Arranges hatte die Wolken beobachtet, wie sie näher kamen und jetzt, da der Tag schon gut zur Hälfte vorüber war, über ihnen hingen und die Welt in ein einheitliches Grau tauchten. Ich bin ja gespannt, ob wir das Tor noch erreichen, bevor hier der Sturm losbricht... Arranges war sich nicht ganz sicher, was ihm weniger gefallen würde. Hier im kalten Nass zu sitzen, während einem der scharfe Meereswind um die Ohren pfiff, oder in Dagons Hölle herumzustolpern, wo einem die Hitze fast die Haut von den Knochen brannte. Ich folge wohl am besten dem Ruf meines Herzens... also, auf zum Jerallgebirge... Arranges grinste bei diesem Gedanken und warf einen Seitenblick auf Erynn. Schließlich war sie es mit vielen anderen zusammen, die ihn als meistens herzlos und eher kaltblütig bezeichneten...

Während langsam aber sicher die Mauern Anvils hinter ihnen verschwanden, begann ein recht zugiger Wind von der See her über die Küste zu fegen. Klasse, jetzt noch Regen... Und wie zur Bestätigung spürte der Kaiserliche einen kalten, nassen Klecks auf der Wange. Verfluchte Götter! Der Regen nahm rasch zu und schon wenige Minuten später stapften die Pferde mit hängenden Köpfen durch einen dichten Nieselregen, der vor keiner Kleidung Halt zu machen schien. Arranges hatte seinen Umhang eng um den Körper geschlungen und die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, aber nichteinmal das dichte Filz konnte den Regen wirklich fernhalten. Er spürte, wie an ein paar Stellen das Wasser durch den Stoff drang und dann durch das Kettenhemd sickerte. Ich werde mich zwingen müssen dieses Wetter zu genießen... bald sind wir wieder in dieser ewigen Lavagrube... Sie waren so noch ein paar Stunden unterwegs, bis es allmählich dunkel wurde. Von dem Tor war weit und breit keine Spur.

'Erynn... wir sollten rasten... weiter durch den Regen zu gehen, hat keinen Sinn, wir sterben vorher an einer Erkältung, ehe wir das Tor gefunden haben...' Er störte sich zwar nicht an der nassen Kälte, obgleich es unangenehm war. Aber bei diesen grauen Schleiern würden sie jetzt, da es Nacht wurde, noch viel weniger zum Tor finden. Es war ohnehin schon schwer genug irgendetwas in der Ferne zu erkennen.

Sie ritten noch eine Weile weiter, bis das spärliche Tageslicht fast ganz erloschen war, dann hielten sie nach einem halbwegs trockenen Lagerplatz Ausschau. Eng an einen der großen Findlinge gekauert, wurden sie fündig. Die Pferde standen unter zwei nahen, kleinen Bäumen, während Arranges und Erynn sich einen kleinen Wetterschutz an dem Felsen errichteten. Die Plane war zwar alles andere als wasserdicht, aber wenigstens würde sie den gröbsten Regen abhalten. Arranges hatte ein paar dicke Treibholzprügel und einen halbvermoderten, zerbröckelnden Baumstamm gefunden. Das Holz war zwar nass, aber nicht so von Feuchtigkeit durchtränkt, wie im schwarzen Forst vor einiger Zeit. Mit ein wenig Mühe und Flucherei bekam der Nekromant ein kleines Feuerchen in Gang. 'Versucht zu schlafen, ich werde Wache halten...'