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Legende
Arranges hob langsam den Kopf und blickte Erynn in die Augen. Erst nach einem weiteren Moment, schien er ihre Frage registriert zu haben. 'Was glaubst du, Erynn?' Er machte eine auffordernde Geste, die sie wohl zum Nachdenken anregen sollte. 'Diese Kreaturen sind doch der Grund, warum du mir unbedingt folgen musstest, statt bei Harchaxas zu bleiben, wo du in Sicherheit gewesen wärst...'
Sie ignorierte den Seitenhieb ebenso wie den abweisenden Tonfall. "Warum haben sie die Verfolgung dann so plötzlich abgebrochen? An dem steilen Südufer spätestens hätten sie uns gehabt. Erzähl mir nicht, daß das irgendwie Sinn ergäbe. Und was war das für eine Gestalt, die auf einmal auftauchte ...die hast du doch gesehen, oder? Sehr klein, mit einem Mantel."
Arranges ließ genervt die Luft aus seinen Lungen entweichen. 'Woher, Erynn, soll ich wissen, warum diese Bestien uns nicht weiter nachgesetzt haben? Ich weiss, dass sie mächtiger sind als ich, diese Erkenntnis reicht mir völlig, mehr will ich gar nicht wissen... was das für eine Gestalt war?' Er hob die Schultern. 'Wenn ich es nicht besser wüsste, was ich in dem Fall nicht tue, würde ich sagen ein Kind, das zugesehen hat, wie du mir schier das Rückgrat brichst...' Es war deutlich zu spüren, dass ihn ärgerte, dass er gegen diese seltsamen Verfolger nichts hatte ausrichten können...
"Du hast also schlechte Laune, hervorragend", gab sie spitz zurück. "Hätte ich auch, wenn meine Hände so entzündet wären wie deine... wobei der Dreck in diesen Schnitten ja kein Problem darstellen sollte, das sich nicht mit einem Schwamm und etwas heißem Wasser lösen ließe. Eigentlich. Aber was rede ich... bei all deiner Klugheit war Vernunft noch nie deine Stärke." Ein wenig enttäuscht war sie schon, daß sie nicht mehr über die Geistertiere hatte in Erfahrung bringen können. Allerdings würde jeder Anflug von Bedauern gleich hinweggefegt von dem schieren Unverständnis für Arranges' grantiges Benehmen - und sie war entschlossen, sich das nicht länger bieten zu lassen. "Ich bin dir wohl noch lange nicht fest genug ins Kreuz gesprungen, um dir nachhaltig gesunden Merverstand einzuhämmern!"
Für einen kurzen Moment war er erstaunt über diesen Anflug von unerwartetem Widerstand. 'Wenn ich so an dich denke, bin ich ganz froh, dass ich möglicherweise nur sehr wenig Merverstand besitze...' Er blickte kurz auf seine Hände. Sie waren tatsächlich derb aufgerissen, aber im Grunde nichts Ernsthaftes. Dann sah er wieder auf und seine Augen funkelten. 'Wenigstens habe ich einen Kopf, den ich auch tatsächlich gebrauchen kann und nicht wie du nur dafür, dass es dir nicht in den Hals regnet...' Er überlegte kurz und fuhr sich währenddessen unwillkürlich mit einer Hand über die linke Augenbraue. Er fühlte dort zwar nur eine kleine, aber dennoch hässlich zerfranste Platzwunde. Und mit einem Mal, spürte er auch den Bluterguss, der sich an seinem Bein gebildet hatte. Mitten in der Bewegung hielt er inne und starrte beinahe erschrocken die Dunmer an. 'Nein... vergiss es...'
Erynn legte den Kopf schief und konnte sich einen betont unschuldigen Blick sowie ein zuckersüßes Lächeln beim besten Willen nicht verkneifen. Ach, Arranges... manchmal bist du so... nein. Dafür gibt es kein Wort. "Was soll ich vergessen? Wie blöd es ist, mit aufgerissenen Händen ein Schwert zu führen?" fragte sie, während ihr Blick an der Schramme auf seiner Stirn hängenblieb. "Ich habe aus zwei Gründen bisher nichts dazu gesagt. Erstens wollte ich dich nicht nerven und zweitens bin ich davon ausgegangen, daß du früher oder später von allein darauf kommst... offenbar nicht. Diese Wunden werden ausgewaschen und mit einem Trank versorgt. Ich überlasse es dir, ob du dich selbst darum kümmerst oder mich das tun läßt."
Sie nahm ihm komplett den Wind aus den Segeln. Was bildest du dir ein... Unbewusst wich er ein wenig zurück. Er versuchte wieder zu der abweisenden Miene zurück zu finden. 'Weder das Eine, noch das Andere... warum sollte ich Zeit und einen Heiltrank auf diese lächerlichen Kratzer verschwenden? ... Ich kann mein Schwert wunderbar führen... Und wage es nichteinmal daran zu denken, irgendwo an den Wunden herumzufingern!' Seine Stimme klang bei weitem nicht so barsch, wie er es gern gehabt hätte, dafür aber sprüten seine Augen Funken.
"Es braucht gar keinen kompletten Heiltrank dafür, höchstens ein paar Tropfen." Sie seufzte. "Arranges, was soll dieser Mist? Ich weiß, diese Schrammen sind mehr ärgerlich als gefährlich, aber trotzdem unter Garantie schmerzhaft, wenn dir erst der Schweiß dort hineinrinnt. Wir wollen in die Oblivionebene, schon vergessen? Solche unnötige Ablenkung können wir da garantiert nicht gebrauchen."
'Lächerlich... bis wir das Tor erreicht haben, sind diese Wunden längst verheilt... und nein, selbst ein paar Tropfen des Tranks sind noch zu kostbar... Und davon mal abgesehen, wenn ich mein Schwert nicht führen würde können, so hätte ich noch unzählige andere Waffen... Außerdem habe ich dir doch schon öfter gesagt, dass meine Wunden oder nicht Wunden, meine Sache sind... warum kümmerst du dich noch darum... mich interessieren deine Leiden doch für gewöhnlich auch eher nicht wie schon...' Er wusste nicht, was er noch sagen konnte, um ihr diesen Gedanken auszureden... Er war drauf und dran, einfach weitergehen zu wollen und somit diese Diskussion zu beenden...
Erynn verdrehte die Augen, bis nur noch das Weiße darin zu sehen war. Sie konnte den Kaiserlichen schlecht zwingen, einigermaßen schonend mit sich umzugehen, wenn er das nunmal partout nicht wollte. Diese selektive Wahrnehmung aber, die schon wieder aus seinen Worten sprach, war eine Sache, die sie wirklich zur Weißglut trieb. Dennoch bemühte sie sich, ihrer Stimme einen ruhigen Klang zu geben als sie antwortete: "Ja, du sorgst dich so wenig um jedes Leid, das mir widerfahren könnte, daß du mich am liebsten aus jedem Kampf heraushieltest, obwohl das Kämpfen mein Handwerk ist. Netter Versuch, Arranges, aber ich kaufe es dir nicht ab. Und jetzt laß mich deine Hände ansehen..."
Der Kaiserliche zuckte bei ihren Worten deutlich zusammen, er wusste, dass sie nuneinmal Recht hatte... Sein Gesicht versteinerte. 'Schon gut, schon gut, ich werde selber nach den Verletzungen schauen...' Er blickte für einige Herzschläge konzentriert auf seine Hände, drehte sie ein wenig um alle Schnitte sehen zu können, fuhr sich dann nochmals über die Wunde an der Stirn und blickte dann wieder Erynn in die Augen. 'Alles prima... es braucht keine weitere, größere Versorgung...' Sagte er nur. Er machte weder Anstalten weiterzugehen, noch tat er irgendetwas um seine Wunden tatsächlich zu versorgen.
"Na schön", gab die Elfin resignierend nach, machte aber keine Anstalten, sich zu erheben. Stattdessen betrachtete sie ihren Begleiter nur wachsam. "Du bist ein erwachsener Mann, ich kann dir also schlecht vorschreiben, was du zu tun und zu lassen hast. Auch wenn ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, daß irgendjemand das dringend tun sollte..." Sie ließ die Worte kurz einsinken, was ihr einen halb überraschten, halb zufriedenen Blick von Arranges einbrachte. "Verrate mir nur eines", fuhr sie fort, bevor er ihr irgendeinen hochmütigen Kommentar reinwürgen konnte. "Warum ist es so entsetzlich für dich, wenn dich jemand anfaßt? Kennst du mich immer noch nicht gut genug, um mir so weit trauen zu können?"
Arranges sah sie nach ihrer Frage erst eine Weile nur an. Man konnte förmlich hören, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. 'Es hat nichts mit Vertrauen zu tun, Erynn... es hängt ein wenig mit meiner Angst vor Nadeln, Skalpellen und dergleichen zusammen... es ist auch eher kompliziert. Ich bin mehrere Male schon innerhalb der Gathering offiziell, wenn du so willst, verarztet worden... weisst du, was Folter ist? Ich meine richtige Folter, nicht die Grausamkeiten, die ich dir schonmal angetan habe...?' Erynn nickte zögernd. 'Es wird darauf geachtet, dass man bei Bewusstsein ist, während man versorgt wird. Die Feldscher tränken ihre Hände zuvor in purem Alkohol. Man wird in der Regel nicht etwa fixiert, sondern von mehreren zugleich festgehalten, während man die brennenden Berührungen der Feldscher ertragen muss... Das alles hat eine ganz einfache Begründung: Es sind meist Novizen, die sich wirklich schwerwiegende Verletzungen zuziehen. Sie werden so zur Unverwundbarkeit erzogen... es verhält sich damit ähnlich wie mit dem Kaltblutritual... den Schülern wird praktisch gewaltsam anerzogen, sich nicht verletzen zu lassen... Ein Nebeneffekt davon ist, dass manche der Novizen daraus ein Verhalten und eine Mentalität entwickeln, die sie unnahbar erscheinen lässt, so dass sich irgendjemand ersteinmal gar nicht traut, ihnen irgendwie zu nahe zu kmmen, sie gar zu berühren und somit verletzen zu können... Mir haben sich diese wenigen Male als Erlebnis ins Gedächtnis eingebrannt, es ist eine Art Reflex, dass ich mich nicht einfach anfassen lasse...' Er seufzte und streckte ihr dann zögernd die Hände hin. 'Aber bitte... sei vorsichtig...' Er wusste selbst, wie unsinnig diese Bitte war, aber er kam nicht umhin, sie trotzdem auszusprechen.
Erynn spürte, daß sie sehr bleich wurde, als sie Arranges zuhörte. Fast zaghaft legte sie seine sehr viel grobknochigere Hand in ihre schmale Linke. "So vorsichtig, wie ich nur sein kann", versprach sie und merkte, daß ihre Stimme ein wenig zitterte. Seine Erzählung hatte sie wirklich schockiert. Sie nahm sich Zeit, die ausgefransten Schrammen und Schnitte mit etwas Wasser und einem Stück Leinen so umsichtig wie möglich von Sand und Dreck zu befreien, zuerst seine rechte Hand, dann die linke. Die Wunden waren tatsächlich nicht tief, dafür aber zahlreich und viele davon hatten längst begonnen, unschön zu nässen. Sie fühlte, wie die Finger ihres Begleiters sich in ihrem Griff verkrampften, während er sich bemühte stillzuhalten. "Weißt du", murmelte sie uns strich unwillkürlich mit dem Daumen über seinen Handrücken, "mir ist ehrlich gesagt völlig unverständlich, warum ihr glaubt euch das gegenseitig antun zu müssen, Abhärtung hin oder her. Aber du sollst niemals glauben, daß ich vorsätzlich grausam zu dir wäre..."
Nachdem Erynn mit dem Ergebnis ihrer Benühungen endlich zufrieden war, verteilte sie eine kleine Menge eines Heiltranks auf den verletzten Stellen. Man konnte praktisch dabei zuschauen, wie die Schrammen eintrockneten und sich fester Schorf bildete, der nur in wenigen Stunden von neugebildeter Haut abfallen würde. Dann warf sie noch einen kritischen Blick auf die Platzwunde über dem Auge. Es sah nicht unbedingt schön aus und eine Narbe würde mit ziemlicher Sicherheit bleiben, aber die Verletzung hatte heftig genug geblutet, um weitgehend sauber zu sein. Die Elfin verstaute Tuch und Wasserhaut wieder und blickte den Beschwörer dann fragend an. "Gehen wir weiter?"
Arranges verwehrte sich erst komplett gegen die sanften und vorsichtigen Berührungen Erynns. Dass von ihren Händen keinerlei Schmerz, noch irgendeine Art der Einschränkung für seine Bewegungen ausging, drang erst zu ihm durch, als sie begann zu reden. Er versuchte wenigstens seine Hände locker zu lassen, schaffte es aber nur teilweise. Ihr Worte nahm er stumm zur Kenntnis. Aber anders, als andere Dinge, die sie ihm schon gesagt hatte, berührten sie ihn nicht. Die Erlebnisse in den Lazaretten der Gathering saßen zu tief und zu fest. Er würde diese Empfindung nie abschütteln können. Als sie endlich fertig war, blickte er kurz ungläubig auf seine Hände. 'Danke!' Meinte er und sah ihr für einen Momen fest in die Augen. Dann nickte er. Sie machten sich wieder auf in Richtung Osten, zu den Kämmen der Valusberge...
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