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Thema: [Werwölfe IV] Tag 5

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Die Sterne leuchteten hell am Firmament, als sich Winfried in dieser Nacht anschickte, vor dem Schlafen gehen nun doch noch Lesters Weinkeller einen Besuch abzustatten. Er fand die Taverne vollkommen verlassen und umgeben von tifester Dunkelheit vor und man mochte durch die unheilvolle Aura, die über ihr lag, nur erahnen, was am Abend zuvor geschehen war.
    "Dann wollen wir mal sehen, was der dicke Sack uns alles hinterlassen hat..."
    Schon lange hatte er ein Auge auf die Schätze gehabt, die Lester in seinem Keller gehütet, doch selbst nur sehr selten zu großen Anlässen angerührt hatte. Endlich war der Zeitpunkt gekommen, die bisherige Ungerechtigkeit ein wenig auszugleichen!
    "Der Alkohol ist der materialisierte Teufel, den es überall zu vernichten gilt, wo man ihn auch antrifft...besonders hier!"

    Ausgerüstet mit einer kleinen Öllampe stieg Winfried die kalten Treppenstufen hinab und entzündete die Fackeln, die am Gemäuer des alten Mauergewölbes hingen. Von der einen Sekunde auf die nächste war der Raum hell erleuchtet und aus allen Ecken und Enden funkelten die unzähligen Flaschen erlesenen Weins, die Lester zwischen den gewaltigen Bierfässen gebunkert hatte. Winfried setzte sich neugierig vor ein Regal und zog beliebige Gefäße heraus, um ihre Aufschrift zu lesen und einen Schluck davon zu probieren. Ausgerechnet ein Exemplar des Süderling-Weins sollte ihm zum Verhängnis werden, welcher einer von Winfrieds Lieblingssorten darstellte, da dieser Wein bis zu Jahrhunderte gelagert werden muss, um einen wahrlich unbezahlbaren aromatisch-süßlichen Geschmack entfalten zu können.

    Als Winfried die ersten paar Tropfen gekostet hatte, war es für den armen Schreiberling auch schon zu spät. Ein tiefgreifendes Schwindelgefühl ergreifte ihn und er spürte förmlich, wie das Gift ihm rasch alles Leben aus dem Körper entzog.
    "Mein Herr und mein Gott! Selbst im Tod schafft es der Wirt sogar noch, mir so eine verdammte Pisse anzudrehen!"
    Vermutlich war dieser vergiftete Wein schon länger unten im Keller, damit Lester ihm hätte zum Opfer fallen sollen. Doch nun sollte es ganz anders kommen und ausgerechnet der junge Schreiberling wurde durch diesen Trank von der Welt des Seins hinfortgerissen. Mit seinen letzten Atemzügen gedachte er der vielen Hoffnungen, Wünsche und Pläne, die er noch für die Zukunft gehabt hätte, und all den Dorfbewohnern, deren Wege er die letzten Tage gekreuzt hatte und nun nie wiedersehen würde.

    Jedoch trat die volle Wirkung des Gifts ncht so zügig ein, wie der Mischer sich wohl erhofft hatte, und so verfasste Winfried vor seinem Ableben noch unzählige Schriften, darunter eine Autobiographie, einen Reiseführer für Düsterwald und Umgebung, eine vorzeitige Übersetzung der Bibel ins Deutsche (die leider nie populär wurde) und ein Essay über das damalige Klosterleben. Es folgten weitere berühmte Bücher, wie "Über Dorfbewohner und Werwölfe im außermoralischen Sinne", "Werwölfe - eine unverstandene Minderheit", "Warum man mit Werwolfsaugen besser Lesen und Schreiben kann", "Wie Aufklärung zur Integration von wölfischen Randgruppen beiträgt", "Franzosen, die legitimen Erbfeinde - schon heute!" und noch viele unzählige weitere Texte und Groschenromane über Werwolfs-Mensch-Beziehungen, die ihn (hoffentlich) zumindest in der literarischen Nachwelt unsterblich machen sollten.

    Und die Moral von der Geschicht'? Trinkt von Lesters Wein besser nicht!

  2. #2
    Leises Vogelgezwitscher und die sanften Strahlen der Morgensonne täuschten eine friedliche Idylle vor, als die Bäckerin aus einem traumreichen Schlaf erwachte. Sie war noch etwas benommen und müde, weshalb sie für einen kurzen Moment vergessen hatte, was am Abend geschehen war.
    So richtete sie sich auf, streckte sich, und als die aus dem Bett steigen wollte, stieß sie mit ihren Zehen an den Speer, der während ihres Schlafes auf den Boden gefallen war.
    Sofort kehrte alles zurück, und erschlagen von den Erinnerungen des Vortages ließ Lilith sich wieder ins Bett zurück fallen. Es war unvorstellbar für sie, einfach aufzustehen und vor die Tür zu gehen… sie wusste weder, was sie erwarten würde, noch was sie tun sollte.
    "Es würde mir das Herz zerreißen.“, hallten plötzlich die Worte in ihrem Kopf wider, die sie erst unlängst gehört hatte. „Winfried…“ Zu ihm musste sie gehen, mit ihm konnte sie vielleicht reden. Er hatte Lester von Anfang an misstraut und war von dem Tod des Hauptmanns vielleicht nicht ganz so erschüttert wie manch anderer.

    Entschlossen sprang Lilith auf, griff sich den Speer und eilte aus der Stube. Doch als sie die Tür öffnete und ins Dorf stürmen wollte, stolperte sie über etwas, das direkt vor ihrem Eingang lag.
    Avery!“ ,rief sie überrascht und hockte sich zu dem Jungen, der von ihr gerade unsanft aus dem Schlaf gerissen worden war. „Was machst du hier?“, fragte sie und musterte ihn. War er die ganze Nacht hier gewesen? Sie erinnerte sich dunkel an Isabellas Worte: „Er hat sich die ganze Zeit um Euch gesorgt.“ und sah ihn nun gerührt an. Vielleicht gab es mehr Personen als gedacht, auf die sie sich verlassen konnte. „Ich bin gerade auf dem Weg zu Winfried… möchtest du mich vielleicht begleiten?“ ,fragte sie Avery mit sanfter Stimme.

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