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Fossil
Ein leises Lächeln stahl sich auf Erynns Gesicht, als sie spöttisch salutierte. Dann setzte sie sich mit dem Rücken zum Feuer und beobachtete den Waldrand. Wo drei Goblins herkamen, konnten leicht noch mehr von ihnen sein. Nach einer Weile schweiften ihre Gedanken ab.
Ja, wahrhaftig, sehr seltsam. All das Leid und der Kummer, den wir uns gegenseitig zugefügt haben... und es sieht nicht so aus, als würde es davon in Zukunft weniger geben, wenngleich aus anderen Gründen.
Sinnend betrachtete sie den schlafenden Nekromanten. So viele Ansichten hatten sich verschoben, seit sie mit ihm unterwegs war, so viele Dinge hatte sie gesehen und erlebt, von denen sie zuvor nichts gewußt hatte. Es waren verwirrende, verstörende und oft genug schlicht angsteinflößende Geschehnisse gewesen, und doch fühlte sie sich seit den letzten Wochen lebendiger als je zuvor, auch wenn sie fast die ganze Zeit am Rande der totalen Erschöpfung stand. Sie hatte sich verändert. War über sich hinausgewachsen, hatte Grenzen durchbrochen, von denen sie nicht einmal gewußt hatte, daß sie existierten... und sie hatte viel gelernt. Zu viel, um jemals wieder das einfältige Mädchen und das Nesthäkchen des Skingrader Gildenhauses zu sein.
Erynn fragte sich was sie tun würde, wenn all das hier vorbei war. Vielleicht würde sie auf eigene Faust ein wenig umherziehen, die Niederlassungen der Gilde abklappern und ein paar der riskanteren Aufträge annehmen. Daß sie mittlerweile dazu fähig war, dessen war sie sich sicher... vorausgesetzt, die Gathering entschied, sie in Ruhe zu lassen. Ansonsten wären all ihre Pläne ohnehin Makulatur.
Es blieb ruhig in dieser Nacht. Weder Goblins noch andere, finsterere Gestalten versuchten, sich ihnen zu nähern. Nach einer Weile ließ auch der Gestank von verbrennendem Fleisch nach. Die Elfin döste ein wenig im Sitzen und mit halbgeschlossenen Augen, verließ sich wie so oft mehr auf ihr Gehör, das ihr in der Dunkelheit und bei durch den Feuerschein behinderter Nachtsicht weit bessere Dienste leistete. Sie hob den Kopf erst wieder, als die ersten Vögel ihre Lieder anstimmten, ein sicheres Zeichen dafür, daß der Sonnenaufgang nicht mehr fern war. Den Beschwörer zu wecken brachte sie noch nicht übers Herz. Es war selten, daß ein so friedlicher Ausdruck wie gerade jetzt, in tiefem Schlaf, auf seinem Gesicht lag, und sie prägte dieses Bild in ihre Erinnerung ein. Wer konnte sagen, wann und ob sie es ein weiteres mal sehen würde. Erst als das Licht des Morgens sehr viel heller geworden war erhob sie sich, kratzte das Feuer auseinander und weckte ihren Begleiter, indem sie leise seinen Namen rief.
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