Angespannt lauscht sie dem Wahnsinn blindwütiger Zerstörung, der sich auf der anderen Seite der Tür abspielt. Das Bersten und Splittern von Holz und anderen Materialien scheint eine Ewigkeit anzuhalten. Schließlich aber verebbt es, entfernt sich, als würde sich ein Sturm legen. Dennoch verbleibt Teleri in ihrer Position und hält die magischen Energien beisammen.
Irgendwann hört sie das leise Rascheln von Gravirs Kleidung, dann das Aufeinanderschlagen von Flintsteinen. Ist der verrückt geworden? Wenn das Licht unter der Tür hindurchscheint, wird es uns ganz sicher verraten. Woher sollen wir wissen, ob wirklich keins von den Biestern mehr in der Nähe ist?
Ein schwacher Schein breitet sich in der Kammer aus, und Teleri hält die Luft an. Aber auf der anderen Seite bleibt alles ruhig. Endlich wendet sie ihren Blick von der Tür ab und schaut zu Gravir. Er wirkt noch gespenstischer als ohnehin schon, jetzt, wo die kleine Lampe sein Gesicht von unten beleuchtet und harte Schatten darauf wirft. Lange Zeit schweigt er. Als er schließlich zu sprechen beginnt, scheint er eher laut seine Gedanken zu sortieren und nicht wirklich eine Antwort zu erwarten:
"Ich frage mich schon die ganze Zeit wie sie es geschafft haben, hier durchzubrechen. Ich habe keine Hoffnung, daß sie irgendwelche Gefangenen gemacht haben; das, was ich draußen sah, läßt keineswegs darauf schließen..." seine Stimme verklingt.
Nimms mir nicht übel, Gravir, aber ich hoffe sehr wohl, daß sie keine Gefangenen gemacht haben...
Er dreht sich zu ihr um, und Teleris Herzschlag stockt für einen Moment. Das hab ich doch nicht etwa laut gesagt...? Scheinbar nicht, denn der Halbvampir ringt sich ein schiefes Grinsen ab: "Wir könnten zwar ewig hier drin bleiben, genug Verpflegung hätten wir, aber das kann ja auch nicht die Erfüllung unserer Träume sein, nicht wahr?" Sie lächelt müde und schüttelt leicht den Kopf. Gravir erhebt sich und geht auf die Tür zu, zögert, lauscht.
"Bleib hier drin, wenn du irgendwas hörst, Kampfgeräusche oder dergleichen", schärft er der Dunkelelfin ein. "Bleib... hier... drin." "Verstanden", flüstert sie, und beobachtet, wie der Kämpfer leise nach draußen schlüpft.
Tatsächlich denkt sie gar nicht daran, in einem solchen Falle still in einer Ecke auszuharren. Lieber riskiert sie es, im Falle eines neuerlichen Angriffs zusammen mit Gravir zerrissen zu werden als darauf zu warten, daß die Goblins sie irgendwann allein hier finden. Zu zweit könnte ihnen ein Ausfall möglicherweise sogar gelingen, aber alleine hätte sie nicht den Hauch einer Chance. Solange es jedoch ruhig bleibt, wird sie warten, beschließt Teleri.

Nach einer Weile, die ihr wie Stunden vorkommt, kehrt der Rothwardon zurück. "Du kannst rauskommen", ruft er leise. Die Alchemistin erhebt sich mit knackenden Knien. Erst jetzt fällt ihr auf, wie taub ihre Beine in der langen Zeit geworden sind, die sie hockend verbracht hat. Langsam tritt sie aus der Kammer heraus und läßt den Blick über das heillose Chaos im Hauptraum gleiten. Es scheint, als sei tatsächlich nichts Verwertbares übriggeblieben. Es grenzt an ein Wunder, daß die Goblins ihr Versteck übersehen haben. Fassungslos schüttelt sie den Kopf und sieht sich suchend nach Gravir um.
Sie entdeckt ihn schließlich, wie er reglos im Türrahmen des Schlafgemachs steht, den Blick starr auf das Werwolfsfell gerichtet, das ebenfalls in Fetzen hängt. Vorsichtig nähert sie sich dem Halbblut und bleibt schließlich einen halben Schritt hinter ihm stehen.

Teleri hebt den Arm, zögert, und legt schließlich ihre Hand ganz sacht auf Gravirs Schulter. "Wir müssen hier weg. Jetzt.", sagt sie sanft. "Raus aus den Kanälen. Hier ist es nicht mehr sicher."
Sie vermutet, daß der Schock den Krieger letztendlich doch eingeholt hat. Kein Wunder. Schließlich hat er soeben alles verloren, was er sich aufgebaut hatte. Er rührt sich nicht. In dem Gemach wie auch draußen auf dem Gang herrscht Totenstille. "Gravir, hast du mich verstanden? Wir müssen hier weg." Sie überlegt einen Augenblick. "Nimm das Fell mit."