab, seine Stimme hatte arg gezittert. Mühsam stemmte sich der Kaiserliche in die Höhe und wandte sich vom Lagerfeuer und von der Dunkelelfe ab, dann sprach er weiter: 'Und jetzt verliere ich etwas, was ich zuvor freiwillig, einfach so, von euch bekommen habe, aber in meiner Ignoranz und Selbstgefälligkeit nicht als die Kostbarkeit erkannte, die es darstellte, an das Abbild der Totenlande... an die Erscheinung eines Dremoras...' Die letzte Worte waren nur noch leise, gerade noch hörbar gesprochen...

    Arranges' Worte fuhren ihr wie eine heiße Klinge direkt in die Seele, und sie krümmte sich wie unter körperlichem Schmerz. Mit einem einzigen Satz, beiläufig und schon fast im Schlaf gesprochen, hatte sie den Beschwörer von den Beinen gerissen, ohne es zu merken. Hatte ganz andere Dämonen geweckt als nur jene aus Mehrunes Dagons Reich. Erynn schlug die Augen nieder und wagte für eine Weile nicht zu sprechen. Ganz langsam erhob sie sich leise und trat von hinten an ihn heran. "Es sind nur Dremora. Sie faszinieren mich, auf eine Weise, die deiner Art zu denken vielleicht sehr nahe kommt. Es ist fast berauschend mir vorzustellen, ein solches Wesen kontrollieren zu können. Aber das wird mich nicht davon abhalten, jede dieser Kreaturen ins Visier zu nehmen, die uns angreift. Ich habe dir mehrfach gesagt, daß ich loyal zu dir stehe. Daran hat sich nichts geändert."

    Arranges spürte, wie der Druck auf seiner Brust nachließ und sich eine unbändige Erleichterung und Freude einstellte. Er drehte sich zu Erynn herum und sah ihr in die Augen. Für einen kurzen Moment wollte er sie einfach nur in die Arme schließen, unterließ es aber in dem Wissen, ihr damit nur Schmerzen zu bereiten, was im Moment das Letzte war, was er wollte. 'Danke Erynn... ich habe dich wirklich gern in meiner Nähe...' Ein wenig schüchtern blickte er zu Boden.

    Ich weiß... Sie lächelte warm, wenngleich ein wenig verunsichert über die unerwartete Wendung in seinem Verhalten, neigte leicht den Kopf. "Das ehrt mich. Und es freut mich", antwortete sie. Verdammt, was sagt man in so einer Situation, grübelte die Elfin, aber es fielen ihr keine besseren Worte ein. Vorsichtig kniete sie sich wieder an das Lagerfeuer, darauf bedacht, sich nicht zu sehr zu verbiegen. "Morgen werden wir uns hier genauer umsehen. Mit etwas Glück haben die Wegelagerer hier einige Heiltränke gehortet." Sie schaute für einige Zeit stumm in die Flammen. Vielleicht sollte ich einfach öfter mal ausflippen. Die Ergebnisse sind jedenfalls sehr interessant. Halb amüsiert, halb verärgert schob sie den Gedanken zur Seite. Ja, die Gesellschaft des Beschwörers färbte definitiv auf sie ab...

    'Hoffen wir es...' Meinte Arranges mehr oder minder zuversichtlich, während er sich neben Erynn ans Feuer setzte. 'Aber trotzdem möchte ich, dass ihr das nochmals von einem Heiler in Anvil ansehen lasst... vor allem für den Fall, dass wir dort unten keine Tränke finden...' Arranges war erschöpft, von dem ganzen Gespräch, aber nicht erschöpft im eigentlichen Sinne. Er spürte wie die Stiche immer mehr und schneller einer wohlig angenehmen Wärme und Erleichterung wichen. Er saß noch eine Weile bei Erynn am Feuer, aber als ihn die Müdigkeit schließlich übermannte, schaffte er es nicht mehr an sein Zelt zu denken... es wäre sowieso unnötig gewesen, schließlich war es einen beinahe sternenklare Nacht. Der Kopf sank dem Magier auf die Brust und einige Augenblicke später kippte er nach hinten und blieb mit fast schon ungewöhnlich friedlichen und entspannten Gesichtszügen liegen...

  9. #9
    Erynn wachte die Nacht hindurch. Sie schaute in den klaren Himmel und beobachtete die Sterne, lausche auf die Geräusche der Wildnis. Als die dunkelste Stunde vorübergegangen war und der Morgen langsam dämmerte, beschloß sie, sich in der näheren Umgebung ein wenig umzusehen. Dann erstarrte sie. Von der Ruine klang ein schabendes Geräusch herüber, der Klang von Stein auf Stein. Sie faßte die Schulter ihres Begleiters und schüttelte sie leicht. „Still“, flüsterte sie, als er alarmiert die Augen aufschlug. „Irgend etwas kommt aus der Ruine.“
    Das Etwas entpuppte sich als zwei betrunkene Banditen in abgerissen aussehender Fellrüstung, ein Kaiserlicher und ein Khajiit. Lallend, ohne jede Vorsicht, torkelten sie aus den Schattend des Eingangs. Der Kajiit kam schwankend zum Stehen, stieß seinen Kumpanen an und deutete in ihre Richtung. Sie hatten die Pferde entdeckt. Die nächste Bewegung der Ganoven ging zu ihren Waffen, etwas unsicher, aber dennoch zielstrebig. Langsam näherten sie sich dem Lagerfeuer.
    Erynn fluchte leise. Unter normalen Umständen hätten diese Kerle nicht die geringste Gefahr dargestellt, aber ihr fehlte die Bewegungsfreiheit zum Kämpfen. Ihr Glück war wohl, daß die Banditen viel zu dicht waren um darauf zu kommen, in die Ayleidenruine zurückzurennen und Verstärkung zu holen. Dann waren sie und Arranges entdeckt. Die Gauner kamen näher, nicht ganz sicher auf den Füßen, aber mit wachsamem Blick. Die Elfin sah nur eine Handlungsmöglichkeit. Sie verdrängte die aufkeimende Nervosität und griff mit dem Geist nach der in ihr schlummernden Kraft. Sie bekam sie zu fassen, setzte sie in Brand und ließ sie fliegen. Der schwache Feuerball versengte das Fell im Gesicht des Katzenwesens und lenkte es für einige Augenblicke ab. Erynn warf einen Seitenblick auf den Beschwörer und konzentrierte sich erneut, versuchte diesesmal, mehr Kraft in ihr magisches Geschoß zu legen...

  10. #10
    Der Kaiserliche wurde aus dem Schlaf gerüttelt und war bei den hastig geflüsterten Worten der Dunmer sofort hellwach. Er verharrte und blieb zunächst liegen. Als die Wegelagerer, wie er vermutete, jedoch näherkamen, stemmte er sich hoch und konnte gerade noch sehen, wie Erynn einen Feuerball nach dem Khajiit warf. Zu schwach... zu schwach, das wird nicht reichen... Arranges sollte Recht behalten, der Zauber richtete nicht sehr viel Schaden an, aber er sorgte einen Moment für Ablenkung. Diesen kurzen Augenblick nutzte Erynn. Alles ging blitzschnell, sodass Arranges erst kurz darauf begriff, was eigentlich genau geschehen war.

    Der Nekromant bemerkte, wie sich langsam eine gewaltige Energiemenge von Erynn aus wie eine Aura ausbreitete. Der Gedanke, dass dies nicht gut gehen konnte, raste ihm noch durch den Kopf... Ein gleißendes Geschoss, einem Pfeil gleich, war für den Bruchteil eines Augenaufschlags in Richtung der Banditen unterwegs. Ein ohrenbetäubender, mächtiger Donnerschlag, nahm allen für einige Sekunden die Sinne. Arranges wurde umgerissen und segelte einige Fuß weit durch die Luft, ehe er hart aufschlug. Nach einigen Momenten während denen er auf dem Bauch liegend nach Luft japste, hatte er sich wieder so weit gefangen und wuchtete sich schwankend auf die Beine. Sein Gesicht brannte und sein Blickfeld wurde von grellen Punkten überlagert, als hätte er für einige Herzsschläge direkt in die Sonne gestarrt. In seinen Ohren verging langsam das Dröhnen der Explosion. Nach einem kurzen Rundumblick hatte er eine grobe Orientierung. Ein paar Meter weiter lag Erynn, ob bewusstlos oder nicht, konnte er kaum sagen, aber sie hatte ihren eigenen Feuerzauber auf jeden Fall besser überstanden, als er selbst. Er bemerkte, wie die Haut in seinem Gesicht vereinzelt Blasen schlug und schmerzte wie die Hölle selbst, auch sonst hatte es ihm die Lederrüstung und die Kleidung überall dort versengt und verkohlt, wo nicht das schützende Kettenhemd darüberlag. Verdammt... Dort, wo vor einigen Sekunden noch die Räuber gestanden hatten, war ein großer, leicht zum Krater gewölbter, rabenschwarzer Brandfleck auf der Erde, der im Durchmesser gut und gerne 3 Schritte maß. Von den Körpern der Angreifer war nicht mehr übrig, als ein paar verstreute Gliedmaßen und schwarze Hautfetzen... Was zum Teufel... Magie ist keine Kriegsaxt Erynn, lern das doch endlich, verflucht... dummes Weib! Arranges hatte aber nur wenig Zeit, sich wirklich darüber aufzuregen, denn schon drangen aus dem Eingang der Ruine ein paar weitere Stimmen. Und kurz darauf, sah sich der Magier zwei gut bewaffneten, aber nur leicht gepanzerten Rothwardonen gegenüber...

    Nein, nicht am frühen Morgen! Ich habe keine Lust auf sowas... und schon gar nicht bevor ich nicht etwas gegessen habe! Der Kaiserliche war merklich wütend, nicht nur, weil Erynn ihm gezeigt hatte, wie sich ein Feueratronach wohl ständig fühlen musste, sondern schlicht deswegen, weil er seinen Schlaf, der so schon alles andere als wirklich erholsam war, wegen ein paar bescheuerten Wegelagerern so früh aufgeben musste... Die neuerlichen leichten Verletzungen ignorierend, zog er seine Magie zusammen. Es wurde kalt, so kalt, dass von dem heißen Erdreich an der Stelle der Explosion Dampf aufzusteigen begann. Die beiden neuen Gegner, waren verwirrt und blieben perplex am Eingang der Ruine stehen, während sie zu Arranges sahen. Die Erde schien sich vor dem Kaiserlichen aufzutun, ein tiefblauer Abgrund kam zum Vorschein, aus dem etwas Aufzutauchen begann. Majestätisch und absolut bedrohlich, schwebte ein Lich empor und hielt sich einige Handbreit über dem Boden, während sich das klaffende Loch aus Magie unter ihm schloss. Aufgehts... tu, was du am besten kannst und seh zu, dass ich nicht mehr von diesen Bastarden behelligt werde... Der Lich vernichtete die beiden Räuber einfach, aber gerade, als Arranges seinen Diener entlassen wollte, kamen nochmals Gestalten aus dem Eingang der Ruine hervor. 'Verdammt nochmal...!' Jetzt reichte es ihm entgültig. Mit schneidendem Zorn drang er in die Mentalität des Lichs ein und zwang ihn an das Führungskreuz einer Marionette, welches er hielt. Der Lich beschwor einen Skelettmeister an seine Seite, während Arranges sich seitlich zu seinen Beschwörungen bewegte um freies Schussfeld zu haben. Der Erste der drei Kontrahenten stürmte direkt auf das Skelett zu und fand sich einige Augenblicke später mit gespaltenem Kopf am Boden wieder. Der Zweite hatte den Lich über den Schaft seiner Pfeile hinweg ins Visier genommen und wollte gerade den zweiten Schuss abgeben, nachdem er die Silberspitze des ersten Pfeils im Torso des Untoten versenkt hatte. Bevor er jedoch noch die Sehne loslassen konnte, kassierte er die Quittung des Lichs und wurde von einem gewaltigen Feuerball in die Ruine zurückgeschleudert. Der Dritte verschwand derweil im Aufblitzen eines ihn treffenden Feuerzaubers, den Arranges geworfen hatte. Allerdings blieb er stehen. Arranges stutzte einen Moment, blickte aber dann hasserfüllt in die roten Augen eines Dunmers. Achso... das wird dir nur leider nichts nützen... Der Dunmer schien jedoch bewandert in der Magie und plötzlich machte der Skelettmeister kehrt und sprintete davon, als wäre Mehrunes Dagen persönlich hinter ihm her, auch der Lich sah sich plötzlich in seltsamen Fesseln wieder, die ihn am Angriff hinderten... Eine flimmernde Kugel jagte dem Dunkelelfen entgegen, der mit gezogener Klinge auf Arranges zukam. Er strauchelte und schlug schließlich hart auf. Der Kaiserliche war mit einigen wenigen Schritten bei ihm und ging ihm mit dem Knie voran ins Rückrad. Er hatte kein Schwert mehr, aber das sollte nicht das Problem sein. Ein gerufener Daedradolch verschwand knackend im Genick des Dunmers. Ein kurzes Zucken, dann hauchte er sein Leben aus.

    Arranges erhob sich mühsig und lauschte einige Momente, ob nochmal jemand kam, aber das schienen alle gewesen zu sein. Er behielt den Lich trotzdem noch auf Nirn, auf Überraschungen hatte er nach so einem Tagesbeginn wahrlich keine Lust mehr. Vorsichtig strich er sich mit einer Hand über eine Wange. Die Haut hatte tatsächlich leichte Blasen geschlagen, das Haar an seiner Stirn war leicht angesengt und die Haut im ganzen Gesicht brannte abartig. Aber das war momentan nicht vorrangig für den Kaiserlichen, er eilte zu Erynn, die mittlerweile wohl wieder komplett zu sich gefunden hatte und auf dem Rücken liegend japste wie ein Fisch auf dem Trockenen. Neben ihr ließ er sich auf die Knie fallen. 'Verdammt, was habt ihr euch dabei gedacht?!' Seine Stimme klang mehr besorgt als verärgert. So vorsichtig wie irgend möglich hob er ihren Oberkörper in eine leicht sitzende Position und hielt sie mit einem Arm so, dass sie einigermaßen durchatmen konnte, während er ihr mit der anderen Hand das Haar aus dem Gesicht strich.

  11. #11
    Die Elfin griff weit tiefer in die magische Kraftquelle als jemals zuvor. Sie wollte diese beiden Mistkerle einfach nur schnell erledigen; es hätte durchaus fatal werden können, würde sie in den Nahkampf gezwungen. Plötzlich entglitt ihr die Kontrolle über die Magie. Sie staute sich auf, immer weiter. Das ist zuviel. Viel zuviel! Panik zerrte an ihrer Konzentration, ließ das filigrane Geflecht des Zaubers instabil werden. Sie spürte die gewaltige Hitze auf ihrer Haut, in ihrem Kopf, in ihren Knochen. Es würde sie zu Asche verbrennen! Mit der Kraft der Verzweifelung stieß sie Energien von sich fort, wurde von der Druckwelle zurückgeschleudert. Der Aufprall preßte ihr die Luft aus den Lungen und sie blieb benommen auf dem Rücken liegen.
    Nach einer Weile hob sie schwach den Kopf. Ihr war schwindelig und ihr Hirn fühlte sich an, als hätte es sich verflüssigt. Fast automatisch tastete sie nach ihrem Dolch, erstarrte aber mitten in der Bewegung, als einige Meter entfernt von ihr ein Wesen aus dem Nichts auftauchte, das ihr völlig unbekannt war. Es war furchteinflößend, gekleidet in verrottete Fetzen und trotzdem majestätisch. Eine eisige Aura umgab die Kreatur, so kalt und trostlos wie eine lange verschüttete und vergessene Gruft. Das unbekannte Ding wischte zwei weitere Angreifer fort -woher auch immer die so plötzlich gekommen waren- und rief dann ein Gerippe an seine Seite. Erynn ließ sich wieder zurückfallen. Der Beschwörer hatte offenbar alles im Griff.
    Der Rest des Kampfes erreichte sie nur noch undeutlich. Nachdem sie all ihre magischen Reserven auf einen Schlag buchstäblich verbrannt hatte, konnte sie nur noch quälend langsam denken und reagieren, und jeder verkrampfte, abgehackte Atemzug flutete ihren Leib mit neuerlichem Schmerz.

    Dann kniete der Kaiserliche neben ihr und zog sie so weit hoch, daß sie ein wenig leichter atmen konnte. Er sagte irgendetwas, das nicht sofort zu ihr durchdrang. Langsam beruhigte sich ihr hämmerndes Herz, und sie schlug die Augen halb auf. Für eine Weile schaute sie Arranges nur nachdenklich an und versuchte herauszufinden, was mit seinem Gesicht nicht stimmte. „Oh, verflucht...“, brachte sie schließlich heraus. „War ich das?“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht genau, was passiert ist“, beantwortete die Elfin schließlich seine Frage. „Ich habe irgendwie die Kontrolle verloren. Die Kräfte haben sich daraufhin verselbständigt und ließen sich nicht zurückdrängen... Arranges, bitte, in Neungötternamen, laß mich wieder runter. Du treibst mir die Rippe durch die Lunge.“
    Geändert von Glannaragh (15.03.2011 um 10:15 Uhr)

  12. #12
    Der Kaiserliche zuckte erschrocken zusammen, als Erynn vor Schmerzen das Gesicht verzog und ihn stöhnend bat, ihn wieder herunter zu lassen. Langsam ließ er sie wieder absinken. Er wandte sich zu dem König der Untoten um und schickte ihn mit einem Wink ins Reich des Vergessens zurück.

    'Halb so wild.' Versuchte er die Dunmer zu beruhigen. 'Es ist ja nichts weiter passiert... Ihr habt den Räubern ordentlich eingeheizt.' Sagte er und lächelte anerkennend. 'Aber bitte, tut mir den Gefallen, versucht das nächste Mal nicht irgendetwas... weckt mich, wenn ihr nicht kämpfen könnt...' Er warf Erynn nochmals einen flüchtigen, prüfenden Blick zu und erhob sich dann. Sein Gesicht brannte immernoch und die zahlreichen Schnitte an den Händen schienen auch wieder aufgeplatzt zu sein. Wird Zeit, dass wir nach Anvil zurückkehren... Arranges ging zu den Toten hinüber und durchsuchte ihre Leichen nach Heiltränken, aber außer einem arkanen Trank bei dem Dunmer fand er nichts. 'Verdammt!' Presste er hervor. Er ging zurück zu seinen Sachen, riss sich einen Stoffstreifen aus dem Umhang und tränkte ihn mit etwas Wasser. Vorsichtig und gähnend langsam ertastete er eine erste der relativ vielen Brandblasen im Gesicht und tupfte sie ab. Die Kühlung brachte nicht wirklich etwas, aber da ihm ebenfalls Rus und Staub entgegengeschleudert wurde, versuchte er so, die geschundene Haut ein wenig zu säubern, was sich als gar nicht so einfach herausstellte ohne Spiegel...

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