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Thema: Gruppenreferate in der Schule

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  1. #1
    Ich hasse generell Gruppenarbeit in der Schule. Diese Arbeiten bringen nichts.
    In meiner gesamten Schulzeit waren die Themen so einfach gestrickt, sodass auch ein einzelner Schüler diese Themen hätte locker bearbeiten können.
    Folglich gibt es immer mindestens einen, der nichts oder weitaus weniger zu tun hat. Wer Pech hat, hat einen in der Gruppe, der sowieso nichts macht und er dann für sein Nichtstun eine 1 oder 2 erhält. Oder man hat einen in der Gruppe, der eh alles alleine macht und für die anderen nichts übrig lässt.

    Nur werden diese Gruppenarbeiten von den Schwachmaten Bildungsministerien hoch angepriesen und jeder Lehrer muss sich danach richten. Angeblich seinen Gruppenarbeiten pädagogisch wertvoll. Ich für mein Teil hab aus den Gruppenarbeiten nie was gelernt.

    Ich mag mich zwar täuschen aber es kommt mir auch so vor, als ob die jüngeren Lehrer nichts mehr anderes können, als nur sinnlose Gruppenarbeiten zu gestalten. Bei jedem jüngeren Lehrer, den ich so in meiner Schulzeit erleben durfte, hieß es alle zwei Wochen "So, jetzt machen wir eine Gruppenarbeit!".

  2. #2
    Hm. Ohne mich absolut unbeliebt machen zu wollen, denke ich, dass man da unterscheiden sollte. Gruppenreferate bringen wirklich sehr selten was, dem stimme ich so schonmal zu. Der Grund dafür, dass sie so stark im Kommen sind, ist halt, dass „der Frontalunterricht versagt“ habe, oder zumindest ziehen die lieben Bildungsminister diese Konsequenz aus Pisa - also wird halt alles andere, was auch immer es sein mag, dem üblichen Konzept vorgezogen. Dabei finde ich, dass gerade Frontalunterricht mit vernünftigen Lehrern wirklich sehr viel bringen kann (dazu muss dann aber auch der Lehrer halbwegs motiviert sein, sowie... einfach Sachen gut rüberbringen können). Wenn man dann vielleicht noch hier und da Gruppenarbeiten einstreut - nicht Referate - dann ist das nicht schlechtes, dabei meine ich, dass sich zum Beispiel Dreierteams zusammenfinden und dass dann während der Unterrichtszeit von allen Gruppen dasselbe Thema bearbeitet wird, macht sich natürlich gut in Physik oder so, wenn man ein Experiment durchführen kann oder ähnliches. Durch das Selbstmachen bleibt der Lernstoff besser hängen, und dadurch, dass alle dasselbe machen, hat der Rest der Klasse kein Problem, wenn irgendeine Gruppe Mist baut (anders wenn man pro Gruppe verschiedene Referate vorbereiten lässt, und dann das Referat das einzige ist, was zum jeweiligen Thema behandelt wird - ist der Vortrag mies, verliert die ganze Klasse.)

  3. #3
    Zitat Zitat von Byder Beitrag anzeigen
    Jetzt bin ich etwas angepisst, da mir oft versprochen wurde, dass die beiden was machen und dass da auch was kommt von ihnen, aber es kommt einfach nichts. Da ich mit dem Vortrag anfange, kann ich niemanden etwas nachplaudern, sondern nur wegnehmen. Das heißt also, dass wenn sich unsere Themengebiete überschneiden, ich besser dastehe, als die anderen beiden. Dementsprechend laufe ich ihnen nicht hinterher. Ich bin bei Facebook und MSN oft online, meine E-Mail haben sie auch. Wenn sie sich nicht melden, sind die selber schuld.
    Ach, ja, das kenne ich. Mathe-Referat in der 9. Klasse über die Fibonacci-Folge. Nachdem ich meinem "Partner" X mal hinterhergerannt bin, hab ich mir dann gedacht, ich komme persönlich bei ihm als Überraschungsgast vorbei und informier mich über seinen Anteil des Referats, weil er nichts machen wollte. Ich bin zwar auch relativ faul bei solchen Sachen, aber man muss es ja irgendwann machen. Also habe ich seinen Anteil mitgemacht und hab es ihn dann am Tag des Referats vorlesen lassen. Ist zwar ärgerlich, aber was will man machen........

    Zitat Zitat von Byder Beitrag anzeigen
    Das ist aber der Punkt, wo ich sage: Ich hab keine Lust mehr auf Gruppenvorträge.
    Dieses ständige Hinterhergerenne, die Verantwortung und das Überprüfen und gemeinsame Abchecken geht mir tierisch auf die Nerven. Seit 7 Jahren mache ich die Erfahrung mit den Gruppenvorträgen und immer gab es was zu nörgeln. Sei es nun vor oder nach dem Vortrag.

    Also, viel geschrieben, aber das ist meine gesamte Erfahrung, die ich mit Gruppenvorträgen gemacht habe. Wie sieht es bei euch aus? Lief bei euch immer alles glatt oder habt ihr auch viele negative Erfahrungen damit machen können?
    Ich wage zu behaupten, es geht gar nicht ohne Nörgelei. Man muss sich ja bloß mal in der Welt umsehen. Eine Bekannte von mir nörgelt immer über die "Gruppenarbeit" bei ihr im Büro, dass einige eben nur tratschen und ihrer Arbeit in der "Gruppe" eben nicht nachgehen.
    Um auf die letzte Frage zurückzukommen: Gruppenvorträge und -arbeiten liefen immer bei mir nach dem Motto "team" ab - "toll, ein anderer macht's". Meistens endete es darin, dass einer alles gemacht hat.

    Btw, wo wir schon mal dabei sind: Im Gymnasium gibt es in der Oberstufe (=Q11 & Q12) eine nette Projektorientierte Arbeit namens "P-Seminar". Gewichtung ungefähr 1/6 des Gesamtabiturs, also nicht ganz unwichtig. Während einige schon ihre Präsentationen hatten, gurken wir noch in der Planung unserer Alchemistenshow herum, weil die Planung in Prinzip auf 4 schultern hockt - auf meiner unter anderem.

  4. #4
    Wer keine Gruppenreferate mag, muss ich ehrlich zugeben, hat wenig Führungspotenzial. Das jetzt mal ganz ohne Wertung, das ist weder übermäßig schlecht noch ist es übermäßig gut, es ist einfach eine Charakteristik, zu deren Formulierung solche Gruppenarbeiten da sind.

    Ein Beispiel.
    Für mein "Deutsch als Zweit- und Fremdsprache"-Seminar sind wir in Gruppen von bis zu 5 Leuten aufgeteilt worden (ein Seminar mit über 70 Teilnehmern), die je ein Thema von 3-8 Seiten aus einem Reader bearbeiten sollten. Für die Ausarbeitung bestand eine Deadline von knapp 2 Wochen, dann mussten Handout-Mappen eingereicht werden (die Referate werden jetzt natürlich über die Seminartermine verteilt gehalten, aber praktisch mussten sie innerhalb der Zeit ausgearbeitet sein).
    Aufbau sollte so sein, dass jeder sich seperat zu einem Themenaspekt informiert und die Sachen ausarbeitet, damit klar ersichtlich ist, wer welchen Teil der Arbeit gemacht hat. Natürlich wurde der Teamaspekt ebenfalls bewertet.

    Meine Gruppe sah wie folgt aus:
    Ein Mädel, das die Aufgabe partout nicht verstanden und sich auch in den Text nicht eingelesen hat, auch sonst relativ hilflos mit der Aufgabe war.
    Ein Erasmusstudent aus der Türkei, der sehr sehr wenig Deutsch und nur gebrochen Englisch spricht.
    Eine Deutsch-Lehramtsstudentin aus Polen.
    Ein Typ, der das Studium noch in dieser Zeit abgebrochen hat und folglich dann auch aus der Ausarbeitung ausschied.
    Und ich, einziger Erstmalsstudent in der Gruppe.

    Wir haben uns einmal getroffen und eigentlich nur geklärt, dass jeder den Text im Reader mal liest, und dann nicht mehr viel organisatorisch geklärt, bis es dann 4 Tage vor Abgabetermin war.
    Muss dazu sagen, dass ich mir den Reader bis dahin noch nich besorgt hatte und mir unseren Textteil nur von einem Kommilitonen geborgt und daheim einmal durchgelesen habe. Mit Blick auf die Restzeit hab ich dann einfach Aufgaben verteilt und dazugeschrieben, wo die Leute was finden, was wir an Handout-Material brauchen und dann auch das Deckblatt gestaltet und die Mappe nachher einheitlich formatiert, etc.pp. Von da an war ich dann die Konsultationsstelle Nummer 1, stand 24/7 in Rücksprache mit unserem Türken ("Me, Samet and our mediocre English skills"), hab die halbe Arbeit für die eine planlose Kommilitonin gemacht und dann noch Quellen nachgearbeitet, weil genannte Planlose beispielsweise statt Literatur nur Hyperlinks angegeben hatte, und selbst das erst auf Nachfrage nach Quellenangaben (und überhaupt hat sie eigentlich nich das gemacht, was sie machen sollte, aber das ist okay, sie ist nämlich sehr nett und witzig). Im Endeffekt haben wir uns von einem "Das wird nix, wir sollten bei der Dozentin Rat einholen und vielleicht um Fristverlängerung bitten" zu einem "Ihre Ausarbeitung ist sehr gut strukturiert, ich freue mich auf sehr auf Ihr Referat" gesteigert.

    Ich muss nun dazu sagen, ich hab so viel Führungspotenzial wie eine geruchsblinde Arbeiterbiene und dementsprechend chaotisch war das auch alles; aber das Problem an Gruppenarbeiten ist eben nicht, dass es eine Gruppenarbeit ist, sondern dass man meint, die Verantwortung wäre genauso geteilt wie die Aufgaben. Das stimmt aber nicht, prinzipiell hat entweder jeder die Verantwortung für die gesamte Ausarbeitung, nämlich auch genauso für die Anteile der anderen wie für die eigenen, oder aber einer macht den Chef und sagt wo's lang geht. In beiden Fällen gehört kontinuierliche Kontrolle der anderen dazu.

    Ich weiß übrigens nicht, wie hier die allgemeinen Berufspläne so sind, ich persönlich werde wohl in keinem sonderlich teamorientierten Milieu unterkommen, aber wer später mal eine beliebige Anstellung mit mehreren Kollegen auf demselben Karriereniveau anstrebt oder in Aussicht hat, der sollte sowas draufhaben. Letztendlich nämlich hängt die Note bzw. das Arbeitsergebnis nicht davon ab, was man selber alleine alles richtig gemacht hat, sondern davon, wie gut die Gruppe organisiert ist. Und wenn ich alleine für mich ne brillante Leistung bringe, der andere aber totalen Mist baut, dann ist das immer noch genauso meine Schuld, weil die gesamte Gruppe dieselbe Verantwortung trägt.


    Wer im Übrigen in Gruppenarbeiten nichts lernt, der ist selber dran Schuld. Das liegt dann in den seltensten Fällen am Konzept (eher am Lehrer, der das Konzept falsch bearbeitet), sondern eher an einem selbst. Oder es handelt sich um einen subjektiv falschen Eindruck, denn nichts schult soziale Karrierekompetenzen so gut wie Gruppenarbeiten. Vor allem schulen solche Sachen das selbstständige Lernen, weil der Lehrer in den Hintergrund tritt und nur noch als Rückspracheinstanz oder Moderator fungiert.

    Das gilt auch für vollständig auf Referaten aufbauende Lehrveranstaltungen. Dieses "Referat fertig, Fragen? Keine? Gut dann wars das für heute..." ist eine direkte Aufforderung an den Studenten, selbstständig und aktiv mitzuarbeiten. "Fragen?" ist hier das Stichwort, denn wenn es keine gibt, dann scheint wohl für alle alles klar zu sein, warum also noch groß drüber schnakken.


    Ist schon klar, dass die wenigsten die freie Vermittlungsmethode bevorzugen, weil das ja heißt, dass man selber für seinen Wissenserwerb verantwortlich ist, und das ist lästig. Allerdings wird einen davon nichts mehr befreien, die Lehrerrolle steuert immer mehr auf die Rolle des Moderators in einer von Lernenden gestalteten Stunde zu und die Unterrichtsform verschiebt sich von Frontalunterricht zu selbstständigem Lernen. Gibt sicher genug, was dagegen spricht, aber die Vorteile sind einzigartig und so oder so wird man den Wandel nicht mehr abwenden können.

    So embrace the change.

  5. #5
    Zitat Zitat
    Ich weiß übrigens nicht, wie hier die allgemeinen Berufspläne so sind, ich persönlich werde wohl in keinem sonderlich teamorientierten Milieu unterkommen, aber wer später mal eine beliebige Anstellung mit mehreren Kollegen auf demselben Karriereniveau anstrebt oder in Aussicht hat, der sollte sowas draufhaben.
    Und genau da muss ich widersprechen. Ich arbeite in einem sehr teamorientierten Beruf, arbeite sehr gerne im Team und dennoch war ich die in der Schule, die am meisten "Nein" zu Gruppenarbeiten gesagt hat.

    Die Situation ist halt nunmal total anders. Klar kann man Gruppenarbeiten als "Test" für's Berufsleben sehen, wenn man will. Allerdings muss man auch sehen, dass die negativen Folgen bei Teamunfähigkeit im Beruf wesentlich gravierender sind als in der Schule (klar wird hier jetzt auch Studium projeziert, aber hier muss ich auch sagen: Schüler sind einfach mal auf der Schule, Studenten suchen sich ihren Werdegang aus.). Eine weniger gute Note kann man gut überbrücken und die Abhängigkeit von anderen ist selten jemanden bewusst.

    Um ein Beispiel zu nennen, nehmen wir eine Werbeagentur. Es gibt einen Pitch, d.h. es muss eine Idee für eine Werbekampagne gefunden, ausgearbeitet und umgesetzt werden. Resultat ist im besten Fall ein neuer Auftraggeber, der der Agentur eine gigantische Menge Geld einbringt. Wenn da jemand nichts macht, dann wird er aus dem Team geschmissen, jemand anderes aus der Abteilung wird geholt und, ernsthaft, diese Person ist enormst schnell gefeuert – was ihm die Existenzgrundlage raubt und, da diese Branche sehr überlaufen ist, ihm eventuell eine sehr schwierige Arbeitssuche bringen wird. Das ist keine Schwarzmalerei, ich habe das schon desöfteren erlebt.

    Ich arbeite eigentlich nur mit Leuten zusammen, die in der Schule nie die Gruppenarbeitfans waren, jetzt aber die absoluten Teamplayer sind – und wir haben nichtmal wirklich eine Führungsperson im Team. Wir müssen alle den gleichen Berg Arbeit schaffen und müssen uns so auch gut einteilen, was wir auch sehr oft schaffen. Was nicht nur daran liegt, dass wir die Folgen von Teamresistenz fürchten, sondern wir wussten alle, was uns bei dieser Arbeit erwartet, und wir wollen alle diese Arbeit machen. Klipp und klar. Und das ist eine gute Basis.

    Deshalb finde ich dieses Argument auch häufig sehr, sehr grenzwertig, wenn man selbst noch nicht richtig so gearbeitet hat.

    EDIT
    Zitat Zitat
    Eigenverantwortung als Hauptkonzept kann also, speziell in der Pubertät, stark nach hinten losgehen.
    Das ist auch etwas, was man definitiv nicht ignorieren sollte. In meiner Schulzeit war ich komplett unreifer (ja, auch in der Abiturphase) als jetzt in der Berufstätigkeit, was einem häufig erst danach bewusst wird. Natürlich hab ich in meiner Schulzeit die Weisheit mit den Löffeln gefressen. :creepy:.

    Zitat Zitat
    Wenn er unfähig ist, stellt das letztendlich nur eine weitere Hürde dar, die Schüler im Zuge der Arbeit überwinden müssen.
    Naja, man kann in allem was positives sehen. . Aber genau was dein Generationenproblem angeht, finde ich auch, dass das nicht nur auf Schüler zutrifft: Die meisten Lehrer sind nicht jung und frisch von der Uni/PH. Man muss zur Zeit immernoch mit "veralteten Modellen" kämpfen, denen auf dem halben Weg gesagt wurde, dass Gruppenarbeiten gemacht werden sollen. Damit kommen die wenigsten klar, was aber auch keinen wundert. Irgendwann pendelt sich das schon ein, aber zumindest nach den Neueinstellungszahlen (in BW, deutschlandweit hab ich echt keine Ahnung) wird das noch weiterhin ein bildungspolitisches Problem bleiben.

    Geändert von Wonderwanda (28.11.2010 um 15:32 Uhr)

  6. #6
    Das mit dem "wer nicht mag, der..." war auch ziemlich doof ausgedrückt, muss ich zugeben. Aber es ist nunmal ein Fakt, dass Gruppenarbeit Kompetenzen in die Richtung schult, unabhängig davon, ob man ein Fan von schulischer Gruppenarbeit ist oder nicht, weil man das ja offenbar aus verschiedenen Gründen tut, die einen, weil sie die Gesamtverantwortung für die anderen übernehmen müssen, die anderen, weil sie nicht genug Einfluss auf die Arbeit haben, &c.

    Und natürlich kann ich da nur in meinem akademischen Rahmen sprechen, aber die Tatsache, dass Gruppenarbeiten in der Regel so schlecht verlaufen, liegt einerseits an der fehlenden Vermittlung ihrer Funktionalität durch die Lehrkräfte, andererseits an der angesprochenen Illusion von geteilter Verantwortung. Dass das speziell bei euch anders läuft, ist dabei schön und gut und vermutlich auch ziemlich zweckorientiert, aber kannst du dir vorstellen, wie du und deine Kollegen ausgewählt wurden und warum diese Kompetenzen in eurem Rahmen existiert, warum es im Team keine Führungsperson braucht? Rein vom didaktischen Standpunkt aus würde ich meinen, dass ihr euch das durch Umgang in teamähnlichen Umgebungen erworben habt. Jemand der nichts macht und dafür rausgeschmissen wird, war vermutlich früher so einer, der sich von den anderen hat tragen lassen und sich so seiner Verantwortung entzogen hat.

    Gerade da liegt ja nämlich der Punkt: Du und dein Team habt das mit der Verantwortung anscheinend drauf, weshalb es auch funktioniert. Das ist eine Kompetenz, die man herausbilden muss und das geht am besten in einer Gruppenarbeit.


    Zitat Zitat
    Edit: Was Mordechaij am Ende sagt, ist nicht prinzipiell falsch, aber stark abhängig von den Umständen und den beteiligten Personen. Ich persönlich halte etwa nichts von der "Wenn es nicht klappt, ist es eure Schuld" Mentalität bei Lehrern. In der Uni mag es noch anders sein (die Leute sind halt erwachsen), aber auch da ist eben das meistens nur eine Ausrede für "keine Lust" oder "unfähig". In der Schule dagegen kann das sogar direkt gefährlich werden, weil es auch den Schülern den Eindruck geben kann, dass egal ist, ob sie was lernen. Eigenverantwortung als Hauptkonzept kann also, speziell in der Pubertät, stark nach hinten losgehen.
    Da ziehst du es aber ein bisschen zu sehr ins Extrem, finde ich. Moderation heißt nicht, dass der Lehrer die Schüler machen lässt, was sie wollen, und ihr Lernerfolg ihnen komplett selbst überlassen ist. Freie Vermittlungsmethode heißt nicht laissez-faire, sondern Unterstützung und Hinführung zum selbstständigen Wissenserwerb. Es geht da auch nicht um eine Mentalität unter Lehrern, ich finde allgemein Lehrkräfte, die nicht die Methoden haben, ihre Schüler kompetent zu machen, ziemlich dumm und solche Leute sollte man einfach mal aussondern können. Das sind dann individuelle, personenbezogene Probleme, die nichts mit der generell vorschwebenden Methodik zu tun haben.

    So oder so kann man davon halten, was man will, die Erziehung zur Selbstständigkeit ist jedenfalls auf dem Vormarsch und ich persönlich finde das ziemlich gut.

    Edit: Schreibt langsamer, verdammt! =P

    Geändert von Mordechaj (28.11.2010 um 15:48 Uhr)

  7. #7
    Zitat Zitat
    Irgendwann pendelt sich das schon ein
    Ja, zehn bis zwanzig Jahre sagt man (bis es sich statistisch durchgesetzt hat).
    So komisch es also anmutet, die heutigen Techniken im Klassenraum entsprechen etwa dem Stand von vor zwanzig Jahren; ändern kann man das leider nur schwer, denn die Lehrer, die meistens praktisch eh schon wesentlich mehr arbeiten als sie bezahlt kriegen, würden auf die Barrikaden gehen, wenn man die Weiterbildungen noch weiter in den Vordergrund drängt. Mehr Geld für Bildung wäre eine Option - allerdings gibt es im Bildungssektor nur wenige Dinge, die man mit "mehr Geld" nicht verbessern könnte, und die Lehrerbildung würde wohl hinten anstehen.

  8. #8
    Es besteht hierbei ein riesiger Unterschied zwischen Schule und später Uni oder Beruf: Die Motivation.
    In der Schule hatte man es als halbwegs guter Schüler mit dem Willen zu guten Noten eigentlich IMMER, das die anderen fauler, unmotivierter usw. waren - es heiß also, die Leute irgendwie motivieren (was nicht funktioniert, da es ihnen schlicht egal ist - und nur aus nettigkeit dem einen, dem es was bedeutet wegen Strengt sich keiner an) oder alles alleine machen.
    Ich habe mich meist für letzteres Entschieden, und bsp. auch mal ein Referat was auf mehrere Leute ausgelegt war, alleine gehalten, nach absprache mit dem Lehrer, weil ich mit zwei extrem faulen Leuten eingeteilt war, von denen der eine nicht mal zu dem Termin erschienen ist...
    Ist das jetzt "nicht gruppenkonform" oder "nicht teamfähig"?

    An der Uni ist das was ganz anderes: Jeder will die Note, jeder will bestehen, und jeder *muss* da was tun für - das Problem mit der Motivation ist beseitigt, da funktionieren solche Gruppengeschichten auf einmal auch viel besser.

  9. #9
    Zitat Zitat von Freierfall Beitrag anzeigen
    Es besteht hierbei ein riesiger Unterschied zwischen Schule und später Uni oder Beruf: Die Motivation.
    Eben.
    Obwohl ich die Gruppenarbeit in der Schule gehasst habe, kann ich dennoch im Beruf sehr gut mit einem Team zusammenarbeiten. Die Schule hat mir da keine Sozialkompetenzen beigebracht.
    Es liegt dort einfach an der Motivation. Im Berufsleben möchte man ja was werden. Man möchte ja auch den Job behalten und außerdem wird man dann noch für seinen Job bezahlt.
    In der Schule vergibt ein Lehrer nur eine dumme Zahl für die Gruppenarbeit und die Zahl ist meist für jeden in der Gruppe gleich, ganz gleich, ob einer nichts getan hat und ein anderer sehr viel. Im Berufsleben muss man dann schon mit Konsequenzen rechnen, wenn man nicht zum Team passt, was im schlimmsten Fall eine Kündigung bedeutet.

  10. #10
    Wenn man es so betrachtet, simuliert die Schule ein mögliches Extrem im Teamwork. Es gibt schließlich auch auf der Arbeit mehr als genug Leute, die sich vor Sachen drücken (egal, ob das dann andere aufgebrummt kriegen) oder sich bewusst in der Vordergrund stellen, weil sie es können. Die Schule ist praktisch eine Vorbereitung auf Extremfälle, gleich der Schwimmweste im Flugzeug. Wie erwähnt natürlich nur, wenn es richtig gemacht ist.

    Dazu will ich sagen, dass auch das "reale Leben" weit davon entfernt ist, die Motivationsunterschiede ganz auszulöschen. Hab im Studium genug Leute, die auf ihre Noten scheißen. Und ich habe auch schon mit Leuten zusammengearbeitet, die wütend und enttäuscht von meiner "Na und? Dann ist es halt ne 2, oder auch mal ne 3" Einstellung waren. Andere kabbeln sich sogar schon wegen einzelnen Prozentwerten. Ist nur eine Frage des Grades, in dem man sich unterscheidet, und da kann es nicht schaden, lieber von etwas extremeren Umständen auszugehen.

    Ganz davon abgesehen, dass die Motivation in der Schule nicht ein düsterer wir-wollen-nicht-Einheitsbrei ist. Selbst in den schlimmsten Berliner Stadtteilen gibt es Themen, die interessanter sind, oder Schüler, die sich weniger interessieren als andere. Der Lehrer hat praktisch dutzende Möglichkeiten an der Hand, die sowieso schon variable Motivation noch weiter zu beeinflussen. Aber das würde zu weit führen, zumal man da hier wohl auf verlorenem Posten steht.

  11. #11
    Ich habe bei Gruppenarbeiten in der Schule oft alles allein gemacht, sofern die anderen nicht auch aus eigener Initiative etwas machen wollten. Sie waren zufrieden, weil sie nichts tun mussten und eine gute Note bekamen. Ich war zufrieden, weil ich alles so machen konnte, wie ich wollte. So bekam jeder, was er wollte.

    Die Lehrer wussten das natürlich, haben es aber meistens hingenommen. Hin und wieder haben sie zwar darauf hingewiesen, dass auch wirklich jeder einen Teil zur Gruppenarbeit beitragen soll, aber sie konnten das ja schlecht erzwingen. Vielleicht wollten sie auch nicht eingreifen, denn das würde ja dem Gedanken der selbstständigen Organisation in der Gruppe zuwider laufen.

  12. #12
    Gruppenreferate gehen unter gewissen Umständen klar. Man muss innerhalb der Gruppe zeigen, wer die Hosen anhat (im optimalen Fall ist es man selbst). Um dies zuverdeutlichen, können z.B. Muskeln und ein Mullet helfen. Bei mir hat sich keiner getraut, mit seinem Teil nicht fertig zu werden.

  13. #13
    Zitat Zitat von Beefcake-at-Arms Beitrag anzeigen
    Gruppenreferate gehen unter gewissen Umständen klar. Man muss innerhalb der Gruppe zeigen, wer die Hosen anhat (im optimalen Fall ist es man selbst). Um dies zuverdeutlichen, können z.B. Muskeln und ein Mullet helfen. Bei mir hat sich keiner getraut, mit seinem Teil nicht fertig zu werden.
    Ein Mullet hat noch nie jemanden geholfen. Nur so zu Info: MacGyver hat studiert. Das lag nicht an den Haaren.

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