Die Entladungen ihrer Ausgekochtheit haben sich ein anderes Ziel gesucht, seit ich ihr beibringen konnte, das Klo zu spülen, die Kühlschranktür zu schließen und den Herd auszumachen, wenn die jeweilig damit verbundenen Tätigkeiten erfolgreich abgeschlossen sind. Momentan verclincht sie sich mit ihrem Freund, der Filme macht, weil der es doch tatsächlich wagt, einen Film mit seiner Ex-Freundin, die Schauspielerin ist, zu planen. Die beiden kennen sich seit Jahren und sind beide schon seit Jahren in dem Geschäft, Madame hat letzten Monat an einem Filmprojekt mitgewirkt (ein Engagement, dass nur durch den Freund zustande gekommen ist) und hat jetzt das außerordentlich begründete Gefühl, dass besagte Ex-Freundin (erneut!) in ihr Territorium eindringt, wie sie ihr auch überhaupt alles immer nur nachmacht, man ist ja immerhin Dreh- und Angelpunkt der Welt.
Ende letzter Woche ist dieser Clinch offenbar in einem Ultimatum geendet, entweder der Freund gibt das Projekt auf (und verliert sein Gesicht vor der beteiligten Filmwerkstatt) oder die Beziehung wird beendet, weil sie es nicht aushalten kann, von dieser Person immer und immer wieder angefeindet zu werden (die mit Madame in den letzten 12 Monaten genau einmal etwas zu tun hatte, nämlich als Madame scheiße über besagte Ex-Freundin rumerzählt hat).
Aber das finde ich eher amüsant als wütenswert; der Freund tut mir leid, allerdings kann ich ihm da auch nicht helfen und so wirklich kennen tu ich ihn auch nicht, deshalb saß ich vorhin in der Küche, hab mir die Sache erzählen lassen, habe genickt und insgeheim bereut, unterwegs kein Popcorn besorgt zu haben. Ist wie ne schlechte Daily-Soap mit unheimlich ausgefallener Charakterzeichnung. Einziger Nachteil ist, dass Madame in den nächsten Wochen aus Frust vermutlich furchtbar viel kochen und backen wird, was dazu führt, dass in der ganzen Wohnung das Licht brennt (die Lektion mit den Ein-und-Ausschaltern, die dazu dienen, nicht ausschließlich für die Motten zu leuchten, ist noch in Arbeit) und man sich in der Küche durch einen Berg an Tupperware zu kämpfen hat.





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