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Couch Potato

Ein CRPG das sich oberflächlich gesehen mit einem einzigen Begriff beschreiben lässt: "Disco Elysium"-like.
Das äußert sich vor allem darin dass alle Attribute als Stimmen im Kopf des Protagonisten dargestellt werden und ständig ihren Senf dazugeben, wodurch der Protagonist aus Sicht anderer Charaktere teilweise so wirkt als ob er den Verstand verloren hat.
Alle wichtigen Interaktionen werden außerdem mit Würfeln entschieden deren Ergebnisse sich unter anderem mit Skills beeinflussen lassen. Um diese zu erlernen muss man allerdings erst Quests abschließen und sich anschließend einen Skill als Belohnung aussuchen. Da man maximal vier Skills ausgerüstet haben kann, darf man die aber relativ frei miteinander tauschen. Die einzige Limitation besteht darin dass ein verlernter Skill erst am nächsten Tag wieder erlernt werden darf.
Die Prämisse des Spiels hat ebenfalls starke Ähnlichkeiten mit Disco Elysium. Man spielt hier nämlich einen Kleriker der teilweise unter Amnesie leidet und von seinen Vorgesetzten damit beauftragt wurde die mysteriöse Explosion eines Teeladens zu untersuchen bevor in wenigen Tagen die allererste demokratische Wahl stattfindet. Und man erhält sogar einen Sidekick in Form des Goblins Snell, der einem helfen soll die Wahrheit hinter dieser Explosion zutage zu fördern.
Im Gegensatz zu Disco Elysium hat der Protagonist seine Erinnerungen allerdings nicht weggesoffen, sondern wurde aus dem Fluss gefischt und anschließend in eine Leichenhalle transportiert, wodurch der Beginn des Spiels starke Ähnlichkeiten mit Planescape Torment hat.
Darüber hinaus ist es aber ebenfalls ein extrem textlastiges Abenteuer voller politischer und philosophischer Diskussionen. Es fühlt sich allerdings mehr wie ein klassisches D&D CRPG an, da man im Laufe des Abenteuers unzählige Ausrüstungsgegenstände und viele Zauber sammelt und wesentlich mehr Gegner bekämpft als in Disco Elysium. Die Kämpfe laufen allerdings ebenfalls in Textform ab und da es für so gut wie jede Waffe eine Ausrede gibt warum der Protagonist sie nicht als Waffe nutzen kann, ändern diese leider nichts an der Präsentation oder dem Ablauf der Kämpfe.
Um Zauber wirken zu können muss man außerdem erst einen Schrein aufsuchen um die Zauberslots zu füllen. Sobald die aufgebraucht sind müsste man eigentlich rasten, es gibt aber auch einige Items mit denen man die Slots wiederherstellen kann, wodurch ich über das komplette Spiel hinweg nie von einer kurzen Rast Gebrauch machen musste. Einzig die lange, acht Stunden dauernde Rast sollte man tatsächlich nutzen, weil der Protagonist ansonsten mehrere Level an Erschöpfung erhält, was alle Skillchecks negativ beeinflusst und irgendwann zu einem Game Over führt.
Im Gegensatz zu Spielen wie Baldur's Gate kann man allerdings nicht ständig rasten um sich zu erholen. Man hat nämlich nur fünf Tage Zeit um das Geheimnis der Story zu lösen. Dieses Zeitlimit ist allerdings mehr als gnädig bemessen, da ich so gut wie alles gemacht habe was das Spiel zu bieten hat und die Story bereits am vierten Tag hätte abschließen können. Man kann außerdem soviel rumlaufen wie man will ohne dass auch nur eine einzige Sekunde verstreicht. Nur Aktionen, wie Gespräche, sorgen tatsächlich dafür dass die Zeit voranschreitet. Manche Gespräche können allerdings mehrere Stunden dauern wenn man jedes einzelne Thema abarbeitet.
Obwohl man, genau wie in Disco Elysium, nur einen kleinen Teil der Stadt erforschen kann, gibt es außerdem ein umfangreiches Dungeon zu erforschen, was ebenfalls zum klassischen CRPG Feeling beiträgt. Trotz der Ähnlichkeiten zwischen diesen Spielen ist es also mehr als nur eine billige Kopie. Ich habe zwar gelesen dass einige Spieler das Writing schlechter finden als in Disco Elysium, dazu kann ich allerdings nichts sagen ohne mir Disco Elysium selber nochmal anzuschauen, was ich irgendwann vermutlich nochmal tun werde, da ich nur das Original und nicht den Final Cut gespielt habe. Ich wurde allerdings von Anfang bis Ende sehr gut unterhalten, vor allem da sich das Spiel nur selten ernst nimmt und teilweise genauso absurd ist wie die Discworld Reihe.
Ich würde außerdem sagen, dass die Auflösung der Story wesentlich zufriedenstellender ist als in Disco Elysium, wo ich das Finale nach all den Stunden an Nachforschungen sehr schwach fand. Bei Esoteric Ebb fand ich es nur schade dass man zwei komplett unterschiedliche Endings wählen kann, von denen eins aber kein wirkliches Ende ist obwohl ich dessen Folgen gern gesehen hätte. Die Musik des Endkampfs fand ich außerdem extrem unpassend, da sie weder zu dieser Art von Spiel, noch zum Rest des Soundtracks passt.
Snell ist allerdings kein so guter Sidekick wie Kim Kitsuragi. Einzig im Finale tut er etwas das tatsächlich erinnerungswürdig ist.
Es gibt außerdem keine Sprachausgabe, die ansonsten einiges zum Humor des Spiels hätte beitragen können.
Die Reaktivität des Spiel ist außerdem sowohl die größte Stärke, als auch die größte Schwäche von Esoteric Ebb. Es gibt nämlich einige Charaktere die drauf reagieren wenn man sie bestohlen hat, oder Kommentare von sich geben wenn man bestimmte Ausrüstungsgegenstände trägt. An anderen Stellen gibt es aber überhaupt keine Reaktionen. Das zeigt sich bereits im zweiten Raum des Spiels, wo man einem Goblin die Armbrust aus den Fingern klauen kann und er in keinster Weise drauf reagiert, auch wenn die Armbrust zumindest visuell entfernt wird. Es gibt allerdings auch Items die man klauen kann ohne dass sie visuell entfernt werden, wie den gigantischen Löffel einer Hexe, wodurch ihre Reaktion auf den Diebstahl nicht zu ihrem Artwork passt. Da hätte der Entwickler also noch ein bisschen mehr Arbeit reinstecken können.
Wer Disco Elysium und/oder CRPGs mag, dem würde ich das Spiel aber absolut empfehlen.
Geändert von ~Jack~ (05.04.2026 um 17:17 Uhr)
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