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Thema: Gruppenreferate in der Schule

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  1. #1
    Ich bin jemand, der überhaupt gar kein Problem hat Vorträge zu halten oder mit anderen (beruflich) zusammenzuarbeiten, allerdings sind Gruppenarbeiten dennoch der größte Mist in meinen Augen. Gruppenarbeiten sind einfach nur da um es dem Lehrer/Dozenten einfacher zu machen, nicht mehr und nicht weniger.

    Es bringt vor allem wirklich nichts. Es fördert keine sozialen Kompetenzen, es ist immer das "Irgendeiner wird's schon richten"-Prinzip. Entweder gehört man zu denen, die wirklich den großen Batzen erarbeiten, oder zu jenen, die auf solche Leute setzen. Sonderliche Zusammenarbeit kommt da nicht zustande. Das Ende vom Lied ist immer, dass die Guten zu schlecht bewertet werden und die Schlechten zu gut. Pädagogische Wirkung? Null. Als jemand, der immer zu denen gehört hat, die das meiste machen, hat es mich einfach nur frustriert, wenn man die ganze Arbeit gemacht hat und dafür eigentlich nur "bestraft" wird. Abgesehen davon, dass kein Mensch was aus den Vorträgen lernt... geschweige denn überhaupt noch hinhört.

    Außerdem: Wenn man was in Gruppen erarbeiten will, dann macht man das auch so in der Freizeit. Lerngruppen waren bei uns Richtung Abitur stark im Kommen, auf der Berufsschule total normal. Da ist man wenigstens auf dem gleichen Nenner, dass jeder etwas daraus lernen will.

    Allerdings hatte ich immer das Glück, dass Gruppenarbeiten selten wirklich eine Endnote beeinflusst haben. Man hat dann entweder einen Plus- oder Minuspunkt in der mündlichen Note bekommen, was die ganze Sache aber auch nicht weniger nervig gemacht hat. Vor allem in der Berufsschule waren diese Referate eine durchweg unnötige Sache.

    Was ich da wesentlich schlimmer finde, ist die Tatsache, dass man beim Realschulabschluss (zumindest in BW) ein Gruppenreferat machen muss. Was eine individuelle Abschlussnote dann doch ganz anders aussehen lässt.

    Zitat Zitat
    Durch das Selbstmachen bleibt der Lernstoff besser hängen, und dadurch, dass alle dasselbe machen, hat der Rest der Klasse kein Problem, wenn irgendeine Gruppe Mist baut
    Sowas wurde gerne in der Berufsschule gemacht mit "Thementischen". Mehrere Leute hatten halt ein Thema und mussten ihre Ergebnisse zusammentragen. War eigentlich auch nichts anderes – die Faulen haben's einfach abgeschrieben, der Rest hätte es auch alleine machen können.

  2. #2
    Ich muss mal wieder etwas Kontra geben.

    Zuerst zu Gruppenarbeiten generell.
    Zitat Zitat von Wandaaa
    Es bringt vor allem wirklich nichts. [...] Pädagogische Wirkung? Null.
    Puh. Das mag deine Erfahrung sein, die Didaktik ist da aber immer noch völlig anderer Meinung. Gruppenarbeit kann sehr gut bessere Resultate erzielen. Die Frage bei dem Thema dreht sich viel mehr um das "wie" - das "ob" ist längst beantwortet.

    Ich habs in einem anderen Thread schonmal gesagt: Es gibt bei didaktischen Trends meistens ein oder zwei Generationen, die mehr drunter leiden. Das waren wir, und teilweise die aktuelle Generation. In unserer Klasse war Gruppenarbeit etwa nur zweifelhaft sinnvoll, weil sie einige Lehrer irgendwann in der achten Klasse alle paar Wochen in den Raum geworfen haben, a la "macht mal". Das war ein epischer Fehlschlag, weil die einfach nix drauf hatten und wir das Konzept nicht kannten. Ich hab in einem Praktikum aber auch schon eine vierte Klasse gesehen, in der die Gruppenarbeit völlig großartig war (was nicht zuletzt daran lag, dass es die Schüler schon gewohnt waren). Inwischen sind auch schon höhere Klassen mit den didaktischen Errungenschaften der letzten zwanzig Jahre aufgewachsen.

    Gruppenreferate sind eine andere Geschichte.
    Da geht es wirklich allen voran um den sozialen Part, und um verschiedene Evaluationssachen.
    Man soll lernen...
    • Arbeitsteilung, obviously. Aber das ist nur die oberste Schicht.
    • ...seine eigenen Eigenschaften richtig einzuschätzen
    • ...die Fähigkeiten und die Verlässlichkeit der anderen einzuschätzen
    • ...ein Rollen- und Hierarchiebewusstsein innerhalb der Gruppe
    • ...mit Timing und unerwarteten Entwicklungen umzugehen
    • ...zu kommunizieren!
    • ...letztendlich all diese Einschätzungen in die Praxis umzusetzen und sensible Entscheidungen zu treffen!

    Letzteres ist dabei die "Königsdisziplin". Es geht in einem Gruppenreferat nicht darum, die Arbeit aufzuteilen, seinen Part zu machen und sich dann aufzuregen, wenn es nicht klappt. Es geht darum, mit der Gruppe klarzukommen und/oder richtige Entscheidungen zu treffen. Jemand macht nix? Kommunizieren! Sonst fliegt er aus der Gruppe, oder man übergeht ihn in der Planung und verteilt seine Aufgaben andernweitig. Niemand in der Gruppe macht irgendwas? Dann muss man auch damit klarkommen, vielleicht muss man sich sogar entscheiden, auf eine gute Note zu verzichten, andere zu "verpetzen" oder selbst den Großteil der Arbeit zu übernehmen (oder einen Mittelweg zu finden).
    Natürlich hat der Lehrer einen nicht unerheblichen Anteil am Gelingen des Ganzen. Aber: Wenn er unfähig ist, stellt das letztendlich nur eine weitere Hürde dar, die Schüler im Zuge der Arbeit überwinden müssen.

    Ist vielleicht nicht nett oder gar "fair" - aber niemand hat behauptet, in der Schule ginge es nur um Fachwissen.


    Edit: Was Mordechaij am Ende sagt, ist nicht prinzipiell falsch, aber stark abhängig von den Umständen und den beteiligten Personen. Ich persönlich halte etwa nichts von der "Wenn es nicht klappt, ist es eure Schuld" Mentalität bei Lehrern. In der Uni mag es noch anders sein (die Leute sind halt erwachsen), aber auch da ist eben das meistens nur eine Ausrede für "keine Lust" oder "unfähig". In der Schule dagegen kann das sogar direkt gefährlich werden, weil es auch den Schülern den Eindruck geben kann, dass egal ist, ob sie was lernen. Eigenverantwortung als Hauptkonzept kann also, speziell in der Pubertät, stark nach hinten losgehen.

    Geändert von La Cipolla (28.11.2010 um 14:19 Uhr)

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