Verdammt... und ich habe mich noch gewundert, wo die Schriftrolle plötzlich hinverschwunden ist... Arranges atmete genervt seufzend aus. 'Gib her...' Schnaufte er und nahm ihr das Pergament ab. Ihm selbst waren die Zeichen bekannt und so legte er kaum noch Wert darauf, Schriftrollen wirklich mit Verstand anzusehen. Nuschelnd las er kurz über die eine Zeile, die da stand. 'Sieh her...' Er rückte neben sie und hielt das Papier so, dass sie ebenfalls auf die Schrift sehen konnte. 'Im Grunde steht hier: Leid komme über dich oder Leid wird über dich kommen... Das klingt an und für sich seltsam, aber die Formeln sind uralt und keiner kennt mehr genau ihre ursprünglich zugedachte Bedeutung... warte einen Moment.' Arranges drückte Erynn das Papier wieder in die Hand und stand auf. Er ging zu seinen Satteltaschen und kramte eine Weile darin herum, bis er sein Studienbuch, das eher aussah, wie eine gebundene, unsortierte Sammlung vieler verschiedener Aufzeichungen. Er blätterte eine Weile darin herum und riss dann eine beinahe leere Seite heraus und nahm sich noch Tinte, wie Federkiel. Er setzte sich wieder neben Erynn und begann damit, das Alphabet der Daedra aufzuschreiben: Ayem, Bedt, Cess, Doth, Ekem, Hefhed, Geth, Hekem, Iya, Jeb, Khot, Lyr, Meht, Neht, Oht, Payem, Quam, Roht, Seht, Tayem, Yoodt, Vehk, Web, Xayah, Yahkem, Zyr. 'Hier, jetzt kannst du es selbst lernen...' Er Gab ihr das Pergament und verstaute dann sein Studienbuch und das Schreibzeug wieder in den Satteltaschen.

Meine Güte, der hat ja wieder gute Laune heute... Erynn nahm das Papier entgegen und ließ die geschwungenen, mit sicherer Hand gezeichneten Symbole eine Zeitlang auf sich wirken. Die Namen der Buchstaben hatte sie gar nicht erst aufgenommen, dafür war die Abfolge zu schnell gewesen. Nach einer Weile begann sie, die unvertrauten Linien mit dem Finger nachzuziehen. Es gelang ihr, sich die ersten fünf Zeichen einzuprägen, danach kam sie durcheinander. Das war also der mühselige Teil, und dabei waren es gerade mal gut zwei dutzend. Als sie das Papier entnervt zusammenfaltete, war es gerade mal dunkel geworden. Sie zögerte. Jede weitere Frage würde ihr nur eine entnervte Antwort einbringen, dafür kannte sie ihren Begleiter längst gut genug. Andererseits ging ihr Arranges' unterschwellig aggressive Haltung auf die Nerven. "Was ist los mit dir?" fragte sie ruhig. "Irgendwas paßt dir doch nicht."

'Ja verdammt, mir passt sehr viel nicht...' Das Erste, was er jetzt eigentlich hätte aufzählen wollen, schluckte er aber wieder hinunter. Nachdem Erynn ihm wieder die Windwandlerrolle gezeigt hatte, war ihm wieder aufgefallen, warum er sie vor einigen Wochen nach Skingrad zurückschicken wollte... jetzt nach der Entführung hegte er diesen Wunsch mehr denn je. Vielleicht kann ich sie in die Obhut von Bruder Marbell geben oder noch besser, ich frage Harchaxas... Der Magier war sich selbst immer mehr darüber im Klaren, dass er die Person, die ihm seit seine Eltern nicht mehr waren, näher stand, alles alle anderen, nicht ausreichend schützen konnte... Er beschloss unterbewusst, dass er seinen Zorn über die Bemerkungen der Wirtin, vorschob. 'Ich bin der Wirtin aus Bleichersweg wirklich dankbar, dass sie wenigstens den Ansatz einer brauchbaren Auskunft hatte, aber für ihre Urteilung über den alten Harchaxas hätte sie schlichtweg vom Antlitz Nirns entfernt werden müssen...' Im Schein des Feuers war deutlich zu sehen, wie eine Ader an der Schläfe des Kampfmagiers immer dicker wurde...

Erynn wußte genau, daß sie jetzt eigentlich aufhören sollte. Doch da war noch etwas, irgendetwas, das der Beschwörer zurückhielt - und sie war nicht mehr bereit, sich mit Informationsfetzen zufriedenzugeben, nachdem sich die Bedrohung durch die Abtrünnigen noch einmal verschärft hatte. "Du regst dich garantiert nicht so über irgendwelche hohlköpfigen Leute auf... wer ist dieses Weib schon? Laß die Ausflüchte und sag mir, was nicht stimmt."

Ruckartig hob der Kaiserliche seinen Kopf und schleuderte der Dunkelelfe einen vernichtenden Blick entgegen. 'Ich war ein Trottel, dich gestern am Gehen gehindert zu haben...' Knurrte er. Tatsächlich fiel ihm jetzt erst auf, wie hin und her gerissen er war. Einerseits wollte er ohne Erynn nicht weitergehen, aber auf der anderen Seite musste er sie in Sicherheit wissen. Die Gedanken, sich weiterhin ihrer Unversehrtheit gewiss sein zu können, überwiegten schließlich doch... 'Zunächst einmal rege ich mich auf über wen oder was ich will... das solltest du wissen... und zweitens hast du wohl wieder einmal vergessen, wie dumm es ist, mich zu reizen, wenn ich mich bereits ärgere...'

Die Elfin senkte den Blick und schwieg eine Weile. Als sie wieder aufsah, sprach die schiere Verunsicherung aus ihrem Gesicht. "Du... du willst mich loswerden? Jetzt? Warum? Was habe ich dir getan?"

Blitze schossen aus den Augen des Magiers hervor, ihr entgegen, als sie ihre Frage beendet hatte. Wütend sprang Arranges auf. 'Was du mir getan hast?! Wie bescheuert kann man sein?! ... Du drängst dich in mein Leben, willst etwas von mir, zwingst mich dazu, dass ich mir tatsächlich ernsthafte Gedanken um jemand anderes, als um mich selbst und mein Pferd mache... DU parkst deine knochige Erscheinung in meinem Kopf so unpraktikabel, dass ich sie nicht mehr ohne weiteres herausgeschoben bekomme ohne, dass sie sich weiter verkantet, je mehr ich mich dagegen stemme... du hast mir mehr Freiheit und Unabhängigkeit genommen, als es die Gathering jemals gekonnt hätte... du hängst an mir dran, wie ein Klette und ich bin mir mittlerweile sicher, dass ich dich nicht vor den Abtrünnigen schützen kann, egal, was ich auch anstellen würde... und noch viel weniger, wenn du direkt bei mir bist...!' Schwer atmend stand er mit gespreizten Beinen vor ihr, seine Halsschlagadern waren beinahe fingerdick hervorgetreten, gleichzeitig aber war sein Blick absolut undeutbar...

Wieder schlug die Dunmer die Augen nieder, machte sich so klein wie möglich und wagte kaum zu atmen. Und ich dachte, über das Stadium seien wir lange hinaus. Bereust du, was du mir erzählt hast? Traust du mir doch nicht? Irgendwann nahm sie all ihren Mut zusammen und sagte mit erstickter Stimme: "Ich habe nichts genommen, was du mir nicht freiwillig gegeben hättest. Habe ich nur einmal versucht, dich von deinem Weg abzubringen?" Sie schluckte einmal und sprach dann etwas sicherer: "Dialga ist ohnehin hinter mir her, auch wenn ich nicht weiß, warum genau. Für mich gibt es keinen sicheren Ort, bis dieses Schwein nicht vernichtet ist. Nirgendwo."

Es gibt einige sichere Orte in Cyrodiil... nur bin ich keiner davon... Er ließ die Schultern hängen. Er konnte kaum etwas gegen ihre Worte sagen, schließlich hatte sie irgendwo Recht. Und dennoch... 'Lächerlich... was sollte Dialga mit dir vorhaben? Zwei Dinge, die ich ihm in dieser Hinsicht zutrauen würde, für die aber irgendeine Frau von der Straße mehr taugen würde als du... Hör zu, Dialga ist zwar ein perverser Bastard, aber weder für irgendwelche abstrakten Zuchtprogramme, noch für seinen Harem hättest du eine sinnvolle Verwendung... nichteinmal seine Handlanger würden Hand an ein Blutauge wie dich legen... und wegen deines Prügelknabendaseins könnten sie dir auch nichteinmal ab dem Hals aufwärts etwas brauchbares abgewinnen...' Es tut mir leid Erynn, aber so lange wir verfolgt werden, kannst du nicht bei mir bleiben... und wenn nicht einfach, muss ich dich eben davon überzeugen, dass du nicht mehr bei mir bleiben willst...

"Wenn du das sagst..." Erynn sprach danach nicht mehr. Sie verstand nicht, was den Kaiserlichen so plötzlich zu diesem Verhalten trieb, aber ihr war klar, daß sie nicht zu ihm würde durchdringen können. Wie kannst du nur so grausam sein? Einmal willst du, daß ich an nichts und niemand anderen denke als an dich, dann wieder beleidigst du mich und willst du mich fortjagen. Was soll ich davon halten, Arranges? Ich bin doch nicht dein Eigentum, so kannst du nicht mit mir umspringen! Verwirrt und verletzt blieb sie sitzen, wo sie war. Vielleicht würden die Dinge klarer, wenn der Beschwörer sich wieder abgeregt hätte. Solange wußte sie sich nicht ander zu helfen als den Kopf einzuziehen und zu hoffen, daß seine Launen vorbeigingen.

Sie war endlich still. Gut, das wird sie eher davon abhalten, sich Harchaxas entreissen zu wollen... ja, der Druide wird wohl den besten Schutz für sie gewährleisten können... dazu ist er sehr viel umgänglicher, als Bruder Marbell und hat eine ruhige, angenehme Art an sich... sie wird die Zeit bei ihm überleben... Ich sage ihm einfach, er soll sie irgendwo am südwestlichen Rand des Großen Forstes absetzen, von da aus kann sie schnell nach Skingrad kommen oder sowas... Arranges wartete, bis Erynn wohl im Sitzen eingedöst war. Vorsichtig legte er ihr eine der Wolldecken um den Leib und wachte bis zum Morgengrauen. Es wird wohl besser sein, wenn wir die Pferde in Bruma abgeben... Dachte er und warf einen Blick auf seinen Fuchs.