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Thema: Die Jagd

Hybrid-Darstellung

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  1. #1

    Kloster; Colovianisches Hochland

    Arranges Hände zitterten, während er die Dunmer mit hektisch zuckenden Augen verfolgte. Er war so aufgeregt, dass er das schwache Keuchen hinter sich nicht bemerkte. Mit ein paar Ellen Abstand ging er der Elfin nach und war so aufgeregt wie nie zuvor. Reiss dich mal zusammen... Er erkannte sich selbst nicht wieder und fand einfach keine Möglichkeit, seinen Herzschlag zu kontrollieren und die wild umherwirbelnden Gedanken in seinem Kopf zu ordnen. Einige Augenblicke stand Erynn nur da und... tat nichts... Und dann kam die ernüchternde Antwort. Eine Welle der Entteuschung schwappte durch den Verstand des Kaiserlichen und verwandelte sich in einen reissenden Strudel aus Wut. Arranges wollte sich gerade zur Seite drehen und in eine zerbrochene Kiste treten, als Erynn ihm wieder einen Hoffnungsfunke zuwarf. Sie schien etwas zu spüren. Jedenfalls schloss er darauf, da sie jetzt zielgerichtet auf eine arg mitgenommene Truhe zuging, diese öffnete und hineingriff. Erynn förderte etwas aus der Truhe hervor und rief ihm direkt zu, dass dies das Amulett sei, das sie gesucht hatten. Die Augen des Kaiserlichen begannen zu leuchten, sein Herz setzte einen Schlag aus und machte einen schmerzhaften Sprung in seiner Brust. Adrenalin schoss durch seine Adern. Langsam, fast taumelnd, kam er auf Erynn zu.

    Als diese jedoch aufsah und zu ihm herüberblickte, trat ein Ausdruck von Angst auf ihr Gesicht und sie konnte nur noch eine Warnung ausstoßen. Arranges von dem Gefühl und dem Erfolg, dass sie das Amueltt gefunden hatten, völlig überwältigt, reagierte nur träge, aber noch schnell genug, um sich umzudrehen und das Schwert zu ziehen, ehe er sich einem gewaltigen Schatten gegenübersah. Die Schwärze vor ihm füllte den gesamten Türrahmen aus und war durch und durch böse. Man konnte im Grunde nur schwarz sehen, keine Konturen, nichts. Aber die Tatsache, dass dieses Schwarz sich irgendwie bewegte, durch die Luft waberte wie dichte Nebelschwaden, sagte Arranges, dass er hier einem Gegner und keinem von ihm geworfenen Schatten, gegenüberstand. Plötzlich schoss die geisterhafte Kreatur vor. Arranges blieb nichts anderes übrig, als sein Schwert hochzureissen und zu hoffen, dass das Silber den Rest erledigte. Das unwirkliche Monstrum stieß ein widernatürliches Kreischen aus, als es die silberne Waffe wohl irgendwie erblickte und löste sich in Luft auf, noch bevor es auf die Klinge traf. Arranges nun total verwirrd, schaute nur vor sich durch den jetzt wieder normaldunklen Türrahmen. Was zur Hölle Oblivions war das? Doch dann wurde er wieder wachgerüttelt. In dem Stock über ihnen tat es zwei dumpfe Schläge. Und nur den Bruchteil eines Lidschlags später rannte irgendetwas oder jemand, mit ordentlich Masse über die Dielen über ihren Köpfen. Staub rieselte unter den Erschütterungen auf sie herab, eine Tür wurde oben ins Schloss geworfen, dann war es wieder still. Arranges wollte sich gerade zu Erynn umdrehen und sie zur Eile drängen, als ein gewaltiges Beben die Ruinen erzittern ließen. Die beiden hatten in den wenigen Sekunden, die das Gerüttel am Grundstein der Mauern andauerte, Mühe, sich auf den Beinen zu halten. Als es endlich vorbei war, war alles wieder still wie zuvor. 'Los, lasst uns verschwinden, so lange wir noch laufen können...' Arranges lief los, die Öllampe hoch erhoben. Er hatte noch keine zwei Schritte getan, als im hinteren Raum etwas gegen die massive Bruchtseinmauer flog. Der Raum erzitterte. Zwei Sekunden später kracht nochmal etwas dagegen. Und wieder und wieder. Irgendetwas versuchte dort durchzubrechen. Arranges, der erst erstarrt war vor Schreck, fing sich jetzt wieder. Erynn hatte soetwas vermutlich noch gar nicht erlebt, sie tat sich schwer, wieder aus der Schreckensstarre zu kommen... 'LOS, folgt mir!' Er zerrte die Elfin ein paar Schritte vorwärts, ehe er wieder losließ und hoffte, dass sie ihm von allein folgen würde. Nocheinmal rammte irgenetwas riesengroßes gegen die Mauer hinter ihnen, aber der nächste Stoß blieb aus. Offensichtlich hatte, was auch immer dort durchkommen wollte, aufgegeben. Arranges durchschritt den Türramen und... verschwand plötzlich im Boden.

    Die brüchige Stelle im Boden hatte durch die Erschütterung ordentliche Risse bekommen und klappte jetzt unter der neuerlichen Belastung durch den Kaiserlichen unter dessen Füßen weg. Gerade noch konnte Arranges sich mit einer Hand am Rand des Lochs festklammern und suchte mit der anderen vergeblich Halt. Der Boden schien hier jedoch bis zu den schmahlen Kanälen direkt unter der Festung durchgebrochen zu sein. Durch die Feuchtigkeit waren die Wände glitschig und Arranges konnte nur darauf hoffen, dass seine Muskeln nicht nachgaben, während er versuchte, sich irgendwie hochzuziehen. Er wagte einen kurzen Blick nach unten, um nach einem eventuellen Halt für die Füße zu suchen. Aber alles was er sah, waren zwei eng beieinandersitzende, große, runde, rote Kugeln weit unter ihm, von denen ein bedrohliches Knurren zu ihm heraufdrang. Er schaute wieder nach oben und hatte nur noch einen schwachen Lichtschimmer, den, den das Dämmerlicht aus dem Raum hinter ihm, gewährte.

    'Erynn... Hilfe!' Schnaufte er verzweifelt.

  2. #2

    Klosterruine

    Erynn war völlig überfordert. Ein riesiger Schatten vor ihr. Die Bösartigkeit, die sie in dieser Ruine schon die ganze Zeit unterschwellig gespürt hatte hatte, schien mit einem Schlage greifbar zu werden. Das... Ding verschwand plötzlich, die Empfindung jedoch blieb in dem Raum hängen. Lärm über ihr. Lärm hinter ihr. Sie stand wie erstarrt, ihr Gehirn weigerte sich, die Situation zu akzeptieren. Etwas packte sie. Arranges. In all dem Tohuwabohu drang irgendwie das Wort ‚verschwinden’ zu ihr durch. Gute Idee. Während der Kaiserliche sie mit sich zerrte, konnte sie einen kurzen Blick aus einem der Fenster werfen: Fünf Meter, sechs vielleicht bis zum Boden. Keine Chance. Endlich begannen ihre Synapsen wieder zu feuern, der Überlebensinstinkt übernahm die Kontrolle, und sie jagte hinter Arranges her, der gerade durch die Türöffnung stürzte und... verschwand. Die morschen Dielen hatten ihren Dienst endgültig eingestellt und unter dem Gewicht des Kaiserlichen nachgegeben. Ohne nachzudenken, setzte sie über das Loch im Boden hinweg und wirbelte herum. Sie hörte, wie er schwach ihren Namen rief. Die Kriegerin ließ sich platt auf den Bauch fallen und robbte zum Rand der Öffnung. Arranges hing mit einer Hand an der Kante, und es war offensichtlich, daß er sich nicht mehr lange würde halten können. Sie setzte ihr Öllicht ab und griff ohne Umschweife mit der einen Hand den freien, fuchtelnden Arm ihres Begleiters, die andere krallte sie in den Rüchen seines Kettenhemdes. Dann schob sie sich mit den Zehenspitzen rückwärts, während Sehnen und Muskeln protestierend aufschrien. „Streng dich ein wenig an, du schwerer Klotz!“ schimpfte sie, als sie Arranges Handbreit um Handbreit nach oben zog. Sie bildete sich ein, aus den Gängen unter ihr ein leises Knurren zu hören, aber es konnte sich genauso gut um eine Sinnestäuschung handeln. „Wenn du jetzt abstürzt, schwöre ich dir, daß ich dir ins Oblivion nachsteige und dich für den Rest der Ewigkeit heimsuche!“

    Vielleicht war diese Drohung für den Kaiserlichen schrecklich genug gewesen, um ihn in Wallung zu bringen, jedenfalls lag er kurze Zeit später keuchend neben ihr, und zwar am richtigen Ende des Lochs im Boden. „Hoch“, blaffte sie mit einer Bestimmtheit, von der sie bisher nicht wußte, daß sie sie besaß. „Ihr kennt den Weg hier heraus. Bewegt Euch, verdammt!“
    Sie mußte sich nicht wiederholen. Arranges kam auf die Füße und hetzte den Gang entlang, Erynn hinterher, Schwert in der einen, die Lampe in der anderen Hand.

    Sie wußte nicht, wie lange sie in wilder Flucht durch die Ruine liefen. Minuten dehnten sich zu Äonen. Die Präsenz des abgrundtief Bösen verließ sie nie ganz, mal war es näher, mal weiter entfernt, aber immer spürbar und gab ihren Füßen Flügel. Der Schatten war niemals zu sehen, aber sie konnten ihn hören – kriechend. Lauernd. Sie umkreisend. Er zeichnete Bilder von Unvorstellbarem in ihre Köpfe, auf eine entsetzliche, virtuose Weise, ein Meisterwerk direkt aus Vaerminas Reich. Einmal glaubte Erynn, ein widerwärtiges Schlürfen neben sich zu hören, gerade außerhalb des Gesichtsfeldes. Sie drehte den Kopf und schlug danach, doch die Klinge schnitt nur durch leere Luft. Die Elfin wirbelte herum und rannte weiter. Verderbtes Gelächter hallte durch ihren Kopf, wurde leiser, schien sich tänzelnd und auf leisen Pfoten zurückzuziehen, wie eine Katze, die mit einer Maus spielt. Sie schaute zu Arranges, der seinen Schritt noch einmal beschleunigte. Er hatte es also auch gehört!

    Dann war es still. Die Präsenz hatte sich zurückgezogen, dennoch hielten sie in ihrem Lauf nicht inne. Sie bogen in den Korridor ein, der zur Bibliothek führte, rannten Schulter an Schulter und bemühten sich, die quälenden Stiche zu ignorieren, die ihnen in die Seite fuhren. Lange halten wir das nicht mehr durch, dachte Erynn verzweifelt.
    Etwas schälte sich durch die Platten des Fußbodens. „Es ist unter uns“, hauchte Arranges. Das Grauen in seiner Stimme war nicht zu überhören.
    Fast gleichzeitig erreichten sie die Bibliothek – und rannten förmlich in die Präsenz hinein. Sie war vor ihnen. Hinter ihnen. Überall. Füllte den ganzen Raum aus... und sie hatte gewonnen. Erynn spürte es mit jeder Faser ihres Körpers. Hoffnungslosigkeit kroch ihr in Mund und Nase und schien sie förmlich zu ersticken.
    “Nein!!“ Nicht hier, nicht jetzt, nicht so kurz vor dem Ziel! Sie weigerte sich einfach, diesen Umstand als Tatsache anzuerkennen. Mit ungezähmter Wut, geboren aus schierer Verzweiflung, schleuderte sie ihr kleines Licht auf die Entität. Irgendwohin. Sie war schließlich nicht zu verfehlen.
    Das Öllämpchen zerplatze an einem Regal. Das staubtrockene Holz und die alten Bücher fingen sofort Feuer. Das unsichtbare Böse zischte zornentbrannt, wich zurück, ballte sich zu einer Kugel zusammen – und gab den Weg frei.
    Sie brauchten keine Worte, um sich zu verständigen. Wie ein Mann rannten sie los, stürmten aus der verfluchten Ruine heraus in den Innenhof und kamen schlitternd zum Stehen. Der Schatten schwebte reglos vor ihnen, über der Pforte, die aus dem Kloster herausführte. Er verdeckte das Licht der Sterne.

    „Arranges“, wisperte Erynn mit zitternder Stimme „Wenn es jemals einen Zeitpunkt gab, etwas Großes, Häßliches mit vielen Zähnen zu beschwören, dann ist das jetzt. Und es wäre großartig, wenn dieses Etwas Feuer spucken könnte...“
    Geändert von Glannaragh (28.01.2011 um 01:06 Uhr)

  3. #3
    Arranges hatte schon damit gerechnet, jeden Augenblick abzustürtzen, als er in dem Loch hing, unter ihm eine nicht einschätzbare Monströsität und über ihm sprang die Dunmer einfach weg. Aber nur einen Moment später griff sie nach seinem Arm und zog ihn nach oben. Als er endlich wieder auf den Beinen war, hetzte er los, durch die Gänge des Klosters. Er war wie besessen von der Möglichkeit zur Flucht, dass er selbst das verzerrte Schauspiel in der kleinen Bibliothek nicht wirklich mitbekam, erst, als die kalte Nachtluft in seine Lungen strömte, gab der Überlebensinstinkt die Kontrolle über seine Sinne und Muskeln wieder frei. Über ihnen schwebte ein riesiger Schatten, er verdunkelte den Himmel und versperrte das Tor nach draussen.

    Ich hoffe, dass das kein Schertz der Vier ist... Arranges wusste nicht, was er im ersten Moment davon halten sollte, aber jetzt, da er einen greifbaren Gegner vor sich hatte, klinkte sich wieder sein Verstand ein, der von den Lehren der Wut und der Zerstörung geprägt war. Hass begann in ihm zu brodeln, Hass darüber, dass er hier unnötig aufgehalten wurde, Hass darüber, dass es eine verdammte Seele wie es schien, ihn davon abhielt, dieses Tor zu durchschreiten. Hass darüber, dass er wieder davon abgehalten wurde, endlich sein Eigentum wieder zu bekommen. Er hörte nur noch das Blut in seinen Ohren rauschen, die Worte Erynns registrierte er gar nicht, in ihm regierte nur noch der Gedanke, der ihm vorgab, was man am besten tun konnte, um diesen Schatten los zu werden. Und Arranges Arsenal war durch seine Ausbildung zum Nekromanten schier unermesslich. Nur die blinde Tötungswut blieb aus... er musste taktisch klug handeln!

    Der Schatten schwebte immer noch über ihnen und schien zunächst nicht wirklich Notiz von ihnen zu nehmen. Da erbebte die Ruine unter ihren Füßen wieder, erst ein leichter Stoß, dann zwei mächtige Rüttler, die Arranges und Erryn beinahe von den Füßen fegte. Ein Kreischen und Quieken war plötzlich zu hören. Die Geräusche schienen von weit unter ihnen zu kommen, waren aber so deutlich, als würde direkt neben ihnen eine Sau von einem Anfänger geschlachtet werden. Die klagenden Laute verebbten aber schon nach wenigen Augenblicken wieder. Arranges war währenddessen bemüht, Erynn irgendwie zu schirmen. Er hatte sich vor sie gestellt und drengte sie langsam zurück zu den Barracken, ohne dabei die Augen von der seltsamen Schwärze zu nehmen.

    'Bleibt zurück!' Sagte er befehlend, dann trat er wieder einige Schritte vor. Just in diesem Moment senkte sich ein Teil des Schattens bis auf wenige Fuß zum Boden herab und... schien sich irgendwie zu erbrechen. Knackende Laute waren zu hören, gelegentlich begleitet von einem ekelerregenden Schmatzen. Etwas sank aus dem Schatten auf den Boden, ein großer Klumpen, triefend von jener Schwärze, aus welcher auch der Schatten selbst zu bestehen schien, nur war es hier so, als ob die Nacht Konsistenz angenommen hätte und flüssig geworden wäre. Langsam erhob sich der Klumpen und richtete sich auf. Schwarz wie die Nacht, aber man konnte die Konturen eines Kuttenträgers erkennen. 'Arranges? ... Ihr besitzt tatsächlich die Dreistigkeit, euch hier nochmals blicken zu lassen?!' Der Kaiserliche hatte schon die Hand auf dem Schwertgriff, erstarrte aber, als er die Stimme dröhnen hörte. Das kann nicht sein... unmöglich! Es war die Stimme des obersten Bruders des Klosters, den, den er einfach getötet, nein, vielmehr hingerichtet hatte damals, vom Zorn und den Anstachelungen Namsys getrieben. 'Ahh... ich sehe ihr erinnert euch... wisst ihr auch noch, wie ihr mir damals meinen Tod beschieden habt?' Arranges war unfähig etwas zu erwiedern, er starrte nur fassungslos auf dieses Ding vor ihm. 'Ich habe euch vieles beigebracht und das war der Dank dafür? ... Ich dachte eigentlich, dass ihr auch Anstand besäßet, aber ich habe mich wohl geteuscht und jetzt wollt ihr mich sogar beklauen... schon wieder? ... Jammerschade, dass wir euren Handlanger damals nicht erwischen konnten, aber wie es aussieht, war er sogar für euch zu gewitzt... Tut mir leid, aber ich sehe nicht ein, euch erst als einen sehr sehr fähigen und besonders talentierten Schüler gelehrt zu haben, mich dann beklauen, töten und anschließend nochmal beklauen zu lassen... aber seid nicht traurig Arranges, ich weiss ja, wie sehr ihr es liebt, eure... nunja sagen wir mal etwas sehr perfide Vorliebe auszuleben, was den Kampf allgemein angeht... eure Freundin dort,' Der Mönch zeigte kurz auf Erynn und ließ die Hand wieder sinken, 'Scheint mir dafür genau richtig zu sein... seht es als eine Art Henkersmahlzeit.' Ein lautes Bellen hallte von den Wänden der Festung wieder. Plötzlich erschien ein Wolf in vollem Sprint aus dem Nichts neben dem Mönch und hielt auf die Dunmer zu. Noch ehe Arranges oder die Elfin irgendwie darauf reagieren konnten, sprang die Kreatur die Kriegerin an und riess sie von den Beinen. Hilflos auf dem Rücken liegend, sah Erynn jetzt das geifernde Maul des Wolfs über sich, die Lefzen waren zurückgezogen, die Reisszähne blinkten ihr entgegen, aber das Grässlichste war wohl, dass dem Wolfskopf die Augen fehlten. Bluttriefende, dunkle Höhlen starrten der Dunmer entgegen. Doch die Kreatur biss nicht zu, sie verharrte stattdessen mit halb geöffnetem Maul über dem Gesicht Erynns und schien zu warten. Sie saß auf dem Brustkorb der Dunmer und verhinderte so jede größere Bewegungsmöglichkeit. 'Das wagt ihr nicht!' Rief Arranges, der zu dem Mönch herumfuhr und noch in der Bewegung flammten seine Hände auf und verschwanden in einer sattroten, magischen Flamme. 'Oh, ich würde das an eurer Stelle nicht tun...' Arranges kam nicht dazu, den Feuerzauber auf den Schattenmönch zu entladen, denn als er sich ganz herumgedreht hatte, spürte er, wie sich eine starke Hand um seinen Hals legte. Nur seltsam, dass der Mönch immer noch so weit wegstand, wie noch vor wenigen Sekunden. Arranges spürte, wie sich schmerzende Kälte in den Schlagadern seines Halses ausbreitete. 'Du erinnerst dich sicher an diese Art zu töten? Du hast sie schließlich höchstpersönlich erfunden. Aber nun sieh zu, wie eine Dunmerin dem Wahnsinn verfällt!'

    Durch eine fremde Gewalt wurde Arranges, durch die Kälte, die mittlerweile seinen ganzen Körper durchfloss, gelähmt - die Magie in seinen Händen verflüchtigte sich wieder vollständig - zu der Dunmerin herumgedreht. Eine Explosion an Wahnvorstellungen und Bildern von aberwitzigen und kranken Dingen direkt aus dem Schlund Oblivions flutete plötzlich den Geist Erynns und blockierte ihre Gedanken, sie war nur noch im Stande, den Moment des Hier und Jetzt zu beurteilen und zu handeln, ähnlich wie ein arg vergesslicher Greis. Der Wolf über ihr riss sein Maul auf und wollte gerade vorstoßen, als er mitten in der Bewegung erstarrte. Ein neuerliches Beben erschütterte die Ruinen. Größere Kiesel bröckelten von den Wänden. Ein Brüllen war zu hören und plötzlich krachte die innere Mauer auf einer Seite zum Teil ein. In dem Loch tauchte eine große Silhouette auf. So groß wie ein Oger, wohl eher noch einen Tick größer, schälte sich eine Gestalt aus dem sich langsam legenden Staub. Rein von der Staur her hätte man die neuerliche Kreatur gut als Oger durchgehen lassen können, was an ihr nicht stimmte war, dass die Kreatur wohl irgendwie aus unzähligen Menschenleibern zusammengeflickt war. In einer Hand einen mächtigen, grob geschmiedeten Prügel, während die andere Hand statt Finger, drei fest aus dem Arm ragende Klauen aufwies. Der Kopf war proportional zum Körper recht klein und beherbergte zwei eng beieinander sitzende kleine Knopfaugen, die mattschwarz glänzten. Der ganze Schädel war durch in das Hautgewebe eingearbeitete Metallplatten und Überresten von Dreughpanzern geschützt. Das Gebiss ragte allerdings ein wenig hervor und erinnerte an Goblinschnauzen. Doppelt und dreifach standen die nagelartigen Zahnreihen im Kiefer der Kreatur.

    Das Monstrum tat einige schwerfällige Schritte in den Innenhof hinein und wahr wohl verwirrd, weil es anscheinend mit einer komplett anderen Situation gerechnet hatte. Der Schattenmönch war wohl auch irgendwie Überrascht. Arranges spürte, wie die Kälteeinwirkung deutlich nachließ und schließlich der Druck um seinen Hals verschwand. Keuchend sank er zu Boden und ringte um Atem. Der Schattenmönch zerfloss derweil in eine schwarze, zähe Masse. Wieder ging eine Erschütterung durch die Festung, aber dieses Mal folgte mit Abstand Schlachtenlärm. Das Klirren von Metall auf Metall wurde immer lauter. Der Fleischgolem war noch damit beschäftigt, sich irgendwie zu orientieren, wo oder wer denn jetzt sein Angriffsziel war. Arranges hatte wieder zu seinen Kräften gefunden und schaute zu dem Schatten über ihnen auf, der jetzt unruihg in der Luft umherwaberte. Der Wolf saß noch immer auf Erynn und hätte ihr jeder Zeit die Kehle durchbeissen können. Und jetzt wurde er direkt von einem Feuerball des Kaiserlichen pulverisiert. Mit dem Tod dieser Kreatur endete auch endlich die Bewusstseinsblockade, welche in den Gedanken von Erynn gewütet hatte.

    'Los, auf die Beine!' Arranges hatte sie erreicht und zog sie unsanft hoch. Von dort, wo er sie am Arm festhielt, rollte jetzt eine blassleuchtende Welle über ihren Körper und hüllte sie binnen weniger Lidschläge in einen daedrischen Panzer. 'Wenn ich es sage, lauft ihr zum Tor und macht, dass ihr wegkommt.'

    Der Schlachtenlärm schwoll jetzt rasch an und schon fluteten unzählige Kampfpaare, Mönche, die alle gleich aussahen, aber mit Breitschwertern und Zweihänder aufeinander einhackten. Skelette wuchsen unwillkürlich aus dem Boden und mischten sich musterlos in die Kämpfe ein. Leichte Stöße rüttelten immer wieder an den Mauern der Festung. Arranges und Erynn kamen immer wieder zwischen die Kämpfenden, was momentan noch nicht weiter schlimm war, denn noch war alles recht überschaubar, während sich an dem Mauerdurchbruch die kämpfende Masse staute. Der Fleischgolem schien sich nicht mehr länger Gedanken darüber zu machen, warum er zuvor als Erster dagewesen war und warum hier anscheinend kein Kampf im Gange war. Jetzt drosch er seinen Pürgel mächtig schwingend, auf die sich massakrierenden Mönche um ihn herum ein. Schreie und Brüllen hallten im Innenhof wieder. Der Nebel über ihnen hatte sich in einen Strudel verwandelt, durch den immer wieder Blitze zuckten.

    Arranges und Erynn bewegten sich stetig, gelegentliche Hiebe abwehrend, auf das Tor zu. Doch je näher sie kamen, desto langsamer kamen sie auch voran, bis sie sich schließlich in mitten eines tobenden Kampfes wiederfanden, in dem jeder für sich selbst kämpfte. Rücken an Rücken, wie vor der Goblinhöle, kämpften sie jetzt gegen rasende Mönche, von denen einer so viel Kraft und Geschick zu besitzen schien, wie sie beide zusammen. 'Erynn?! Ich werde gleich ein wenig Platz schaffen, wenn ihr dann gleich das Tor sehen könnt, dann lauft...' Versuchte Arranges mit der Stimme gegen den Lärm anzukommen. Er konnte nur hoffen, dass sie es gehört hatte. Während der Kaiserliche Unmengen an Energie in seiner Linken sammelte, suchte er mit schnellen Blicken über die Köpfe der Mönche hinweg nach dem Torbogen. Als er ihn nach einiegn Augenblicken endlich erspäht hatte. Drehte er sich in die Richtung und schleuderte einen Feuerball auf die Mönche vor sich. Eine große Explosion, deren Knall schmerzhaft im Innehof der Burg dröhnte, riss eine Presche in die Kämpfenden und gab den Blick auf das Tor frei.

    Arranges kümmerte sich nicht darum, ob Erynn sich aus dem Staub machte, er setzte direkt zum nächsten Zauber an. Eine eisige Kälte breitete sich aus, Arranges musste schnell sein, ehe einige der Kämpfenden auf ihn aufmerksam wurden. Vor ihm tat sich augenscheinlich der Boden auf und aus einem tiefblauen Loch in der Erde stieg ein Lich herauf, majestätisch wie die Erscheinung Molag Bals und so tödlich wie der Zorn von Merunes. Arranges selbst steckte sein Silberschwert weg und fischte vor sich aus der Luift ein aus dem Nichts auftauchendes, daedrisches Cleymore. Der Lich wütete genau so effektiv, wie Arranges. Beide versuchten irgendwie zu gewähren, dass Erynn unbehelligt flüchten konnte, während sie selbst Schritt für Schritt rückwärts zum Tor zurückwichen.

  4. #4

    Klosterruine => Colovianisches Hochland

    Was auch immer jetzt geschah, ging zu schnell für Erynn. In einem Moment sprach Arranges mit dem Schatten, als würden sie sich kennen, im nächsten lag sie unter einem Ungetüm von Wolf, der direkt aus den Niederhöllen zu stammen schien. Geifer troff in ihr Gesicht, und alles, was sie tun konnte war, in die leeren Augenhöhlen der Kreatur zu starren. Sie fiel. Immer tiefer, endlos, in bodenlose Finsternis.
    Ein Ruck, und der Fall stoppte. Träge, unendlich langsam, öffnete sie müde Augen. Sie sah auf eine johlende Masse herunter, aber die Perspektive war falsch. Irgendwie verschoben. Ich hänge... an einem Galgen... begriff sie. Ein Mann in dunkler Kutte trat vor sie. Er blickte zu ihr auf, und als die Kapuze zurückfiel erkannte sie, daß dahinter nur der Schatten war. Mit konturlosen Händen streckte er ihr etwas entgegen. Einen schwarzen Stein. Ein Lichtblitz, und sie war... in dem Stein. Sie war in dem Stein, und gleichzeitig stand sie auf einer toten, kalten Ebene. Soweit das Auge reichte, war nichts. Kein Baum, kein Strauch, nur leblose, trockene Erde. Am Horizont ging die Sonne auf. Aber sie war so groß, viel zu groß.
    Erynn schaute an sich herunter und sah, daß ihr Fleisch in Flammen stand. Es wurde weiß, dann rot, schlug Blasen und verkohlte schließlich zu nichts als Asche. Sie schlug die Augen auf, gerade rechtzeitig um zu sehen, wie der schreckliche Wolf in einem Feuersturm verging. Desorientiert blieb sie liegen. Geräusche wie von einer Schlacht drangen ihr an die Ohren, aber sie wußte schon längst nicht mehr Realität von Wahnsinn zu unterscheiden.

    Dann war der Kaiserliche bei ihr und zog sie auf die Füße. Aber was war das für eine Rüstung, die sie trug? Arranges schüttelte sie grob und brachte sie damit schließlich ins Hier und Jetzt zurück. „Wenn ich es sage, lauft Ihr zum Tor und macht, daß Ihr wegkommt!“ Erynn konnte nur nicken, wärend sie und ihr Begleiter in den Strudel einer Schlacht gezogen wurden, in der es keinerlei Strategie zu geben schien. Kuttenträger, Skelette und andere, skurrilere Kreaturen schlugen, hackten und stachen aufeinander ein; niemand schien Freund von Feind unterscheiden zu können.
    Sie wirbelten durch diesen makaberen Totentanz, prügelten wild auf alles ein, was ihnen vor die Klinge kam, während das Kloster um sie herum zusammenbrach. Der Krach war ohrenbetäubend und lähmte jeden vernünftigen Gedanken. „...lauft...!“ drang ein Satzfetzen von Arranges an ihre Ohren. Wohin denn? fragte sie sich noch, als eine gewaltige Explosion das Schlachtfeld erschütterte. Sie konnte das Tor sehen. Der Weg war frei!

    Ohne darüber nachzudenken sprintete sie los, wich verzerrten Gestalten und grapschenden Klauenhänden aus und erreichte das Tor. Hinter ihr wurde es plötzlich kalt, grabeskalt, aber sie sah sich nicht um, sondern lief weiter, durch das Portal und den Weg hinunter.
    Erynn glaubte, hinter sich ein wütendes, enttäuschtes Heulen zu hören. Sie mußte die Pferde erreichen, konnte sich aber nicht genau erinnern, wo sie sie gelassen hatten. In der Dunkelheit sah alles in dieser Felslandschaft gleich aus.
    Mehrfach stolperte sie, während sie den Weg heruntereilte. Endlich kam der große Findling in Sicht, hinter dem sie die Tiere versteckt hatten. Wie in Mahnmal reckte er sich stumm in die Nacht. Aus vollem Lauf sprang sie auf Falchions Rücken, riß ihn grob herum und schlug ihn mit der flachen Seite ihres Schwertes auf die Flanke, kümmerte sich nicht um den tückischen, steinigen Boden, während sie ihn in gestrecktem Galopp voranjagte. Fort, nur fort von dieser verfluchten Ruine! Bitte, du darfst jetzt nicht stolpern...

    Erst Minuten später zügelte sie den Wallach und sah sich um. Sie mußte Arranges finden. Hatte er es überhaupt geschafft?

  5. #5

    Kloster -> Colovianisches Hochland

    Arranges hatte immer mehr Mühe damit, die Rüstung für Erynn aufrecht zu erhalten, je weiter sie sich entfernte, sie würde sich wohl auflösen, sobald die Elfin zu weit weg war. Den Lich hingegen kontrollierte der Nekromant nur noch in sofern, als dass er ihm im Notfall einfach die Bindung an Nirn entreissen konnte, aber Befehle erteilen konnte er dem König der Untoten nicht mehr. Die Konzentration des Kaiserlichen geriet ins Schwanken und er hatte mehr und mehr Schwierigkeiten damit, die Hiebe, die auf ihn niedergingen, zu parieren. Ein Donnergrollen war zu hören, gefolgt von einer Windböde, die heulend über das Schlachtfeld fegte. Die zerrütteten Mauern schienen sich darin zu wiegen. Arranges davon einen kurzen Moment irritiert, kassierte einen harten Treffer auf die Schulter. Das betäubende Geräusch drang schmerzend in seine Ohren, als eine Klinge über die linke Schulterplatte seines Panzers kreischte und dabei eine arge Delle hinterließ, die Arranges jetzt tief ins Fleisch drückte. Ein Stöhnen entrang sich seiner Kehle, der Angreifer ließ aber nicht locker und schon spürte Arranges einen grellen Schmerz, als die Spitze der Waffe über seine rechte Beinschiene fuhr, sie durchdrang und gut und gerne zwei Fingerbreit in seinen Oberschenkel einschnitt. Arranges, benommen von den Schmerzen, lenkte den nächsten Schlag ab, aber nur um den folgenden Stoß für einen Augenblick hinauszuzögern. Der Angreifer drehte sich geschickt und stieß dann mit der Waffe zu.

    Arranges spürte, wie ihm die Beine ob des abartigen Schmerzes, der jetzt durch seine Gliedmaßen zuckte, zu zittern begannen. Er merkte noch, wie sein Kontrahent die Klinge aus seinem Brustkorb zog, den sie seitlich, an den Rippen entlangschrammend, durchschlagen hatte. Dann fiel Arranges von Krämpfen und Übelkeit geschüttelt, zur Seite und blieb liegen, nicht mehr in der Lage, seine Arme oder Beine richtig kontrollieren zu können. Aber die ersehnte Ohnmacht kam nicht, stattdessen sah er, wie der Kuttenträger, der ihn niedergestreckt hatte, seine Bewegung zum Gnadenstoß abbrach und nach oben zu dem Schatten starrte. Und plötzlich folgten alle anderen Kreaturen und Mönche seinem Beispiel. Die Szenerie hielt nur einen kurzen Augenblick, dann drehten sich alle Kämpfer um und hasteten zu den Barracken und dem großen Bruch in der Mauer und verschwanden in dem Gemäuer. Ein paar wenige der Mönche irrten nachdem die breite Masse schon verschwunden war, noch zielleos umher, zwei weitere vernichteten praktisch im Vorbeigehen, noch den Lich des Nekromanten und rannten dann ebenfalls zu irgendeinem Eingang ins Kloster und verschwanden. Nach einigen weiteren Sekunden stöhnten die wenigen Übriggebliebenen Mönche auf dem Innenhof auf und wurden plötzlich auf die Erde gepresst, wo sie gerade standen. Klagendes Jammern drang von ihnen zu Arranges herüber, bis es erstickt wurde, im wahrsten Sinne des Wortes. Die Körper der Mönche wurden durch die Erde gepresst, als würde man einen Apfel mit Gewalt durch ein feinmaschiges Sieb drücken. Es knackte und schmatzte ein letztes Mal, dann war entgültig Ruhe, als Arranges, der völlig unter Schock stand, den Kopf ein wenige regte, sah er auch, dass der Schatten komplett verschwunden war. Die Sterne standen am Himmel und es schien, als wäre es eine wunderschöne Nacht. Doch der kurze Augenblick der Erleichterung wurde jäh unterbrochen von Poltern, Krachen und Brüllen tief unter dem Kloster in den Katakomben. Arranges konnte es sich nicht erklären, aber später würde er sein Glück zu diesem Zeitpunkt kaum fassen können. Ein Diebespack hatte es sich anscheinend zur Aufgabe gemacht, die alten Ruinen zu durchforsten und waren auf das alte Archiv der Bruderschaft gestoßen...

    Der Kaiserliche wollte und konnte nicht länger an diesem Ort verweilen. Die noch immer zuckenden Hände und Beine versuchend unter Kontrolle zu bringen, stemmte er sich hoch und erbrach sich direkt. Ihm wurde schwarz vor Augen und der Schmerz war kaum mehr erträglich. Werd jetzt nicht schwach... du hast die Inseln überlebt, dagegen ist das hier ein Witz... Dachte er sich grimmig und kam nach einigen Minuten doch irgendwie auf die Beine.

    Den Saum seines Umhangs zu einem Ballen gedreht, presste er diese absolute Notlösung eines Verbandes, mit einer Hand auf die Wunde. Dass er zwar an der Eintrittsstelle des Schwerts kein Blut mehr verlor, weil er dort wie ein Irrer seinen Umhang draufdrückte, dafür aber an der Austrittstelle am Rücken ein richtiger Wasserfall an Blut hervorschwappte, bemerkte der Kaiserliche nicht wirklich. Langsam und alle paar Meter vornübergebeugt nach Luft kämpfend, wankte er Richtung Tor und hinaus. Verflucht, wo haben wir die Pferde gelassen... Während er den Weg hinunter, weg von den Ruinen, stolperte, fiel ihm wieder ein, wo sie die Pferde versteckt hatten. Mit schmerzverzerrtem Gesicht sah er sich nach dem großen Felsen um. Er hatte den großen Gesteinsblock recht schnell entdeckt und schwankte darauf zu. Sein Rotfuchs hatte furchtsam und immer zur Flucht bereit, die Ohren aufgestellt, wartete aber treu auf Arranges. So wird das nichts mit reiten... Arranges griff mit der tauben, freien Hand an seinen Gürtel und tastete nach etwas. Als er gefunden hatte, was er suchte, zog er zitternd eine kleine Phiole hervor. Aber noch bevor er sie mit den Zähnen entkorken konnte, fiel sie ihm aus der Zitternden und krampfenden Hand und kullerte in die Dunkelheit davon. Verflucht! Er tastete nochmal und zog die zweite Phiole dieser Sorte hervor. So, jetzt ganz vorsichtig... Er mühte sich ab, das Fläschchen zu öffnen, zitterte aber dann so heftig, als er versuchte die Flüssigkeit auf seine schwere Verletzung zu bekommen, dass fast alles daneben ging... Scheissdreck! Aber er konnte jetzt nichts machen, er hatte nur diese zwei. Und die wenigen Tropfen, die er auf die Wunde träufeln konnte, reichten wenigstens, um ihm den Schmerz ein wenig zu nehmen und das Atmen etwas leichter zu machen.

    Komplett geschwächt, zog er sich in den Sattel und noch während er versuchte, seinen Rotfuchs anzutreiben, kam endlich die sehnlichst erwartete Ohnmacht. Das Pferd folgte in vorsichtigem Schritt dem Pfad nach unten zur Klamm, während Arranges vornüberkippte, als hätte man ihm mit einem Holzhammer ordentlich auf den Kopf geklopft und hängte nun halb im Sattel, halb auf dem Hals seines Fuchses.

  6. #6

    Colovianisches Hochland

    Minuten verstrichen, und Erynn bezweifelte mittlerweile, daß der Beschwörer aus dem Kloster herausgekommen war. Sie stellte fest, daß ein leises Bedauern sie beschlich. Woher das? Ich wollte ihn doch unbedingt loswerden. Aber jetzt? Nachdem wir gemeinsam durch diese Ruine gegangen sind... nachdem wir uns gegenseitig das Leben gerettet haben... Sie griff in die Armstulpe ihres linken Handschuhs und holte das Amulett hervor, um es nachdenklich zu betrachten. Das ganze Theater nur wegen diesem verdammten Ding. Gerade wollte sie es angewidert von sich werfen, als ihr Wallach den Kopf hob, die Ohren aufstellte und ein helles, lautes Wiehern ausstieß. Er ruft jemanden. Ein anderes Pferd... der Fuchs!
    Erynn reckte den Hals und schaute in die selbe Richtung wie Falchion. Aus der Dunkelheit schälte sich die Silhouette des anderen Tieres. Es trabte ihr entgegen. Arranges hing auf seinem Rücken wie ein nasser Sack und rührte sich nicht. Verdammt!

    Sie sprang aus dem Sattel, fing den Fuchs ein und zog Arranges von dem Tier herunter. Er lebte noch, wie sie erleichtert feststellte, denn sein ganzer Körper wurde von einem heftigen Zittern geschüttelt. Bei Sinnen war er jedoch nicht, und das, so vermutete Erynn, war eine Gnade der Neun. Selbst in der Dunkelheit war die wächserne Blässe seines Gesichts auszumachen, und er hatte Blut gespuckt. Nicht gut. Wer hätte gedacht, daß ich gerade dann einen Feldscher dringend brauchen würde, wenn ich zum einzigen Mal in meinem Leben eine vermutlich illegale Aktion durchziehe?
    Ihr Gejammer würde zu nichts führen, und so begann sie, so viel Krüppelholz aus der Umgebung zsammenzusuchen, wie sie finden konnte. Die Monde hatten ihren Kreis noch nicht viel weiter gezogen, als sie ein brauchbares Feuer in Gang hatte.
    Im nun etwas besseren Licht besah sie sich die Bescherung. Schon beim ersten Blick auf die Stichverletzung in der Brust des Kaiserlichen sank ihr der Mut. Dennoch machte sie sich daran, dem Bewußtlosen den Mantel abzunehmen und ihm die zerfetzte Mithrilkette über den Kopf zu ziehen, wobei sie auch die Austrittswunde am Rücken bemerkte. Scheiße. Eine Lungenverletzung kann nur ein Magier heilen. Und ich bin ausgerechnet dabei, weil ich eben keiner bin. Tränke... ich wußte, ich hätte noch Heiltränke besorgen sollten. Sei verflucht, Schicksalsweberin! Frustriert schleuderte sie das Kettenhemd von sich. Als sie mit ihrem Vater früher auf die Jagd gegangen war, hatte sie an den erlegten Tieren manchmal sehen können, wie so etwas aussah. Es gab nichts mehr was sie tun konnte, außer Arranges beim Sterben zuzusehen. Erynn legte ein Ohr auf seine Brust, nur um sich zu vergewissern, ob sein Herz überhaupt noch schlug. Das tat es, und da war noch etwas, das sie hörte... oder besser: nicht hörte. Der Atem war flach, aber ruhig, kein Rasseln oder Gurgeln. Verwirrt richtete sie sich auf. Wie kann das sein? Eigentlich müßte er an seinem eigenen Blut ersticken. Sie entledigte sich ihrer Handschuhe und nahm einen brennenden Ast aus dem Feuer. Dann zog sie die Wundränder auseinander und schaute genauer hin. Sie konnte kaum fassen, was sie sah. „Verrückter Magier“, murmelte die Elfin halblaut. „Hast dir selbst wohl mehr geholfen, als ich es je gekonnt hätte.“

    Mit ihrem Messer schnitt sie lange Streifen von ihrer Wolldecke ab, dazu zwei große Stücke aus dem Leinenhemd des Kaiserlichen. Das Leinen zerknüllte sie, legte es auf die Wunden und band es so fest, wie sie konnte. Die Beinwunde stellte sie vor einige Probleme, denn so langsam ging ihr das Tuch aus. Also mußte ihr eigenes Leibhemd dran glauben, und sie wiederholte die Prozedur. Was sie mit seiner Schulter tun sollte, wußte sie nicht. Auf den ersten Blick sah es nur wie ein recht großer Bluterguß aus, also ließ sie die Finger davon.

    Arranges entschied sich derweil, wieder in die Realität zurückzukehren, und brabbelte etwas Unverständliches. „Halt die Klappe und schlaf“, grummelte sie, während sie die Decke über sie beide ausbreitete. „Verrückter Magier.“ Der Rücken des Beschwörers wurde vom Feuer gewärmt, auf der anderen Seite würde sie das mit ihrem Körper tun. Bleibt nur zu hoffen, daß er den Blutverlust übersteht, grübelte Erynn. Sie starrte in die Nacht hinaus, mit leerem Kopf und hundemüde.

  7. #7

    Colovianisches Hochland

    Arranges spürte nichts durch die dunklen Schleier, die ihn von allem fernhielten, was seinen mentalen und den damit verknüpften physischen Heilprozess stören konnte, außer die Schmerzen, die bei jedem Schritt seines Pferdes durch seinen Brustkorb rasten. Er merkte am Rande seines Bewusstseins, wie er nach einer Weile von seinem Rotfuchs gezogen wurde und irgendjemand ihn zunächst auszog und sich dann daran machte, seine Wunden zu versorgen, aber alles schien so fern, als ob er jemand fremdes wäre, der die ganze Szenerie aus einigen hundert Metern Entfernung beobachtete.

    Nachdem die Fingerei an allen irgendwie blutigen Stellen endlich ein Ende hatten, beschied ihm sein Lebenswille und der aggresive Charakterzug des Kaiserlichen, dass er wieder zu sich zu finden hatte. Arranges öffnete die schweren Lider und sah im schwachen Licht eines Feuers eine Gestalt über sich hocken. Das Blutauge... DAS AMULETT!!! Arranges wollte seine Gedanken in Worte fassen, auch wenn er noch gar keinen logischen Bezug dazu hatte. Der Wille, endlich das Buch in seine Finger zu bekommen, egriff für einen kurzen Moment Besitz von ihm und der Nekromant stieß ein paar seltsame Urlaute hervor, denen er genuschelt etwas anhängte, von dem er allerdings selbst nicht sagen hätte können, was das hätte bedeuten sollen. Erynn brummte indessen etwas von Schlaf. Und Arranges entschied sich, aufgrund seiner Unfähigkeit, wie er jetzt einsah und der seltsamen Schwäche, die jetzt über seinen Körper herfiel, dass dieses Stichwort fürs Erste reichen sollte, für was auch immer und schlief auch direkt ein.

    Ein eisiger Wind schnitt dem Kaiserlichen ins Gesicht und holte ihn aus dem Schlaf. Er spürte harten Felsen unter sich, der ihm unangenehm in die Seite stach, auf der er lag. Zaghaft öffnete er die Augen und spürte etwas, um das er den obenliegenden Arm gelegt hatte. Mein... Rotfuchs?! Schwachsinn... Aber dieses weiche Bündel, welches sich komischerweise seiner Liegeposition mehr oder weniger gut angepasste hatte, war warm und... bewegte sich. Was zum Teufel?! Nach einigen Augenblicken kehrte sein sachlogisch, analytischer Verstand wieder und er erkannte die Bewegung als das heben und Senken eines Torsos. Atembewegungen. Jetzt war Arranges total verwirrd. Die Augen zu öffnen brachte auch nichts, denn er blickte direkt in ein komisches unregelmäßiges Mosaik aus weißen Strichen. Unzähligen weißen Strichen, ja zum Teil so eng beieinander, dass man es fast für ein grobes Stoffgeflecht halten konnte. Arranges regte den Kopf ein wenig und am Rande seines Sichtfelds kam zunächst die graue Felslandschaft des Hochlandes und dann blickte er, als er den Kopf ein wenig weiter drehte, in den blaugrauen Himmel. Aber was bei den Vieren ist... das?! Arranges bewegte seinen Arm ein wenig, den er anscheinend im Schlaf um dieses lebende Ding vor ihm geschlungen hatte. Die Hand lag auf dem Bauch der Dunkelelfe, der sich ruhig und gleichmäßig hob und senkte. Jetzt kam es Arranges, wie ein Blitz schlug ihm die Erkenntnis in sein Gedächtnis ein: Erynn!

    Der Herzschlag des Kaiserlichen beschleunigte sich für einen Moment schmerzhaft, dann regte sich das, was viele an ihm nicht so ganz verstehen konnten, vor allem Falanu nicht. Gar nicht mehr daran denkend, dass er bis vor wenigen Stunden noch so arg verletzt war, dass er nichteinmal mehr reden, geschweige denn gerade aus denken konnte, zog er jetzt seinen Arm zurück, schälte sich mit einem gleichermaßen verwirrten und erschrockenen Gesichtsausdruck, hektisch fuchtelnd aus der Decke und wuchtete sich auf die Knie. Noch kniend drehte er sich zu Erynn um. Er wollte gerade loslegen, seinem Schreck verbal Luft zu machen, da meldeten sich auch schon schmerzhaft seine Verletzungen zurück. Mit einer Hand hielt er sich keuchend die Brust, wärend die andere ihn auf den Boden gestemmt, stützte.

  8. #8

    Colovianisches Hochland

    Erynn wurde durch hektisches Gezappel aus tiefem Schlaf gerissen. Sie setzte sich auf, rieb sich die Augen und schaute Arranges an, der mit schmerzverzerrtem Gesicht neben den niedergebrannten Feuer hockte, eine Hand um seine Verletzung geklammert. "Hä? Wasn los? Habt ihr Flöhe in der Bruche, oder warum macht Ihr so einen Aufstand?"
    Statt einer Antwort bekam sie nur ein gepeinigtes Keuchen zu hören. "Naja, wenigstens atmet Ihr noch", brummelte sie, fest entschlossen, sich ihre Sorge nicht anmerken zu lassen. Immerhin hatte er sie praktisch entführt, das sollte nicht vergessen werden.
    "Seid in nächster Zeit etwas vorsichtiger, ja?" bemühte sie sich dann doch um einen etwas versöhnlicheren Tonfall, nachdem sie das Häuflein Elend eine Zeit lang betrachtet hatte. "Ihr habt einiges abbekommen, und keinem von uns wäre damit geholfen, wenn die Wunden wieder aufbrechen. Abgesehen davon: Wie fühlt Ihr Euch? Kalt? Zittrig? Dankbar vielleicht?"

    Ihr Wortschwall schien den Kaierlichen einigermaßen überfahren zu haben, aber sie genoß es im Stillen ein wenig, daß er zur Abwechslung mal keine Erwiderung parat hatte. "Ihr müßt mir nicht sofort antworten", meinte sie, während sie die Decke zusammenrollte. Dann ließ sie ihn vom Haken. Er fühlte sich offensichtlich bescheiden, und schließlich konnte er nichts für ihre Morgenmuffeligkeit.
    Erynn kramte zwei Kanten Käse aus den Satteltaschen und reichte Arranges eines davon. "Eßt erstmal", meinte sie, während sie sich neben ihm niederließ "und dann könnt Ihr mir erzählen, was eigentlich passiert ist. Danach können wir uns Gedanken machen, wie wir weiter vorgehen. Bisher weiß ich nur, daß dieses Amulett uns irgendwie den Weg zu etwas weisen soll, das Euch gestohlen wurde. Ich würde gern mehr darüber erfahren."
    Sie zog die Kette mit dem schweren Anhänger hervor und ließ sie vor der Nase des Beschwörers baumeln. "So sieht es übrigens aus."
    Geändert von Glannaragh (29.01.2011 um 01:02 Uhr)

  9. #9

    Colovianisches Hochland

    Ha... ha... ha... Höhnte Arranges in Gedanken, zum Reden fehlte ihm im Moment der Atem. Er setzte sich an die Feuerstelle, von welcher noch eine dünne Rauchfahne aufstieg. Arranges konnte sich nichtmal richtig aufregen, die Dunmer hatte ohne es zu wissen, ihn so behandelt, wie er es trotz seines Magierdaseins, eigentlich immer vor anderen als richtig predigte: Mit Verband und alchemisch hergestellten Tränken und oder Salben. Zumindest ging er davon aus, da sie ja nicht zaubern konnte, sonst würde die Sache mit dem Amulett wohl kaum funktionieren... Oder spielte sie ihm nur etwas vor... Arranges versuchte den pochenden Schmerz im Brustkorb zu ignorieren, während er dankbar die Frühstücksration von Erynn entgegennahm. Ja dankbar sollte ich wohl irgendwie sein...?!

    Erynn zog das Amulett hervor, ein teuer wirkender Anhänger aus massivem Edelmetall und zumindest augenscheinlich sehr wertvoll. Für Arranges jedoch hatte das Schmuckstück in Kombination mit Erynn einen Wert, der aus keiner Schatzkammer Nirns zu bezahlen war. Er betrachtete das Amulett, aber es wirkte auf ihn, wie ein normales Schmuckstück, von etwas höherem Wert als normal. Der Kaiserliche malte sich in dem Moment, da er es betrachtete, die wildesten Dinge aus, die Erynn spüren musste, wenn sie sich auf das Amulett konzentrierte oder es auch nur in der Hand hielt. Er hätte es gern in der Hand gehalten und es selbst versucht, aber allein die Tatsache, dass der Anhänger beim bloßen Betrachten keine wirkliche Anziehungskraft oder etwas Vergleichbares auf den Nekromanten ausübte, gab ihm zu verstehen, dass der Bruder die Wahrheit gesagt hatte.

    'Also ersteinmal wollt ihr nicht wissen, was dort oben passiert ist, nachdem ich euch erfolgreich die Flucht ermöglicht hatte...' Arranges war für sich unbesiegbar und ärgerte sich still darüber, dass er dort im Kloster erneut unterlegen war... nichteinmal die Inseln hatten ihn dermaßen verwunden können, wobei es die Attacke des Skalons schon in sich hatte, aber hier war es nur reines Glück, dass Arranges jetzt nicht von irgendeinem gedärmefressenden Riesenzombie am Haarschopf durch die Katakomben geschleift wurde. 'Ich fühle mich soweit gut...' Aber wie, als wolle ihn sein Körper Lügen strafen, rollte eine neuerliche Schmerzwelle durch seinen Torso und er verzog für einen Moment das Gesicht. 'Wie das Amulett funktioniert, weiss ich nicht, es liegt an euch, das... zu interpretieren... jedenfalls sagt es euch, wie wir zu einem Folianten kommen, der mir gestohlen wurde, nachdem ich ihn mühsam beschafft hatte... aus den Arhciven dieser Ruine noch zu der Zeit, als die Festung ein Kloster war...' Arranges räusperte sich. 'Es ist nicht ganz einfach zu erklären. Ich bin eigentlich nicht der daedrabeschwörende Magier von nebenan, der zufällig auch noch weiss, wie man mit der Klinge umgeht, nein, ich bin eigentlich... ein Nekromant.' Die Worte kamen eher etwas zäh über die Lippen des Magiers und ein Teil von ihm streubte sich merklich dagegen, Erynn diese Dinge preiszugeben, aber Arranges sah es als wichtig, der Dunkelelfe nicht alles, aber das Meiste zu erzählen, vielleicht tat sie sich ja dann einfacher, auf die Stimme oder was auch immer, des Amuletts zu hören. 'Ihr braucht nicht zu erschrecken, ich bin keiner dieser blutrünstigen Dilettanten, die den ganzen Tag in irgendwelchen Höhlen herumsitzen und halbverweste Leichen wieder zum Leben erwecken... und um euch eine gute Ausrede für die Sache mit den Goblins liefern zu können, müsste ich etwas sehr weit ausholen... aber sonst könnt ihr wohl kaum abstreiten, dass ich recht umgänglich und meistens normal...' Arranges merkte selbst, dass er wohl noch gebeutelt war von dem Kampf und sich gerade mehr und mehr verhaspelte. Beschämt schlug er die Augen nieder und starrte in die Überreste des Feuers. 'Ach vergesst, was ich gesagt habe... das Amulett jedenfalls führt uns zu einem Folianten, den ich gerne wiederhaben will, da er im Grunde mein Eigentum ist. Bei dieser Schrift handelt es sich um ein Buch, das von den Dämonen aus dem Reich des Vergessens geschrieben wurde... so zumindest heißt es. Das ist natürlich Quatsch, es ist ein ähnlicher Mythos, wie der um das Buch Das Mysterium Xerxes... beide wurden einfach nur von überragenden Genies geschrieben, deren Genialität von allen anderen nicht verstanden wird und wurde und es deswegen einfach heißt, dass diese Bücher von einer gottgleichen Macht verfasst wurden... in dem Folianten, den ich wiederhaben will, stehen Taktiken, Formeln und andere Informationen zur Nekromantie und Meditation, die so sonst keine Anwendung finden oder... nicht gelehrt werden.' Die letzten Worte nuschelte der Kaiserliche nur noch... Er blickte wieder auf und Erynn in die Augen. 'Ihr versteht... eher nicht... oder?' Dann wandte er den Blick wieder ab. Er kaute und schluckte den letzten Bissen hinunter. 'Achja, bevor ichs vergesse... danke für die Wundversorgung...' Brummelte er vor sich hin.

    Nach einem weiteren Augenblick erhob er sich und wollte gerade zu seinem Rotfuchs gehen, um seine Feldflasche zu holen, als ihm ohne Vorwarnung durch Schmerz, das verletzte Bein wegknickte. Es war allerdings nicht zu dramatisch, Arranges fing sich geschickt auf, jedoch nicht, ohne einen abgehackten schmerzlaut auszustoßen. 'Verfluchter Dreck...' Sogleich merkte er, wie sich Wärme auf der Haut unter dem provisorischen Verband ausbreitet. Arranges nahm die Hand weg und stellte verärgert fest, dass der lange Schnitt wieder aufgerissen war. 'Klasse... warum auch nicht... ich meine, alles andere würde uns den Tag und das Vorankommen schließlich zu einfach machen...' Knurrte er vor sich hin, während er Erynn völlig außer Acht lassend, auf das sich langsam ausbreitende Rot starrte.

  10. #10

    Colovianisches Hochland

    Arranges betrachtete das Amulett für eine Weile, machte aber keine Anstalten, es ihr abzunehmen. Schließlich begann er zu erzählen, und Erynn hörte schweigend zu, während sie mit dem Schmuckstück spielte. Leider brachte seine Rede sie auf keine Idee, wie sie mit dem Anhänger verfahren mußte. Es pulsierte, wenn es auf ihrer Handfläche lag. Das war vorerst alles.
    Sie war überrascht daß er ihr so viele Dinge erzählte. Die Einlassung, daß er ein Nekromant sei, überraschte sie jedoch völlig und ließ sie so heftig zusammenzucken, daß es dem Kaiserlichen kaum entgangen sein konnte. „...Ihr braucht nicht zu erschrecken...“, versuchte er sie zu beruhigen. Zu spät.
    Ihr erster Impuls war, fluchend aufzuspringen und irgendwas kaputtzutreten. Sie ließ es bleiben, und hörte weiter zu. Es wurde nicht besser. Dennoch schien ihm irgendwie leidzutun, daß er Erynn nach dem Debakel im Kloster abermals in eine Welt zwang, die für sie völlig fremd und so furchteinflößend war, daß ihre Seele es vielleicht nicht unbeschadet überstehen würde.
    „Achja, bevor ichs vergesse: Danke für die Wundversorgeung...“ schloß Arranges, vielleicht, um sie wieder auf etwas sichereren Boden zu stellen.
    „Gern geschehen“, murmelte sie abwesend. Sie starrte in die Flammen und sortierte ihre Gedanken, während Arranges sich erhob und zu seinem Pferd hinüberging.

    „Fassen wir also zusammen“, sagte sie, mehr zu dem Erdenkreis im Allgemeinen und wunderte sich, daß sie so ruhig blieb. „Wir suchen nach einem Buch, daß Ihr vermutlich entwendet habt und jetzt deshalb Euer Eigentum ist, jede Menge verbotenes Wissen enthält und von einem Dämon geschrieben wurde, der eigentlich ein Normalverrückter ist genauso wie das Mysterium von bitte wem(?), weil Euch die Ideen ausgehen, wie Ihr in der Totenwelt herumpfuschen könnt und dafür braucht Ihr mich, weil jemand vermutlich aus gutem Grund einen Sicherheitsmechanismus in dieses Amulett eingebaut hat, der es Euch versagt, es selbst zu benutzen. Großartig.“ Sie fuhr herum, als der ...Nekromant... einen unterdrückten Schmerzenslaut ausstieß. „Was ist los? – Oh, Mist!“

    Sie eilte zu Arranges hinüber. Die Beinwunde war durch seine Bewegung wieder aufgegangen und blutete. Zweifelnd schaute sie zuerst auf die langsam durchweichenden Verbände, dann in das Gesicht des Kaiserlichen. „Ich hab gesagt, Ihr sollt aufpassen. Aber... Ihr seid doch ein Magier. Ihr könntet den Schnitt mit einem Zauber verschließen, oder nicht?“
    Geändert von Glannaragh (29.01.2011 um 17:19 Uhr)

  11. #11

    Colovianisches Hochland

    In seine Bartstoppeln knurrend und brummelnd, bekam er gar nicht mit, was Erynn da vor sich hinredete. Er starrte grollend auf Wunde und wusste einfach nicht was er jetzt direkt tun konnte. Er hatte beide Tränke aufgebraucht und sonst nichts mehr bei sich, was eine Schließung gewährleistet hätte. Dan muss ich eben mit offenem Bein nach Chorrol reiten und... Die Worte der Dunkelelfe drangen an seine Ohren. Entsetzt schaute er auf und sein Ausdurck brachte der Dunmer nichts als Unverständnis und Ablehnung entgegen. 'Seid ihr verrückt? Ihr wisst wohl nicht, was das Wort Nekromantie bedeutet... jedenfalls bedeutet es nicht, dass der Ausübende Meister der Wiederherstellung ist... nur Stümper und Priester setzen sich mit dieser schwachsinnigen und total unnötigen Magieschule außeinander... Nein, ich kann die Wunde nicht durch Magie schließen...!' Der Ärger in seiner Stimme war deutlich zu hören, allerdings war auch deutlich zu spüren, dass der Ärger nicht wirklich gegen Erynn gerichtet war, sondern eher gegen die Wunde selbst.

    Die Kriegerin sah ihn schief an. Sie verstand nicht die Hälfte von dem, was er von sich gab. "Nein, ich weiß in der Tat nicht genau, was das Wort bedeutet, und ich kenne mich auch mit den Magieschulen nicht aus. Bei den Neun, Arranges, ich bin froh, daß ich lesen kann." Mist. das hätte er nun wirklich nicht wissen müssen. "Wie dem auch sei: Ich will nicht, daß Ihr mit einer offenen Wunde durch die Gegend reitet. Das lockt nur wilde Tiere an, und darüber hinaus habt Ihr ohnehin schon viel zu viel Blut verloren."
    Abschätzend betrachtete sie den jetzt nutzlosen Verband. "Es ist ein glatter Schnitt. Ich müßte es eigentlich vernähen können."

    In jeder anderen Situation hätte Arranges jetzt eine Bemerkung fallen gelassen, die ausschließlich seine Belustigung gesteigert hätte und das ins Unermessliche... hätte Erynn ihren letzten Satz für sich behalten. Der Ausdruck in seinen Augen wandelte sich erst von leicht erschrocken zu echter Furcht. 'Ihr!? Ihr... wollt den Schnitt... nä-hen!?' So schnell wie Arranges trotz der Schmerzen aufgesprungen war und keuchend vor ihr stand, konnte Erynn gar nicht schauen. 'Da kann ich auch gleich zurück in die Ruine gehen und mich zerstückeln lassen...' Seine Haltung wirkte, als würde er jeden Moment flüchten, sobald die Dunmer auch nur eine falsche Bewegung in seine Richtung tun würde.

    Mehr als nur leicht verdattert von seiner heftigen Reaktion, brachte Erynn schließlich heraus: "So schlimm wirds schon nicht werden. Ich kann Leder nähen, da sollte Haut kein Problem darstellen. Ich mache die Nadel vorher heiß, dann entzündet sich auch nichts." So hatte es jedenfalls der Feldscher gesagt, dem sie einmal assistiert... nunja, genau genommen, zugesehen hatte. Aber das mußte Arranges nicht wissen. Er schien auch so schon nicht wirklich von ihren Fähigkeiten überzeugt zu sein.

    Arranges lachte bitter auf. 'Ihr habt wohl einen mächtigen Schaden aus der Ruine davongetragen...' Seine Stimme strauchelte allerdings und war nicht mehr so fest und überzeugt, wie zuvor. 'Chorrol wäre nicht sehr weit...' Man sah ihm förmlich an, wie es hinter seiner Stirn arbeitete und er nach Argumenten suchte, die die Dunmer von dieser, aus seiner Sicht, wahnwitzigen Idee abbringen konnten.

    Was soll diese Anstellerei? wunderte sich Erynn. Das Ganze ist eine Sache von vielleicht fünf Minuten, und bis Chorrol... "Bis Chorrol ist es mehr als ein halber Tag, vorausgesetzt, wir reiten schnell. Und das würde ich Euch in Eurem Zustand nicht empfehlen." Sie forschte in dem nun überhaupt nicht mehr selbstsicheren Gesicht des Kaiserlichen, und der Septim fiel endlich. Hellerweise. Du hast doch nicht etwa Schiß?!
    Erynn konnte sich ein kurzes Auflachen nicht verkneifen. "Arranges", sagte sie fest: "Wollt Ihr mir etwa erzählen, daß Ihr, ein abgebrühter Totenbeschwörer, wie Ihr selbst sagtet, der kein Problem damit hat, sich mit untoten Mönchen anzulegen oder unaussprechliche Monster auf wehrlose Goblinweiber zu hetzen, Euch vor einer Nadel fürchtet? Wollt Ihr mich verarschen?" ja, so mußte es sein - er vereimerte sie. Alles andere war einfach zu skurril, um wahr zu sein. "Hört endlich mit dem Theater auf und laßt mich die Wunde ansehen."

    Verdammt nochmal, ich habe doch keine Angst... NEIN! ... Es ist nur so... ich... Eine eindeutig beleidigte Miene zeichnete sich bei dem Kaiserlichen ab, als die Dunmer die Situation zu verstehen schien und es lustig fand, ja tatsächlich, sie hatte gelacht. 'Ich habe keine Angst, es ist nur so... dass...' Er brach ab und schaute zu Boden. 'Ihr habt doch nicht mehr alles Gläser in der Vitrine...' Brummelte er vor sich hin. 'Ich habe euch gezwungen mit mir zu kommen und ihr steht hier als das, zu dem ich euch gemacht habe, so lange ihr bei mir seid: Ein Sklave... und da mutet ihr mir allen Ernstes Angst vor einer Nadel zu?!' Wäre es nicht um so eine für Arranges sehr prikäre Sache gegangen, hätten seine Worte einen absolut einschüchternden und drohenden Klang gehabt, aber jetzt wirkten sie einfach nur auf eine seltsame Art hilflos. 'Gnaden euch die Götter...' Knurrte er. Es hörte sich ein bisschen wie eine Zustimmung an, aber der Kaiserliche machte keinen Anstalten, sich zu entspannen, oder hinzusetzen.

    Erynn zog eine Augenbraue hoch. Wenn er schon wieder stänkern konnte, dann konnte es ihm so schlecht gar nicht gehen. Soso, dein Sklave also. Sobald dir nichts mehr einfällt, wirst du gemein, Scheißkerl. Na warte!
    "Der Sklave hat Euch in der letzten Nacht am Leben gehalten, falls Ihr das vergessen habt. Ich hätte Euch einfach ausbluten lassen können wie einen abgestochenen Hammel. Da Ihr hier steht und mir Drohungen an den Kopf werfen könnt, habe ich das offensichtlich nicht getan, also spart Euch das Gezeter", gab sie zurück.
    "Setzt Euch." Keine Reaktion. "Setzt. Euch. Oder muß ich Euch allen Ernstes niederschlagen?"

    'Ja, das ist ja auch die Aufgabe eines...' Er brach ab und schüttelte nur den Kopf. 'Aber erstmal nur schauen ja?!' Er hörte sich fast schon an wie ein kleiner Junge. Dann setzte sich Arranges umständlich nieder. Aber noch bevor die Dunmer sich bei ihm niederkniete um besser zu sehen, drückte er wieder mit beiden Händen auf die Wunde, allerdings eher aus dem jetzt lächerlichen Versuch heraus, sie doch noch irgendwie davon abhalten zu können, da herumzupfuschen und nicht etwa wegen der Blutung. Niederschlagen lassen wäre mir ja lieber, aber das müsste ich mir dann auch wieder ewig nachtragen lassen...

    Erynn überhörte den Ansatz zu einer neuerlichen Beleidigung. Arranges fürchtete sich offenbar wirklich, und es erschien ihr herzlos, in dieser Situation noch einmal nachzutreten. "Nehmt die Hände weg", sagte sie sanft. Dann wickelte sie vorsichtig die durchgesifften Stoffstreifen ab. "Es ist an den Enden eingerissen", erklärte sie dem Kaiserlichen, "und der Schorf ist auch wieder aufgebrochen." Sie holte das Etui mit Ledernadel und Zwirn, dazu einen ihrer Wasserschläuche und wusch das getrocknete Blut so schonend ab, wie sie es vermochte. Mit seltsamer Befriedigung stellte sie fest, daß ihre Hände dabei ruhig waren, so sicher, als hielte sie einen Bogen.
    Mit einem trockenen Ast schürte die Elfin das Lagerfeuer und ließ die gebogene Ahle mehrmals durch die Flammen gleiten, bis sie sich fast die Finger daran verbrannte. Sie fragte Arranges nicht, ob er bereit sei -es war unmöglich zu übersehen, daß er das nicht war- und setzte die Nadel an.

    Arranges nahm leicht zitternd die Hände zurück und ließ sie einfach nur hängen, er war seltenst bei Bewusstsein gewesen, wenn bei ihm grobe Verletzungen so versorgt wurden. Meistens musste man ihn festhalten und meistens war das in Begleitung von Gatheringmitgliedern oder engen Freunden oder vielmehr Kollegen. Er versuchte sich zu entspannen, als sie ihm den Verband abnahm, krampfte aber dann doch aus Furcht, vor dem, was kommen würde. Ein krasser Stich, ein Schmerz, gegen den er nichts machen konnte und dies auch besser nicht versuchen sollte, ein Schmerz, der ihm zur Genesung half. Mit abgewandtem Kopf und zusammengekniffenen Augen wartete er darauf, sich im nächsten Moment das Schreien verkneifen zu müssen... Aber es kam nichts. ... ?!... Stattdessen fing die Dunmer an zu erklären. Was zum Teufel?! Das war neu für ihn. Er öffnete skeptisch ein Auge, blinzelte zu ihr herum und nickte nur verwundert mit dem Kopf. Dann folgte er ihr mit den Augen, wie sie die Sachen holte, die sie brauchte. Es geht los...! Kaum hatte sich Erynn wieder neben ihm niedergesetzt, drehte er auch schon wieder wie zuvor, den Kopf weg und presste die Kiefer aufeinander. Verdammt, verdammt, verdammt... Doch statt der Nadel spürte er die sanften Berührungen ihrer Hände. Aber sie tastete nicht etwa nach einer geeigneten Stelle für den ersten Stich, nein, sie säuberte die Wunde. Auch das kannte Arranges so nicht wirklich. Er fasste für den Moment ein bisschen Vertrauen in ihr Tun und entspannte sich ein kleinwenig. Als sie fertig war, sah er noch zu, wie sie die Nadel ausglühte. Seine Gedanken setzten aus, als sie sich wieder ihm zuwandte. Er hatte den Blick längst abgewandt und verrenkte sich arg, um möglichst in genau die entgegenegsetzte Richtung zu sehen, was völlig überflüssig war, hatte er die Augen sowieso zugekniffen. Er spürte noch, wie sie die Nadel auf die Haut setzte und hielt den Atem an. Ein widerlicher Schmerz, der alle anderen Probleme, die Arranges überhaupt hatte, komplett ausblendete und ihn bis ins Mark peinigte, raste durch seinen Körper. Der Kaiserliche, die Zähne aufeinandergepresst, konnte das leise, kaum hörbare Wimmern nicht zurückhalten. Wieder ein Stich, noch einer und noch einer, einer fühlte sich grässlicher an, als der vergangene. Aus einem Impuls heraus, den sich Arranges nicht erklären konnte, riss er plötzlich die Augen auf, fuhr mit dem Kopf herum und blickte auf das, was Erynn tat: Sie durchstach direkt wieder seine Haut in diesem Augenblick. Gepresst atmete Arranges aus, wurde schlagartig kreidebleich und kippte bewusstlos nach hinten.

    Erynn machte die ersten Stiche und setzte kleine Knoten an der Außenseite von Arranges' Haut, wie sie es bei dem Feldscher gesehen hatte. Es ging erstaunlich leicht; das nachgiebige Fleisch machte es ihr einfach, präzise zu arbeiten. Sein leises Jammern weckte Mitgefühl in ihr, doch sie konnte ihm wohl am Besten helfen, wenn sie sich davon nicht ablenken ließ. Als sie die Naht etwa zur Hälfte fertig hatte, umfing den Kaiserlichen gnädige Ohnmacht.
    Sie beendete ihre Arbeit und opferte ein weiteres Stück ihres Hemdes, um die Wunde erneut zu verbinden. So langsam saß es wirklich knapp, überlegte sie peinlich berührt, als sie auf ihren mittlerweile entblößten Bauch starrte. Aber es war vermutlich besser, wenn er nicht direkt auf die Naht schauen mußte. Ihr graute schon jetzt vor dem Moment, in dem sie die Fäden wieder lösen mußte - sie würden die ganze Diskussion dann wohl noch einmal durchgehen. Mit einem Zipfel seines Mantels wischte sie Arranges' schweißnasses Gesicht ab, dann rollte sie das Kleidungsstück zusammen und legte es unter seinen Kopf.
    Ein paarmal strich sie fast zärtlich durch sein zerzaustes Haar, dann schürte sie das Feuer und wartete. In der Stille kehrten unwillkommene Gedanken zurück, und die Erinnerungen an ihre Erlebnisse aus der Ruine brachen ungehemmt über sie herein. Eine Zeitlang weinte sie leise, während sie versuchte, das Geschehene zu begreifen.

    Langsam zog sich die Ohnmacht zurück. Arranges lag auf nacktem Fels. Das Brennen und der bohrende Schmerz im Oberschenkel hatte deutlich nachgelassen. Er Spürte die Naht, die Fäden in seinem Fleisch, ohne hinfassen zu müssen. Die Haut spannte ein wenig, aber das störte ihn nicht weiter. Nur das Stechen und der pochende Schmerz im Brustkorb war nach wie vor unangenehm, aber die paar Spritzer des Trankes haben wohl doch das Gröbste erledigt. Arranges ordnete seine Sinne und öffnete dann langsam die Augen. Es war noch immer der selbe trüber Tag. Er setzte sich langsam auf und sah ein paar Ellen neben sich Erynn am Feuer sitzen, total in sich zusammengesunken, die Beine angezogen und den Kopf mehr oder weniger in den aufgelegten Armen verborgen. Nanu... ist irgendetwas passiert? Arranges drehte den Kopf einmal rum, aber außer der Felslandschaft war nichts besonderes zu sehen. Es war auch weitestgehend still, nur das leise Rauschen des Windes war zu hören und noch etwas, das er nicht gleich zuordnen konnte. Ein leises, kaum zu hörendes Schluchzen drang von Erynn zu ihm herüber. Also mal ehrlich, wenn hier jemand einen Grund zum Weinen hat, dann bin wohl eher ich das... Dachte er bei sich, bis er einen Augenblick später den Grund mehr vermutete als wusste. Es muss grausam sein, als Krieger mit einem bis dato weitestgehend normalen Leben, plötzlich so ins kalte Wasser geworfen zu werden... Arranges vermochte sich nicht vorzustellen, wie abartig verstörend das Kloster und die Geschehnisse dort auf sie gewirkt haben mussten, schließlich hatte er fast schon sein ganzes Leben mit diesen abscheulichen und übernatürlichen Dingen zu tun gehabt. Aber was jetzt? Arranges konnte kaum Mitleid zeigen und war noch schlechter darin, jemanden zu trösten... er ließ seinen Blick noch einen Moment auf ihr ruhen. Sie hatte ohne zu zögern ihre Kleidung geopferd, um meine Wunden zu versorgen... Dachte er, als er auf den kleinen Ausschnitt ihres Rückens starrte, der nicht mehr vom Hemd bedeckt wurde. Hilfesuchend blickte er sich um und sah hinter sich seinen zusammengerollten Umhang liegen. Leise stand Arranges auf, nahm den Umhang und trat an Erynn heran. Er legte ihr sachte den Umhang um die Schultern und setzte sich dann neben sie. Er wusste nicht, was er sagen oder tun konnte. Aber sie tat ihm fast leid. Er hob den Arm und wollte ihn erst um sie legen, kam sich dann aber einen Moment wieder dämlich dabei vor und ließ die Hand wieder sinken... Nun tu doch was du Trottel... Er konnte sich nicht helfen und ihr in diesem Moment noch viel weniger, er war mit der Situation fast überfordert. Nach einem weiteren Augenblick, in dem er mit sich selbst haderte, rückte er doch an sie heran, legte ihr den Arm um den Rücken und ließ seine Feuermagie wirken. Angenehme Wärme ströhmte durch sein Fleisch... er wusste auch nicht recht, was das bringen sollte, aber aus einer Eingebung heraus, die aus dem Bild ihres völlig unbrauchbar gewordenen Hemdes resultierte, dachte er, dass das vielleicht helfen könnte, wenn er schon nicht die richtigen Worte fand.

  12. #12

    Colovianisches Hochland

    Arranges war wach geworden, während sie so dasaß, völlig in sich selbst verkrochen. Ihre Seele fühlte sich an wie ein Klumpen rohen Fleisches, über dem eigentlich Haut sein sollte – so wund und empfindlich, daß es fast unerträglich war. Sie könnte eine Mauer darum bauen, aber dann käme niemand mehr daran, um sie zu heilen. Wo war sie bloß hineingeraten? Sie war doch so stark gewesen bis gerade eben, stark für sie beide. Jetzt gab es nichts mehr, was sie tun konnte, nichts mehr, um die Erinnerungen zu vertreiben, die sie überwältigten.

    Sie spürte, wie ihr etwas um die Schultern gelegt wurde. Der Mantel der Kaiserlichen, und kurz darauf legte er seinen Arm um sie, tröstete sie wortlos. Das war das Beste, was er tun konnte. Es hätte ohnehin keine Sprache gegeben, in der sie hätte beschreiben können, was in ihr vorging. Ihr wurde warm, so wunderbar einschläfernd warm, und sie legte ihren Kopf an seine Schulter. Sehr vorsichtig, denn sie konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern, ob es sich um die Seite handelte, die verletzt worden war. Gestattete sich diesen Moment der Schwäche.
    „Es wird nicht besser werden, oder? Wenn wir unsere Suche fortsetzen, werden wir Schlimmeres erleben als die Dinge im Kloster, nicht wahr?“ Mit einem Mal waren die Seiten vertauscht, und jetzt war sie es, die vor Furcht zitterte. Sie räusperte sich, aber noch immer klang ihre Stimme brüchig, als sie fortfuhr: „Ich verstehe das alles nicht. Was war dieser Schatten, der uns jagte? Und dann... ist da ein Loch in meiner Erinnerung. Auf dem Hof... ich erinnere mich an einen Wolf, und dann dann verbrannte der Wolf, aber dazwischen... fehlt etwas. Was ist in dieser Zeit geschehen?“ Eine kurze Pause. „Ich muß das alles begreifen, oder ich werde daran wahnsinnig“, sagte sie mit plötzlicher Heftigkeit.

    Sie rückte von dem Kaiserlichen ab bis sie ihm gegenübersaß und sah ihm in die intensiven, dunkelblauen Augen. Sie selbst mußte schrecklich verheult aussehen, aber es kümmerte sie jetzt nicht. Dann senkte sie den Blick und holte das Amulett hervor. Sie legte es auf ihre ausgestreckte Handfläche. Endlich hatte sie etwas, worüber sie nachdenken konnte. „Um es zu finden, habe ich... irgendwie auf etwas jenseits der fünf normalen Sinne gelauscht, aber ich weiß nicht mehr, wie ich das gemacht habe. Wenn ich es so halte, scheint es zu klopfen. Einmal laut, einmal leiser, dann wieder laut. Wie das schlagende Herz eines lebendigen Wesens. Das ist Magie, oder? Doch ich verstehe nichts von Magie. Ich weiß nicht, wie ich... hören kann, was es sagt. Was muß ich tun?“ fragte sie, fast ein bißchen schüchtern. „Lehrt mich, wie ich die Worte verstehen kann. Denn es spricht irgendwie, aber das alles ergibt keinen Sinn.“

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