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Fossil
Endlich kommt das Essen. Teleri macht sich über das Guarsteak her. Es ist großartig, ebenso die Beilage. Die Sauce könnte etwas weniger salzig sein, aber auch das läßt sich mit einem Schluck Sujamma übertünchen. In dem Maße, wie sie ihren Hunger stillt, kehrt auch das Leben in ihren Körper zurück.
Die drei Reisenden frotzeln eine Zeitlang über die Natur des "Klippenläufer"ragouts, bis der Wirt persönlich an ihrem Tisch vorbeikommt und wort- und gestenreich beteuert, daß es sich tatsächlich um das Fleisch des seltenen Hautflüglers handelt. Als 'Beweis' legt er ein paar Krallen vor, die ebensogut von einem Klippenläufer stammen könnten wie aus dem Sortiment eines geschickten aschländischen Knochenschnitzers.
Die Dunmerin beendet ihre Mahlzeit und streckt die Beine unter dem Tisch aus. Dann wird sie jäh aus ihrem entspannten Gemütszustand gerissen. Die Tavernentür fliegt auf und hinein stolpert und kriecht eine Gestalt, die ihr vage bekannt vorkommt.
"Das gibts doch nicht..." sagt Irwaen leise. Jetzt kann auch Teleri den Kerl einordnen. Das ist der Typ, der ihren Dolch gestohlen hat. Sie erkennt den Umhang wieder. Als die Kapuze zurückrutscht, kann sie sehen, daß es sich um einem Menschen handelt.
Halb erwartet sie, daß die Naturgewalt namens Jolkin hinter dem Gauner in die Taverne tritt (hat dieses kleine Frettchen etwa versucht, den Barbaren zu bestehlen?) - aber niemand folgt dem Mann, der sich völlig aufgelöst über den Boden der Taverne windet, bis er wie ein angepinntes Insekt an der Vertäfelung der Theke verharrt. Aus seinen Augen spricht nackte Panik.
Die Gespräche verstummen. Die übrigen Gäste beglotzen guaräugig die Situation, aber niemand bewegt sich. Teleri bemerkt, daß sie genauso dämlich starrt wie alle anderen auch, und es ist ihr peinlich.
Irwaen ergreift als erste die Initiative: "Teleri, Skarin? Macht die Tür zu, bitte. Oder wäret ihr sogar bereit, vorher einen Blick auf die Straße zu werfen? Aber seid vorsichtig", schärft sie den beiden ein. "Ich will mal sehen, ob ich aus dem da etwas herausbekomme." Mit diesen Worten erhebt sie sich geschmeidig und geht langsam auf den Taschendieb zu.
Skarin hingegen geht Richtung Tür. Teleri folgt ihm. Sie fängt die plötzliche Kälte ein, die der verstörende Auftritt des Menschengauners in ihr ausgelöst hat und webt sie mit in den Frostzauber, den sie vorsichtshalber vorbereitet. Sie sieht und fühlt alles sehr klar. Der Nord, der seine Muskeln kampfbereit anspannt. Seine Hand, die sich sicher und routiniert um den Schwertgriff legt. Die kühle Abendluft, die durch die Türöffnung dringt und der Geruch des Regens.
Hinter Skarins starkem Rücken stehend, starrt sie in die regnerische Dämmerung, die langsam der Dunkelheit weicht. Azuras Stunde...
"Skarin", sagt sie langsam. "Laß mich allein nachsehen. Elfenaugen sehen in der Dunkelheit weit besser als die von Menschen, und ich will Irwaen nicht mit diesem Irren allein wissen. Ich bitte Dich, geh - wieder - hinein."
Sie weiß nicht genau, warum sie den Nord nicht dabei haben will, wenn sie unter das Zwielicht tritt. Aber sie will allein sein. Dies ist die Stunde, in der meine Herrin am mächtigsten ist - in der ich am mächtigsten bin. Ich will die Herausforderung allein bestehen. Bitte, Skarin, geh einfach wieder hinein...
Ohne auf eine Antwort des Kriegers zu warten, schiebt sie sich an ihm vorbei. Ihre rotglühenden Augen sondieren den Platz vor der Taverne.
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