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The Lost Vikings
Leider längst nicht so gut, wie ich es in Erinnerung hatte.
Aufgrund des einzigartigen Konzepts, 3 Figuren mit unterschiedlichen Fähigkeiten durch Level zu bewegen, hat es für die ersten Welten immer mal wieder unterhalten, aber schnell überwiegt doch der Frust.
Das Leveldesign ist einfach fürchterlich und wird nur schlimmer, je weiter man kommt. Ich habe schon besser designte Level in Ecco the Dolphin gesehen, so schlimm ist es am Ende.
Items zum Heilen liegen kurz vor Abschluss eines Levels rum, wo man sie nicht mehr braucht, geheime Verstecke, die keinen Nutzen haben.
Aber vor allem unsagbares Trial & Error Gameplay, bei dem man regelmäßig Gefahren ausgesetzt ist, die der Bildschirm nicht rechtzeitig erfasst. Ich würde sagen, bis Ende der Fabrik ist das Spiel noch tragbar, wenn auch schon oftmals nervig. Aber ab der Süßigkeiten-Welt wird's dann nur noch albern.
Selten fühlen sich die Level dabei clever an.
Entweder muss man mit jedem Wikinger über weite Teile die selbe Route gehen oder sie teilen sich auf, was immer im gleichen Schema erfolgt. Olaf gleitet mit dem Schild nach unten, Erik springt irgendwo hoch und Baelog nimmt den einzig verbliebenen Weg, zu dem man einfach laufen kann, um irgendwelche Ziele zu treffen. Es gibt sicherlich vereinzelt ein paar Ausnahmen, die Fabrik führte ein nettes Gimmick mit einem Kran ein, aber im Großen und Ganzen macht man eigentlich nur dasselbe.
Umso schwerer wiegt dann der Verlust eines Lebens. Level gehen immer länger, werden immer komplexer und gleichzeitig gibt es nur wenig, was einen nicht instant killt und selbst Gegner machen einen schnell den gar aus weil es gut wie keine iframes nach Treffer gibt.
Es gibt keine Versuche, man hat zwar 3 Wikinger, aber ist einer tot, ist man softlocked und muss das Level von neuem starten.
Selbst wenn ein Wikinger nicht stirbt, gibt es zahlreiche Gelegenheiten, sich im Vorfeld zu softlocken, lange bevor man es merkt.
Häufig kommen die schwierigsten Sprungpassagen erst am Ende, wo zu Beginn des Levels viel nervige „busy work“ an der Tagesordnung ist, die man nicht wirklich optimieren kann. Immerhin muss man jedes Mal 3 Figuren ausrichten. Widerspielwert gleich null.
Das ist schlimmer als jeder Platformer, denn die Platformer dieser Zeit hatten sowas wie Extraleben, bevor man die 10–15 Minuten Fortschritt verliert.
Lost Vikings bestraft einen jedoch aufs drakonischste für die kleinsten Fehler, und das kann wirklich Kleinscheiß sein.
Da Erik so eine schwammige Steuerung mit langem Bremsweg hat kann auf wegfahrende Plattformen zu springen oder zu fallen ein schlüpfriges Unterfangen werden.
So ist man wirklich für den kleinsten Scheiß immer noch in Gefahr, dass man gleich sofort den Levelfortschritt verliert, selbst wenn man den Rest perfekt gemacht hat.
Dann kommen noch Sachen hinzu, wie dass man manche Dinge ohne Trial & Error einfach nicht wissen kann. Zum Schluss gibt es einen Schalter auf Zeit, etwas, was das Spiel sonst nie hatt, aber wenn man das nicht weiß - stirbt man.
Wie man Tomator besiegt (den Bösewicht), kriegt man nie und nimmer einfach so beim ersten Mal raus.
Lang genug muss man spielen, bis man bei der Passage mit Erik ist, nur um sich dann zu fragen, was zu tun ist. Und versucht man das falsche - natürlich stirbt man.
In seiner nächsten Phase wird's auch nicht besser.
Man verliert also durch Ahnungslosigkeit 10 Minuten Spielfortschritt, zu denen man wieder hinspielen muss, um wieder ahnungslos zu sein, weil das Spiel absolut gar nichts highlighted oder auch nur irgendwie einführt, wie es das noch am Anfang getan hat.
Ausgerechnet die schlimmsten Gotcha-Momente sind häufig am Ende eines Levels.
Anti-Gravity-Felder, bei denen man nicht weiß, auf welche Seite man lenken soll, bevor es zu spät ist. Weil in 9/10 Fällen immer eine Elektrodecke oben ist.
Items, die man im freien Fall einsammeln muss, aber dann auch gleichzeitig das Inventar verstopfen, für den einzigen Schlüssel, den man braucht, ohne Weg zurück.
Das kann man machen, ja, aber nicht, wenn ich schon 12 Minuten mit super viel Planung dran war, nur um alles in nem kleinen Moment zu verlieren.
Dann gebt mir doch nen riskanten Weg zurück, um es noch mal zu probieren, statt dass ich direkt gesoftlocked bin.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das noch irgendjemand heutzutage ohne Savestates durchspielen würde, der nicht nach so ner rigiden Policy verfährt wie ich es tue.
Ich denke, The Lost Vikings ist ein Paradebeispiel für Bullshit-Design, was man als gutes Studienobjekt nutzen kann, um zu lernen wie man es nicht tun sollte.
Definitiv eines von Blizzards (damals noch Silicon & Synapse) schlechteren Werken. Schade, denn ich mag ja die Wikinger schon rein von ihrem Design und das Spiel von seiner Idee, aber für den 2. Teil hoffe ich, dass sie sich 'nen besseren Level-Designer an Bord geholt haben.
Ich hätte nicht gedacht dass ich Blackthorne deutlich besser finden würde, obwohl es ähnliche Schwächen hat, sind die weitaus weniger ausgeprägt.
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