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Thema: Warum ist der Held der Held

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    @ MagicMagor
    Stimmt schon, es gibt auch ein Heldensein unterhalb von Captain America, wenngleich natürlich ein ungleich kümmerlicheres. Aber auch der unfreiwillige Held übertrifft sein Umfeld.
    Ein Kind droht zu ertrinken, doch ein beherzter Rentner, der am See gerade Enten fütterte, stürzt sich in die Fluten und zieht es an Land. Ein Held.
    Ein Teller im Porzellangeschäft wackelt bedrohlich, doch der Lehrling hält ihn gerade noch rechtzeitig fest, bevor das gute Stück fällt und zerbricht. Ein Held?
    Die Prüffrage für Heldentum lautet meiner Meinung nach: "Hätte das nicht ein Jeder geschafft?" Jedermannsleistungen sind dann solche, die im Rahmen alltäglicher Konsequenzen bleiben. Heldentaten durchbrechen den Alltag und glänzen im Funkellicht des Besonderen. Allein die Tatsache, dass jemand solches verrichtet, lässt ihm in den den Augen der anderen eine irgendwie geartete besondere Könnerschaft zuwachsen, Heldentum eben.
    Dass die tatsächlichen kausalen Zusammenhänge oft trivialer sind, hast Du ja beschrieben. Aber das beschreibt es eben nur, erklärt es indes nicht, wenn man die im konkreten Fall maßgebliche Erwartungshaltung ausklammert. Das heißt dann eben auch, ein Held müsse sich sowohl im Rahmen der Ansichten seiner Mitmenschen bewegen, also sich nach dem richten, was als erstrebenswert angesehen wird, als auch ein Normenbrecher und Grenzübertreter sein, aber eben nur darin, dass er sich für einen Moment anschickt, das Gute in Hochform zu verkörpern. Nach diesem Muster kann das Heldenattribut natürlich auch rückwirkend an längst Verstorbene verliehen werden.

  2. #2
    Gibt nur zwei Dinge, die mich an deiner Schilderung stören. Erstens die Frage nach: "Hätte das nicht jedermann geschafft?" In einem gewissen Rahmen nein, aber pauschalisiert ja. Ein Haufen von (vorallem modernen) Helden setzten sich dadurch von anderen Personen in der Gesellschaft, von der sie als Held angesehen werden, ab, dass sie es einfach tun. Ein Held kann auch nur entschlossen sein oder seinem Tod sogar gleichgültig gegenüber stehen. Nichts davon ist übermenschlich und das macht den Helden so besonders. Praktisch jeder kann sich statt seiner an die Stelle des Helden einsetzen.
    Zweitens sprichst du davon, dass der Held aus eigenem Antrieb das Gute darstellt, was aber nicht durch den Faktor des Heldentums impliziert wird. Der Held kann so böse sein wie er will, solange er für die Gesellschaft in der er sich bewegt das Gute darstellt, ist er ein (Anti-)Held.

  3. #3
    Zitat Zitat von swordman Beitrag anzeigen
    [...] Nichts davon ist übermenschlich und das macht den Helden so besonders. Praktisch jeder kann sich statt seiner an die Stelle des Helden einsetzen.
    Theoretisch, oder praktisch dann aber nur physisch, denn psychisch unterscheiden sich Menschen viel zu stark. Die Handlungen mögen zwar nicht übermenschlich sein, dennoch sind nicht alle zu den gleichen Handlungen fähig, da je nach Veranlagung und Entwicklung auch unterschiedliche Psyche existiert. Es kann zwar sein, dass es eine Gruppe von Menschen gibt mit identischen oder ähnlichen Veranlagungen und Entwicklungen, aber man kann mit Sicherheit sagen, dass es nur ein (schätzungsweise verschwindend geringer) Teil der gesamten Menschheit ist und somit kann man auch nicht jeden an die Stelle eines Helden einsetzen und es bedarf schon mehr als nur am richtigen Ort und zur richtigen Zeit das richtige zu tun, nämlich es überhaupt zu tun, was wiederum mit der Psyche des Menschen zusammenhängt.
    Als Beispiel würde ich den Kriegshelden nennen, der sich ohne mit der Wimper zu zucken ins Gefecht stürzt und dabei sein eigenes Leben riskiert um einen verwundeten Kameraden zu bergen. Nicht jeder ist zu sowas in der Lage und ich weiß nicht, ob ich das wäre. Helden haben durchaus einzigartige oder vorbildliche Eigenschaften und nicht jeder hat das Zeug zu einem Helden.

    Geändert von Kyuu (31.03.2009 um 22:07 Uhr)

  4. #4
    Zitat Zitat von Kyuu Beitrag anzeigen
    Als Beispiel würde ich den Kriegshelden nennen, der sich ohne mit der Wimper zu zucken ins Gefecht stürzt um einen verwundeten Kameraden zu bergen.
    Im Regen fürchtet man selten nass zu werden.

  5. #5
    Bitte erzähle mir nicht, dass die Aufopferungsbereitschaft im Gefecht steigt, denn die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.

  6. #6
    Zitat Zitat von Kyuu Beitrag anzeigen
    Bitte erzähle mir nicht, dass die Aufopferungsbereitschaft im Gefecht steigt, denn die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.
    Die Wirklichkeit ist recht vielfältig. Zu ihr gehört das verdammt viele Menschen einfach menschlich handeln und ausblenden, wie gefährlich die Situation eigentlich ist.

    Im Nachhinein kann man es immer noch als Heroismus bezeichnen.

  7. #7
    @Ianus: Ich meine Gahmurets Sohn. Allerdings bekam Parzival nie etwas davon mit, dass er der Sohn eines Helden ist. Er wurde fernab von allem ritterlichen und heldenhaften aufgezogen, seine Mutter wollte ihn sogar vor ebenjenem Heldentod schützen, den sein Vater starb.

    @Kyuu: Zu einem gewissen Punkt identifiziert man sich mit einem Großteil von Protagonisten, bzw. bringt ihnen Empathie entgegen. Sag mir nicht, dass es dir nicht möglich ist, dich in die Lage eines anderen zu versetzen. Wenn der Held keine übermenschlichen Fähigkeiten hat (ich beziehe mich jetzt mal auf physische Stärke) ist er mir näher, als irgendein Superman.

  8. #8
    Selbst wenn man die Gefahr vergisst ist sie nicht weg. Du kannst ja auch nicht aus Wut gegen eine Wand rennen und sie durchbrechen nur weil du keine Angst vor den Schmerzen des Aufpralls hast.

  9. #9
    Zitat Zitat von swordman Beitrag anzeigen
    @Ianus: Ich meine Gahmurets Sohn. Allerdings bekam Parzival nie etwas davon mit, dass er der Sohn eines Helden ist. Er wurde fernab von allem ritterlichen und heldenhaften aufgezogen, seine Mutter wollte ihn sogar vor ebenjenem Heldentod schützen, den sein Vater starb.
    Gahmuret selbst war Sohn eines Königs, kein Bauer soweit ich mich erinnere. Parzivals Mutter ist eine Schwester des Gralskönigs Anfortas, was bedeutet dass er von Geburt an für die Position prädestiniert war, da der König selbst ja nur auf des Grales Weisung hin eine Ehefrau haben durfte...was in Anfortas Fall irgendwie nicht erfüllt worden war.

  10. #10
    Zu Beginn der Geschichte hat er nichts ritterliches und benimmt sich in der Tat wie ein Bauer. Aber das Beispiel hinkt ein wenig, muss ich dir zustimmen.

  11. #11
    Warum braucht jede Geschichte einen Helden?
    Weil man ohne Ihn keine spielbare Geschichte erzählen kann.
    Ich beziehe mich mal hierauf:

    Zitat Zitat
    Der Held ist ein Werkzeug, um eine Geschichte zu erzählen, natürlich ist er gleichzeitig auch ein wichtiger Teil von ihr.
    Ob der Held dabei gut oder böse ist spielt keine Rolle.
    Er ist eben "nur" der Protagonist. Weder muss er Gut, Böse sein,
    noch muss er besondere Fähigkeiten haben.
    Wenn ich sage: Ianus tötete den Drachen, Swordman öffnete die Truhe
    oder auch Kyuu pflückte einen Apfel, dann sind diese User eben die Helden.
    Hauptsache der Protagonist tut Irgendetwas. Da eine solche Geschichte wie ...
    "er pflückte einen Apfel" aber nichts hergibt und zudem extrem langweilig ist,
    tut der Held meist etwas besonderes oder Ihm passiert einfach etwas Spannendes.
    Die Geschichte muss eben was hergeben. Und damit sie das tut brauch man eben den
    Helden.

    Greetz LiveScream

  12. #12
    Zitat Zitat
    Da eine solche Geschichte wie ...
    "er pflückte einen Apfel" aber nichts hergibt und zudem extrem langweilig ist,
    tut der Held meist etwas besonderes oder Ihm passiert einfach etwas Spannendes.
    Ey jetzt hör aber mal auf!
    Wenn jemand einen Apfel pflückt, dann ist das jawohl die beste Story ever, Spaß beiseite.

    Viele gute Geschichten fangen nämlich gerade so an
    Der Held zubeginn vielleicht ein einfacher Dorfbubi, der bei der Apfelernte hilft, ...
    Der Held folgt einem roten faden, vielleicht folgt er auch einem kompletten gewirr aus Fäden, aber das ist ja egal.
    Zitat Zitat
    Ihm passiert einfach etwas Spannendes.
    Die Geschichte muss eben was hergeben. Und damit sie das tut brauch man eben den
    Helden.
    Das ist für mich der Schlüsselsatz. Jeder Depp kann der Held sein, die Geschichte muss einfach nur aus der sicht von jemandem erzählt werden.
    So eine Geschichte, wo man nur als Zuschauer über das geschehen scrollt... das wäre totaler Gammel xD

  13. #13
    Zitat Zitat
    Jeder Depp kann der Held sein, die Geschichte muss einfach nur aus der sicht von jemandem erzählt werden.
    Das wollte ich damit ja auch Ausdrücken.
    (Allerdings muss Irgendwann ja etwas Spannendes passieren,
    da die Story sonst dafür sorgen würde, dass jeder Spieler
    vor dem Monitor einschläft. Was Story angeht ist nicht nur der Held wichtig,
    sondern eben Spannende Dinge oder ein gutes Gameplay.
    Aber das passt hier jetzt nicht ganz hin, sonst verfallen wir hier noch in
    eine Story Diskussion.)

  14. #14
    Das mag ja eine richtige Tatsache sein, aber hat mit dem "Warum" des Heldentums wenig zu tun. Hier geht es ja nicht um den spielmechanischen Grund für einen Helden, sondern um das Warum, welches man als Entwickler/Autor seinem Helden gibt.

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