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Thema: Ist selbstgemachte Grafik über jede Kritik erhaben?

Baum-Darstellung

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  1. #11
    Ich hab den Thread jetzt bis auf den OP-Beitrag mehr oder weniger überflogen und ich kenne auch die vorangegangene Diskussion nicht. Kurzum: Bin grad zu faul, mich mit was anderem, als meiner eigenen Meinung zum Thema auseinander zu setzen.


    Ich finde es auf jeden Fall falsch, von selbstgemachter Grafik die selben kompositorische Vielfalt zu erwarten, wie man das sonst tun könnte. Ich halte es schon für beachtenswert, dass eigene Grafikstile (ich gehe davon aus, dass wir hier nicht nur vom Umpixeln sprechen) auch eigenen Standards entsprechen und sich dementsprechend dem Zeit- und Arbeitsaufwand des Erstellers beugen. Natürlich ist "Ich hatte keinen Bock, noch mehr zu machen" kein valides Argument, wohl aber sollte der erheblich größere Arbeitsaufwand bei Detailarbeiten und Änderungen berücksichtigt werden dürfen.

    Wohlgemerkt geht es mir hier um den subjektiven Standpunkt inklusive der subjektiven Einstellung gegenüber einem Spiel mit grafischen Eigenheiten. Das ändert natürlich nichts daran, dass Kritik meiner bescheidenen Meinung nach grundsätzlich auf alles hinweisen kann, was auch nur im entferntesten hilfreich und konstruktiv ist - und das sind hier die Schlüsselworte, Kritik, die anders mit Arbeiten umgeht, ist stets zu unterlassen und zu ignorieren.


    Ich meine vor allem, dass Kelven hier mit der Unterscheidung zwischen objektiver, handwerklicher Qualität und subjektiver Ästhetik ziemlich gute Vorgaben macht. Ich persönlich bin sehr darauf bedacht, mich in Kritiken auf das handwerkliche zu beschränken und meinen ästhetischen Eindruck nur randnotizenhaft wiederzugeben, weil er für den Ersteller keine sonderlich wertvolle oder zumindest keine brisante Information darstellt (darstellen sollte). Der subjektive Eindruck spielt aber denke ich auch hier eine gute Rolle, vor allem was eben Komposition und Detailreichtum anbelangt, denn auch hier kennt jeder sein eigenes Maß. Da das gänzlich vom stilistischen Charakter einer Grafik/Grafikreihe absieht, finde ich, kann man hier auch schlecht zwischen handwerklicher und ästhetischer Qualität unterscheiden, weil erstere automatisch zweitere umsetzen will (anders als im Stil der Grafik, wo ästhetischer Eindruck, aber keine ästhetische Qualität existiert).


    Ich für meinen Teil versuche vorwiegend auch, Kritik und persönliche Ansprüche voneinander zu trennen. So selten auch ich mich mittlerweile tatsächlich zu Spielen und ihrer Grafik äußere, viele Spiele mit eigener Grafik gefallen mir schlicht und ergreifend nicht. Ich sehe aber den handwerklichen Aufwand dahinter, genauso wie den Willen zu einer vielfältigen und hübschen Komposition und rechne das dem Ersteller durchaus an - und wenn wichtigere Aspekte wie die Story mich ansprechen, bin ich dem Spiel vielleicht sogar sehr zugewandt. Das hat aber auch immer etwas mit der Thematik des Spiels zu tun, beispielsweise habe ich wenig für Dämonen-/Krabbeltierkram übrig, Spiele in entsprechend konzipierter Grafik, die auch würlich ein dämonisch-krabbeltieriges Flair vermitteln, treffen meinen Geschmack nicht.


    Was ich sehr interessant finde, ist die Tatsache, dass manche optische Reize auch über grafische Unzulänglichkeiten hinwegtäuschen können. Viele französische Spiele gehen mit diesem Phänomen um (ganz einfach, weil bestimmte Bildeffekte dort in größeren Projekten ein Qualitätsmerkmal darstellen, welches sich auf die Community beschränkt). Beispielsweise die Grafik von Sarcia gefällt mir nicht - die brillanten Lichteffekte reichen mir aber mysteriöserweise als Eye-Candy aus, um das zu kompensieren. Die alten Grafikversionen von Aëdemphia (bevor Nornor den Stil vereinheitlicht und getuned hat) fand ich grässlich, abgesehen davon waren die Maps ziemlich grausig aufgebaut (sind sie teilweise heute noch) - aber es gab eben kleine Elemente und kompositorische Give-Aways, die das haben vergessen lassen und das eigentliche grafische Potential schon vorwegnahmen.


    Am angenehmsten finde ich M&B-ähnliche bzw. beim RMXP die RTP-ähnlichen Grafiken, wobei ich wiederum sagen muss, dass die Tall-Grafiken mir in der Hinsicht eher zusagen als die kleinen Knubbelviecher. Ich muss hier in jedem Fall feststellen, dass einfach eine stimmige Balance in Farbgebungen und Proportionen vorherrscht und der Stil nichts herausragendes, aber gerade deshalb sehr solide und akzeptabel ist. Gerippte Grafiken aus diesem oder jenem Kultspiel (von denen ich die wenigsten kennen würde) sind mir in der Regel nicht sympatisch, einfach weil die Qualität zu wünschen übrig lässt und/oder sie schlecht und unfertig Anwendung finden.

    Es kommt dann im Endeffekt auch auf die Umsetzung in der eigentlichen Map an. Meiner Meinung nach kann man mit Standard-Chipsets/Tilesets wirklich einiges rausholen, wenn man nur ein gewisses Gespür für Komposition und Detailvielfalt hat. Bei eigenen Grafiken neigen viele dazu, einzelne Elemente besonders detailfreundlich und besonders herauszustellen, das wiederum auf Kosten der restlichen grafischen Teilstücke, welche dahinter zurückstehen und zu einem sich wiederholenden Einheitsbrei verkommen.

    Was mir vor allem auffällt: Viele der Ersteller eigener Grafiken arbeiten entweder zu schlampig oder zu geometrisch, es gibt zwar eine wünschenswerte Anzahl an Perfektionisten und Leuten mit allgemeingültigem ästhetischen Gespür, allerdings denken eben auch viele, dass selbst erstellte Grafiken ein Feature darstellen (überhaupt muss ich sagen, finde ich es vollkommen belanglos, was für Features ein Spiel nun vorzuweisen hat, es gibt 3 Grundelemente, die stimmen müssen, Story, Grafik und Gameplay, alles weitere ist irrelevant). Das ist aber nur dann der Fall, wenn sie auch die entsprechende Qualität vorweisen.



    Long story short: Kritik sollte dem Ersteller hilfreich sein, damit geht einher, dass man ein Stück weit auch auf dessen eigene Zielsetzungen, Vorstellungen und Ansprüche eingeht. Es nützt niemandem was, wenn handwerklich schlechte Grafiken zugunsten des "selbstgemachte Grafik ahoi!"-Hypes über den grünen Klee gelobt werden, genauso wenig wie es sinnträchtig ist, wenn man Grafiken unabhängig von ihrer Qualität frei nach dem Motto "gefällt mir nich, ist scheiße"-Prinzip bewertet. Natürlich sollen persönliche Eindrücke immer mit einfließen, dazu ist Kritik da, aber sie verfehlt ihr Ziel, sobald man keinerlei konstruktiven Hinweise oder Vorschläge leisten kann. Und wenn ich etwas über alle Maßen hässlich finde, kann ich das auch für mich behalten, weil ich abwägen kann, ob handwerklich etwas dahintersteckt. Natürlich kann und soll man weiterhin Leute mit der Nase auf ihre Arbeit stoßen, wenn diese schlampig und unausgereift, praktisch also vollkommen für den Papierkorb ist.


    Es ist übrigens das alte Spiel: Kritik an selbstgemachten Sachen werden IMMER als Kritik an der eigenen Person verstanden, weshalb sie auch dementsprechend umsichtig und respektorientiert sein sollte. Das trifft auf absolut jede Kritik zu, die sich an den Ersteller einer Arbeit richtet. Man soll gern offen und rücksichtslos ansprechen können, was an fremden Materialien verwendet wurde. Da können in entsprechedem Maße auch mal Kraftausdrücke fallen, die Macher werden's ja so schnell nich an den Hals kriegen. Es ist aber eine Frage des grundlegenden Respektes gegenüber einer anderen Person, ihr höflich und sachlich zu begegnen, wenn es um ihre Werke geht, wie abstoßen diese einem auch immer erscheinen mögen.
    Ich kann mir beispielsweise nicht vorstellen, dass Lucien sich sehr viel mehr aus dem Beitrag von arson-sks nehmen kann, als dass dieser ihn offen beleidigen wollte. Und ich persönlich hätte an seiner Stelle den selben Eindruck. Natürlich gibt es bestimmte Ausdrucksebenen, die man im Internet eher anschlagen kann, beispielsweise würde ich tatsächlich auch mitgehen, "beschissen" nicht wirklich als Beleidigung aufzufassen, aber die Werke eines anderen als "Darmausscheidung" zu bezeichnen oder den Ersteller als "schwerbehinderten, blinden Baumschüler mit schwerer Motorik-Störung" zu vermuten, geht in jedem öffentlichen Kreis ein gehöriges Stück zu weit. Es geht dabei wie gesagt nicht einmal um das aufgewendete Arbeitspensum oder die tatsächliche Einschätzung der Grafiken, sondern ganz einfach nur um den Umgangston, der jeglichen natürlichen Respekt entbehrt. Und dieser Respekt ist auch im Internet vorauszusetzen, weil man davon auszugehen hat, dass da trotzdem eine lebendige Person angesprochen wird.

    Geändert von Mordechaj (11.07.2010 um 11:59 Uhr)

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