Trine 2: Director's Cut

Für die WiiU.

Rein objektiv ist das hier wohl in vielen Punkten besser als sein Vorgänger: mehr Abwechslung, fokussiertere Rätsel, anspruchsvollere Gegner, ausbalanciertere Fähigkeiten … Doch persönlich hatte ich eine miserablere Erfahrung damit – wieso?

Weil der Hardcore-Modus dieses Mal so gar nicht zum Spiel passt. Die Level gehen noch mal deutlich länger als im Vorgänger, das Pacing wird durch die Rätsel regelmäßig unterbrochen, da möchte man bei einem Fehlschlag nicht jedes Mal erneut diese lösen, auch wenn man so die ein oder andere Skip-Strategie finden kann.

Was jedoch absolut hirnrissig ist und was ich schlichtweg nicht verstehen kann, ist, dass der Hardcore-Modus den Schaden, den man erhalten kann, mindestens verdoppelt, so wie es auch die Leben aller Gegner gefühlt verfünfacht. Es ist unfassbar, wie tanky alles ist. Jetzt kann man sich irgendwie schon durch die Gegner cheesen, aber es ist natürlich weniger spaßig, dass man sich nicht frei im Kampf entfalten kann wie beim Vorgänger, ohne zu befürchten, gerne mal schon nach einem Treffer einen Helden zu verlieren, wo es je nach Situation schon vorbei ist, wenn nur noch der Magier übrig bleibt oder der Magier für das Rätsel danach eben NICHT mehr da ist, weil man auch nicht dran gedacht hat, nach jedem Kampf 'nen Checkpoint zu setzen.

Schlimmer noch: Am Ende eines Levels kommen gerne mal Bosskämpfe, die nach wie vor absolut beschissen designed sind, mit unklaren Trefferzonen und sich komisch resettenden Animationen. Auch diese Bosse besiegt man auf unkreativste Art und versucht, in nem Cycle gefangen zu halten. Was spätestens dann schief läuft, wenn noch haufenweise respawnende Adds in die Arena geschmissen werden. Ab dem 10. Level habe ich es sein gelassen, der Trollkönig ging einfach überhaupt nicht klar. 20 Minuten laufen und Arena-Kämpfe cheesen, um dann one-hitted zu werden. Das Spiel im Hardcore-Modus ist einfach grauenvoll und definitiv nicht getestet oder abgestimmt worden. Man hätte einfach die Werte auf den normalen Schwierigkeitsgrad belassen sollen. Ich meine, das muss man sich mal reinziehen: Man kann die Kampfschwierigkeit festlegen und mit dem Hardcore-Modus kombinieren. Man hat also bereits einen Schwierigkeitsgradregler für die Kampfstärke, das multipliziert sich jetzt einfach mit den Hardcore-Einstellungen, komplett lächerlich.

Wenn man es nicht im Hardcore-Modus spielt, ist man unbesiegbar und hat unendlich Respawns, während sich der Zustand der Stage nicht verändert. Man hat also nur 2 Extreme. Absolute drakonischste Konsequenzen bei dem kleinsten Fehler, in Levels, die sowieso länger als im Vorgänger sind und mit dem Sammeln der Collectibles über eine Stunde gehen – und ohne immer noch um die 20 Minuten.

Oder gar keine Konsequenzen. Es gibt nichts dazwischen.

Folglich habe ich es dann so lari-fari gespielt. Vom Artdesign her toppt das den Vorgänger und hat einfach atemberaubend schöne Assets und Hintergründe. Aber das täuscht über das dürftige Leveldesign hinweg. Der Vorgänger hatte zwar kaum erwähnenswerte Rätsel, aber dafür hatten die Level auch einen deutlich besseren Flow. Hier wird ständig der Spielfluss in sehr großen Rätselräumen unterbrochen, aber auch durch die Collectibles, die gerne mal irgendwo in der Luft schweben oder an Abgründen hängen, ohne dass es irgendeine besondere Problemlösung erfordert. Man muss den Magier noch häufiger einsetzen als üblich, ständig baut man Türme, nur um 'n paar schwebende Kugeln mitzunehmen. Im DLC ist das besonders schlimm. Da wurde die Anzahl an Collectibles mehr als verdreifacht. Es kommt einfach kein Flow auf, wenn man diese zum ersten Mal spielt, weil man ständig in irgendeine Ecke mit Anti-Schwerkraft-Pfeilen + Kisten sich irgendwo hin zu janken hat. Folglich habe ich es auch in diesem Teil sein gelassen, alles zu holen. Auf der WiiU gibts sowieso keine Achievements, weswegen man da noch intrinsischer an dieser selbstgeißelnden Spielweise festhalten müsste - aber auch mit wäre mir das zu blöd gewesen.

Hätte es das nicht gegeben, wäre der DLC wohl besser als das Hauptspiel. Denn die Levelthemen wechseln sich stärker ab, wo man im Hauptspiel größtenteils nur in irgendwelchen Sümpfen und Wäldern unterwegs ist. Nein, wirklich. 9 der 13 Level finden in bewaldeten Gebieten statt, und auch abseits davon gibt es sonst noch eine Waldhöhle, die wiederum wieder in nen weiteren Wald führt. Erst am Ende gibt es random einen Strand, Cthulhu-Dungeon und Tundra-Thema, wo der Übergang zu diesen Welten sich weniger flüssig anfühlt.

Was unter anderem auch daran liegt, dass es abermals kaum Story gibt und größtenteils nur in Textfetzen erklärt wird, von einer eifersüchtigen Prinzessin, die ihrer Schwester den Thron geraubt hat und sich als Verbündete ausgibt um an den Trine zu kommen. Was der Trine eigentlich ist, weiß ich immer noch nicht.

Die Story des DLCs wird da viel organischer, mit Cutscenes am Anfang und am Ende einer Stage erzählt, so dass wenigstens stärker das Gefühl für ein zusammenhängendes Abenteuer aufkommt, auch wenn die Story von diesem deutlich simpler ausfällt. Jedenfalls hat der DLC, was Settings betrifft, einiges mehr zu bieten, aber eben auch das Problem mit der Collectible-Flut sowie weiteren beschissenen Mechaniken wie Drachen, die absolut keinen Spaß machen, zu bekämpfen (wenn man's noch mal im Hardcore-Modus versucht, was ab und zu getan habe). Das Spiel wird aktiv schlechter durch das Hinzufügen von Drachen. Das Kunststück muss man erst mal hinkriegen.

Das ist wieder ein gutes Beispiel was zeigt dass mehrere Schwierigkeitsgrade nichts bringen, wenn man nicht die nötige Sorgfalt leistet, zu oft wird eine Vorschlaghammer Methode verwendet, statt ein Skalpell.

Also entgegen den Erwartungen muss ich leider sagen, dass mir der Nachfolger noch weniger gefallen hat als sein Vorgänger. Womit es das aber auch erst mal war mit der Serie für mich.