Ihr Aufpasser ist zumindest äußerlich nicht besonders beeindruckt von ihrer Schimpftirade. Vielleicht ist er aber auch nur gut trainiert. Die Sklaven der alten Therana waren ähnlich gleichmütig, erinnert sich Teleri.
Dennoch hat sie mit ihrem Auftritt ihr Ziel zumindest vorläufig erreicht. Sie hat sich diesen Raum zurückerobert, nachdem Zirkon sie wieder auf ihr Zimmer geschickt hatte. Ein Sieg, und sei er noch so klein. Bisher macht Gravir jedenfalls keine Anstalten, sie wieder in ihre Kemenate zurückzuschleifen.
Er wendet sich ab und geht zu ein paar Schränken hinüber, die der Alchemistin zuvor entgangen waren. Leise klirrt Glas.
Mit einer dunklen Flasche in der Hand kehrt er zu ihr zurück. Teleri verstaut ihr Werkzeug wieder in der kleinen Tasche an ihrer Seite. Als Fokus für ihre Konzentration hat es seinen Zweck erfüllt.
"Sujamma haben wir leider nicht, aber ich hoffe, daß Euch eine Flasche Wein vom Festland auch genügt", sagt er, als er das Getränk vor ihr abstellt. "Nebenbei bemerkt habt Ihr Recht, Ihr sollt überleben - das schließt jedoch nicht aus, daß ich Maßnahmen ergreifen darf, welche Euch ein wenig zur Vernunft bringen sollten."
Teleri nimmt die Flasche auf. Nach der letzten Bemerkung überlegt sie für einen kurzen Moment, damit nach dem Wiedergänger zu werfen, überlegt es sich aber lieber wieder anders. Wer weiß, vielleicht ist das die einzige Pulle, die sie hier unten haben. Zudem will ich mir mein kleines Stück Freiheit nicht gleich wieder verspielen... und außerdem... es kann sprechen, und noch dazu so kultiviert. Das war auch schon an Zirkon so auffällig. Wer oder was sind diese Kerle eigentlich? Die Vampirexemplare, von denen ich bisher gelesen habe, sollten viel triebhafter sein - selbst dann, wenn man die Tempelpropaganda außer acht läßt. Seltsam.
Mißtrauisch schnuppert sie an dem unbekannten Getränk. Es riecht intensiv und ein bißchen süß nach etwas, das sie nicht kennt, vermutlich irgendeine Frucht.
Vorsichtig schüttet sie ein paar Tropfen der Flüssigkeit auf die Tischplatte. Selbst in dem dämmrigen Licht ist die granatrote Färbung unverkennbar. Heftig zuckt Teleri zusammen.
Gravir kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. "Keine Angst. Es ist kein Blut." bemerkt er amüsiert.
Vorsichtig tippt sie eine Fingerspitze in die Pfütze auf der Tischplatte. Offenbar ist es nichts, was einer Dunmer das Fleisch von den Knochen ätzt. Abermals hebt die Alchemistin die Flasche und liest mit einiger Mühe, was auf dem Etikett steht.
"Ta - mik -a", buchstabiert sie. Dann, halblaut: "Können diese Kaiserlichen nicht einfach in daedrisch schreiben, wie jeder normale Mer auch?"

Gravir hat sie bei der Inspizierung des Flascheninhalts die ganze Zeit über beobachtet. Auf den ersten Blick wirkt er weiterhin gleichmütig, aber wenn man genau hinschaut, bemerkt man vielleicht ein kleines Zucken der Mundwinkel. Jetzt kann er sich scheinbar eine kleine Spitze nicht verkneifen: "Ach, und nur zu Eurer Information: Rothwardonen haben bei weitem nicht den Haarwuchs der Nord anzubieten, demzufolge ist mein Hemd ganz komfortabel, danke der Nachfrage."
Nach dieser Verkündigung sucht er sich eine Wand zum Anlehnen, diesesmal neben dem Kamin, während er sie weiterhin unablässig beobachtet.
"Ach", mault Teleri nach einigen Sekunden, "ihr Menschen seht doch eh alle gleich aus."
Ihr entgeht jedoch nicht, wie trotzig ihre Entgegnung wirkt, und schenkt dem Vampir ein schiefes Grinsen. "Na schön, Rothwardon" meint sie versöhnlich "ich habe es wirklich nicht erkannt. Ihr seid groß für jemanden von diesem Volk. Und Ihr seid... blaß. Aber seis drum. So wie es aussieht, werden wir es einige Zeit zusammen aushalten müssen. Über mich scheint hier ja jeder bestens Bescheid zu wissen. Aber ich weiß gar nichts über Euch. Erzählt mir ein bißchen, bevor uns die Zeit hier lang wird." Die Telvanni nimmt einen vorsichtigen Schluck aus der Flasche. Sie hatte etwas erwartet, das ähnlich frisch und sauer wie Shein schmeckt. Stattdessen ist dieses Zeug schwer, samtweich und überhaupt nicht sauer, aber auch nicht zu süß. Genießerisch schließt sie die Augen. "Und dieses... Tami'Kahh hier ist wirklich gut. Was auch immer es ist." Sie schaut den Vampir an, in der Hoffnung, daß er ein bißchen erzählen und sie von ihrer mißlichen Lage ablenken möge. Den Rest wird schon der Alkohol übernehmen, wie immer...