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Legende
Arranges erwachte spät am Mittag des nächsten Tages. Das Erste, was er spürte war der leichte Zug an seiner linken Schläfe. Er unterdrückte den Drang, an die Naht zu fassen und dankte der Elfe stattdessen für die Versorgung. Mit arger Missbilligung spürte er jedoch den kühlen Luftzug auf der nackten Kopfhaut. Ich hätte es doch irgendwie bluten lassen sollen... Dachte der Kaiserliche bei sich, sagte aber nichts weiter dazu. Sie sammelten alles ein, was sie noch gebrauchen konnten. Viel war es nicht, das Pferd hatte beim Sturz das Meiste unter sich begraben und so waren sie nur mit leichtem Gepäck unterwegs.
Sie waren vielleicht gerade drei Stunden gelaufen, als sich die spärliche Vegetation immer mehr verteilte und gleichzeitig noch weniger wurde. Die Dämmerung setzte ein, als weit vor ihnen am Horizont endlich eine flache, aber dennoch eindeutige Silhouette auftauchte. Sie waren fast da. Erste Fackeln wurden bereits angesteckt, als Arranges und Erynn so nahe heran waren, dass sie grobe Einzelheiten erkennen konnten. Zehn, vielleicht zwölf, größere Jurten standen um den wuchtigen Bau des Anwesens verteilt. 'Das ist das Anwesen meines Meisters.' Erklärte Arranges, während sie unter dem immer dunkler werdenden Himmel auf das Anwesen zugingen. Sie waren noch gut eine halbe Meile entfernt. 'Jurano heißt er, ein Dunmer... Wenn wir ihm über den Weg laufen tu mir den Gefallen und... benimm dich einfach. Er ist ein uralter Mer. Das genaue Alter weiss ich nicht, aber irgendwann, das ist noch gar nicht so lange her, hat er mir einmal verraten, wie alt er in etwa ist. 890 Jahre... oder in Menschenjahren etwa um die 75 Jahre herum, was ein gewaltiges Alter ist, wenn man bedenkt, wie alt ich bin oder wie alt der Sprecher der Gathering ist... du, erinnerst dich an den Kaiserlichen, der dich damals angehört und zu meinem Novizen ernannt hat? Man sieht es ihm nicht unbedingt an, ähnlich wie bei Meisterin Marie. Der Sprecher dürfte in etwa 60 sein...' Arranges wollte gerade noch etwas sagen, als plötzlicher Wind vom Lager her aufkam, obwohl es bis zu diesem Zeitpunkt absolut windstill gewesen war. Unwillkürlich rümpfte der Magier die Nase und hielt sich die Hand vor den Mund, als ihnen ein Gestank, wie ein übler Pesthauch entgegenschlug. 'Was zur Hölle Oblivions ist das nun wieder?!' Fragte Arranges keuchend mehr sich selbst, während er mit weit geöffneten Augen in die Richtung blickte, aus der der Gestank kam. Er musste nicht wirklich lange auf eine Antwort warten. Zwischen den Tränenschleiern, die der Verwesungsgeruch in seinen Augen auslöste, sah er, wie keine 5 Schritte vor ihnen eine Gestalt mehr oder weniger direkt aus dem Boden wuchs... Arranges blinzelte. bei dem Anblick der Gestalt musste er ebenfalls nicht wirklich lange überlegen, was er da vor sich hatte. Obwohl der Nekromant noch nie einen Korruptor gesehen hatte, war die arkane Aura, die von der Bestie ausging mindestens so gewaltig, wie jene der Gathering. Oh verfluchte Scheisse, das Haus des Chaos möge mir beistehen... War alles, was er an Gedanken hervorbrachte.
Mehr als die bloßen umrisse des Korruptors, erinnerten nicht an eine humane Gestalt. Dort, wo die Haut noch vorhanden war, war sie mit eitergelben Blasen und faustgroßen, fauligen Löchern übersäht. Die Lenden und das rechte Bein wiesen gar keine Haut mehr auf. Triefendes, roh wirkendes Fleisch hing von den angefressen anmutenden Knochen herab. Genauso der komplette rechte Arm. Wobei die Hand hier nur noch aus den schimmlig grünen Knochen bestand. Der Kopf grenzte sich vom Kragen nur noch in sofern ab, als dass er eine deutliche Ausbeulung zwischen den Schultern darstellte, der Hals schien komplett zu fehlen. Der Unterkiefer war auf einer Seite ausgerenkt, die Knochenpfanne zur Hälfte abgefault und Zähne suchte man in dem sich dunkel eröffnenden Rachen vergeblich. Die Nase war praktisch nicht mehr vorhanden, von haaren im Allgemeinen ganz zu schweigen. Eine der beiden Augenhöhlen war dunkel, ein schwarzes Loch im Schädel. Auf der anderen Seite sickerte irgendetwas aus der total mit knallrot entzundenem Fleisch zugeschwollenen Augenhöhle heraus, das zumindest von der Färbung her, das Weiße eines Auges hätte sein können.
'Bei den Göttern...' Murmelte Arranges erneut und sofort zuckte sein Kopf zu Erynn herüber. Die Dunmer sah total verängstigt aus. Bei der plötzlichen Bewegung des Magiers ging ein Ruck durch den Körper des Korruptors, wobei der Kieferknochen einen Moment mitschaukelte. Bis eben wirkte es noch eher so, als würde die Kreatur auf den Boden vor sich starren, aber jetzt blickte sie - zumindest sah es so aus - Erynn direkt in die Augen. Bitte... alle mir bekannten Götter, seid ihr gnädig! Der Kaiserliche stand noch immer wie angewurzelt da und betete stumm, dass der Korruptor wieder verschwinden würde. Plötzlich stieß die Bestie ein tiefes, kehliges Knurren aus, wobei Faulschlamm, gefolgt von einer grüngelblichen Atemwolke aus dem Loch unterhalb der Augen drang. Es hörte sich an, als würde man den Fuß sanft in eine Wasserlache setzen, versuchend so wenig Geräusche wie möglich zu verursachen, als der geschändete zwei Schritte auf die Dunmer zutat, dann aber wieder stehen blieb, den Blick aber nicht von ihr wandte.
'Wenn ihr versuchen wollt zu verhindern, dass die Novizin Erynn gleich stirbt, dann zeigt ihr dem Korruptor am besten jetzt direkt, dass sie zu euch gehört und nicht fremd ist!' Die Stimme des Botschafters, der einfach hinter dem Korruptor aufgetaucht war, drang wie durch einen Schleier zu Arranges. Und der Kaiserliche gehorchte wie fremdgesteuert. Das weitere Knurren der Kreatur ignorierend, trat er mit offenen Armen auf die Dunkelelfe zu und drückte sie so fest er es vermochte, an sich. Den Korruptor schien das zunächst kalt zu lassen, er trat weiter auf Erynn zu, bis er nur noch zwei handbreit mit seinem Gesicht von ihrem entfernt war. Die knochige Hand hob sich gähnend langsam. Den Zeigefinger oder das, was noch davon übrig war, ausstreckend, wollte er sie gerade an der Wange berühren, hielt aber plötzlich mit einem Ruck inne. Sein Kopf drehte sich völlig unerwartet so, dass er hinter sich, zum Lager blicken konnte. Etwas, das man ein bellen hätte nennen können, erklang, dann wandte sich der Rest des Körpers auch um mit ungeahnter Geschwindigkeit sprintete der Korruptor plötzlich los, zurück zum Lager. Der Pesthauch verflüchtigte sich ebenfalls, als das Geschöpf die Zelte erreicht hatte und außer Sicht verschwand... Ein durch ungeahnte Pein erzeugter Schrei ertönte plötzlich, dann herrschte wieder die Stille.
Arranges konnte weder denken, noch reden, er war in diesem Moment so sehr erleichtert, dass er erst gar nicht bemerkte, wie er die Luft angehalten hatte und jetzt hustend frische Luft in seine Lungen sog.
'Das war wohl Glück in seiner reinsten Form...' Sprach der Botschafter, als er näherkam. Arranges ließ die Dunmer los und sah zu dem Riesen auf. 'Ich soll euch direkt nach eurer Ankunft zu Meister Jurano bringen...' Arranges schluckte eine scharfe Bemerkung hinunter. Sie folgten dem Botschafter ins Lager. Sie hatten die Zelte fast erreicht, als Arranges bemerkte, wie zwischen den Jurten eine vielleicht fünf Meter lange Fahnenstange aufgerichtet wurde. Er musste schlucken, als er sah, was am oberen Ende hing. Es war die Haut eines Orks, sauber vom Rest des Körpers getrennt, hing sie jetzt als grotesker Wimpel am oberen Ende der Fahnenstange. Als sie in das Lager schritten, blickte der Magier zur Seite und sah, wer für das seltsame Wappen verantwortlich war. die Holzstange steckte in dem Haufen Gedärme und Fleisch, das wohl vor einigen Minuten noch die grüne Schuppenhaut ausgefüllt haben musste. Neben der Fahnenstange stand der Korruptor und folgte den dreien mit dem, was man bei anderen wohl Augen genannt hätte...
Nur kurze Zeit später fanden sich Arranges und Erynn im Wohnraum des Haupthauses von Juranos Anwesen wieder. Aber der Meister selbst war nicht da, stattdessen sahen sie sich jetzt Yuphaistos gegenüber, dem Botschafter des Meisters. 'Ah, ihr seid endlich angekommen... ich hoffe, dass der Korruptor nicht zu viele Umstände gemacht hat...'
'Naja... ich durfte meiner Schülerin recht eindrücklich meine Zuneigung zeigen, das reichte ihm wohl... dafür musste ein anderer Novize herhalten.'
'Gut, gut... es tut mir leid, dass Meister Jurano in diesem Moment nicht anwesend ist. Zwei der Großmeister werden am morgigen Tag hier eintreffen, dann sollte auch Jurano zurück sein. Die Großmeister, Jurano und ihr, Arranges, werdet dann den Sturm auf die Festung der Abtrünnigen vorbereiten, ich weiss selbst nicht genau, was das heißt, ich weiss nur, dass mir aufgetragen wurde, euch dies zu sagen... achja und noch etwas,' Yuphaistos zog einen umschlag unter seinem Waffengurt hervor, ' das hier soll ich euch geben. Jurano hat darin wohl einige Wichtige Informationen aufgeschrieben... nun entschuldigt mich Arranges, ich muss mich um die Sauerei draussen kümmern... wird Zeit, dass diese Bestien wieder zu den Großmeistern zurückkommen...' Dann verschwand der Nord nach draussen.
Arranges warf Erynn einen kurzen Blick zu, ehe er den Umschlag öffnete und darin zu lesen begann. Als er wieder aufblickte, wusste er nicht, ob er grinsen oder heulen sollte. Er beschloss beides bleiben zu lassen. 'Nun... für uns wurde oben ein Zimmer bereitet... ja, es ist wieder nur ein Zimmer... mit Doppelbett... und nein, so leid es mir tut, aber hier wird es wohl eher kein extra Feldbett für dich geben... allerdings nicht weiter schlimm, ich habe zumundest für die heutige Nacht noch vor mit einigen Leuten zu sprechen... zuvor allerdings muss... ich dir noch etwas... erklären...' Die letzten Worte sprach er mit sichtlichem Unbehagen.
Das Zimmer war großzügig und recht behaglich eingerichtet. Möbel aus noblerem Holz und sowohl Kissen, als auch Bettwäsche aus Samt gefertigt. Ein kleines fenster, mit einem leichten Grünstich war direkt auf den Innenhof des Anwesens gerichtet. Arranges blieb einfach im raum stehen und schob die Tür hinter sich ins Schloss.
'Gut, bitte... schrei nicht, wenn ich dir jetzt erkläre, welche Möglichkeit es gibt, dich der Bedrohung der Korruptoren zu entziehen.' Der Kaiserliche wartete, bis er die Aufmerksamkeit der Elfe hatte. 'Und zwar... sollte Schüler eine Art Halsband aus dem Stoff eines Kleidungsstücks seines zugeteilten Mentors oder Meisters tragen... das hat folgenden Hintergrund, dass ein Korruptor wohl zuerst Brust und Hals seiner Ziele attackiert...' Obwohl der Magier selbst nicht wirklich von der Idee überzeugt schien, konnte er sich ein leichtes Grinsen einfach nicht unterdrücken
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