Erynn erhob sich aus der Deckung, um dem Schwergerüsteten zu begegnen, der auf sie zustürzte. Funken stoben, als Stahl krachend auf Stahl traf. Für einige Herzschläge standen sie in wortlosem Kräftemessen ineinander verkeilt, bis es Erynns Gegner gelang, sein Gleichgewicht zu verlagern und nach ihrem Schienbein zu treten. Keuchend sprang sie zurück und mußte sich sogleich eines weiteren Schwerthiebes erwehren, der mit ähnlicher Wucht geführt war wie der vorangegangene.
So wird das nichts, überlegte sie, während sie die Klinge ihres Widersachers nach unten ablenkte und ihn mit der Schulter voran anrempelte, in der Hoffnung, der Stoß und die schwere Rüstung würden ihn zu Fall bringen. Der Bandit stolperte zurück und fluchte, hielt sich aber auf den Füßen. Die Elfin setzte ihm nach und deckte ihn mit einer schnellen Folge von Schlägen ein, die jedoch aufgrund des stählernen Panzers bestenfalls schmerzhaft, keinesfalls jedoch gefährlich waren.
Ein zornerfülltes Brüllen drang unter dem Helm hervor, als ihr Gegner sich wieder fing und den sperrigen Zweihänder herumwuchtete. Der Streich kam über Schulterhöhe heran und hätte sie um ein Haar sauber enthauptet; im letzten Augenblick drehte sie sich in den Angriff und brachte ihr eigenes Schwert zwischen ihren Körper und die heransausende Klinge. Sie wurde zurückgestoßen, stolperte und duckte sich unter einem weiteren Schwinger hinweg, stach dann aufwärts nach den Sehschlitzen des Helms.
Erynns Feind reagierte schnell. Es gab ein metallisches Kreischen, als er ihre Waffe mit seinem geschützten Arm zur Seite schlug, sofort seine Klinge wieder mit beiden Händen packte und diese Knauf voran in ihre linke Schulter krachen ließ. Sie schrie auf und brach in die Knie. Ihr Gegner machte einen Ausfallschritt und setzte zu einem abwärts geführten Stoß an, als sie sich zur Seite abrollte und wieder auf die Füße kam. Ihre Aktion hatte sie halb hinter den Banditen gebracht, wo sie endlich die Schwachstelle in seiner Panzerung entdeckte, die sie brauchte. Sie wirbelte herum, um gänzlich hinter den Angreifer zu kommen, vollendete die Drehung und versenkte die Schwertspitze in seiner Kniekehle, genau zwischen gepanzertem Stiefel und Beinplatte. Sein vormals zorniges Knurren steigerte sich zu einem erstaunlich hohen, gepeinigten Kreischen.
Erynn trat den Zweihänder aus seiner Reichtweite und blickte sich wild um. Die Taubheit in ihrer Schulter wandelte sich zusehends zu einem schmerzhaften, nervtötenden Pochen. Wo ist der Magier?