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Thema: Keine andere Seite

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    Ich halte Harry Haller für einen einwandfreien Charakter. Aber gut, das ist wohl Ansichtssache.
    Ich auch! Aber auch er ist nur ein alter stinkender Säufer - mit dem Unterschied, dass man Einblick in seine Gedankenwelt erhält und ihn dadurch menschlich nachvollziehen kann. Mit dem stinkenden Typen im Bus ist das nicht möglich und da kümmere ich mich auch nicht darum.


    Zitat Zitat
    Wenn ich ihn jetzt glaubwürdig, liebenswürdig, oder was auch immer machen würde, könnten sich die Leute vielleicht mit ihm identifizieren und wunderbar in der Geschichte ruminterpretieren, aber die Atmosphäre wäre zerstört, denn ein realistischer Mensch ist nicht ruhig.
    Depressionen und eine Hand voll anderer affektiver Störungen können zu einem Zustand führen, in dem die Leute sich selbst nur noch als Essenz betrachten, ihre Existenz ausgelöscht und in einen Zustand der völligen Stille umgeschlagen ist (die haben dann nicht mal mehr das Verlangen, ihr Leben zu beenden).

    Aber ich meine, gut, wenn der Charakter hier eher experimentell als Ausdrucksgegenstand gereichen soll, dann ist das vielleicht sogar etwas anderes. Dann würde ich ihn aber prinzipiell entfernen (beispielsweise könnte man ihn durch das unpersönliche "Man" ersetzen), denn der personale Erzähler lässt den Leser grundsätzlich nach einer Identifikationsfigur lechzen.

    Zitat Zitat
    Aber du schlägst Sachen vor, die aus meinem Apfel eine Birne machen würden, weil du gern eine Birne haben würdest. Und ich wollte aber nunmal einen Apfel! >_<
    Ich schlage gar nix vor, ich war nur der Auffassung, dass der Ausdruck an stilistischen Mitteln gescheitert ist, die auf die und die Weise vermutlich ihre Wirkung nicht verfehlt hätten.


    Zitat Zitat
    Off Topic:

    Du ignorierst ziemlich dreist, dass die Leute an dieser "Leier" und an diesen "langweiligen" Charakteren (wieso, weil sie nicht realistisch sind oder schon tausend mal da waren - das macht sie langweilig? Oo) offenbar ihren Spaß haben, und das liegt ganz sicher nicht nur an Kameraführung, Hollywoodherkunft (lol..) und Co, sondern auch daran, dass diese Leier und diese Charaktere unterhaltsam sind, simpel und einfach. Das kann man jetzt so oder so bewerten (Untergang des Abendlandes!) und mit tausend Sätzen psychologisch erklären, aber es ist erstmal ein Fakt.
    Das hat mit der Geschichte hier aber nix zu tun. Wollte es nurmal erwähnt haben.
    Hat es auch nicht, ich wollte nur meine reichlich weit hergeholte Assoziation irgendwie obsedant erklären. Und die Leute können von mir aus soviel Spaß daran haben, wie sie wollen, ich verwehre mich mittlerweile auch nicht mehr gegen einen reichlich plakativen Hollywoodstreifen, aber die Gesellschaft wird an dieser stoischen Kunstform kaum wachsen; bloßer Unterhaltungswert ist zwar auch nicht verkehrt, vor allem, wenn man damit ein paar Millionen machen kann, aber an Bonnie & Clyde wird man wohl nicht anknüpfen können, was für den amerikanischen Film sehr schade ist. Hinzugenommen kann man dem Zuschauer (oder dem Leser, was weiß ich) aber auch mehr als nur irgendwelche halbgaren Abklatsche von Menschen präsentieren, ohne sich vorwerfen zu müssen, den Fabrikarbeiter, der abends nur noch unterhalten werden will, überfordert zu haben.

  2. #2
    Zitat Zitat
    Dann würde ich ihn aber prinzipiell entfernen (beispielsweise könnte man ihn durch das unpersönliche "Man" ersetzen), denn der personale Erzähler lässt den Leser grundsätzlich nach einer Identifikationsfigur lechzen.
    Das wäre wohl eine Idee. Mal sehen. Es sollt am Ende aber immer noch deutlich sein, dass der Kerl durchaus eine tiefgreifende Vergangenheit hat, also mal eine reale Person war - nur, dass das halt absolut nicht mehr von Bedeutung ist. Was nicht realistisch sein muss.


    Zitat Zitat
    aber die Gesellschaft wird an dieser stoischen Kunstform kaum wachsen; bloßer Unterhaltungswert ist zwar auch nicht verkehrt, vor allem, wenn man damit ein paar Millionen machen kann, aber an Bonnie & Clyde wird man wohl nicht anknüpfen können, was für den amerikanischen Film sehr schade ist.
    Ganz ehrlich, ich denke, für die Bewertung ist die Branche heute zu breit. Du sagst ja selbst, dass das sehr verallgemeinert ist.
    Wenn ich mir The Dark Knight vor Augen halte, der zwar zweifelsfrei (!) vorrangig ein millionenschwerer Unterhaltungsstreifen ist, viele Leute aber mit Sicherheit zum Fürchten - und damit mehr zum Zweifeln und Nachdenken gebracht hat, als es irgendein Kunstfilm je geschafft hätte. Das ist natürlich ein extremes Beispiel, aber es verdeutlicht auch sehr gut, dass sich all diese Sachen heute nicht mehr ausschließen. Zwar waren die ganzen Intellektuellen nach dem Hype enttäuscht, kein philosophisches Spitzenwerk gesehen zu haben, aber viele andere haben vielleicht was daraus mitgenommen.
    Ich denke ja sowieso, das gute Krach-Bumm-Filme ungemein höheres Potenzial haben, einen Menschen zu beeinflussen, als jeder Streifen, über den man ernsthaft nachdenken muss. Aber das ist dann ein anderes Thema.

  3. #3
    der schreibstil erinnert mich an "der schlaf in den uhren", und ist genauso einschlafend. solche geschichten kommen mir niemals freiwillig in die tüte! zuviel innere handlung und monologe, zu wenig äußere handlung.

  4. #4
    Ich versichere dir, mein Schreibstil schläft nicht ein. Jedenfalls nicht in nächster Zeit. Vielleicht schläfert er ein, das möchte ich gar nicht ausschließen.

    Wo siehst du da einen Monolog, geschweige denn einen inneren?
    Du musst die Geschichte nicht mögen, aber wenn du Fachbegriffe benutzt (was absolut nicht notwendig ist!), solltest du die richtigen heraussuchen.

    Wenn du äußere Handlung magst, solltest du dich von Kurzgeschichten, die nichtmal über eine Seite gehen, tendenziell eher fernhalten.
    Und lass dich in Zukunft nicht zwingen, Sachen zu lesen.
    Sei dein eigener Herr! Entscheide freiwillig!

  5. #5

    Leon der Pofi Gast
    mir hat die geschichte in den belangen gefallen, dass sie eine authentische welt beschreibt und mir persönlich wurde in diesem kurzen text viele bilder und ein umfeld erschaffen, welche in sich stimmig wirkten. den wandel der zeit hast du gut beschrieben. von diesem aspekt her, sehr positiv

    der hauptfigur konnte ich jedoch keinerlei sympathie entgegenbringen, was in einer geschichte mit längerem inhalt essentiell ist, figuren zu bieten, um die man sich sorgt, in einer kurzgeschichte aber durchaus nicht vorkommen muss
    er wirkte für mich einfach verbraucht, ein gebrochener mann mit fragwürdigem charakter, jedoch sehr nachdenklich und neben der kalten welt in der er sich befindet, nimmt er trotzdem noch die natur (mit dem baum) war, was vielleicht hoffen lässt, dass es doch noch irgendwie einen ausweg für ihn gibt.

    wie auch immer. gut geschrieben, aber bei der nächsten geschichte wäre mir eine sympathische hauptfigur lieber, welche auch wieder nur subjektiv sympathisch erscheint, hehe

    Geändert von Leon der Pofi (12.05.2009 um 17:32 Uhr)

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