Lost Soul Aside



Lost Soul Aside hat eine interessante Vorgeschichte: Vor rund zehn Jahren hat ein einzelner Entwickler aus China das Projekt angekündigt, Sony wurde darauf aufmerksam und übernahm später das Publishing. Mit mehr Budget und einem größeren Team entstand dann ein Action‑Adventure, das optisch stark an Final Fantasy erinnert, während das Kampfsystem eher versucht, in Richtung Devil May Cry zu gehen. Die ersten Stunden wirken noch solide. Doch ziemlich schnell rutscht das Spiel in einen monotonen Ablauf ab. Man kämpft, läuft durch eine leere, fade Welt, kommt in den nächsten Bereich und kämpft wieder. Zwischendurch gibt es ein paar Zwischensequenzen, deren steife Gesichtsanimationen eher an frühe PS3‑Zeiten erinnern. Das Spiel wirkt insgesamt leblos. Keine Identität, kein Worldbuilding, nichts, was hängen bleibt. Optisch ist es allerdings wirklich hübsch. Vor allem die Regionen, die an Jahreszeiten angelehnt sind, sehen beeindruckend aus und liefern schöne Landschaften. Leider hilft das wenig, wenn die Welt selbst so leer und uninteressant gestaltet ist, dass Erkundung keinerlei Freude macht. Die NPCs tragen ebenfalls nicht dazu bei, das Spiel lebendiger zu machen. Sie sind langweilig, die Story ist noch langweiliger, und irgendwann klickt man Dialoge einfach weg, weil sie nichts hergeben. Der Protagonist wirkt seltsam geschrieben, inklusive Sister‑Komplex, und die üblichen Anime‑Klischees mit jungen Mädchen in Miniröcken sind natürlich auch dabei. Dazu kommt, dass der Held in Zwischensequenzen akrobatische Höchstleistungen vollführt, aber an einer simplen 10‑Meter‑Wand scheitert, weil man erst ein Rätsel lösen muss. Das wirkt einfach inkonsequent. Das Kampfsystem verliert ebenfalls schnell an Reiz. Anfangs wirkt es flott, aber die Kämpfe ziehen sich, Treffer fühlen sich nicht befriedigend an, und irgendwann ist es nur noch Routine. Das Inventar‑Management hätte man komplett streichen können. Materialien fürs Crafting sind überflüssig und werden praktisch nie gebraucht. Unterm Strich bleibt ein Spiel, das zwar gut aussieht, aber inhaltlich kaum etwas bietet. Keine Empfehlung – auch nicht für JRPG‑Fans. Vielleicht interessant für Leute, die unbedingt ein Actionspiel wollen, das ein bisschen an DMC erinnert und optisch in Richtung FF geht, aber qualitativ weit hinter beiden Vorbildern zurückbleibt.