Aber was ändert das nun an der Thematik? Sehstörungen sind in den meisten Fällen auch den Betroffenen zuzuschreiben und Zahnärzte haben auch nicht ohne Grund immer so unglaublich moderne Praxen, die besser möbliert sind als manches Eigenheim. Schlafmangel führt erwiesenerweise zu einer Hand voll psychischer Probleme, verschiedenen Krankheitsbildern mit chronischem Verlauf und zu abgeschwächter Deprivationssymptomatik, aber frag mal jemanden im Schichtdienst, einen angehenden Abiturienten oder einen beliebigen anderen "gesunden" Menschen nach seinem Schlafrhythmus.
Darüber hinaus: Liest tatsächlich jemand die Inhaltsstoffe und Brennwerte auf der Verpackungsrückseite und erstellt sich selbst einen Ernährungsplan, ohne dabei für komplett bescheuert gehalten zu werden? Ich will mich nicht jeden Tag darum kümmern müssen, dass ich genug, aber nicht zu viel und vor allem das Richtige esse. Wir müssen nicht alle leben wie mit einer Lebererkrankung oder einer Schilddrüsenunter- oder überfunktion und es kann auch nicht jeder so schlecht kochen, dass man die 80%-Sättigungs-Tortur wirklich durchzieht.
Und darüber auch noch hinaus: Auf jeden Fetten kommt eine Mutter, die ihre Kinder ohne Bedenken vor irgendwelche Bildschirme pflanzt und auf jedes fette Kind mit Brille kommen täglich 2 genveränderte Schweinföten, die für den Welthunger gemestet, ausgeweidet, geschlachtet und zu Gesichtsmortadella verarbeitet werden. Auf jede Gesichtsmortadella kommt ein krebserregender Inhaltsstoff in Fabriklebensmitteln, auf jeden Inhaltsstoff kommt eine gestresste Mutter von 3 fettleibigen Kindern mit Brille, die den Stress sprichwörtlich in sich hineinfrisst. Und das ist die Norm, nicht die Person.
Bei der Argumentation, Leute wären für ihre eigene Verfassung selbst verantwortlich, beißt sich die Katze nicht nur schon seit langem in den eigenen Schwanz, der Begriff der Verantwortung ist dabei auch schon lange kollektiv und damit nichtig geworden.
Es ist in diesem Sinne auch sinnlos, nur solche Leute von jeder Selbstschuld loszusprechen, deren Zustand eine genetische Ursache hat. Genauso gut können wir wieder nach verkleinerten Hirnarealen bei Schwerverbrechern suchen und den Japanern die Schuld für die steigenden Milchpreise geben. Die Welt wäre viel zu schön, wenn alles auf eine ganz einseitige Ursache zurückzuführen wäre; Menschen mit Morbus Meulengracht wären endlich anerkannte Kranke, weil eine gesteigerte Schwermetallansammlung im Körper praktisch alles auslösen kann, der Kinderarzt kann feststellen, ob das Baby irgendwann mal depressiv oder schizophren wird und aus 7 Milliarden potentiellen Epileptikern wird das Volk der Epileptiker, weil Multifaktoren keine Rolle mehr spielen.
In der Kurzform: Ja, es macht einen Unterschied, ob ich einen adipösen oder einen abgemagerten Krebspatienten auf die Bettpfanne setze. Verdient haben die Bettpfanne aber beide gleichermaßen und das nicht nur, weil wir ach so tolle humanistische Grundsätze haben und die Dicken vor 40 Jahren noch erschossen hätten.
Im Übrigen ist Fettleibigkeit in einer Gesellschaft mit einem Anteil von 35-55% Übergewichtiger in der Bevölkerung kein persönliches Problem mehr, sondern ein gesellschaftliches. Ähnlich ist das bei 60% Brillenträgern.
Naja, und diese Markerschreibboards könnten auch mal linkshänderfreundlich werden. Nur um damit für heute genug gesellschaftliche Missstände angesprochen zu haben.
Hab ich etwa am Thema vorbeiredet und bin zu weit ausgeschweift? Sorry, ich hab das Schwafelgen. Kann man nix machen.

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