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  1. #1
    Zitat Zitat von Moana Beitrag anzeigen
    Und es gibt ja schon seit jeher die öffentliche Diskussion nach der "sexuellen Diskriminierung von Frauen in den Medien" (oder auch "sex sells.."), wobei der Frau da auch ganz klar die Rolle des Sexobjekts zutrifft. Ich mein klar, das ist a) ne andere Diskussion und b) sieht das jeder anders (es gibt sowohl Leute, die kein Problem damit haben, wenn in der Werbung eine nackte Frau steht, als auch Leute, die nen Problem mit dem Werbeplakat haben, wo eine Frau in Bikini bekleidet auf ner Liege liegt).
    Leute, die damit ein Problem haben, haben ein Problem mit Sexualität—das ist psychologisch einfach so. Wenn man irgendwas nicht akzeptieren kann oder möchte, dann hat das immer etwas mit Selbstverständnis und inneren Toleranzbegriffen zu tun.
    Ein ganz anderes Beispiel, daß es aber sehr gut deutlich macht, ist zum Beispiel jemand, der ein Problem mit Schwulen hat. Die Frage, die ich stelle, lautet: warum stört sich jemand daran, daß jemand anders schwul ist, und das auch zeigen möchte? Die Antwort muß man in sich selbst suchen. Aber wenn ich kein Problem damit habe, dann störe ich mich nicht daran, dann ist es mir im besten Falle vollkommen egal.

    Brich's runter auf Deine These: warum stört sich jemand daran, daß es halbnackte Frauen auf Werbeplakaten gibt? Wenn die Werbung ihn nicht anspricht, dann soll er sie halt ignorieren. Wer sich darüber aufregt, der hat irgendwo im Kopf ein Problem damit, dieses Bild zu verarbeiten, und das ist, vereinfacht ausgedrückt, ein Problem mit Sexualität.

    Daß viele Leute diese Probleme in Ansätzen haben, ist sehr deutlich sichtbar. Ich denke, niemand wird mir widersprechen wenn ich sage, daß Sexualität etwas natürliches ist, aber trotzdem wird diesem Thema oft mit vorgehaltener Hand begegnet. Warum?
    Wieso habe ich die Befugnis, über jemanden zu urteilen, der meint, er möchte nackt durch die Stadt laufen? Ob es es schön zum Anschauen finde oder nicht, spielt dabei keine Rolle (ich sehe auch genug angezogene Menschen, die ich mir nicht ansehen möchte), aber im Extremfall argumentieren Leute da mit juristischen Klauseln wie “Erregung öffentlichen Ärgernisses”, und ich verstehe nicht, wieso ein nackter Körper, der so in etwa das normalste der Welt ist, irgendwie Ärgernisse erregen sollte, außer, wenn man selbst irgendwo ein Problem damit hat.

    Und damit schließt sich der Kreis.

    Zitat Zitat von Kelven Beitrag anzeigen
    Was die Fetische angeht: im Prinzip hast du zwar Recht, dass man nicht zwischen ihnen und herkömmlichen Pornos unterscheiden sollte (ist beides nichts für Minderjährige), aber hier sehe ich eben gerade das Problem mit dem von dir angesprochenen Einverständnis. Einige Jugendliche wissen nicht wann sie die Grenze erreicht haben und sie durchschauen auch nicht die ganzen Sexualpraktiken. Das beste Beispiel ist Ameland, die Kiddies wissen halt nicht, dass man nicht einfach alles mögliche in jeden Hintern stecken kann. Sie übernehmen unreflektiert das was sie sehen. Das finde ich bei einigen Fetischen, die einen besonnenen Umgang erfordern, problematischer als bei "normalem" Sex.
    Da stimme ich Dir zu, allerdings muß man darauf achten, welche Konsequenz man zieht. Zu sagen, daß z.B. bestimmte Fetische schädlich sind, weil sie in Einzelfällen Leute dazu animieren, wem anders was in den Arsch zu stecken, ist eine induktive Schlußfolgerung. Es gibt immer Leute, die dumm genug sind, Realität und Fiktion, sei es im Film oder im Buch oder im Videospiel, zu verwechseln und dadurch einen riesigen Mist anzurichten.
    In der Antike wurde ja auch schon behauptet, modernes Theater würde die Jugend versauen, und als John Lennon erschossen wurde hieß es, Mark David Chapman habe seine Inspiration aus “The Catcher in the Rye” genommen, und das Buch stand öffentlich in der Kritik. Beispiele aus der letzten Zeit, von Columbine bis Winnenden, brauch ich ja vermutlich nicht mal anführen. Man kann im Umkehrschluß immer alles auf alles zurückführen, das ist ja das tolle Modell, auf das polemische Kritiker sich immer stützen …

    Kennst Du das Beispiel mit dem Wasser? 100% aller Serienmörder konsumieren in den letzten 24 Stunden vor ihrer Tat größere Mengen Wasser. Die induktive Schlußfolgerung ist also, daß Wasser Serienmörder macht.
    Jeder sieht, daß das völlig blödsinnig ist, aber bei kleineren Schnittmengen, z.B. Filmen, nehmen es auf einmal alle für bahre Münze, obwohl es nichts anderes ist. Nur, weil eine kleine Gruppe von Leuten mit irgendwas nicht umgehen kann, kann man es nicht gleich verteufeln. Das wird aber immer wieder gemacht, weil man die Ursachen lieber in der großen Menge sucht (die böse Jugend, das böse Fernsehen, die schlimme Gesellschaft, etc.) anstatt in der kleinen (eine Familie hat Mist gebaut, eine Erziehung ist schiefgegangen).

    Immerhin kann man ohne sich enorm weit aus dem Fenster zu lehnen sagen, daß bestimmt über 99% aller 16-jährigen schonmal einen Porno gesehen haben, und die große Menge trotzdem einen gesunden Umgang mit Sexualität pflegt.

  2. #2
    @Ranmaru
    Ich halte auch nichts davon, wenn pauschal erotische Bilder oder Erotik als sexistisch bezeichnet werden. Bei Bildern fehlt aber auch der ich sag mal menschliche Kontext, es sind eben nur Abbildungen. In Pornos bekommen die Figuren eine rudimentäre Persönlichkeit und bestimmte Verhaltensweisen wodurch die Wirkung auf die Zuschauer schon etwas anders als bei Bildern ist. Nehmen wir als Beispiel mal ein Kind: ich glaube schon, dass bei ihm ein Bilderbuch anders wirkt als eine Kindersendung. Die Erfahrung bei der Sendung ist höchstwahrscheinlich intensiver und hinterlässt einen nachhaltigeren Eindruck. Deswegen denke ich schon, dass man sich mit der Frage auseinandersetzen sollte, ob und wie Pornos die Sicht auf Frauen und Sex beeinflussen.

    Zu den Fetischen: So hab ich aber auch nicht argumentiert. Natürlich macht Counter Strike nicht jeden Spieler zu einem Amokläufer, genauso wie nicht jeder Pornofan Frauen nur als Objekte ansieht und jemand der irgendein Fisting-Video sieht will das nicht gleich an seinem Klassenkameraden ausprobieren. Es geht wie gesagt um den unterschwelligen Einfluss. Den gibt es aber immer, da werden mir die Psychologen sicher zustimmen. Selbst bei Erwachsenen, es ist gar nicht möglich nicht beeinflusst zu werden. Normalerweise kann man mit diesem Einfluss aber umgehen. Problematisch wird es dann, wenn man besonders leicht zu beeinflussen ist - was bei vielen Jugendlichen der Fall ist - oder wenn der Medienkonsum sehr einseitig ist. Konkret bedeutet das:

    Jemand, der viele Fisting-Videos schaut, will das nicht gleich ausprobieren, glaubt aber vielleicht, dass jeder Arsch so dehnbar ist.

    Jemand, der viele Gewaltspiele spielt, möchte nicht gleich seine Schule mit einer Pumpgun besuchen, aber er stumpft vielleicht gegenüber virtueller Gewalt ab und könnte irgendwann auch reale Gewalt als legitimes Mittel ansehen, um Probleme zu lösen.

    Jemand, der viele Pornos schaut, sieht Frauen nicht gleich als minderwertig an, kann aber vielleicht denken, dass Frauen immer bereit zum Sex sind und dass die emotionale Seite beim Pimpern keine Rolle spielt (letzteres glauben doch bestimmt mindestens 99% aller Teenager xD).

    Als extremstes Beispiel nehme ich mal die Japaner. Es gibt durchaus einige japanische Pornos, die so dargestellt werden, als würde es sich um eine Vergewaltigung handeln und bei Hentais ist das praktisch in mindestens 99% aller Fälle so. Das wird dann meistens so dargestellt, als ob die Frauen sich am Anfang anstellen, es später aber doch ganz toll finden vergewaltigt zu werden. Ich gehe fest davon aus, dass diese abscheuliche Heuchelei vielen - ganz besonders den Ultra-Otakus - gar nicht auffällt. Ich will damit nicht sagen, dass sie deswegen alle zu Vergewaltigern werden. Ich meine nur, dass sie vielleicht irgendwann tatsächlich glauben, dass Frauen, die Nein sagen, in Wirklichkeit Ja meinen.

  3. #3
    Diesen Argumenten möchte ich gar nichts entgegensetzen, weil Du absolut recht hast. Beeinflussung findet natürlich statt. Wie Du aber selbst auch schon ganz richtig sagst, kann die große Menge mit diesen Einflüssen umgehen, und das ist der springende Punkt: wenn etwas für die Mehrheit kein Problem ist, dann kann man es nicht für Einzelfälle als Generalursache abstrahieren.

    Von daher finde Aussagen wie “Pornos machen stumpf gegenüber Frauen/Sex” oder auch “Counter Strike provoziert Schulschießereien” einfach ziemlich kurzsichtig, und sehe auch folgerichtig keinen Grund, da irgendwelche Sanktionen oder Zensurmechanismen anzusetzen.
    Btw möchte ich Dir auch gar nicht unterstellen, daß das Deine Intention ist. Ich habe Deinen Post nur als Beispiel herausgegriffen, weil er so schön gepaßt hatte.

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