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Fossil
Erynn verlor keine weitere Zeit. Sie ging etwa zweitausend Schritte nach Norden, und es dauerte nicht lange, bis sie eindeutige Spuren fand. Ein Pfotenabdruck hier, tiefe Kratzer an einem Baumstamm dort. Um einen besseren Überblick zu bekommen, kletterte sie auf einen der großen, verwitterten Findlinge, welche hier in der Gegend verstreut lagen wie von Giganten geworfene und dann vergessene Murmeln. Ein guter Platz, entschied die Elfin. Groß und steil genug, um eine gewisse Sicherheit vor wütenden Bären zu bieten... Es würde ein verdammt gutes Auge und noch viel mehr Glück vonnöten sein, um eines dieser gewaltigen Tiere mit nur einem Schuß zu erledigen.
Für eine Weile hockte sie still und beobachtete die Umgebung. Tatsächlich erblickte sie einen Bären, ein relativ kleines Exemplar mit dichtem, schwarzen Fell. Noch war es weit entfernt, näherte sich aber nach und nach immer weiter ihrer Position. Langsam, mit größter Vorsicht griff Erynn über ihre Schulter nach nach dem Köcher. Die Dremorapfeile, die sie aus dem Tor mitgebracht hatte, waren dank Gewicht und Durchschlagskraft geradezu ideal für ihr Vorhaben, wenngleich sie sich an die Flugeigenschaften erst gewöhnen mußte.
Das Tier hielt inne, fletschte die Zähne und flehmte. Die Elfin erstarrte mitten in der Bewegung. Komm schon, nur noch ein paar Schritte näher... Der Bär jedoch hatte sie gewittert. Der unstete Wind mußte ihren Geruch zu ihm herübergetragen haben, und so entschied er sich, lieber das Weite zu suchen, anstatt sich etwas auszusetzen, daß er nicht einordnen konnte. „Verdammt...“
Erynn wartete noch eine ganze Weile. Die Sonne versank zusehends hinter den Hügeln, vom Meer her zog leichter Nebel auf. Dann eben nicht. Im Morgengrauen zu jagen, ist mir ohnehin lieber. Sie kletterte von dem Findling herunter und lief in leichtem Trab zum Lagerplatz zurück. Der Kaiserliche hatte sich um das Lager gekümmert und saß am Feuer. Er sah nachdenklich aus, aber das tat er eigentlich immer. Wenn er nicht gerade wütend war.
„Ich habe einen guten Ort gefunden und einen jungen Bären gesehen“, informierte sie ihn. „Ich glaube nicht, daß es der einzige hier in der Gegend ist – ich habe verschiedene Abdrücke und Markierungen gesehen.“ Wie um ihre Worte zu bekräftigen, warf sie mehr Holz auf das Feuer.
Arranges antwortete nicht, und so wandte sie sich ihm zu und forschte in seinem Gesicht. Er sah nicht nachdenklich aus – jeder Muskel in seinem Gesicht war zum Zerreißen gespannt. Gathering! schoß es ihr durch den Kopf und sie fühlte, wie ihr das Blut aus dem Kopf in die Körpermitte schoß. Sie hockte sich neben ihren Begleiter, ihr Gesichtsausdruck wandelte sich schlagartig von zufrieden zu ernsthaft besorgt. „Was ist geschehen?“
Geändert von Glannaragh (20.03.2011 um 19:05 Uhr)
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