Oh Gott. Kristina Schröder kann mit dem Wortfeld "Institutionalisierung" nichts anfangen. Ist schon Scheiße, wenn man als FSFJ-Ministerin die Drucksachen des BMFSFJ nicht verstehen kann.

O-Ton Schröder: "Herpdie Dörp."

Ich schiebe seit einem Jahr eine Arbeit zu Schröders Buch "Danke, emanzipiert sind wir selber!" vor mir her und arbeite immer mal wieder daran, jetzt muss ich so langsam fertig werden. Und die Frau macht es mir echt schwer, nicht einfach "Haha! Die ist so dämlich!" zu schreiben.

Da zitiert sie halt mal den Ersten Gleichstellungsberich ihres Ministeriums kontextentbunden und ignoriert vollkommen, dass den Delegierten ein Renormatisierungsprozess vorschwebt (jede Gleichstellungspolitik richtet sich gegen vorherrschende Leitnormen, ist gleichzeitig aber selbst normativ, heißt es verkürzt dargestellt). Und sie pocht auf "individuelle Präferenzen", die im Bericht NIE losgelöst von institutionalisierten Leit- und Rollenbildern genannt werden. Der gesamte Komplex "Werte(-vorstellungen)" im Bericht besteht aus einer Trias an politisch-institutionellen Leitbildern, institutionalisierten Rollenbildern (und -stereotypen) und jenen individuellen Präferenzen (=Wertsetzungen). Sie versteht weder, dass dieser fesche Zusammenhang realiter jede individuelle Entscheidung nachhaltig beeinflusst, noch dass 'institutionell/institutionalisiert' heißt, dass der Handlungsbedarf unter anderem und vor allem an ihr Ministerium gerichtet ist. Sie sieht den impetus nicht, den der Bericht formuliert. Darüber hinaus gibt es eine Studie und einen Einkommensbericht, die von ihrem Ministerium in Auftrag gegeben wurden und ihr vorliegen müssen, die sie geflissentlich mit der Phrase, O-Ton, "Aber die 23% [Gehaltsunterschied zwischen männlichen und weiblichen Erwerbstätigen gleicher Eignung] kommen ja auf Grundlage der individuellen Präferenzen zustande" übergeht.

Sie kann weder mit Werte-Institutionalisierung noch mit dem derzeit gültigen Menschenbild (das wird im Gleichstellungsbericht allein dreimal problematisiert) etwas anfangen und urteilt auf Grundlage dessen und verhelfs von Spekulationen ("Ja aber Frauen arbeiten ja auch viel mehr Teilzeit und sind halt nicht so karriereorientiert." -- selbst wenn: das ist verdammt nochmal ein schlechter Zustand, Frau Herpdie Dörp), dass überhaupt kein inhaltlicher Handlungsbedarf besteht. Die Probleme sind ja alle in den Köpfen von Strukturkonservativen und Weltanschauungsfeministen, die Politik läuft spitze.

Und neue Kita-Plätze zu bekommen "wird schwierig", aber offensichtlich ist es möglich, es weiß nur keiner wie. Und überhaupt ist der derzeitige, reale Stand der Familienpolitik völlig rosig, es gibt überhaupt keinen Handlungsbedarf. So kann man zwar weder die Berichte, noch die vorliegenden Studien deuten, aber man kann es dann eben doch, wenn man Frau Schröders Flexiquoten-Scheuklappen trägt. Die Frau übrigens, die fast drei Jahre gebraucht hat, auch nur auf den Gedanken des Familiensplittings zu kommen.