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Thema: Gruppenreferate in der Schule

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  1. #6
    Ich muss mal wieder etwas Kontra geben.

    Zuerst zu Gruppenarbeiten generell.
    Zitat Zitat von Wandaaa
    Es bringt vor allem wirklich nichts. [...] Pädagogische Wirkung? Null.
    Puh. Das mag deine Erfahrung sein, die Didaktik ist da aber immer noch völlig anderer Meinung. Gruppenarbeit kann sehr gut bessere Resultate erzielen. Die Frage bei dem Thema dreht sich viel mehr um das "wie" - das "ob" ist längst beantwortet.

    Ich habs in einem anderen Thread schonmal gesagt: Es gibt bei didaktischen Trends meistens ein oder zwei Generationen, die mehr drunter leiden. Das waren wir, und teilweise die aktuelle Generation. In unserer Klasse war Gruppenarbeit etwa nur zweifelhaft sinnvoll, weil sie einige Lehrer irgendwann in der achten Klasse alle paar Wochen in den Raum geworfen haben, a la "macht mal". Das war ein epischer Fehlschlag, weil die einfach nix drauf hatten und wir das Konzept nicht kannten. Ich hab in einem Praktikum aber auch schon eine vierte Klasse gesehen, in der die Gruppenarbeit völlig großartig war (was nicht zuletzt daran lag, dass es die Schüler schon gewohnt waren). Inwischen sind auch schon höhere Klassen mit den didaktischen Errungenschaften der letzten zwanzig Jahre aufgewachsen.

    Gruppenreferate sind eine andere Geschichte.
    Da geht es wirklich allen voran um den sozialen Part, und um verschiedene Evaluationssachen.
    Man soll lernen...
    • Arbeitsteilung, obviously. Aber das ist nur die oberste Schicht.
    • ...seine eigenen Eigenschaften richtig einzuschätzen
    • ...die Fähigkeiten und die Verlässlichkeit der anderen einzuschätzen
    • ...ein Rollen- und Hierarchiebewusstsein innerhalb der Gruppe
    • ...mit Timing und unerwarteten Entwicklungen umzugehen
    • ...zu kommunizieren!
    • ...letztendlich all diese Einschätzungen in die Praxis umzusetzen und sensible Entscheidungen zu treffen!

    Letzteres ist dabei die "Königsdisziplin". Es geht in einem Gruppenreferat nicht darum, die Arbeit aufzuteilen, seinen Part zu machen und sich dann aufzuregen, wenn es nicht klappt. Es geht darum, mit der Gruppe klarzukommen und/oder richtige Entscheidungen zu treffen. Jemand macht nix? Kommunizieren! Sonst fliegt er aus der Gruppe, oder man übergeht ihn in der Planung und verteilt seine Aufgaben andernweitig. Niemand in der Gruppe macht irgendwas? Dann muss man auch damit klarkommen, vielleicht muss man sich sogar entscheiden, auf eine gute Note zu verzichten, andere zu "verpetzen" oder selbst den Großteil der Arbeit zu übernehmen (oder einen Mittelweg zu finden).
    Natürlich hat der Lehrer einen nicht unerheblichen Anteil am Gelingen des Ganzen. Aber: Wenn er unfähig ist, stellt das letztendlich nur eine weitere Hürde dar, die Schüler im Zuge der Arbeit überwinden müssen.

    Ist vielleicht nicht nett oder gar "fair" - aber niemand hat behauptet, in der Schule ginge es nur um Fachwissen.


    Edit: Was Mordechaij am Ende sagt, ist nicht prinzipiell falsch, aber stark abhängig von den Umständen und den beteiligten Personen. Ich persönlich halte etwa nichts von der "Wenn es nicht klappt, ist es eure Schuld" Mentalität bei Lehrern. In der Uni mag es noch anders sein (die Leute sind halt erwachsen), aber auch da ist eben das meistens nur eine Ausrede für "keine Lust" oder "unfähig". In der Schule dagegen kann das sogar direkt gefährlich werden, weil es auch den Schülern den Eindruck geben kann, dass egal ist, ob sie was lernen. Eigenverantwortung als Hauptkonzept kann also, speziell in der Pubertät, stark nach hinten losgehen.

    Geändert von La Cipolla (28.11.2010 um 14:19 Uhr)

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