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4.Du bist zu sehr in deine Sätze verliebt.[...]
Ich glaube, ich verstehe in etwa, was du damit meinst, in das "zu sehr" kann ich aber letztendlich wenig hineindeuten. Ist diese Verliebtheit zu offensichtlich und wirkt das irgendwie hämisch oder arrogant?
-"zu sehr", weil man nach meiner Auffassung als Schreibender seinen Sätzen in erster Instanz uneingeschränkte Liebe entgegenbringen muss. "Geliebt" sind die Sätze dann bereit hinterfragt zu werden: Ist das wirklich der richtige Ton, das richtige Bild, das ich mit diesem Satz treffe oder steht er nur als "verschwommenes", "poetisches", bestaunbares weil unklares Kunstwerk da -was ich im Übrigen für deinen Text insgesamt als Gefahr sehe, dass hinter dem schönen Schein der einzelnen Sätze sich die Gedanken verlieren und kein Gefüge sich finden wird

zur Handlung/Aktion:
da ich selbst durchgeistigte Texte fabriziere in denen ich immer wieder damit kämpfe, die eigentliche Handlung aufrechtzuerhalten, scheint es für mich hier wie vor Augen geführt, was passiert, wenn kein Handlungsbogen erkennbar ist. Unterschätze die Wirkung nicht und auch nicht den Spaß, denn man als Autor dabei haben kann, wenn man einfach mal Action! schreit.

Kennst du Knut Hamsuns Hunger? Wenn nicht, lies ihn. Hier hast du die Geschichte von einem, der durch Hunger in den Wahnsinn getrieben wird. Wie Hamsun das aus dem Text heraus entwickelt, die einzelnen Stadien (du könntest dein 5- stufiges Modell- das ich im übrigen gut finde aber bisher noch nicht erkennbar ist) wohl beobachtet durchläuft (das für den Leser im nachvollziehbar macht), mit welcher Physis er seinen Text gliedert, ich glaube da könntest du einmal genauer hinschauen. 2009 in einer guten neuen Übersetzung von Siegfried Weibel und mit einem erhellenden Nachwort von Daniel Kehlmann im Claassen Verlag erschienen.

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Mir sind feste Formen und Klanghaftigkeit derzeitig auch zu sperrig, um darin umsetzen zu können, was ich letztendlich aussagen will
-wer spricht den heute noch von "festen Formen" oder "Klanghaftigkeit"? Viel mehr hast du, weil du Poetisches stehen lassen darfst, dir allein die Bildersprache genügt und du nur den einen Moment ohne kontextuelle Bezüge schildern kannst, alle Freiheiten.
Eine Übung die ich im Übrigen immer wieder mache: Prosatexte in Lyrik zu "verdichten", um sich bewusst um die Essenz des Textes zu machen.

Bin am WS 2009 am DLL gescheitert. Werde mich dieses Jahr wieder bewerben, dazu in Hildesheim und Bern. Du hast recht, die Ausbildung ist natürlich einseitig. Man muss sich nur einmal die Veröffentlichungen der Absolventen ansehen. Trotzdem möchte ich es zumindest versucht haben. Allein wegen dem Luxus sich in einem Studium mit Zeit seinem eigenen Schreiben widmen zu können. Und natürlich wäre eine Annahme eine Maßnahme gegen all die Zweifel...
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Mit einem Normalostudium in Deutscher Literatur und Sprache bin ich da sicher flexibler und kann das auch mit Französisch koppeln, ohne ein Parallelstudium anzufangen
-flexibler wofür? Hat Hamburg einen guten Ruf für Germanistik? Bisher habe ich immer nur von den guten Unis im Süden, besonders Südwesten (Tübingen, Konstanz, Freiburg) gehört.