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Fossil
Der Vampir starrt sie während ihres ganzen Ausbruchs unbeeindruckt an. Verdammt, du elender Scheißkerl, zeig doch wenigstens irgend eine Reaktion, denkt sie, während sie die aufkeimende Verzweiflung niederkämpft, die angesichts der Ungerührtheit ihres Gegenübers Besitz von ihr ergreift.
Ihre Blicke bleiben ineinander verbissen, aber Teleri merkt, wie sie langsam, fast gegen ihren Willen, immer weiter in ihren Sitz zurücksinkt.
Mit einer plötzlichen Bewegung schnellt der Vampir auf sie zu. Seine Hände sind in die Armlehnen ihres Sessels gekrallt, und sein Gesicht ist nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt, als er zu sprechen beginnt:
"Ihr seid nicht in der Lage um Forderungen zu stellen, Teleri. Haltet Eure Zunge im Zaum."
Die Eiseskälte in der Stimme des Untoten fährt wie ein Schock in ihre Glieder. Sie will ihn anschreien, ihm ihren Zorn entgegenschleudern, in sein Gesicht spucken und ihm die Augen auskratzen!
Aber sie sitzt bewegungsunfähig da wie der Skrib vor der Schlange und wartet auf den unvermeidlichen Hieb.
Welcher nicht folgt.
Langsam weicht der Schwarzhaarige zurück und lehnt sich wieder in seinen Sitz, ohne nur einmal den Blickkontakt zu brechen.
Teleri weiß, daß sie geschlagen ist. Die kühnen Worte, die sie dem Vampir soeben noch entgegengeschleudert hatte, waren ihr letzter -und einziger- Bluff gewesen. Tatsächlich hatte sie einem Wesen, das so schnell, stark und scharfsinnig war, niemals etwas entgegensetzen können. Resigniert schlägt sie die Augen nieder und blickt auf ihre Hände, die sich zu Fäusten verkrampft haben. Ich konnte mich ja noch nicht einmal gegen die mentalen Agriffe seines Handlangers schützen, überlegt sie frustriert. Wie soll ich mich da gegen einen Meister wehren?
Sie weiß nicht wie lange sie dort sitzt, während der Eindruck des Besiegtseins wie eine Flutwelle über ihr zusammenschlägt. Es fühlt sich an wie ein ganzes Zeitalter.
Endlich spricht der Andere wieder, weicher jetzt:
"Nichtsdestotrotz möchte ich mich vorstellen: Mein Name ist Zirkon, und ihr befindet Euch in meinem Reich."
Vorsichtig hebt die Alchemistin den Blick, eine unausgesprochene Frage in den Augen. Mit einem schmalen Lächeln fährt der Vampir fort:
"Oh. Ihr fragt Euch, wo genau das ist." Eine beiläufige Handbewegung. "Direkt unter Balmora. Trotzdem würde ich Euch abermals nicht zur Flucht raten, dies könnten einige meiner Untergebenen falsch verstehen und Eure Flucht zu einer amüsanten Treibjagd verkommen lassen, an deren Ende Ihr... quasi... unter den Teilnehmern... aufgeteilt werdet", sagt er im Plauderton und mit einem leichten Achselzucken. Teleri unterdrückt ein Würgen, als ihr das Ausmaß ihrer mißlichen Lage mit einem Schlag bewußt wird.
Nach einem Moment des Schweigens, in dem sich Zirkon beiläufig im Zimmer umgesehen und seine Wort einwirken lassen hatte, fixiert er sie erneut mit seinem Blick:
"Auch, wenn Ihr mir alles andere als vertraut, habe ich das Gefühl, daß Ihr mir nichts verheimlicht. Dies könntet Ihr auch nicht lange, aber das ist eine andere Angelegenheit."
Diese simple Wahrheit versetzt der Dunmer einen Stich. Ihre Unterweiser im Haus Telvanni hatten sie immer wieder für ihre mangelnde Willensstärke getadelt, die aus ihrer Ungeduld hervorging. Dies ist offenbar die Quittung dafür, daß ich den mentalen Abwehrübungen so wenig Aufmerksamkeit gewidmet habe, denkt sie bitter.
"Mein Handlanger hat anscheinend einen Fehler gemacht", fährt der Wiedergänger fort. "Trotzdem, so beschränkt ist nicht einmal dieser Tölpel. Umsonst hat er Euch nicht entführt, und ich gehe nicht davon aus, daß der einzige Grund Euer ansehnliches Erscheinungsbild war."
Beim letzten Satz horcht Teleri auf: Eine Schwäche, die ich irgendwie nutzen kann? Direkt darauf sinkt ihr Mut wieder. Nein. Nur eine einfache Feststellung, realisiert sie nach einem weiteren verstohlenen Blick in sein Gesicht.
"Darum muß ich noch einmal fragen: Was könnte ihn zu der Annahme verleitet haben, Ihr wüßtet etwas darüber? So völlig unbekannt ist Euch diese Substanz ganz offenbar nicht."
Wieder lehnt Zirkon sich zurück und faltet in dieser elaboriert wirkenden Geste die Hände. Und es ist offensichtlich, daß er nicht weggehen wird, bis er seine Antworten bekommen hat.
Teleris Gedanken rasen. Was will er hören? Was will er hören, verdammt? Ich will leben, ich will hier wieder raus. Mir bleibt gar nichts anderes übrig, als mit ihm zu kooperieren. Ich würde ihm ja sagen, was er wissen will, aber was soll das sein? Sie wünscht sich zurück nach Hause, wünscht sich, Sadrith Mora niemals verlassen zu haben. Sadrith Mora... das ist es! Da hat alles angefangen.
"Ich kam nach Balmora, weil irgendein anderer Alchemist im Suff etwas von einer seltenen alchemistischen Zutat gefaselt hat, die hier zu bekommen sein sollte. Ich weiß nicht, was das für eine Zutat ist. Nur, daß es sich um ein Mineral handeln soll. Und selbst da bin ich mir nicht sicher.
Und hier bin ich auf eine Waldelfe und zwei Nords getroffen, die Ärger anziehen wie eine Kerze die Motten. Und ich habe mich noch gefragt, was die Nords bei einer Alchemistin wollten. Derselben Alchemistin wahrscheinlich, zu der mich die Gildenmagierin geschickt hat, die ich nach der Zutat gefragt habe. Soll ich es ihm sagen? Irwaen, Skarin und der lange Trottel wären dann ebenfalls in Gefahr.
"Ich habe in der hiesigen Magiergilde nachgefragt. Von dort aus schickte man mich weiter zu einem ortsansässigen Alchemisten. Das... ist alles", sagt sie, ohne den Blick zu heben, den sie wieder auf ihre verkrampften Hände gerichtet hat.
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