=(Z)= Diestelfried; Kurz vor dem Vulkanausbruch; Hylianische Steppe, nahe Kakariko =(Z)=
"Soweit, so gut." dachte sich der Deku, nachdem er ohne weitere Vorkommnisse seine Heimat verlassen und sich auf den Weg nach Kakariko gemacht hatte. Niemand hatte ihn behelligt, noch ist er auf unüberwindbare Hindernisse gestoßen. Einzig seine kurzen Beine, das doch recht hohe Gras und die Tatsache, daß Diestelfried in seinem ganzen Leben nie die Eindrücke einer großen, freien Ebene genossen hatte, trugen dazu bei, daß er nicht sonderlich schnell vorangekommen war.
Man stelle sich vor, sechszehn Jahre lang in einem Höhlensystem verbracht zu haben und außer Seinesgleichen und einiger Monster und kleiner Tiere keinem anderen Lebewesen begegnet zu sein und dann unter den freien Himmel getreten zu sein, ganz zu schweigen von den Dingen und Wesen, die unter ihm lebten.
Nein, aufregend war gar kein Ausdruck für das, was Diestelfried empfand. All die Geschichten der Händler, die sie mit Rubinen und Waren zurückbrachten konnten ihn nicht im gerigsten darauf vorbereiten, was ihn außerhalb der Kolonie erwartete. Dies war das wirkliche Leben, so dachte er.
Nachdem er sich zuvor an einem Bach gestärkt hatte, machte er sich auf den weiteren Weg. Fröhlich ein Lied pfeifend, stapfte er die Straße entlang, als plötzlich ein tiefes Grollen erklang. Neugierig und vor allem nervös blickte sich der Deku um. Doch konnte er in seiner Umgebung nichts ausmachen. Energisch kniff er die Augen zusammen, damit ihm auch ja nichts entgehen sollte. Sekundenlang verharrte er bewegungslos und ließ seine Augen hin und herwandern, aber vergebens. Da war einfach nichts, was dieses Geräusch hätte verursachen können.
Just in dem Moment, in dem er beschlossen hatte, das Ganze auf sich beruhen zu lassen, ertöhnte ein pfeifender Ton, der zunehmend lauter wurde. Überrascht über die Intensität des Tones und sich darüber wundernd, wem es gelang, so zu pfeifen, blickte Diestelfried sich erneut neugierig um. Doch noch immer war keine Seele zu sehen und allmählich zweifelte der Deku an seinem Verstand.
Nicht nur einmal hatte er von den Händlern gehört, wie verrückt diese "Außenbewohner" waren und man sich besser nicht zu lange unter ihnen aufhalten solle, wenn man nicht auch den Verstand verlieren wolle.
Plötzlich kam Diestelfried eine jähe Erkenntnis. Es muß an der Landschaft liegen! Man steckt sich nicht bei den Außenbewohnern an, sondern wurde verrückt, wenn man hier lebte. Er nickte sich anerkennend zu. Auf jeden Fall würde er davon berichten, wenn er zurück war. Bis dahin wollte er allerdings ergründen, woran es lag, daß man hier verrückt wurde.
"Es könnte an diesem riesigen Platz liegen, einfach keine Grenzen." sinnierte der Deku, bevor er unterbrochen wurde in seinen Gedanken.
Ohne es zu bemerken, war das Pfeifen deutlich lauter geworden und seine Ursache urplötzlich in Diestelfrieds unmittelbarer Umgebung aufgetaucht. Es handelte sich um einen weißglühenden Felsbrocken, welcher den Deku um gute drei Längen überragte und nun direkt neben dem armen Kerl aufschlug. Ohne zu wissen, wie ihm geschah, wurde der Deku durch den Druck des Aufpralls weggeschleudert. Unsanft kam er etwa fünfzehn Meter vom Aufprallort aus auf. Er schüttelte den Kopf, um zu begreifen, was da gerade geschehen war. Nicht weit von ihm lag immer noch dieser riesige (und in den Augen eines Wesens, das gerade einmal 55 cm mißt, ist so einiges riesig) glühende Klumpen, der eine unerträgliche Hitze mit sich gebracht hatte. Als der Schmerz am Hinterkopf nachließ, nahm Diestelfried den beißenden Geruch war. Doch recht spät merkte er, daß die Blätter an seiner rechten Schulter von einigen Funken zerfressen worden war und kleine Rauchfahnen davon aufstiegen.
Sofort sprang er aus dem Sitzen auf, um sich einmal in der Luft zu drehen und dann auf die Schulter zu werfen, um diese auf dem Boden zu wälzen. Nichts war schlimmer als Feuer, das brachte man einem jeden Deku-Kind von einem Jahr bei. (Wobei Raupen auch kein gern gesehener Gast waren, aber die bekam man eigentlich nur bei mangelnder Hygiene. Nicht, daß Diestelfried Erfahrungend amit gemacht hätte. Zumindest keine, über die er reden würde)
Nachdem er sichergestellt hatte, daß er auch wirklich an keiner Stelle mehr brannte oder glühte, ergriff er die Flucht vor diesem hitzebringenden Ungetüm. Es fehlte nur noch, daß er davon zu Asche verarbeitet wurde. Schnellen Schrittes eilte er davon, seinem Ziel entgegen. Der Himmel bot nun ein wahres Schauspiel der Flammen und des Rauches und auch die Geräusche nahmen zu und sorgte für eine beunruhigende Stimme. War es wirklich die richtige Entscheidung, sich dem Berg zu nähern, anstatt nach hause in die sicheren Höhlen zu flüchten?
"Nun, diese Frage ist sicherlich leicht zu beantworten." kam Diestelfried schließlich zu dem Schluß, als er keuchend und schwitzend an dem Wegweiser lehnte, der Kakriko in einem Kilometer Entfernung ankündigte. Das grauenvolle Spektakel war vorüber und die Welt wieder still.
Erleichtert trat Diestelfried die letzten Schritte an, neugierig, was ihn in einer Kolonie der Außenweltler erwarten würde.








