Naja du kennst das doch bestimmt: Der Kanon im Kopf. Man malt sich selbst vage aus, was da alles gelaufen ist, anhand der paar Hinweise, die man in den bisherigen Filmen bekommen hat. Und dann, Jahrzehnte später, machen sie einen Film zum Thema, legen alles fest und lassen nichts unberührt. Auch wenn die eigenen Vorstellungen in eine ganz andere Richtung gegangen sein könnten. Ein grundsätzliches Prequel-Problem, mit dem auch Episode I bis III zu kämpfen hatten. Besonders in Bezug auf Anakin /Darth Vader.
Was mich jedoch speziell an diesem vorliegenden Fall nervt, und was schon vor Monaten bestätigt worden ist: Sie nehmen für den Han Solo Film echt jede winzige Erwähnung, jeden Zusammenhang, den man aus der Originaltrilogie hat, und basteln den Film drum herum. Du wirst erfahren, wie er an den Millennium Falken kam, wahrscheinlich wie er Chewie und Lando und was weiß ich wen noch alles ursprünglich kennenlernte, und am Ende sollst du anhand einer einzigen kurzen Geschichte gesehen haben, wie exakt der Typ "entstanden" ist, den wir aus den früheren Star Wars Filmen kennen. Doch meiner Ansicht nach gibt es so etwas wie zu viel Erklärungen. Das sind Fragen, die für Fans nicht unbedingt beantwortet werden müssen, es waren nur Anekdoten aus einem langen Schmugglerleben. Das neue Spin-off wird diese Dinge auf ein Podest stellen und zum Kern der Erzählung machen, anstatt einfach "irgendeine" spannende Episode aus Hans Vergangenheit zu erzählen, sodass der Eindruck gewahrt bleibt, es gäbe noch viel mehr von der Sorte. Manche Dinge bleiben besser im Dunkeln.
Im aktuellen Fluch der Karibik 5 erfahren wir, wie Jack Sparrow an seinen Hut und sein Haar-Anhängsel-Talisman gekommen ist, und der Film tut so, als sei das eine riesengroße Sache. Ist es nicht, das interessiert kaum jemanden, vor allem nicht wenn es so holprig und mit viel Pathos integriert wurde. Stattdessen sollten sich die Autoren ganz darauf konzentrieren, eine gute Geschichte zu erzählen. Ein bisschen unauffälliger Fanservice nebenbei ist ja noch okay, aber das sollte niemals die Grundlage bzw. zu wichtigen Handlungspunkten aufgepumpt werden. Fühlt sich imho unnatürlich an, als hätte das in den Drehbuchautoren manifestierte Schicksal seine Finger im Spiel. Anakin Skywalker hat C3PO gebaut, das meine ich damit. Was für ein krasser Zufall, rückblickend betrachtet. Ich befürchte, zumindest generell wird der Han Solo Film ein wenig in diese Richtung driften, selbst wenn alles andere wunderbar funktioniert, einfach weil den Verantwortlichen nichts besseres einfällt und sie glauben, das würden die meisten Leute so erwarten.
Hab schon gelesen, dass es vielen damit so ähnlich geht wie mir. Klar, da hat es gewiss schonmal Romane und anderes Tie-in-Material aus dem ehemaligen Expanded Universe gegeben, aber es bekommt natürlich nochmal einen ganz anderen Stellenwert, wenn so etwas tatsächlich als große Kinoversion verfilmt wird. Ich hoffe wie gesagt wirklich, dass das nächste Spin-off wieder weniger ikonische Verbindungen zum Rest der Saga hat, und sich zentral um weitgehend unbekannte oder komplett neue Charaktere dreht (eine Story über Kopfgeldjäger, in der Boba Fett nur Teil eines Ensembles ist und nicht die Hauptrolle im Fokus darstellt, wäre eine vernünftige und realistische Option, denke ich).






Zitieren




