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Couch Potato
Im Getümel hatte Lester sich in die Deckung eines großen Felsblocks begeben und wollte gerade einen Schuss abgeben als es in der Baumkrone über ihm raschelte. Instinktiv wich er nach hinten aus und das keine Sekunde zu früh. Ein mit Messern bewaffneter Söldner war aus seinem Versteck direkt auf ihn zugesprungen und hätte ihm vermutlich den Schädel gespalten wenn er nicht ausgewichen wäre.
Lester richtete die Pistole auf ihn, doch der agile Söldner sprang gegen den Felsen und vollführte eine Rolle über Lester hinweg, während der er ihm die Waffer aus der Hand trat.
"Ich muss natürlich einen Gegner bekommen, der vom Körperbau her genau das Gegenteil von mir ist!"
Panisch flüchtete er in die Menge, darauf hoffend, dass er bei einem der gefallenen Söldner eine Waffe erbeuten könnte, aber sein Gegner schien ihn verspotten zu wollen. Immer und immer wieder schleuderte er die Waffen davon ohne Lester selbst anzugreifen.
"Was ist los, alter Mann? Hast du denn gar nichts drauf?"
Und wieder flog eine Waffe davon, aber anstatt weiterzurennen warf Lester sich einfach mit voller Wucht gegen den Söldner. Nicht mit solch einer Reaktion rechnend prallten sie aufeinander und rollten einen Abhang hinab.
Obwohl er momentan die Oberhand hatte kostete Lester diese Aktion fast ein Auge, denn vollkommen außer Kontrolle wirbelte der Söldner seine Messer nur so umher und fügte Lester eine Wunde vom Mund bis zum Ohr zu. Als sie endlich zum Stillstand kamen machte sich der Schmerz so richtig bemerkbar und voller Zorn schlug er dem Söldner mit voller Wucht ins Gesicht, immer und immer wieder. Doch auf einmal begann dieser hämisch zu grinsen und ein Schatten legte sich über sie.
Gerade rechtzeitig rollte Lester sich zur Seite und das Grinsen des Söldners verwandelte sich in Todesangst als er von einem seiner Kameraden aufgeschlitzt wurde. Noch immer unbewaffnet rannte der Hauptmann ins Unterholz, allerdings kam er schon nach wenigen Schritten an einem Abgrund zu stehen. Scheinbar war hier ein Teil der Mine in die Tiefe gestürzt.
Bevor er sich komplett abfangen konnte prallte der andere Söldner in ihn und schreiend stürzten sie beide in die Tiefe, jedoch konnte Lester gerade so eine Wurzel wenige Meter unter dem Rand ergreifen während der Söldner unaufhaltsam in der Dunkelheit verschwand.
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Nemo
Die Angreifer schienen sich Anfang auf die gefährlichsten Streiter unter ihnen zu konzentrieren - die Hexenjäger mit ihren knallenden Pistolen, von denen jeder Schuss an den Wänden widerhallte; den kräftigen Holzfäller, der seine Axt geschickt und wendig herumwirbeln ließ; und all die anderen Männer, die sich mit ihren Speeren zu einer Einheit geschlossen hatten, und wie eine undurchdringbare Mauer vorrückten.
Lilith war hinter sie geflohen und beobachtete das Treiben mit offenem Mund, unfähig, dem Geschehen zu folgen. Es war schwer, in dem Tumult auszumachen, wer einer der Ihren war, und sie hatte mehr Angst, einen Verbündeten zu verletzen, als um ihr eigenes Leben zu fürchten.
Bis einer der feindlichen Söldner neben ihr auf dem Boden landete. Als er aufsah, direkt mit seinen kalten, grauen Augen in ihre blickte, und niemand den beiden Aufmerksamkeit schenken konnte, richtete sie ihren Speer auf ihn. Die Spitze tanzte vor seiner Nase auf und ab, weil die Bäckerin am ganzen Leib zitterte. Ein hämisches Grinsen, das ein paar recht unschöne Zahnlücken entblößte, trat auf das Gesicht des Söldners, als er sich langsam erhob und vor ihr aufbaute. “Was macht ein verschrecktes Ding wie du an einem Ort wie diesen?” ,fragte er mit schnarrender Stimme, und in seinem gierigen Blick konnte man sehen, wie freudig erregt er bei der Vorstellung war, ihre zarte, blasse Haut aufzuschlitzen. Seine Waffe hatte er wohl bei dem Sturz verloren, aber nun zückte er einen glänzenden Dolch aus einer Scheide, die an seinem Knöchel befestigt war.
Beim Anblick der scharfen Klinge hastete Lilith ein paar Schritte nach hinten, doch der unebene Boden war für ihre flüchtenden Füße ein Hinderniss. Sie drohte zu stolpern, doch bei dem Versuch das Gleichgewicht zu halten, wirbelte sie ihren Speer herum und versetzte dem Söldner mehr durch Glück als Verstand einen tiefen Schnitt in Halsgegend. Dieser weitete die Augen, überrascht über die Wunde, und Lilith stammelte: “Entschuldigung, ich...” ,doch dann brach sie ab und schüttelte energisch den Kopf. Warum, zum Teufel, entschuldigte sie sich bei dem Kerl?
Gerade als der Söldner vor Wut seine übrig gebliebenen Zähne fletschte und auf die Bäckerin losgehen wollte, kam Avery wie aus dem Nichts hervor und trat den Gegner so fest, dass er in hohem Bogen von dannen segelte. Der Junge grinste Lilith kurz zu und stürzte sich wieder ins Kampfgeschehen.
Als ihr Blick an ihm vorbei schweifte, bemerkte sie, dass Lester in eine Keilerei verwickelt war, die an einem tiefen Abgrund ihr Ende fand. Alarmiert rannte sie an die Stelle, wo sie den Hauptmann zuletzt gesehen hatte, und auch ein anderer schien den Vorfall bemerkt zu haben. Winfried stand vor dem Abgrund, ruhig, als ob im Hintergrund kein Kampf toben würde, und blickte mit unergründlicher Miene in die Tiefe hinab. Lilith atmete auf, als sie bemerkte, dass der Hauptmann es offenbar geschafft hatte, sich an etwas festzuhalten. Sie band das Tuch, in dem nur mehr ein vereinsamtes Stück Brot war, ab, und wollte es an Winfried reichen. Für einen kurzen Moment sah es aus, als würde er sich lieber abwenden und Lester seinem Schicksal überlassen. Doch als die Bäckerin ihm das große Stück stoff gab, und seine Hand dabei mit ihren umfasste, zögerte er nicht länger und wies den Hauptmann an, das Tuch, das wie ein Seil zusammen gerollt war, zu umfassen, damit sie ihn hochziehen konnten.
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