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Legende
Goldküste
Nach einer Weile registrierte Erynn, daß Arranges eingeschlafen war. Sein Atem ging jetzt ruhiger, das Gesicht wirkte entspannt – soweit man das beurteilen konnte. Die Schwertsplitter aus Wange und Stirn zu pulen, würde noch einmal eine Aktion für sich werden. Sie beendete die Arbeit an dem Stiefel und stand dann mühsam auf, versuchte die Schnallen an der Seite ihres Harnischs zu öffnen. Unwillkürlich stöhnte sie, als ein greller Schmerz durch ihren Rücken schoß. Solange sie die Hände vor sich hielt, war es einigermaßen erträglich, doch selbst diese geringe Drehung war quälend. Ganz langsam, wie ein greises Weib, hob sie den Kürass über ihren Kopf. Die Arme über Brusthöhe zu heben, stellte sich als keine gute Idee heraus. Nachdem sie sich von den restlichen Rüstungsteilen befreit hatte, schichtete sie das Feuer etwas höher, um wilde Tiere fernzuhalten, dann ging sie langsam das kurze Stück zum Meer herunter. Wenn sie vornübergebeugt lief und dabei die Arme um ihre Rippen schlang, war es auszuhalten.
Hemd und Hose behielt Erynn am Leib, als sie ins Wasser stieg. Sie hatte keine Ambitionen, die Tortur von vorhin noch einmal durchzumachen, darüber hinaus war sie sich nicht sicher, ob sie die Klamotten hinterher wieder würde anlegen können. Sie zog scharf die Luft ein, als das Salzwasser durch die unzähligen nässenden Kratzer spülte, die sie davongetragen hatte. Zu den zwei langen Narben, die seit dem Zusammenprall mit dem Clannbann im ersten Tor ihre Wange zierten, würden nach diesem Tag noch unzählige weitere kommen. Sie hoffte, daß sich diese Aktion wenigstens lohnte und das Salz die Entzündungen aus den Wunden ziehen würde. Verfluchte Skamps! Das nächste dieser Biester brate ich am Spieß, dann erfüllt es wenigstens einen Zweck... Der Schnitt, den der Streifschuß hinterlassen hatte, war bei weitem am schlimmsten. Sie brüllte auf, als sie die Schultern unter Wasser tauchte.
Nach einigen Minuten entschied sie, daß sie für den Moment genug gelitten hatte und schleppte sich tropfnaß zum Lager zurück, setzte sich dicht ans Feuer und wartete darauf, daß es ihre Kleidung trocknete.
Arranges fühlte sich wie gerädert, als der Schlaf ihn wieder in die wache Welt entließ. Seine Arme waren bleischwer und durch seine Beine pochte ein dumpfer Druck. Ein Gefühl, als wäre sein Kopf viel zu groß für den Hals, der ihn trug, schwappte durch seinen Schädel, als er die Augen öffnete und sich umsah. Viel zu kurz war sein Schlaf, denn der Himmel war noch immer dunkel. Lediglich ein gräulicher Schimmer von Osten her verriet, dass die Nacht wohl bald vorrüber sein würde. Erynn saß knapp eine Armlänge neben ihm am Feuer, bekleidet nur mit Hemd und Hose. Der Kaiserliche stellte erleichtert fest, dass das Gift endlich nicht mehr wirkte, die Schmerzen hatten im Großen und Ganzen mehr als deutlich nachgelassen.
'Erynn?' Seine Stimme war heiser und brüchig, aber seine Worte waren klar gesprochen, 'wo ist der Siegelstein?'
Sie fuhr herum, als die Stimme des Beschwörers sie erreichte, und konnte einen gepeinigten Aufschrei nicht unterdrücken. Schlechte Idee, Erynn... "Hier ist er", antwortete sie schließlich, nachdem sie sich ein paar Atemzüge lang nur aufs Luftholen konzentriert hatte. Sie griff nach ihrem rechten Handschuh und zog die nachtschwarze Kugel aus der Armstulpe hervor. "Bitte, bewegt Euch nicht. Die Wunde in Eurer Leiste hat endlich aufgehört zu bluten und ich will nicht, daß sie wieder aufreißt. Wie fühlt Ihr Euch? Braucht Ihr irgendwas?"
In meiner... WAS?! Arranges hatte bis hierhin gar nicht registriert, wo der oberste Pfeil eingeschlagen war, aber jetzt, da er es wohl begriff, formte sich ein entsetzter Ausdurck auf seinem Gesicht. In einem Anflug von Panik hob er hektisch den Kopf und schaute an sich herunter. Alle Leiden mit einem Schlag vergessend, stemmte er sich hoch und starrte wieder an sich herab auf seinen Schoß. Ein tonnenschweres Gewicht aus wilder Panik schien von seinen Schultern zu fallen, als er sehr erleichtert ausatmete. Das wäre ja noch schöner gewesen... Nach dieser positiven Erkenntnis jedoch drängte der Schmerz wieder in sein Bewusstsein und er bemerkte, wie die Wunde wieder leicht zu nässen begann. 'Verdammt...' Schief lächelnd, schaute er schuldbewusst und verlegen zu Erynn. 'Tut mir leid, wenn ich eurem Willen nicht ganz nachkommen konnte...'
Erynn widerstand dem Drang, sich mit der Hand an die Stirn zu schlagen, konnte ein leichtes Lächeln dennoch nicht unterdrücken. "Arranges", sagte sie mit gespieltem Vorwurf in der Stimme, während sie den Siegelstein wieder verschwinden ließ und das Tuch abermals auf die Wunde drückte, "vertraut Ihr mir immer noch so wenig? Ich habe Euer Schamgefühl nicht verletzt, schon im eigenen Interesse." Sie zog ihre Hand weg, als der Kaiserliche selbst nach dem Leinen griff und es festhielt. "Wißt Ihr vielleicht, ob hier einige Pflanzen wachsen, die blutstillend wirken? Ich bin mit meinem Können am Ende, und reiten kann ich auf keinen Fall. Wir werden uns irgendwie selbst helfen müssen."
Mit völliger Unverständnis sah Arranges die Dunmer an. 'Was haben mein Schamgefühl und euer Interesse gemein?' Was bildet die sich ein?! Als ob es mich momentan stören würde, was sie da sieht oder nicht... mal davon abgesehen, dass ich auch nicht beleidigt gewesen wäre, hätte sie die Finger allgemein von den Pfeilen gelassen... 'Nur weil ihr da nichts habt,' er blickte provozierend auf ihren Brustkorb, 'heißt das noch lange nicht, dass andere... vielleicht auch weiter unten, ebenfalls nichts haben, um das es sich bei einer naheliegenden Verletzung zu sorgen lohnte...' Mit einem Schnauben ließ er sich zurücksinken. Hmm... ich hab von Alchemie nur geringfügig viel Ahnung... Steinpilze wären eine Möglichkeit, aber das Zeug wächst hier praktisch nicht... denk nach Arranges... Goldküste, Goldküste... Frauenmantel! ...
Erynn sah den Kaiserlichen für einen Moment verdutzt an, dann klappte ihre Kinnlade herunter. "Oh", brachte sie peinlich berührt heraus. "Tut mir leid..." Sie spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoß und wandte den Blick ab. Verdammt!
Nachdem sie sich wieder einigermaßen gesammelt hatte, hob sie den Kopf wieder und fuhr fort: "Ihr könnt jetzt aufhören, auf meinem Äußeren herumzuhacken. Ich habe mittlerweile mitbekommen, daß Ihr davon nicht sonderlich beeindruckt seid. Laßt es einfach... bitte. Glaubt Ihr etwa, ich sei zufrieden damit?" Sie bemerkte, daß sie sich gerade um Kopf und Kragen redete. "Oh, bei den Göttern! Vergeßt es." Da liegt er, mehr tot als lebendig, und schafft es immer noch, mich auszumanövrieren. Das muß eine Gabe der Säulen des Chaos persönlich sein...
Arranges hob selbstgefällig den Kopf, als Erynn fertiggesprochen hatte. 'Nun, das wiederum kann ich nicht ganz nachvollziehen...' Was er genau meinte, ließ der Kaiserliche offen. Grinsend blickte er der Dunmer in die Augen. 'Wenn ihr niemanden findet... es gibt da jemanden, ihr kennt ihn ebenfalls seit kurzem... er würde euch deswegen bestimmt nicht zurückweisen...' Arranges wusste trotz seiner Belustigung, die ihn gerade wunderbar von seinen Verletzungen ablenkte, dass Erynn sehr allergisch auf soetwas reagieren konnte. Beschwichtigend hob er die freie Hand. 'Schon gut, schon gut, ich bin ja schon still...' Das Grinsen blieb jedoch. 'Hier an der Goldküste wächst normalerweise eine Pflanze, von der ich weiss, dass sie heilende Kräfte besitzt. Es ist eine Wiesenblume, Frauenmantel, falls euch der Name etwas sagt... Geknitterte Blätter, gelbe Blüte... wenn ihr etwas gefunden habt, bringt einfach die gesamte Pflanze, ich bin mir nicht mehr ganz sicher, wie man sie verarbeitet, dazu muss ich das Gewächs sehen, dann fällt es mir wieder ein...'
"Arranges! Davon rede ich doch gar nicht!" rief sie empört aus. "Wieso glaubt ihr Kerle immer gleich..." Fast reflexmäßig hatte sie die Hand zum Schlag erhoben, ließ sie aber rasch wieder sinken, als ihr ein Stich in die Rippen fuhr. Sie krümmte sich gequält. "Also schön, Ihr hattet Euren Spaß. Treibt es nicht auf die Spitze", preßte sie unter Schmerzen hervor, dann stand sie mühsam auf. Jetzt, da der Harnisch sie nicht mehr stützte, schien es zusehends schlimmer zu werden. "Frauenmantel also. Ich werde sehen, was ich finden kann."
Humpelnd setzte sie sich in Bewegung, froh darüber, den Sticheleien des Kaiserlichen entkommen zu können, und sei es nur für kurze Zeit. Natürlich wußte sie, wie die Pflanze aussah, hatte ihm diese Tatsache aber in einem Anfall von Geistesgegenwart verschwiegen. Munition gegen sie hatte er längst genug.
Nach vielleicht einer Viertelstunde kehrte Erynn zurück. Sie hatte fünf der Gewächse gefunden und mitsamt Wurzel ausgegraben. "Ich hoffe, das genügt", sagte sie, als sie ihm ihre Ausbeute reichte.
Arranges hatte sich wieder ein wenig hochgestemmt und begutachtete die Blumen. 'Na wenigstens das könnt ihr...' Nuschelte er vor sich hin. 'Wir brauchen nur die Blätter, der Rest ist nicht verwertbar... seht in meiner Satteltasche nach einem Mörser und einem Stößel. Nehmt die großen Blätter von den Pflanzen und zerreibt sie und gebt ein wenig Wasser dazu, das müsste eigentlich schon alles gewesen sein. Achtet darauf, dass der Brei gleichmäßig und nicht zu dünn wird... Die Arznei wird nicht sehr viel bewirken können... ich weiss nichteinmal, ob die geringe Heilkraft so ganz ohne Destilierkolben und nur mit Wasser ordentlich zur Geltung kommt... aber was solls, wir kommen hier für heute eh nicht mehr weg und irgendwie muss die Zeit ja anders vergeudet werden, wenn ich euch schon nicht auf eure...' er grinste unterdrückt, er wusste jetzt, dass Erynn ihm in ihrer Verfassung nichts tun konnte, 'minimalistische Weiblichkeit ansprechen darf.' Ein breites Grinsen zeichnete sich jetzt auf seinem Gesicht ab, als er sich zurücksinken ließ.
Ach, mach deinen Scheiß doch alleine, grummelte sie vor sich hin, machte sich dann aber auf, den benötigten Kram zu holen. "Um stattdessen mal auf Euer minimalistisches Feingefühl zu kommen", bemerkte sie spitz "ich bin nicht diejenige, die genügend Metall im Gesicht hat, um in einem Kuriositätenkabinett ausgestellt zu werden." Bedächtig zermahlte sie die Blätter und fügte immer wieder ein wenig Wasser hinzu, bis sie eine Art Paste zusammenhatte. "Aber da es Euch ja anscheinend wieder einigermaßen gut geht, könnte ich das auch ändern." Sie hielt ihm das Ergebnis ihrer Bemühungen hin. "Seid Ihr dann endlich damit fertig, mich durch die Gegend zu schicken? Wahrscheinlich ist es Euch entgangen, aber ich kann selbst kaum laufen."
Das Grinsen des Kaiserlichen gefror bei ihren Worten. Verflucht... Die Splitter in seiner rechten Gesichtshälfte hatte er schon gar nicht mehr richtig wahrgenommen, schließlich taten seine Arme und im Grunde alles ab seinem Bauchnabel abwärts, mindestens so unangenehm weh. 'Ach? Wo bleibt denn jetzt eure leichtfüßige Fortbewegung?' Knurrte er nur. 'Ja, das wird so schon passen...' Er ließ sich zurücksinken. 'Nachdem ihr heute Nacht so besorgt um mich ward, könnt ihr gleich weitermachen und mir meine Arme damit irgendwie behandeln... bitte.'
Erynn stellte den Mörser mit einem Ruck ab. Von allen arroganten... "Ich bin doch nicht Euer Dienstmädchen. Seht zu, wie Ihr klarkommt."
Sie drehte ihm den Rücken zu, zog die Reste ihrer Rüstung zu sich heran und begann damit, die schlimmsten Schäden auszubessern. Die Beinschienen waren endgültig hin, doch so konnte sie diese wenigstens zerschneiden, um den Harnisch zu flicken. Es gelang ihr nicht, Arranges dabei komplett auszublenden, aber sie konnte wenigstens so tun. Scheißkerl!
Wäre ich heute Nacht nur mal in der Lage gewesen, zu sprechen... dann würden die Pfeile jetzt zwar noch in meinem Fleisch stecken, aber ich hätte nicht diese grausame Folter erdulden müssen... Fast ein wenig zufrieden richtete sich Arranges vorsichtig auf. Mürrisch begutachtete er seine Unterarme. Brandblasen überall und die Haut nässte allgemein mehr oder weniger stark. Als er jedoch den Schnitt entdeckte, zuckte er erschrocken zusammen. Oh nein! Hoffentlich hat sie den Schnitt nicht gesehen... Mit Grauen dachte der Kaiserliche daran, dass Erynn, würde sie von dem Schnitt wissen, ihn garantiert nähen wollen würde. Schnell drehte er den Arm ein wenig und legte ihn sich in den Schoß, während er zu der Dunkelelfe schielte um sicherzugehen, dass sie nichts bemerkt hatte. Mit der anderen Hand griff er nach dem Mörser. Aber seine Hand wollte sich nicht um das Gefäß schließen, jedenfalls nicht so, dass er es heben konnte. Allein bei kleinen Bewegungen einzelner Finger schmerzte die ganze Hand. Gut, dann eben nicht... Feindselig versuchte er die Tonschale wohl allein durch seine Gedanken anheben zu wollen. Aber so kann ich die Arme nicht lassen... Er blickte zu Erynn hinüber, die mit dem Rücken zu ihm saß, dann schaute er wieder auf das Tongefäß und warf diesem einen Blick zu, der die Keramikschale selbst für all seine Wunden verwantwortlich zu machen schien. Er blickte wieder zu Erynn... Das werd ich mir nie verzeihen...
'Ein Jammer, dass ich immer vor oder neben euch reite... mir ist dabei tatsächlich immer entgangen, wie sehr euer schneeweißes Haar eurem wunderbar geformten Rücken schmeichelt...' Und das war nichteinmal irgendwie falsch oder aufgesetzt gesagt. Tatsächlich empfand der Kaiserliche ein wenig verdrehte Faszination für die leicht sehnige, aber trotzdem irgendwie perfekte Form des Torsos, die er so zumindest durch das Hemd erkennen konnte. Bin ich besoffen?!
Was soll das denn?! Erynn hielt inne und ließ die Nadel sinken. "Spinnt Ihr jetzt völlig?" fragte sie unfreundlich. "Wenn das eine Entschuldigung sein sollte, hat es nicht funktioniert. Laßt Euch was besseres einfallen. Sehe ich aus wie ein hohlköpfiges Bauernmädchen, das auf jede noch so unbeholfene Schmeichelei reinfällt?" Das wär ja noch schöner. "Ihr habt Euch doch eben noch so viel Mühe gegeben, so ziemlich alles was ich bin oder tue abzuwerten. Es hat geklappt, Herzlichen Glückwunsch. Was paßt Euch jetzt wieder nicht?" Sie nahm ihre Arbeit wieder auf. Beinahe stach sie sich in den Finger, weil ihre Hände vor Wut zitterten. Hätte sie gekonnt, wäre sie jetzt aufgestanden und gegangen. Endgültig, ungeachtet aller Konsequenzen.
Nun, für ein dummes Bauernmädchen vielleicht nicht, aber für eine hirnlose Prügelmeid der Kämpfergilde... Arranges hatte sich nicht wirklich die Hoffnung gemacht, dass es funktionieren würde. 'Hm... was mir nicht passt? Ich werde von gewissen Leuten dazu gezwungen, durch ein Obliviontor nach dem anderen zu hetzen, sollte dabei bestenfalls nicht abkratzen und als ob das nicht schon genug wäre, muss ich zusätzlich noch auf euch aufpassen, damit ihr ebenfalls nicht in den Totenlanden das Zeitliche segnet... und wenn ich daran denke, dass ich mir in nächster Zeit noch überlegen muss, was ich den Großmeistern erzähle, wenn sie nach euch fragen, habe ich einiges zusammen, was mir gerade nicht passt... zudem liege ich gerade hier, praktisch beraubt jeder Handlungsmöglichkeit...' Er holte ein paarmal Luft. 'Na schön... Erynn... bitte seid so gut und helft mir bei der weiteren Wundversorgung...'
Du bist sowas von erbärmlich, Beschwörer! "Seid Ihr denn sicher, daß ich das hinbekomme - wo Ich Eurer geschätzten Meinung nach schon zu blöd zum Geradeauslaufen bin?" Langsam drehte sie sich um und schoß einen giftigen Blick auf Arranges ab. "Vielleicht ist es zu Eurem vollgemüllten Hirn noch nicht durchgedrungen, aber bisher war ich es, die Euch nach den Ausflügen in die Oblivionebenen zusammengeflickt hat. Was Eure Anführer betrifft: Die Suppe habt Ihr Euch selbst eingebrockt. Also laßt den Ärger über Eure Fehleinschätzungen nicht an mir aus." Sie fixierte den Kaiserlichen noch immer mit zornigen Augen, während sie nach dem Mörser griff. Ihre Berührungen jedoch waren sanft, als sie die Salbe auf den Brandblasen verstrich. "Warum nur müßt Ihr so garstig sein, Arranges?" fragte sie, als ihre Wut langsam verging. "Wie ich schon mal sagte, Ihr beißt nach jedem, der Euch wohlgesonnen ist. Man könnte fast meinen, Ihr fürchtet Euch davor."
'Würde ich meinen Ärger wirklich an euch auslassen, hätte ich das erste Tor schon allein... oder eben mit Dreveni, betreten...' Murmelte Arranges vor sich hin. Den Arm mit dem Schnitt verrenkte und drehte er immer ein wenig so, dass Erynn die Wunde nicht sehen konnte - unauffällig, wie er hoffte. 'Warum nur müsst ihr so zwanghaft freundlich sein?' Er ruckte den Arm wieder etwas nach und deutete auf eine noch freie Stelle, genau auf der gegenüberliegenden Seite des Schnitts. 'Das hat mit Furcht oder so nichts zu tun... hab ich euch das nicht schonmal erklärt... vor gar nicht so langer Zeit?'
"Ja, das habt Ihr. Ihr fürchtet Euch also tatsächlich", murmelte Erynn. "Ihr könnt übrigens aufhören, Euch zu verrenken. Ich habe den Schnitt längst gesehen." Nachdem sie die Paste verteilt hatte, befeuchtete sie die Tücher erneut und wickelte sie wieder um seine Arme. "Solange es nicht einreißt, werde ich aber nichts daran machen. Jetzt laßt mich Euer Gesicht ansehen."
'Scheisse...' Arranges zuckte zusammen, als Erynn erwähnte, dass sie von dem Schnitt wusste, atmete aber erleichtert aus, als sie meinte, dass sie vorerst nichts daran machen würde. 'Verdammt nochmal, ich habe keine Angst... vor was denn auch?' Maulte der Kaiserliche, als Erynn ihm die Arme erneut mit den nassen Tüchern umwickelte. Seine Augen wurden groß, als sie einen Blick auf die Splitter werfen wollte. Zögerlich drehte er ihr die rechte Wange hin. 'Aber... aber bitte seid vorsichtig, ja?' Er versuchte ganz locker zu lassen, aber es gelang ihm nur unzureichend, als er darauf wartete, dass sie ihm das Metall aus der Haut riss...
Auf sein Gerede hin zog Erynn nur vielsagend eine Augenbraue hoch, enthielt sich aber eines Kommentars. Ihr Blick sprach Bände. "Ich bin immer vorsichtig", antwortete sie stattdessen und drückte Arranges mit sanfter Gewalt zurück in eine liegende Position. Sie riß ein Stück von den übriggebliebenen Bandagen ab, tränkte den Fetzen mit Wasser und tupfte den Schorf aus dem Gesicht des Beschwörers. Einige wenige Splitter lösten sich bereits dabei. Die restlichen zog sie einen nach dem anderen, womit sie für eine ganze Weile gut beschäftigt war. Zum Schluß wischte sie noch einmal die nachgelaufenen Blutstropfen ab und bestrich die unzähligen kleinen Risse mit den Resten der Frauenmantelpaste. "Das wars", sprach sie schließlich die erlösenden Worte, stand noch einmal auf und legte dem Kaiserlichen einen Teil der Reiserationen und einen Wasserschlauch in Reichweite. "Jetzt laßt mich ein paar Stunden schlafen. Ich kann nicht mehr."
Sie versuchte unter reichlich unterdrücktem Gefluche eine Position zu finden, in der sie schlafen konnte. Am wenigsten gräßlich war es, wenn sie flach auf dem Rücken lag, doch erstmal so weit zu kommen, stellte eine nicht unerheblich Herausforderung dar. "Scheiß Dremora", knurrte sie, schon fast im Halbschlaf. "Warum sind eigentlich die Hübschen immer die Bösen?"
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