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Fossil
Colovia
Nachdem sie sich für die Nacht einen Platz etwas abseits der Straße gesucht hatten, ließ die Elfin sich einfach fallen und überließ es Arranges, Holz zusammenzusuchen und ein Feuer zu entzünden. Träge sah sie zu, wie er die Zweige allein mit einer eleganten Geste in Brand setzte. Morgen sieht alles wieder ganz anders aus. Ich hab einfach bloß einen schlechten Tag erwischt. Schlafen... nur schlafen. Hinter halbgeschlossenen Lidern beobachtete sie die tanzenden Flammen, bis sie langsam wegdämmerte. Die Flammen blieben. Wieder führten ihre Träume sie in Mehrunes Dagons Reich, jenen Ort, an dem sie sich auf so seltsame Weise zuhause fühlte. Im Schlaf konnte sie dort sein, ohne daß seine Gefahren sie berührten.
Nur langsam drangen die Geräusche aus der wachen Welt an ihre Ohren, vermischten sich mit dem Traumbild, bis der Schleier endlich zerriß. Alarmiert, wenngleich noch etwas verwirrt setzte sie sich auf und versuchte zu ergründen, was vor sich ging. Der Krach, wie sie zu ihrem Entsetzen feststellte, stammte nicht von einem Daedroth, sondern von einer sehr viel häßlicheren und beunruhigend realen Kreatur. Sie sah noch, wie der Zauber ihres Begleiters sein Ziel verfehlte, dann wischte der Oger ihn mit einer fast nachlässigen Bewegung fort. Erynn war längst aufgesprungen und zog ihr Schwert. Das Geräusch machte das Ungeheuer auf sie aufmerksam. Es wandte sich ihr zu, während sie ihm geduckt gegenüberstand, bereit, sich blitzschnell aus der Reichweite des Stamms einer jungen Weide zu bringen, die das Biest als Keule verwendete. Die schiere Masse des Angreifers täuschte über seine Flinkheit hinweg und Erynn entging nur knapp einem Schwinger mit der kruden Waffe. Sie duckte sich, stieß mit dem Schwert vor. Immerhin: Das erste Blut ging an sie. Der Oger brüllte, mehr vor Zorn als vor Schmerz, und sprang zurück. Seine kleinen, arglistigen Augen funkelten sie an. Geifer troff ihm aus dem Maul, das sich zu einem abstoßenden, bösartigen Grinsen verzog. Dann griff er wieder an. Erynn ließ sich fallen und rollte sich ab. Die Keule fegte nur eine Handbreit über sie hinweg. Sie mußte irgendwie hinter das Biest kommen, um Achilles- oder Kniesehnen durchtrennen zu können. Wenn es ihr nicht gelang, das Vieh zu Fall zu bringen, war sie geliefert. Die Elfin täuschte eine Bewegung an, stieß sich dann in die gegenüberliegende Richtung ab und zog ihre Klinge im Sprung über die armdicken Oberschenkelmuskeln des Monsters. Ein Prankenhieb stoppte ihren Lauf und schleuderte sie mehrere Meter zurück. Sie kam auf die Füße und sah sich hastig nach Arranges um. Ein Fehler, den sie bitter bereuen sollte.
Erynn spürte mehr als daß sie sah, wie die Waffe des Ogers heransauste. Reflexartig hob sie die Linke, um den Hieb abzuwehren. Die Keule schlug ein, und sie fühlte, wie mehrere Knochen in Hand und Arm brachen, als seien sie trockenes Geäst. Wieder wurde sie fortgeschleudert, war diesesmal viel zu benommen, um den Flug kontrollieren zu können. Sie landete unglücklich und fiel auf die Seite, als das rechte Fußgelenk mit einem feuchten Knacken nachgab.
Der Schmerz überstieg alle ihr bekannten Ausmaße, und sie schrie in Qual und Zorn. Als ihr Blick sich wieder klärte, sah sie den Oger auf sich zukommen. Langsam. Siegessicher.
Die Magie kam von selbst zu ihr, als rasende Pein sie in eine Art Trance versetzte. Ohne nachzudenken schleuderte sie dem Monster die Kräfte entgegen. Ihr letzter Gedanke galt Arranges und der Hoffnung, daß es dem Beschwörer gelingen möge, den Angreifer auszuschalten, dann schwanden ihr die Sinne.
Geändert von Glannaragh (22.03.2011 um 23:58 Uhr)
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