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Legende
Arranges erwachte, als er eine leichte Berührung im Gesicht spürte. Er schlug die Augen auf und sah die Nüstern seines Rotfuchses über sich. Das Tier war natürlich die ganze Zeit bei ihm geblieben. Es war tiefe Nacht. Falchion war ebenfalls noch dort, mit hängendem Kopf stand er neben dem Reittier des Kaiserlichen. Der Kopf des Magiers brummte. Aber als er völlig wach war, stemmte er sich hektisch hoch und sah sich gehetzt um. Niemand war mehr da. Von den Abtrünnigen keine Spur... Was habe ich auch anderes erwartet... Ratlosigkeit vermischt mit Zorn über sich selbst machte sich in den Gedanken des Magiers breit. Ich muss eigentlich den dritten Siegelstein holen... aber ich will mir nicht ausmalen, was diese Aushilfsnekromanten mit Erynn vorhaben... Er haderte mit sich selbst... er konnte weder das eine, noch wollte er das andere vernachlässigen... Aber je mehr er darüber nachdachte, desto mehr Zorn spürte er darüber, Erynn einfach so ausgeliefert zu haben. Allein der Gedanke daran, sie in den Händen der Abtrünnigen zu wissen, machte ihn, jetzt, da er sich so richtig darüber bewusst wurde, rasend... Plötzlich fasste er einen Entschluss... Gumora...! Er schwang sich in den Sattel seines Fuchses und testete, ob Falchion ihm folgen würde. Der Wallach der Dunmer kam dem Rotfuchs ohne Scheu nach, die beiden hatten sich mittlerweile so aneinander gewöhnt, dass das keine weiteren Probleme bereiten würde...
Arranges preschte durch die Nacht zur Kaiserstadt. Dort angekommen hielt er mit großen Schritten auf das Hafenviertel zu... Zum Teufel, wo ist diese schmierige Eidechse, wenn man sie mal braucht?! Der Kaiserliche schritt die Docks ab, ging auf die andere Seite der Kais zu den Armensiedlungen. Aber außer einem Bettler war dort niemand zu sehen. In seiner Verzweiflung ging er auf die vom Leben gebeutelte Gestalt zu, die an einem kleinen Feuerchen am Strand saß. 'He, ihr da...' Der Bettler, ein alter Bretone, sah fragend auf. 'Wisst ihr wo Gumora ist... oder habt ihr ihn in letzte Zeit hier gesehen?' Dabei zog Arranges einen Septim aus einem Beutel und ließ das Goldstück im Mondschein blinken. 'Hmm...' Machte der Alte und wies auf die Wasseroberfläch vor sich am Strand. 'Verdammt, wollt ihr mich zum Narren halten alter Mann? Ich habe keinen Nerv für solche Spielchen!'
'HMMMmmmMM...' Brummte der Bretone energisch und deutete nochmal auf die Wasser des Rumare. Arranges blickte nochmal hinaus auf den See und tatsächlich, nach einigen Augenblicken tauchte der gehörnte Kopf des Argoniers aus de Wasser auf. 'Arranges... des weiße Ritter kommt mich mitten in der Nacht besuchen?' Der... weiße Ritter?! Was zum Teufel hast du wieder geschluckt Gumora? Der Nekromant wartete, bis Gumora aus dem Wasser gestapft kam. Er wollte ihn gerade grüßen, als er ein leichtes Ziehen an seinem Umhang spürte. Er blickte zur Seite. Der Bretone schaute zu ihm auf und drehte ihm jetzt auffordernd die Handfläche hin. Genervt atmete Arranges aus und legte dem Bettler das Geldstück in die Hand. Wortlos ließ dieser es verschwinden und schaute wieder zu dem Argonier, der mittlerweile bei ihnen angekommen war. Gumora nickte dem Bettler zu. Dieser zog ein Stück Kohle und ein arg zerknittertes Papier hervor und machte ein paar Striche in eine Liste, dann ließ er beides wieder verschwinden und richtete den Blick wieder starr auf den Rumare hinaus...
'Seid mir gegrüßt Gumora... was meintet ihr vorhin mit dem Ritter?'
'Das wisst ihr noch nicht... vor einigen Tagen hat sich hier das Gerücht ausgebreitet, dass ein strahlender Ritter, wie er in Märchen vorkommt, das Tor bei Cheydinhal geschlossen haben soll...' Dem Kaiserlichen klappte die Kinnlade herunter. 'Hat es euch die Sprache verschlagen?' Grinste der Argonier. 'Wie kommt ihr darauf, dass ich das gewesen sein soll?'
'Nun, der Einzige, den ich kenne, der bis jetzt von sich behauptet, schon einmal ein Tor aus der Nähe gesehen zu haben, mich nach dem Standort eines weiteren Tors gefragt hat und von dem ich glaube, dass er verrückt genug ist, die Oblivionebenen zu betreten, seid ihr, Arranges...'
'Glaubt was ihr wollt Gumora... ich bin wegen etwas sehr viel Dringlicherem hier... ihr könnt doch Spuren lesen?'
'Ich bin freier Kundschafter, es wäre mir peinlich, wenn ich es nicht könnte...'
'Gut, dann brauche ich eure Hilfe... jetzt!'
'Mit jetzt meint ihr... jetzt gleich?'
'Ja was denn sonst?!' Fragte Arranges gereizt. 'Was braucht ihr denn?'
'Erinnerst du dich noch an Erynn? Man hat sie entführt... und ich will sie... befreien...' Für einen kurzen Moment trat ein sehr seltsamer und undeutbarer Ausdruck in seine Augen. 'Wo habt ihr sie als letztes gesehen?'
'Bei Fanacasecul...'
'Hmm... wartet, ich werde mich kurz ankleiden, dann will ich versuchen euch zu helfen... ihr wisst also nicht, ich welche Richtung die Entführer gegangen sind und braucht deswegen meine Fähigkeit Spuren zu lesen?' Arranges nickte.
Es dämmerte bereits, als sie Fanacasecul endlich erreicht hatten. Bis der Argonier endlich ein paar Spuren gefunden hatte, die wohl passen mochten - Arranges konnte dazu nichts sagen, er war weder Jäger, noch Kundschafter - machten sie sich auf den Weg und folgten den Spuren direkt nach Westen in den dichten Wald hinein. Gumora bestätigte Arranges, dass die Entführer wohl nur langsam vorankamen und noch nicht sehr weit gekommen sein konnten... gegen Mittag hatten sie eine der vielen Erhebungen, die weiter im Nordwesten, südlich von Chorrol in das Colovianische Hochland übergingen, erreicht. Gumora bedeutet dem Kaiserlichen zu halten. 'Was ist, haben wir sie bereits eingeholt?' Fragte der Beschwörer hoffnungsvoll. Aber statt einer Antwort lenkte der Argonier nur sein Pferd schweigend dem des Beschwörers gegenüber. 'Es tut mir leid Arranges, aber man hat mir für diesen kleinen Dienst sehr viel Geld geboten... und ihr wisst, der Meistbietende hat bei mir Vorrang. Der Magier wusste jetzt gar nicht mehr, was er denken sollte. Aber noch bevor er überhaupt einen klaren Gedanken fassen konnte, zog der Argonier eine Schriftrolle hervor, wirkte selbige und verschwand mit samt Pferd. Du mieses, kleines... 'Jetzt fangt bloß nicht an zu weinen Arranges...' Die Stimme des Botschafters war unverkennbar, aber es war niemand zu sehen. Arranges schwang sich aus dem Sattel und schaute sich um. 'Es wird mir eine Ehre sein, dem Mentor Arranges den Hals umzudrehen...' Ein Hüne trat vor dem Nekromanten aus dem Schatten der Bäume. 'Ihr seht traurig aus... Arranges... der Verlust eurer Freundin macht euch wohl sehr zu schaffen...'
'Was wollt ihr?!'
'Nanu... keinen Respekt mehr vor einem Botschafter? Das ist schlecht Arranges...'
'Vor Botschaftern schon, vor Abtrünnigen und Verrätern jedoch nicht...' Der Botschafter seufzte. 'Es war wohl doch sehr viel klüger einfach Erynn zu holen und für Dialgas Vorhaben einzusetzen, als euch, den so talentierten und unbesiegbaren Arranges zwingen zu wollen, unserer Gemeinschaft beizutreten.'
'Was für Zwecke?!'
'Wenn ihr uns beitretet Arranges, würdet ihr es erfahren...'
'Niemals!' Der Botschafter kam nicht mehr zum Antworten. Arranges begann den Kampf einfach. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er stets geglaubt, dass Botschafter unbezwingbar wären, aber sein Hass loderte weiß in ihm auf. Funkensprühende, annähernd weiße Sphären verschluckten seine jetzt leicht vom Körper gestreckten Hände. 'Die Botschafter waren mal eine Herausforderung... heute werde ich beweisen, dass sie es nicht sind...' Sein Gegner erkannte wohl den Ernst der Lage und brachte sich selbst in Kampfhaltung. Aber bis sein Gegenüber überhaupt reagieren konnte, traf ihn ein gewaltiger Feuerstrahl. der Botschafter wurde zurückgerissen und kam arg ins Taumeln. Auf seiner Brust war jetzt ein kreisrundes Loch in der Rüstung zu sehen. Metall, Stoff, Leder und Haut waren an den Rändern der grob blasenschlagenden Wunde miteinander verbacken. das Metall glühte leicht. Blitzschnell beschwor Arranges ein geradezu gewaltiges Daedroth. er hörte, wie zwei Schwerter gezogen wurden. Der Botschafter hatte seine beiden Dai Katanas aus den Scheiden gerissen und führte jetzt mit jeder Hand eines davon. Klingen wirbelten, blitzen und funkelten hin und her, während das Oblivionmonster gleichermaßen mit seinen Klauen arbeitete und Feuerzauber nach Feuerzauber auf den Botschafter abfeuerte. Arranges bewegte sich seitlich zu den Kämpfenden. Er gab über das mentale Band dem Daedra zu verstehen, auf sein Zeichen hin einen gewaltigen Feuerzauber abzugeben. Der Botschafter hingegen war wohl total überrumpelt von der Aggressivität, die ihm da entgegenschlug. Arranges hatte seine beiden Arme ausgestreckt vor sich zusammengeführt und zielte auf den Hünen. Im gleichen Moment jedoch, als Arranges dem Daedroth sein Zeichen geben wollte, führte der Botschafter einen gewaltigen Hieb gegen das Reptil und vernichtete es. Arranges gab seinen Zauber trotzdem ab... Einer der beiden Zweihänder kam ihm wirbelnd entgegen geflogen und schrammte über seine Schulterplatte... sein Zauber hingegen riss dem Botschafter den Kopf und die komplette linke Schulter inklusive Arm weg. Schmatzend spritzte unnatürlich dunkles Blut aus dem massigen Körper hervor, der erst nicht umkippen wollte. Nach einigen Sekunden ließ die eine Hand kraftlos das Schwert fallen. Nochmals einen Augenblick später sackte der Körper zusammen. Arranges jedoch war noch nicht zufrieden. Er riss sein Schwert aus der Scheide und stürmte auf den Fleischberg zu. Einige Minuten lang hackte er mit wildem Gekläffe auf den toten Botschafter ein. Er entlud seinen ganzen Zorn auf diesen einen Verräter. Gedärme, die wirkten, als wären sie schon lange nicht mehr durchblutet worden, flogen durch die Luft, Blut spritze... bis schlussendlich nur noch ein großer Fleischberg übrig war, der mehr an eine volle Schlachtbank beim Metzger erinnerte, denn an einen Humanoiden... Erschöpft sank er schließlich resignierend auf die Knie. Wie sollte er Erynn jetzt noch erreichen? Er hatte keine Ahnung wo er genau war, nur eine grobe Vorstellung... vermutlich hatte man ihn auch noch in eine ganz andere Richtung geführt. Flehend blickte er zum Himmel auf, bevor er sein rot gesprenkeltes Gesicht in seinen blutigen Händen vergrub... Irgendwann jedoch zwang ihn sein unnachgiebiger Wille, das, was von dem Botschafter übrig war, zu untersuchen... Er fand ein ganzes Arsenal an Waffen aller Arten, Tränke ohne Ende und eine kleine Tasche am Gürtel über dem Gesäß des Toten. Er öffnete sie und schaute hinein. Er angelte ein paar blutige Umschläge daraus hervor. Enttäuscht, weil sie alle entweder nicht lesbar waren oder nicht das beinhalteten, was er gehofft hatte, wollte er sie gerade wegwerfen, als ihm auf einem der Pergamente, der Name Erynn ins Auge stach. Neue Hoffnung drängte sich in seinem Kopf an vorderste Stelle. Vieles konnte man wegen Blutflecken oder grausiger Handschrift nicht lesen, aber einige Informationen waren sauber geschrieben. Er konnte den Zeilen entnehmen, dass sich Remogius wohl am vierten Tag nach der Entführung irgendwo südwestlich nahe Chorrol befinden sollte um sich dort mit dem Botschafter zu treffen... Der Kaiserliche verlor keine Zeit damit, darüber nachzudenken, wie absolut exakt diese ganze Aktion auf sein Verhalten abgeglichen worden war. Er saß auf und preschte nach Norden durch den Wald...
... Sie hatten bis zum frühen Abend Rast gemacht. Seltsamerweise hatte es Remogius plötzlich gar nicht mehr so eilig, aber das konnte auch eine Einbildung sein. 'Mentor...?'
'Was ist denn schon wieder Geshrak?'
'Ich habe hier ein Problem...' Remogius verdrehte genervt die Augen. 'Was denn?'
'Ich habe ein Problem damit, Dialga einfach irgendjemanden abzuliefern, der möglicherweise nicht für seine Vorhaben geeignet ist...' Der Kaiserliche zog eine Augenbraue hoch. 'Seit wann denkst du so viel Geshrak?' Der Ork sah ihn nur bedeutungsvoll an. 'Ah, ich verstehe... hm... Der Befehl lautete aber, sie erstens lebendig zu Dialga zu bringen und zweitens auch sonst möglichst unversehrt... das wird nicht funktionieren Geshrak...'
'Achwas...' Der Ork warf Erynn einen vielsagenden Blick zu. 'Die sieht aus, als könnte sie das schon aushalten...' Remogius sah ihn fragend an und blickte dann ebenfalls zu Erynn hinüber. Sie war jetzt wohl nicht mehr so trotzsicher, wie vor einigen Minuten noch. 'Ohhh... schaut nur Remogius, sie zittert... ihr werdet doch wohl keine Angst vor... mir haben?' Erynn antwortete nicht. 'Vielleicht sollten wir ihr erklären, dass wir ihr wie dem Kaiserlichen auch, einen riesen Gefallen getan haben in dem wir beide voneinander trennten...' Sagte Remogius und grinste dabei fies. 'Glaubt ihr nicht, dass wir ihr damit noch mehr Angst machen?'
'Dummkopf, mit diesem... Vergleich nehmen wir ihr die Angst vor dir... das kann nur besser sein für dich... und angenehmer wahrscheinlich auch...'
'Stimmt, wenn ich an das erste Gespräch zurückdenke, das er vor der Gathering hatte, als er zum Novize ernannt worden war... damals dachten viele, dass er einen derben Schaden haben musste... ich glaub nur Meisterin Marie war übler drauf als er...' Sagte der Ork. 'Naja,' Remogius warf nochmal einen Seitenblick auf die Dunmer, 'ich jedenfalls würde kein Schüler von jemandem sein wollen, der seine Eltern einfach nicht gehen lassen wollte... er hatte damals ja auch noch die Aufgabe bekommen, Drimo... wie hieß sie noch gleich... da seine Freundin während seiner Schülerzeit, zu foltern, als es hieß, dass sie abtrünnig geworden sei... insgeheim glauben ja noch immer viele, dass er es auf sie abgewälzt hatte und so nur selbst der Folter entgehen wollte...'
'Nicht zu vergessen die beiden Kaltblutrituale... die Ergebnisse wurden nie öffentlich gemacht, aber es sickerte von beiden gewissen Dinge durch, die sogar Meisterin Marie an Arbartigkeit übertreffen...' Fiel ihm der Ork ins Wort. 'Nun, die unterschwellige Behauptung, dass flüssiges Eis, statt Blut durch seine Adern pumpt, kursiert jedenfalls nicht völlig um sonst innerhalb der Gathering...'
'Ja und...' Ein glühendes Geschoss rauschte plötzlich heran und zerfetzte den Ork, der gerade wieder zum Sprechen ansetzte. 'Richtig... es ist dunkles, dickes, eiskaltes Blut...' Arranges trat wie der Tod persönlich auf die kleine Lichtung, blutverschmiert und funkelnden Augen. Remogius sprang erschrocken und mit blankem Entsetzen in den Augen, auf. 'Arranges... aber, aber...'
'Ihr müsst ein bisschen früher... erwachen um mich zu kriegen...' Mit einem Satz war der Kaiserliche bei Remogius. Ein gurgelnder Laut war zu hören, als Arranges seine von einem blauen Schimmer eingehüllte Hand um den Hals des anderen legte. Der Abtrünnige war von seinem Schreck so gelähmt, dass er sich nicht wehrte... Eine Sekunde später kippte der Leib um und der Kopf platzte am Kragen vom restlichen Körper ab, dort, wo das Gewebe innerhalb von Sekunden schockgefrostet worden war. Arranges wandte sich Erynn zu. Die Verräter hatten sie wohl im weiteren Verlauf der Rast wieder gefesselt. Er kniete sich vor sie hin, zog sein Gebrauchsmesser und zerschnitt die Stricke...
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