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[Eure Daenigkeit]
Godfrey sah den Mann nachdenklich an, dann sprach er:
"Ich bin froh, dass du dies ansprichst, Roland und mir damit die Möglichkeit gibst, mich zu erklären.
Es ist kein Dämon der mich antreibt." Er lächelte milde. "Sondern Gottes Mandat. Dem Priester und mir wurde während des Gebetes ein Wunder zuteil, dessen frohe Kunde ich nur zu gerne zu teilen bereit bin.
Lesters innigster Wunsch war Chaos zu stiften, doch darüber hinaus war er auch voller Hass was die Wölfe betrifft und so ernannte er Lilith..." Seine Stimme bekam eine seltsame Klangfärbung. "...zur Frau Hauptmann. Jene führt nun zwei Stimmen ins Felde in einem Krieg, der NUR mit der totalen Auslöschung des Feindes ein Ende haben würde, ein Krieg, Roland, der dich und mich als Ofper fordern könnte und - was noch schlimmer ist: Auch die Dorfbewohner, unschuldig und rein, Weiber und Kinder.
So eine stimmliche Macht gegen sich können die Wölfe nicht gutheißen und tolerieren, sie wäre das erste und erklärte Ziel des Feindes geworden, es sei denn... sie IST der Feind.
Es ist außerdem unbestreitbar, dass sie eine Liebesbeziehung mit Winfried führte, von dem wir wissen, dass er ein Feind war und sie Tag und Nacht mit einem gewissen Avery zusammen ist, den ich ebenfalls und unbestreitbar zum Feind zähle.
Werwölfe sind Rudeltiere, sie suchen die Nähe zueinander um sich zu schützen und das Abstimmungsverhalten der Beschuldigten lässt fast keine anderen Rückschlüsse zu.
Was mich betrifft: Ich habe aus Pflichtbewusstsein meinen Dienst gegenüber Lester erfüllt, der von euch allen als Instanz eingesetzt wurde. Nun, da ich genarrt und getäuscht wurde, hadere ich nicht, sondern reife an dem Schmerz, den sein Verrat mir offenbarte. Als erfahrener Krieger weiß ich, wann ich in der Deckung zu bleiben habe und wann ein entschlossen geführter Vorstoß zum Sieg führen könnte und da ich unverrückbar weiß, dass diese Nacht oder die nächste Nacht die Entscheidung bringt, muss ich einen Krieg führen gegen einen Menschen, der mir an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit alles bedeutet hätte.
Ich bin bereit, mein Leben in die Waagschale zu werfen und mit meinem Leben zu bürgen, das der Mensch, der sich Lilith nennt, vor gut einer Woche am Hexenfelsen gestorben ist und diese Hülle nur mehr das Böse selbst beherbergt und ich kann euch nur untertänigst bitten, mir zu vertrauen, euch führen zu lassen und mich in diesem Krieg zu unterstützen.
Als Gegenleistung biete ich mein Leben dar und das Versprechen, dass mein Tod nicht unnütz sein wird und beweisen kann, welch Schrecken sich unter menschlicher Maske verbirgt."
Er blickte in die Gesichter der Umstehenden.
"Und bis uns Gottes Richtspruch teilt und scheidet, werde ich meine Pflicht erfüllen. Es gilt zu klären, wer uns fehlt. Ich sehe tatsächlich einige bekannte Gesichter hier fehlen und ich argwöhne mit blutendem Herzen, dass sich noch zerfetzte Leiber in ihren Heimstätten befinden, die von den wahnsinnigen Wölfen getötet wurden.
Darüber hinaus, Avery Wolfstatze, solltest du dringlichst meinem Feinde nun beistehen und dich um deine Herrin kümmern. Genau wie wir werdet auch ihr auf dem nächtlichen Felde geblutet haben und wen immer sie verloren hat - sie kennt ihn oder sie bestimmt schon länger und ihr Herz wird gram werden durch solch Erlebtes."
Dann tippte er sich an die Hutkrempe und machte sich daran, die Häuser derjenigen aufzusuchen, die er heute morgen vermisst hatte und dann stieß er auf Andreas, die Person, die er nicht zu finden gewagt hatte.
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Patch 1.1.4 in Arbeit...!
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Nemo
Lilith hatte alle Schriften, die um Winfried verstreut lagen, aufgesammelt und trat nun damit in ihrer Linken, und dem Speer in ihrer Rechten, aus dem Haus.
Sie musste es den anderen sagen, und jemanden bitten, den Toten wegzuschaffen, außerdem musste sie seine Hinterlassenschaft jemandem geben, der lesen konnte. Einer der Hexenjäger war dessen bestimmt fähig und würde ihr helfen.
So kam sie arglos am Dorfplatz an, wo die Stimmen plötzlich verstummten, sobald sie die Bäckerin sahen. Ihr war nicht klar, warum, aber vorerst gab es Dringlicheres zu besprechen. So nutze Lilith die Stille und verkündete ein wenig schüchtern: "Winfried Windfeder ist tot. Ich glaube, er war ein Werwolf, aber in diesen Schriften dürfte mehr darüber stehen... könnte sich jemand der Aufgabe annehmen, dies zu lesen?" Sie wollte die Papiere in die Höhe halten, damit alle sie sehen konnte, doch wie durch einen starken Windstoß segelten sie ihr nach der Reihe aus der Hand. "Oh nein..." ,murmelte sie und errötete, da ihr dies ziemlich peinlich war. Ein schöner Hauptmann war sie.
Noch immer hatte niemand etwas gesagt, und als sie die Schriften aufsammeln wollte, fiel ihr Blick auf die Tafel, wo Lester immer die Abstimmungen festgehalten hatte. Sie wusste, wie ihr Name aussah, auch wenn ihr die Buchstaben nicht geläufig waren. Und dort stand zweifellos drei Mal Lilith Löwenstein.
"Was... wer..." Sie sah sich um, und nun kam es ihr vor, als würden sie die stillen Teilnehmer um sie herum mit ihren Blicken zerfleischen. Die Frage wollte ihr einfach nicht über die Lippen kommen, wer hatte das getan, wer hatte sich am frühen Morgen schon gegen sie verschworen? "Godfrey..." ,brachte sie hervor, da sie mit ihm darüber sprechen wollte. Er wusste bestimmt, was man in so einem Fall tun konnte, und würde ihr helfen, sie stärken, wie er es immer getan hatte.
"Er 'at eine göttlische Botschaft er'alten und disch angeklagt." ,hörte sie nun die Stimme des anderen Hexenjägers.
Die Flamme der Hoffnung im Inneren der Bäckerin war seit Lesters und Winfrieds Tod, und der Erkenntnis, dass sie zum Feind gehört hatten, schon nur mehr ein kleiner Funken gewesen. Aber in diesem Moment erstarb sie ganz.
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