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Thema: [Werwölfe IV] Tag 5

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Godfrey war ein Hexenjäger, mit allen Pflichten und Fähigkeiten, dies war ihm die letzten Tage immer wieder bewusst geworden und so glaubte er dank seiner Menschenkenntnis auch die Bitterkeit in der Stimme der Bäckerin wahrzunehmen, die dort lag.

    Godfreys Gesicht blieb wie so oft steinern, ausdruckslos, seine Augen starr, doch in seinem tiefsten Inneren seufzte er.
    Die Wahrheit war, dass er sich fast danach sehnte, dass sie den verdammten Speer einfach nehmen würde und diesen durch seinen Hals rammen würde, denn er war müde, erschöpft und am Straucheln.

    Das Böse hatte keine Furcht, sich zu binden, das Dunkle hatte sich stets auch mit dem Schild der Familie umgeben und wie oft war er schon gezwungen gewesen, Menschen aus der geliebten Mitte Unschuldiger zu reißen, weil sie sich mit der Macht Satans eingelassen hatten.

    Trotzdem spürte er in seinem Inneren den Glauben, die stete Quelle an Kraft, die Liebe eines Gottes, die ihn aufrichten würde, wie sie es immer getan hatte.
    So war es stets gewesen, er war an Orte gekommen, sich auf der Jagd befindend und seine Aufgabe hatte ihn gezwungen, sich mit den Bewohnern abzugeben, seine Pflicht hatte ihn dazu gebracht, die vermeintlich Schwachen und Schützenswerten zu beschirmen, für sie da zu sein, sich aufzuopfern. Doch die Wurzeln des Bösen gruben tief, waren stets im Wandel und manche Person, die er hatte beschützen wollen - mit jeder Faser seines Ansinnens - musste dann getötet werden.

    Er war froh, dass sein Herz vernarbt und seine Seele verödet war.
    Und doch... Es musste getan werden. Er musste Trauer säen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen, er musste Blut vergießen, damit die Kinder der Rechtschaffenen an Orten ohne Luzifers Macht aufwachsen durften.
    Und würde er es nicht machen, dann würde ein anderer es tun. Und solange er sich dafür opferte, wusste er, konnte er Einfluss nehmen auf die Geschehnisse und er dachte an Nadescha zurück und sein Herz flutete Wärme und Zuversicht.

    Im Paradies würde alles anders werden, doch den Weg bis dorthin musste er erst noch mit salzigen Tränen und blutigen Händen bauen.

    Er antwortete leise: "Da ich keine Stütze mehr sein kann, Lilith, behalte ihn nur. Alle sollen sehen und sich erinnern, dass du den größten Teil deines Lebens ein Kind Gottes warst und dich auch so in Erinnerung behalten."

    Dann sah er in einiger Entfernung Isabella stehen, sie hatte sich mit Beinschienen ausgerüstet und schien voll Tatendrang zu bersten, konnte trotz Verletzung nicht still daliegen und doch... strahlte sie eine erbarmungslose Stärke und Würde aus und Godfrey konnte die Vision nicht verdrängen, als Isabella wie ein Racheengel über Nadescha gekommen war...

    Widersprüchliche Gefühle drangen ungestüm in seine Brust, sie waren einander so ähnlich, sie war ein Abbild von ihm, als er in diesem Alter war und keine Schlacht scheute.
    Aber das Wichtigste war: Es war gut, dass sie da war und helfen konnte.

  2. #2
    Nicolo wandte sich wieder zu Laurenz:
    "Bis Samstag ist noch genug Zeit, jetzt müssen wir uns erstmal um die Wölfe kümmern. Wenn wir nischts gegen sie tun werden diese Söldner 'ier niemandem mehr antreffen."

  3. #3
    Die Bäckerin biss sich nach Godfreys Worten auf die Unterlippe, da es so viele mögliche Antworten gab, und sie doch keine davon aussprechen konnte. Ihr Kopf hatte längst realisiert, dass es nun keinen Verbündeten mehr gab, weshalb sie einfach schwieg, als die beiden sich auf den Weg zur Kapelle machten.
    Ihr Herz wollte es jedoch noch nicht wahrhaben, weshalb ihr hunderte Gedanken durch den Kopf gingen, die sie mit niemandem teilen konnte.

    Nur schemenhaft hatte sie wahrgenommen, dass Laurenz sich an Nicolo gewandt hatte, und ihn wohl kurzfristig davon ablenkte, sie mit seinen Blicken zu durchbohren. Dafür hatte sie die Nachricht über Ewald ganz genau gehört, und sie fragte sich, wer ihn wohl begraben würde, bei dem Tumult, der gerade herrschte. Genauso wie Winfried immer noch einsam in seinem Haus lag, ohne dass jemand sich die Mühe machte, ihn wenigstens wegzuschaffen.
    "Ist es in Ordnung, dass man sich mehr um mich kümmert, als die Toten zu betrauern und ihnen den letzten Frieden zu gewähren?" ,flüsterte sie leise zu sich selbst, denn sie wollte nicht, dass Godfrey sie hörte.
    Eine Gewohnheit aus alten Tagen... mit sich selbst sprechen. Früher hatte Lilith oft vor sich hingeplappert, obwohl niemand bei ihr war, um zu antworten. Damals war sie es nicht anders gewohnt, doch jetzt war es plötzlich so schwer geworden, für sich selbst zu sein.

    Bald kamen sie an der Kapelle an, die wie immer leer stand. Die Bäckerin erinnerte sich gut an das letzte Mal, wo sie hier gewesen war, durchnässt und deprimiert, und nur eines hatte ihr ein wenig Kraft gegeben.
    Lilith ging ein paar Schritte, bis sie an der Mauer war, an die sie sich damals gelehnt hatte, und Godfrey folgte ihr wortlos. Als wäre es etwas besonders Kostbares, strich sie über das karge Stück Wand, bevor sie die Hand an ihren Nacken legte, um das Amulett abzunehmen.
    Etwas abrupt drehte sie sich zu Godfrey um, streckte ihm das Kreuz entgegen und ein Sonnenstrahl, der durch eines der Fenster brach, schien zufällig genau darauf, als wäre es ein göttliches Zeichen. "Ihr wollt bestimmt nicht, dass Euer "Feind" dieses wertvolle Stück von Euch trägt. Also könnt Ihr es wieder haben, falls Ihr es wünscht." Ihre Stimme war ungewöhnlich fest, doch ihre Hand, die merklich zitterte, verriet ihre Angst, das Amulett loslassen zu müssen.

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