Seite 95 von 101 ErsteErste ... 4585919293949596979899 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1.881 bis 1.900 von 2010

Thema: "Internet 1.984" oder "Wieviel Macht soll der Staat haben?"

  1. #1881
    Zitat Zitat
    Zwei-Klassen-Internet dank Turbo-Daten?

    Netzneutralität bedeutet: Alle Daten werden im Internet im gleichen Tempo bearbeitet und versendet. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Mobilfunk- und Netzanbieter wittern ein gutes Geschäft mit den schnelleren Daten - doch könnte das auf Kosten des Datenschutzes gehen.

    Eigentlich ist das Internet dumm. Und das ist auch gut so. Denn alle Daten werden gleich schnell behandelt - neutral. So argumentieren Befürworter der sogenannten Netzneutralität. Gegner sagen, dass man die Kapazität auf der "Datenautobahn" besser und effizienter nutzen kann, wenn man gewisse Daten ein wenig schneller behandelt - auf einer speziellen, bezahlten Überholspur. Das klingt logisch, birgt jedoch viele Gefahren.

    Ab heute startet die Telekom im Mobilfunk ihre Tarifoption "Stream On". Sie ist in höheren Tarifen kostenlos buchbar und verspricht Streaming unterwegs "ohne Verbrauch des Datenvolumens". Das ist für Kunden praktisch, die mobil Musik oder Videos nutzen wollen. Und es spart dadurch manchen Nutzern Geld: Wenn Sie die entsprechenden Partnerdienste nutzen.

    Denn zu Beginn sind zahlreiche große, namhafte Partner mit an Bord: Apple, Amazon, funk, Napster, Netflix, Sky, YouTube und das ZDF zum Beispiel. Wer die Dienste dieser Partner nutzt, schont sein Datenvolumen. Das bedeutet aber auch: Wer andere Dienste unterwegs nutzt, muss sein teures Datenvolumen verbrauchen - eine indirekte Maut sozusagen. Das birgt die Gefahr, dass Nutzer nur noch die Dienste verwenden, die kein Datenvolumen verbrauchen.

    Prinzip Netzneutralität
    Genau das soll das Prinzip Netzneutralität eigentlich verhindern. Denn es besagt, dass das Internet den Verkehr auf der Datenautobahn neutral regelt. Niemand hat Vorfahrt - oder gar eine bezahlte Überholspur.

    Denn dafür müsste man die Datenpakete auf der Datenautobahn entweder schneller oder langsamer durch den Verkehr leiten. Das würde auch bedeuten, dass Netzanbieter die Daten durchleuchten müssten, kritisieren Netzaktivisten und Datenschützer. Die Technik nennt sich "Deep Packet Inspection". Kritiker befürchten, dass sich damit theoretisch eine Zensurinfrastruktur im Internet aufbauen ließe, weil manche Datenpakete bevorzugt behandelt würden, je nach Inhalt.

    Dagegen argumentieren die Netzanbieter und manche Informatiker, dass der Verkehr auf der Datenautobahn besser, effizienter fließen würde, wenn man ihn technisch vernünftig regeln würde. Gleichzeitig könnte damit viel Geld für den teuren Netzausbau gespart werden.

    Aller Anfang...
    Das Vorhaben der Telekom ist nicht ihr erster Versuch - und sie ist nicht allein. Schon 2013 wollte die Telekom die Geschwindigkeit ihrer Festnetz-Internettarife nach dem Verbrauch von 75 Gigabyte im Monat drosseln. Fortan wurde sie als "Drosselkom" verspottet. Damals war der Sturm der Entrüstung so groß, dass die Telekom ihre Tarifänderung zurücknahm.

    Bis August 2016 hatte die Telekom im Mobilfunk noch eine Partnerschaft mit dem Audio-Streaming-Anbieter Spotify. Für knapp zehn Euro im Monat konnten Kunden Spotify nutzen, ohne dass ihr Datenvolumen dadurch aufgebraucht wurde. Den Tarif hat die Telekom für Neukunden mittlerweile eingestellt.

    Auch Telefónica Deutschland hat ein Angebot, dass das Prinzip Netzneutralität untergräbt, weil es einen speziellen Dienst ein bisschen besser als andere Dienste behandelt: WhatsApp. Mit der "WhatsApp SIM" können Kunden nämlich "ohne WLAN und ohne Guthaben unbegrenzt texten". Befürworter der Netzneutralität sehen darin einen klaren Verstoß gegen selbige.

    Beim Kabelnetzbetreiber Vodafone behält man sich vor, im Falle einer Netzüberlastung zur "Qualitätssicherung" gewisse Dienste zu drosseln - quasi auf eine Kriechspur der Datenautobahn umzuleiten.

    In gewissen Situationen sind solche "Verkehrsmanagementmaßnahmen", wie es die EU nennt, durchaus erlaubt. Denn seit 2015 ist die Netzneutralität durch eine EU-Verordnung klar geregelt. So darf zum Beispiel die Regelung des Datenverkehrs "nicht auf kommerziellen Erwägungen" beruhen. Außerdem sind Techniken "zur Überwachung spezifischer Inhalte" verboten. Bei Engpässen im Netz sind allerdings Eingriffe in den Verkehr erlaubt.

    Das "Zwei-Klassen-Internet"
    Derzeit prüft die Bundesnetzagentur, ob das Angebot der Telekom "Stream On" gegen die Netzneutralität verstößt. Für viele Kunden dürfte das Angebot für Erleichterung sorgen, weil sie auch mobil Musik, Filme und Serien sorgenfreier streamen können. Die Telekom betont auch auf Nachfrage, dass für Partner, also Inhalteanbieter, die Teilnahme an "Stream On" kostenlos sei.

    Doch zahlreiche Kritiker fürchten, dass ein Ende der Netzneutralität letztlich auch die Demokratie und die freie Meinungsäußerung gefährden könnte. Maut auf der Datenautobahn - das Netz scheint sich weiterzuentwickeln: zu einem "Zwei-Klassen-Internet".

    Quelle

  2. #1882
    Mal an die Leute mit mehr Kenntnissen hinter der Funktionsweise der Datenübertragung. Ist dieser Autobahnvergleich eigentlich überhaupt statthaft? Das Problem, dass hier ja aufgemacht wird ist das die Datenmenge die Übertragungswege ähnlich einer physischen Autobahn verstopfen würde und alle zu massiv langsameren Fahren zwänge. Stimmt denn dieses Bild überhaupt?

  3. #1883
    Du kannst doch zu Hause ein Test machen: Verbinde zwei Rechner miteinander (über ein Switch, Router oder eine Direktverbindung) und übertrage eine große Datei von einem Rechner zum anderen und während der Übertragung überträgst du eine weitere Datei. Du wirst sehen, dass sich die Geschwindigkeit der Übertragungen halbiert.

    Auch ein Netzwerk ist also den physikalischen Gesetzen gebunden und hat nur eine endliche Menge an Ressourcen zur Verfügung. Genauso verhält sich auch das weltweite Netz. Das weltweite Netz hat aber den Vorteil, dass durch das Routing die Datenpakete schon ihren bestmöglichen Weg finden. Dennoch kann es bei einem zu klein dimensionierten Netz zu Engpässen kommen. Allerdings etwas anders, als auf der Autobahn. Während bei der Autobahn die Autos zum Stillstand kommen, werden die Datenpakete, die nicht übertragen werden können, einfach weggeworfen. Die Übertragungsschicht (OSI Layer 1 und 2) interessieren sich also nicht dafür, ob die Pakete tatsächlich an der nächsten Station angekommen sind. OSI Layer 2 überprüft lediglich nur, ob das Paket korrekt übertragen wurde aber nicht ob es übertragen wurde. Die Überprüfung, ob es übertragen wurde, findet erst im OSI Layer 4 im TCP-Protokoll statt, da der Empfänger dies quittiert. Der Begriff "Datenautobahn" ist daher nicht ganz korrekt, da das Übertragen von Datenpaketen viel komplexer ist, als ein Auto auf die Autobahn zu schicken. Eine "Datenautobahn" ist aber für die meisten wohl eher vorstellbar, da der Endnutzer von den unteren Schichten nichts mitbekommt. Er sieht hauptsächlich die Daten ab OSI Layer 7 (Anwendungsschicht) und wenn man die Anwendungsschicht isoliert betrachtet, dann könnte man von einer "Datenautobahn" sprechen, weil der Benutzer irgendwelche Daten auf die Reise schickt (Auto fährt los) und ggf. dann irgendwann eine Antwort erhält (Auto kommt zurück). Genau deshalb ist unser Verkehrsminister auch verantwortlich für die digitale Infrastruktur, weil die Politiker das Internet nur über die Anwendungsschicht betrachtet haben, als sie sich für diesen Blödsinn entschieden und nicht das, was dadrunter liegt.

  4. #1884
    Es ist nicht der VoIP-Anruf zum Notdienst schuld, dass die Autobahn ausgelastet ist, sondern es ist eher, dass alle die neue Season Breaking Bad in 4k auf Netflix streamen wollen, dass alles andere kriecht (nur theoretisch natürlich, praktisch ist unsere Infrastruktur schon so ausgebaut, dass man das locker verschmerzen kann). Dass man jetzt behauptet, etwas gegen Netzüberlastung machen zu wollen, indem man diesen Trafficerzeugern mehr Ressourcen zuweist, macht überhaupt keinen Sinn. Im Gegenteil, du sollst etwa Timeouts beim Emailabruf in Kauf nehmen, weil 720p für die Kunden eine Zumutung ist.

    Die ganze Argumentation mit der Autobahn passiert deswegen:
    Zitat Zitat
    In gewissen Situationen sind solche "Verkehrsmanagementmaßnahmen", wie es die EU nennt, durchaus erlaubt. Denn seit 2015 ist die Netzneutralität durch eine EU-Verordnung klar geregelt. So darf zum Beispiel die Regelung des Datenverkehrs "nicht auf kommerziellen Erwägungen" beruhen. Außerdem sind Techniken "zur Überwachung spezifischer Inhalte" verboten. Bei Engpässen im Netz sind allerdings Eingriffe in den Verkehr erlaubt.
    Da diese kommerziellen Erwägungen also nicht als solche durchgehen, muss man den Bullshit irgendwie als Maßnahme gegen Engpässe durchschleusen und hoffen, dass Leute vom selben Schlag darüber entscheiden wie die, die meinen, mit einer Backdoor zur Whatsapp-Verschlüsselung wäre der Menschheit ein Dienst erwiesen.

    Zitat Zitat
    Ab heute startet die Telekom im Mobilfunk ihre Tarifoption "Stream On". Sie ist in höheren Tarifen kostenlos buchbar und verspricht Streaming unterwegs "ohne Verbrauch des Datenvolumens".[...] Für viele Kunden dürfte das Angebot für Erleichterung sorgen, weil sie auch mobil Musik, Filme und Serien sorgenfreier streamen können.
    Ist es nicht irgendwie grotesk, ausgerechnet für die Dienste, die den meisten Traffic erzeugen, eine erschwingliche Flatrate einzurichten und damit jedes Argument für eine Datenlimitierung ad absurdum zu führen? Der einzige Grund, warum man in fucking 2017 immer noch pro GB bares Geld kassiert ist wirklich nur der: weil man's kann. Wenn man bedenkt, dass in Finnland Zugang zum Internet seit fast 8 Jahren ein universales Recht ist, muss man sich als mitteleuropäer eigentlich schämen.

  5. #1885
    Danke Whiz für die Erklärung. Meine Konfusion kam nämlich auch von dem, was Surface Dweller anspricht, dass es mir auch eher so vorkam, als wären die Kapazitätsgrenzen am Ende das Entscheidende und nicht etwa das rangieren auf der Autobahn. Das Bild das hier eher erzeugt wird ist ja das von Verkehrschaos, das man regulieren will, um zu schauen, wie man die Daten optimal durchs Netz leitet, aber es sind ja keine physischen Daten die sich gegenseitig beim rangieren in einem Realraum die Vorfahrt nehmen oder behindern. Deshalb wirkte der Vergleich zumindest in der art, wie es gesagt wird, auf mich deplatziert.

  6. #1886
    Zitat Zitat von Surface Dweller Beitrag anzeigen
    Es ist nicht der VoIP-Anruf zum Notdienst schuld, dass die Autobahn ausgelastet ist, sondern es ist eher, dass alle die neue Season Breaking Bad in 4k auf Netflix streamen wollen, dass alles andere kriecht (nur theoretisch natürlich, praktisch ist unsere Infrastruktur schon so ausgebaut, dass man das locker verschmerzen kann). Dass man jetzt behauptet, etwas gegen Netzüberlastung machen zu wollen, indem man diesen Trafficerzeugern mehr Ressourcen zuweist, macht überhaupt keinen Sinn. Im Gegenteil, du sollst etwa Timeouts beim Emailabruf in Kauf nehmen, weil 720p für die Kunden eine Zumutung ist.
    Es wird keinem mehr Ressourcen zugewiesen. Wie soll das auch gehen? Die Ressourcen sind endlich.
    Mehr Ressourcen zuweisen würde auch gegen die Netzneutralität verstoßen. Mit "Stream On" verstößt die Telekom auch erst mal nicht gegen die Netzneutralität, sondern umschifft diese, indem nicht die Datenpakete besonders behandelt werden, sondern die Dienste. Wenn das monatliche Volumen verbraucht ist, werden auch diese besagten Dienste gedrosselt. Allerdings werden nun die besagten Dienste aus dem Volumen rausgerechnet. Die Datenpakete dieser Dienste werden aber behandelt, wie jedes andere Datenpaket auch. Es ist also rechtlich die Frage zu klären, ob auch die besondere Behandlung von Diensten gegen die Netzneutralität verstößt, weil dies den Kunden in seiner Entscheidung einschränkt, weil er nun mit Dienst A Serien unterwegs anschauen kann, ohne das Volumen zu verbrauchen und mit Dienst B nicht.

    Zitat Zitat von Surface Dweller Beitrag anzeigen
    Ist es nicht irgendwie grotesk, ausgerechnet für die Dienste, die den meisten Traffic erzeugen, eine erschwingliche Flatrate einzurichten und damit jedes Argument für eine Datenlimitierung ad absurdum zu führen? Der einzige Grund, warum man in fucking 2017 immer noch pro GB bares Geld kassiert ist wirklich nur der: weil man's kann. Wenn man bedenkt, dass in Finnland Zugang zum Internet seit fast 8 Jahren ein universales Recht ist, muss man sich als mitteleuropäer eigentlich schämen.
    Du vermischst hier aber mobiles Internet mit Internet über Kabel. Ein Recht auf eine mobile Datenflatrate gibt es auch in Finnland nicht.
    Die Tarif Option "Stream On" von der Telekom ist für Mobilgeräte, denn da gibt es Volumentarife. Das Internet über Telefonleitung, Kabel-TV-Leitungen, Glasfaser besitzt in der Regal kein Datenvolumen und wenn doch, dann sind es spezielle Tarife.

  7. #1887
    Zitat Zitat
    Mit "Stream On" verstößt die Telekom auch erst mal nicht gegen die Netzneutralität
    Das war nicht auf Stream On bezogen, sondern auf dieses "Deep Packet Inspection"-Konzept.

    Zitat Zitat
    Ein Recht auf eine mobile Datenflatrate gibt es auch in Finnland nicht.
    Da in Finnland LTE-Flatrates sehr erschwinglich sind und sich in Anbetracht des ausgebauten Wifi-Netzes die Frage stellt, ob man, je nach Ort, das überhaupt braucht...

    Zitat Zitat
    Yet visit the Finnish capital of Helsinki, and there is a free hotspot almost everywhere you need one. It’s fast enough to allow video calling and HD streaming. And it doesn’t require a reading of lengthy terms and conditions, nor a password, nor the need to divulge your age, gender, or email address. Helsinki doesn’t want your identity, or your money, or your data—indeed the only warning before you hit “accept” is a reminder that public networks are insecure, so be careful out there. All it wants is to get you online. Fast.
    Quelle: https://qz.com/414061/helsinkis-free...home-internet/

    ...kommt Finnland in der Praxis dieser Vorstellung allerdings sehr nahe.

    Wieso orientiert man sich dabei an den USA und nicht an Finnland? Die sind ohnehin gerade dabei, das Internet stückweise zu demontieren und ein glorifiziertes Fernsehsignal daraus zu machen.

  8. #1888
    Zitat Zitat von Surface Dweller Beitrag anzeigen
    Wieso orientiert man sich dabei an den USA und nicht an Finnland? Die sind ohnehin gerade dabei, das Internet stückweise zu demontieren und ein glorifiziertes Fernsehsignal daraus zu machen.
    Weil sich die Länder nun mal nicht miteinander vergleichen lassen. Statistiken zeigen, dass europäische Länder mit einer geringen Bevölkerungsdichte, die höchsten Bandbreiten anbieten und Finnland hat nur 5,5 Mio. Einwohner, während Deutschland 82 Mio. Einwohner hat. Alleine Vodafone-Deutschland hat 8 mal mehr Kunden als der größte Provider in Finnland. Das ist ein großer Unterschied. Finnische Provider vermarkten ihre Zugänge auf Basis von Geschwindigkeiten, anstatt auf Basis von Datenvolumen. Das ist nun mal aufgrund der deutlich weniger Kunden möglich, da mehr Bandbreite pro Nutzer zur Verfügung steht, denn man darf nämlich eins nicht vergessen: Mobiles Internet ist ein sog. Shared Medium. Mehrere Nutzer teilen sich eine Bandbreite. Die Bandbreite muss hierzulande deutlich höher dimensioniert werden, als in Finnland und hier kommen die Provider an ihre Grenzen. Auch sieht man seit einigen Jahren einen Trend in Finnland: Wenn kein Volumen vorgegeben ist, wird auch mehr Traffic verursacht. So stieg in Finnland der Traffic von 2014 auf 2015 um fast das doppelte. 2014 waren es 2,9 GB pro Monat pro SIM-Karte. 2015 schon 5,8 GB pro Monat pro SIM-Karte. Das ist ein gigantischer Anstieg. Wenn man das auf Vodafone-Deutschland übertragen würde, müssten sie gigantische Summen für den Ausbau ihres Netzes investieren, denn wie gesagt, das Netz müsste immer um das vielfache größer sein, als das Netz der finnischen Provider. Da wo ein finnischer Provider mit einer Funkzelle auskommt, braucht ein deutscher Provider mehr Zellen.

    Sicherlich, man kann jetzt argumentieren, dass Vodafone-Deutschland mehr Kunden hat und somit auch mehr Geld. Das stimmt auch, aber in Deutschland wird mehr ins Festnetz investiert, als in das mobile Netz. In Finnland ist es umgekehrt. Das liegt aber auch daran, weil Finnland von der Fläche sehr groß ist und keine hohe Bevölkerungsdichte besitzt. Daher macht mobiles Internet dort mehr Sinn. Deutschland ist aber ein Land mit einer hohen Bevölkerungsdichte und das macht eben beim mobilen Internet Probleme und daher wird hier verstärkt das Festnetz ausgebaut.

  9. #1889
    Zitat Zitat
    Weil sich die Länder nun mal nicht miteinander vergleichen lassen. Statistiken zeigen, dass europäische Länder mit einer geringen Bevölkerungsdichte, die höchsten Bandbreiten anbieten und Finnland hat nur 5,5 Mio. Einwohner, während Deutschland 82 Mio. Einwohner hat.
    Auf welche Statistiken beziehst du dich? Holland (408 Einw./km²) hat fast die doppelte Bevölkerungsdichte wie Deutschland (230 Einw./km²) und höhere Bandbreiten als Finnland:



    https://en.wikipedia.org/wiki/List_o...nection_speeds

    Außerdem ist nicht ganz klar, wie paar Mb/s weniger ein Land davon abhalten soll, einen universellen Internetzugang rechtlich zu verankern.

  10. #1890
    Zitat Zitat
    The high level of 4G coverage in the Netherlands (second from the top) can partly be explained by Europe’s highest population density. But EU5 members Italy, Germany and the UK are also among the countries with the highest population density in Europe – yet they have low 4G availability.

    In contrast, half of the countries in the European top 10 of 4G coverage – Lithuania, Norway, Sweden, Finland and Latvia – all have very low population density.
    http://tefficient.com/4g-paradox-cou...n-last-served/

    weitere Quellen zu Finnland:
    http://tefficient.com/finland-the-la...and-megabytes/
    http://tefficient.com/finland-the-la...nd-megabytes2/

    Zitat Zitat von Surface Dweller
    Außerdem ist nicht ganz klar, wie paar Mb/s weniger ein Land davon abhalten soll, einen universellen Internetzugang rechtlich zu verankern.
    Finnland hat nun mal das "Problem", dass es ein recht großes Land mit einer geringen Bevölkerungsdichte ist. Die Bevölkerung ist also auf das Internet angewiesen, wenn sie z.B. behördliche Gänge machen müssen. Darum wurde das Internet als Grundrecht erklärt. Hierzulande erreicht man jede Behörde recht schnell.

  11. #1891
    Daraus kann man nicht im Entferntesten den Schluss ziehen, die geringe Bevölkerungsdichte würde die Breitbandverfügbarkeit und damit dieses Grundrecht begründen.

    Ich meine, dein Link macht diesen Schluss schon unhaltbar:
    Zitat Zitat
    The high level of 4G coverage in the Netherlands (second from the top) can partly be explained by Europe’s highest population density.
    Und dann wäre da noch die Schweiz, die eine ähnliche Bevölkerungsdichte wie Deutschland hat und Breitbandmäßig auch in der Oberliga mitspielt. Dass die nordischen Länder einen guten Breitbandausbau haben ist zwar interessant, für Schnellschüsse wie diese gibt es aber keine Grundlage.

    Zitat Zitat von Whiz-zarD
    Die Bevölkerung ist also auf das Internet angewiesen, wenn sie z.B. behördliche Gänge machen müssen. Darum wurde das Internet als Grundrecht erklärt.
    Das ist Mumpitz. Zum einen hatte Finnland schon vor diesen Entscheid einen sehr hohen Anteil an Internetnutzern und zum anderen würde der Umstand noch kein Grundgesetz rechtfertigen (ganz Skandinavien bzw. "der Norden" hat eine recht dünne Population). Suvi Linden hat die Verbesserung der Lebensqualität in spärlich bevölkerten Regionen zwar als eines der Argumente dafür angegeben, dieses war aber nur eines von mehreren wie auch z.B. die Wirtschaft und das Vorhaben, die Nutzung von Onlinebanking zu fördern. Jedes Land hat abgeschiedene Regionen und man kann diese Argumentation auch auf Deutschland umlegen.

    Es gibt nicht wirklich einen Grund, das nicht im Grundrecht zu verankern. Die Hürden zum Internet so klein wie möglich zu halten, ist eine Win-Win-Entscheidung für alle (wenn man denn gewillt ist, die digitale Gesellschaft zu fördern) und sollte sich eigentlich von selbst verstehen. Deutschland verschlaft das alles einfach mal wieder und hier steht auch nicht der Netzausbau oben auf der Agenda, sondern der Unwille der Bevölkerung, ihre Privatsphäre auszuhöhlen.

  12. #1892
    So, ich habe mal recherchiert, was das nun konkret in Finnland bedeutet und das Schlaraffenland, wie du es darstellst, ist es bei weitem nicht:

    Zitat Zitat
    Allerdings lasse die Definition von „Zugang“ Raum für Interpretationen, da sie im Gesetz nicht exakt formuliert sei, berichtet die Helsinki Times. Die Zeitung gibt die Formulierung der finnischen Regierung so wieder: Kein Haushalt „soll weiter als zwei Kilometer von einer Internetverbindung mit einer Bandbreite von mindestens 100 MBit/s entfernt sein“. Allerdings sage die Regierung auch, dass „etwa 2000 Haushalte in entlegenen Ecken des Landes“ nicht von dem Gesetz erfasst seien. Offensichtlich werde diese Klausel auch für den 1-MBit/s-Breitbandzugang gelten.
    Quelle: http://www.zdnet.de/41515863

    Zitat Zitat
    Allerdings muss letztendlich auch in Finnland der Kunde zahlen – und das mitunter in nicht geringem Ausmaß: So werden die schnellen Datenautobahnen im ländlichen Raum maximal 2 Kilometern an die nächsten bewohnten Siedlungen herangelegt.

    Projekte mit Gemeindebeteiligung empfohlen

    Während dieser Phase können sich die Hauseigentümer im Umkreis an das Netz anschließen lassen – wenn sie die hohen Ausbaukosten ab der Verteilstation selbst übernehmen. Wer das Angebot ausschlägt, sollte sich dennoch sicher sein: Ein nachträglicher Anschluss ist nicht immer möglich und werde um ein Vielfaches teurer, so Parantainen. Auf Deutschland lässt sich das Konzept daher wohl kaum übertragen; andere Maßnahmen der Finnen könnten aber auch hierzulande richtige Anreize setzen.

    Als besonders wirksam erwiesen habe sich eine enge Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und kleineren, vor Ort agierenden, Netzanbietern. Im Gegensatz zu den nationalen Providern hätten diese ein echtes Interesse am Ausbau dünn besiedelter Gebiete, verfügten aber oftmals über sehr wenig finanziellen Spielraum, erklärte Parantainen. Eine entsprechende Unterstützung sei daher essentiell, weshalb 80 Prozent der finnischen Kommunen Mittel für derartige Ausbauprojekte bereitstellten. Diese könnten anschließend auch die größten Erfolge vorweisen. Als weiteren wichtigen Baustein nannte Parantainen zudem Infrastruktur-Kooperationen. Diese seien eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten und hätten in Finnland bislang erhebliche Kosten eingespart.
    Quelle: https://www.onlinekosten.de/news/bre...en_187131.html

    Und genau das funktioniert in Deutschland vielfach nicht. Das wurde hierzulande schon oft versucht aber die kleinen Provider erreichen nur sehr selten die kritische Messe. So habe ich es auch auch z.B. in meinem Ort vor ca. 5 Jahren erlebt. Damals gabs nur DSL mit 2 MBit/s und ein regionaler Provider wollte Glasfaser mit symmetrischen 100 MBit/s pro Haushalt verlegen. Dafür brauchten sie aber die Zusage von 40% der Haushalte, damit es überhaupt kostendeckend realisiert werden kann. Erreicht haben sie aber nur knappe 5% und damit war das Thema vom Tisch. In Deutschland wird zwar gerne gemeckert aber bezahlen will es auch keiner.

    Zitat Zitat
    Das ist Mumpitz. Zum einen hatte Finnland schon vor diesen Entscheid einen sehr hohen Anteil an Internetnutzern und zum anderen würde der Umstand noch kein Grundgesetz rechtfertigen (ganz Skandinavien bzw. "der Norden" hat eine recht dünne Population). Suvi Linden hat die Verbesserung der Lebensqualität in spärlich bevölkerten Regionen zwar als eines der Argumente dafür angegeben, dieses war aber nur eines von mehreren wie auch z.B. die Wirtschaft und das Vorhaben, die Nutzung von Onlinebanking zu fördern. Jedes Land hat abgeschiedene Regionen und man kann diese Argumentation auch auf Deutschland umlegen.
    Ich kann mich noch sehr gut an die ersten Nachrichten vor fast 15 Jahren erinnern, als die finnischen Provider für Testzwecke für schnelles Internet besonders Senioren aussuchten, um denen Behördengänge und Bankengeschäfte zu erleichtern. So bekam eine 91-Jährige den ersten symmetrischen 100 MBit/s Internetzugang in ganz Europa. Leider finde ich die News dazu nicht mehr.
    Und nein, dies kann man eben nicht auf Deutschland umlegen, weil Deutschland nun mal sehr dicht besiedelt ist. Außerdem: Was bringt das Grundrecht? Die finnische Bevölkerung, die außerhalb von Großstädten leben, müssen für ihren Anschluss bezahlen. Also ist das Grundrecht kein Freifahrtschein für kostenloses Internet. Auch Frankreich hat ein Grundrecht für ein Internetanschluss und schaue, was daraus geworden ist. Der Unterschied zwischen Finnland und Frankreich ist aber, dass Finnland einen Breitbandanschluss zum Grundrecht gemacht hat aber das ist bei der dünnen Besiedlung auch möglich, da die Anzahl der Teilnehmer pro Knoten auch geringer ist. Für die letzte Meile muss der Finne dann selber aufkommen.

    Geändert von Whiz-zarD (21.04.2017 um 08:42 Uhr)

  13. #1893
    Ich glaube ihr habt hier schon ein Problem zwischen Bevölkerungsdichte und Bevölkerungszahl. Macht es einen Unterschied wie viele Nutzer anliegen oder wie weit diese Nutzer sich physisch auseinander befinden? Bevölkerungsdichte meint ja nur die Zusammenballung vieler Menschen auf kleinem Raum. Ein Land kann doppelt so viele Menschen haben wie Deutschland, wenn die sich aber auf die doppelte Fläche verteilen können, hat es dieselbe Bevölkerungsdichte. Allerdings eben doppelt soviele Internetnutzer.

    Ist also die Nutzerdichte oder die nutzerzahl das Entscheidende?

  14. #1894
    Zitat Zitat von Whiz-zarD
    Und genau das funktioniert in Deutschland vielfach nicht.
    Das stimmt ABER nicht weil Deutschland so anders ist als z.B. Holland oder Finnland, oder die Situation so hoffnungslos unmöglich ist, sondern weil Deutschland die Entwicklung einfach verschläft und die ganze Suppe durch falsche Maßnahmen verpatzt:

    Zitat Zitat
    Die Kommunen nahmen ihr Schicksal selber in die Hand, planten einen eigenen Breitbandausbau und beantragten finanzielle Förderung.

    Als die Planungen weitgehend abgeschlossen waren, sollte sich alles wieder ändern. Die Telekom meldete, sie wolle nun doch das Internet ausbauen. Mit ihren alten Kupferkabeln und der sogenannten Vectoring-Technik. Die Bürgermeister reagierten säuerlich. Weil sie zum einen schon für die Planungen Geld ausgegeben hatten. Und zum anderen wollten sie lieber ein modernes Glasfasernetz, das zu höheren Geschwindigkeiten in der Lage ist als die Technik der Telekom. Doch plötzlich war die Förderung in Gefahr.
    Quelle: https://www.welt.de/wirtschaft/artic...nsangebot.html

    Deutschland sollte den Breitbandzugang wie einen Telefonanschluss behandeln, behandelt ihn aber wie einen Kabelanschluss. Und das bringt uns auch schon zu:

    Zitat Zitat von Whiz-zarD
    Außerdem: Was bringt das Grundrecht?
    Hast du ein Grundrecht auf schnelles Internet, kannst du klagen, falls es nicht so ist und der Bund hat dir einen Anschluss zu verfügung zu stellen. Damit setzt man ganz automatisch einen flächendeckenden Breitbandanschluss um. Das heißt nicht unbedingt, dass der Anschluss nichts kosten muss. Du hast auch ein Recht auf Nahrung, kannst dich aber nicht kostenlos im nächsten Restaurant satt essen.

    Und selbst wenn es nicht universell kostenlos ist, divergiert die Situation in Finnland und Deutschland enorm:



    Zitat Zitat
    In Deutschland ist das mobile Internet teurer als in den meisten EU-Ländern: Für monatlich 35 Euro bekommen beispielsweise Franzosen, Briten, Schweden oder Dänen satte 20 Gigabyte Datenvolumen – in Deutschland ist es nur ein Gigabyte. Das geht aus Berechnungen des finnischen Telekommunikationsberaters Rewheel hervor, über die Politico.eu zuerst berichtete.
    [...]
    Besonders gut sieht die Situation in Finnland und Estland aus. Dort sind 50 beziehungsweise 40 Gigabyte Datenvolume inklusive, sogar im schnellen LTE-Netz. Dazu verglich Rewheel typische Verträge für private Smartphonenutzer in sämtlichen EU-Ländern.
    Quelle: http://www.focus.de/digital/tarife/v...d_4701639.html

    Deutschland ist also nicht nur im Vergleich mit Finnland miserabel auf dem Gebiet. Diese Begründung ist auch irgendwie haarsträubend:
    Zitat Zitat
    Auf Anfrage teilte das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit, dass in Deutschland davon auszugehen sei, „dass insbesondere die datenintensive Nutzung audiovisueller Medien in Deutschland in relativ geringem Maße über den Mobilfunk erfolgt“. Ebenso sei in anderen Ländern, aufgrund der hohen Nachfrage, die Preisgestaltung eine andere.
    Wie sollen die Menschen audiovisuelle Medien im Mobilfunk nutzen, wenn sie ein Vermögen für 1 GB Volumen ausgeben müssen? Die Ironie ist aber (Bezug auf den Einleitungsartikel von Liferipper):

    Zitat Zitat
    Ab heute startet die Telekom im Mobilfunk ihre Tarifoption "Stream On". Sie ist in höheren Tarifen kostenlos buchbar und verspricht Streaming unterwegs "ohne Verbrauch des Datenvolumens".
    Offensichtlich geht alles, in den Köpfen der Deutschen Mobilfunkbetreiber ist der universelle Breitbandzugang halt einfach kein Allgemeingut. Daran hängt alles.

  15. #1895
    Zitat Zitat
    Deutschland plant Cyber-Gegenschläge

    Die Bundesregierung will die Voraussetzungen schaffen, um im Fall eines Cyberangriffs zurückschlagen zu können und um darüber hinaus auch in der Lage zu sein, notfalls feindliche Server zu zerstören. Der Bundessicherheitsrat unter Vorsitz von Kanzlerin Angela Merkel beschloss nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR Ende März, eine Analyse der hierfür benötigten technischen Fähigkeiten vornehmen zu lassen. Zudem sollen der Regierung Vorschläge für notwendige gesetzliche Änderungen vorgelegt werden. Im Sommer sollen die Ergebnisse dem stets geheim tagenden Bundessicherheitsrat präsentiert werden.

    Unter Experten sind solche Maßnahmen als "Computer Network Operations" oder "Hack Back" bekannt. Während eines laufenden Angriffs wird der Angreifer identifiziert, Cyberkräfte blocken die Attacke ab oder zerstören die Server, über die der Angriff läuft, zum Beispiel durch Schadsoftware.

    Bislang fehlt eine gesetzliche Grundlage
    Voraussetzung dafür wäre, dass ein Rechtshilfeersuchen ohne Aussicht auf Erfolg ist und sich der Angriff aus dem Ausland nicht anders stoppen lässt. In Regierungskreisen ist von einem "digitalen finalen Rettungsschuss" die Rede. Als Beispiel wird etwa ein Angriff auf ein Stromnetz genannt oder ein weiteres Hacking des Deutschen Bundestages. In diesem Fall etwa könnten auch die Server vom Netz genommen werden, auf denen sich gestohlene Daten aus dem Parlament befinden.

    Innenminister Thomas de Maizière erklärte die Notwendigkeit der Maßnahmen unlängst im Bericht aus Berlin mit den auch sonst geltenden Regeln der Gefahrenabwehr: Ein Polizist zum Beispiel trage im Einsatz ja nicht nur eine Schutzweste, sondern auch eine Pistole.

    Allerdings fehlt es für derlei Vorhaben bisher an einer gesetzlichen Grundlage. Die Bundeswehr, die gerade eine eigene Cyber-Teilstreitkraft installierte, ist nur bei einem kriegerischen Akt aus dem Ausland zuständig oder wenn die eigene Truppe angegriffen würde. Um die Regelungslücke bei Angriffen auf zivile Ziele zu schließen, sollen nun entsprechende gesetzliche Vorschläge erarbeitet werden. Langfristig gibt es innerhalb der Bundesregierung zudem die Überlegung, die Abwehr von Cyberangriffen vollständig dem Bund zu übertragen. Da Gefahrenabwehr aber Sache der Länder ist, wäre hierfür eine Grundgesetzänderung notwendig.

    Hack-Back-Attacken gelten als riskant, oft ist es schwer zu identifizieren, wer tatsächlich hinter einem Angriff steckt. Auch besteht das Risiko, dass die Angreifer - ähnlich menschlichen Schutzschilden im Krieg - für ihre Angriffe Server kapern, auf denen besonders sensible Daten lagern. Als fiktives Beispiel nannte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) unlängst den Server einer Frühchen-Station eines Krankenhauses.

    Unklar ist bisher auch, welche Behörde mit dem Auftrag ausgestattet werden soll. Infrage kommen neben dem BND der Verfassungsschutz, das Bundeskriminalamt oder die Experten des BSI. Dort ist heute bereits das sogenannte Cyber-Abwehrzentrum angesiedelt, das in jedem Fall ausgebaut und eine zentrale Rolle bei der Abwehr von Angriffen spielen soll.

    Quelle
    Hm, aber bloß keinen "finalen Rettungsschuss", wenn man es mit einem Hackerangriff von Flüchtlingen zu tun hat...

  16. #1896
    Es sei denn es sind unbewaffnete Viren mit Kindern

  17. #1897
    Zitat Zitat
    Der BND überwachte Interpol

    Der Bundesnachrichtendienst hat mehrere Jahre lang Büros der internationalen Polizeibehörde Interpol ausgespäht. Das geht aus vertraulichen Unterlagen vor, die der SPIEGEL ausgewertet hat.

    In Deutschland ist die Arbeit von Nachrichtendiensten und der Polizei strikt getrennt, so regelt es das Gesetz. Für den Bundesnachrichtendienst (BND) galt dieser Grundsatz offenbar nicht: Viele Jahre lang hat der deutsche Auslandsgeheimdienst nach Informationen des SPIEGEL die internationale Polizeibehörde Interpol ausgespäht.

    Neben der Interpol-Zentrale im französischen Lyon zapfte der deutsche Auslandsgeheimdienst spätestens seit 2000 über einen längeren Zeitraum auch Verbindungsbüros des Polizei-Netzwerks in Österreich, Dänemark, Belgien, Griechenland, Spanien, Italien und den USA an. Insgesamt waren mehrere Dutzend Dienststellen von Interpol betroffen - von Lateinamerika bis Russland.

    Das geht aus Unterlagen hervor, die der SPIEGEL einsehen und auswerten konnte. Demnach speiste der BND neben E-Mail-Adressen auch Telefon- und Faxnummern der Fahnder in seine Selektorenliste zur Überwachung ein.

    Interpol gehören 190 Mitgliedstaaten an, das deutsche Büro befindet sich beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden. Neben Interpol erfasste der BND auch Daten der europäischen Polizeibehörde Europol im niederländischen Den Haag sowie mehrerer nationaler Polizeibehörden.

    Fragen dazu, etwa ob das Ausspähen von Polizeibehörden in und außerhalb Europas durch das Auftragsprofil der Bundesregierung gedeckt war, beantwortete der BND nicht. Zu operativen Aspekten seiner Arbeit äußere sich der Dienst ausschließlich gegenüber der Bundesregierung und den zuständigen Gremien des Deutschen Bundestags, teilte ein Sprecher mit.

    Quelle
    "Ausspähen unter Freunden - das geht gar nicht."

    Geändert von Liferipper (22.04.2017 um 13:22 Uhr)

  18. #1898
    Zitat Zitat
    Im Gesetz zum elektronischen Personalausweis versteckt sich ein automatisierter Abruf für Geheimdienste

    Innenminister Thomas de Maizière will Ausweise nur noch mit aktivierter Funktion zur elektronischen Identifizierung ausgeben. Außerdem möchte er die biometrischen Merkmale von Ausweis und Pass in einem automatisierten Verfahren den Geheimdiensten freigeben. Das Gesetz soll noch diese Woche beschlossen werden, im Bundestag findet heute eine Anhörung dazu statt.

    Die Bundesregierung plant die zwangsweise Ausweitung der Nutzung des elektronischen Identitätsnachweises, der mit dem Chip im deutschen Personalausweis und im elektronischen Aufenthaltstitel eingeführt wurde. Außerdem soll laut dem Gesetzentwurf durch Änderungen des Passgesetzes und des Ausweisgesetzes künftig die automatisierte elektronische Übermittlung der digitalisierten Passbilder an sämtliche Geheimdienste erlaubt werden. Am Montag wird der Entwurf des „Gesetzes zur Förderung des elektronischen Identitätsnachweises“ [PDF] in einer Anhörung im Innenausschuss des Bundestages diskutiert.

    Zwangsförderung für den Ladenhüter eID
    Der elektronische Identitätsnachweis (eID) des Personalausweises genießt auch nach langjährigen Werbemaßnahmen kein großes Vertrauen bei den Ausweisbesitzern, das Interesse ist gering. Von den mehr als fünfzig Millionen Menschen, die seit 2010 einen neuen Ausweis oder Aufenthaltstitel beantragt haben, entschieden sich mehr als zwei Drittel gegen die Aktivierung der eID. Im Bereich der Verwaltung und auch im privatwirtschaftlichen Sektor haben sich kaum Anwendungen dafür etabliert. Nach derzeitigem Stand gibt es nur wenige Firmen, die eID-Berechtigungszertifikate beantragt haben.

    Es kommen aktuell überhaupt nur 220 Inhaber von Berechtigungszertifikaten zusammen, kommerzielle Unternehmen und staatliche Stellen schon zusammengerechnet. Nicht mal alle davon haben tatsächlich auch eine Anwendung für einen eID-Dienst gebaut. Die wenigen aktuell vorhandenen Anwendungsmöglichkeiten für die Online-Ausweisfunktion sind im Personalausweisportal des Innenministeriums zusammengetragen. Nach Anwendungen für die mobile Welt lohnt es sich allerdings gar nicht erst zu suchen.

    In der Begründung des Gesetzentwurfes heißt es dazu lapidar:

    Die Nutzung der eID-Funktion ist jedoch bislang nicht der Normalfall. (S. 16)

    Die Antwort auf die Frage aber, warum die Menschen kein Interesse und Vertrauen entwickelt haben, liefert die Begründung nicht. Die Reaktion des Gesetzgebers ist daher denkbar simpel: Wenn sie nicht von selbst wollen, drücken wir den Bürgerinnen und Bürgern die eID eben zwangsweise aufs Auge.

    Im schlimmsten Fall ein Sicherheitsrisiko
    Der Chaos Computer Club hatte schon bei der Einführung des elektronischen Personalausweises auf Sicherheitsprobleme aufmerksam gemacht. Denn Sicherheitslücken bei der Benutzung des elektronischen Identitätsnachweises können entstehen, wenn die Besitzer keine der teureren Lesegeräte für die Kommunikation über das Internet kaufen, sondern auf die Billigvariante setzen. Denn dann können Relay-Angriffe nicht ausgeschlossen werden, mit denen beispielsweise die PIN-Nummer auszuspähen ist.

    Der eID-Zwang ist im schlimmsten Fall also ein echtes Sicherheitsrisiko. Im besten ist er „lediglich“ ein unnötiger Eingriff in die Selbstbestimmung von Bürgerinnen und Bürgern.

    Das System zur Nutzung der eID ist technisch komplex und ohne Vorwissen nur schwer bis in alle Details zu verstehen. Bundesinnenminister und Christdemokrat Thomas de Maizière will dennoch mit dem Gesetzentwurf den Ausweisbeantragenden und potentiellen Nutzern der eID nun die Entscheidung entziehen, über die Aktivierung der Funktion der elektronischen Identifizierung selbst zu bestimmen. Sie soll künftig dauerhaft aktiviert und auch nicht mehr ausschaltbar sein. Einzige Möglichkeit des Abschaltens ist dann die eigenhändige Deaktivierung des Chips.

    Warum überhaupt per Gesetz eine Zwangsbeglückung aller Ausweisbesitzer mit der eID eingeführt wird, wo doch diverse Alternativen zur Online-Identifikation aus dem privatwirtschaftlichen Sektor bei Bedarf genutzt werden können und auch gängig sind, erklärt sich wohl nur so, dass nach all den Analysen und den Werbemaßnahmen niemand das teure System aus dem Jahr 2010 für gescheitert erklären wollte.

    Eine Anhörung zum Thema findet heute vormittag im Bundestag statt und wird ab 10:30 Uhr live gestreamt. Die Große Koalition will das Gesetz bereits wenige Tage beschließen: In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um 1:30 Uhr.

    Geheimdienst-Zugriff auf Biometrie und Meldedaten: Baustein für die vernetzte Videoüberwachung
    In dem Gesetzentwurf verstecken sich darüber hinaus noch einige nicht unmittelbar mit der eID in Zusammenhang stehende Änderungen: So sollen sämtliche Geheimdienste ab dem Jahr 2021 im automatisierten Verfahren auf die Daten in den Meldeämtern zugreifen können. Dazu gehören auch die biometrischen Passbilder.

    Auch heute können Polizeien und andere Behörden Informationen aus den Melderegistern abrufen. Neu ist jedoch die Möglichkeit, dass die Geheimdienste das nach eigenem Gutdünken automatisiert dürfen sollen. Denn der jetzt geplante automatisierte Abruf wird ohne eine Protokollierung bei den Meldeämtern erfolgen. Die Kontrolle darüber, welche Geheimdienste in welcher Anzahl davon Gebrauch machen, wird dadurch erschwert.

    Da die Nutzung der Biometrie von de Maizière ohnehin forciert wird, besteht die Gefahr, dass durch den vermehrten Abruf und die Auswertung der Lichtbilder und den Abgleich mit Gesichtserkennungssystemen künftig das eigene Gesicht zum digitalen Identifizierungsmerkmal im normalen öffentlichen Raum wird. Der automatisierte Abgleich von Gesichtsbildern, wie er aktuell im Berliner Bahnhof Südkreuz erprobt wird, ist keine technische Spielerei mehr, sondern wird zu einer praktisch nutzbaren Option. Das Gesetz ist damit ein wichtiger Baustein beim Aufbau eines Systems vernetzter Verhaltensscanner, mit denen Menschen im öffentlichen Raum automatisiert erkannt und identifiziert werden sollen.

    Hinzu tritt die Änderung des EU-Grenzkodexes und damit die kürzlich eingeführte Erfassung aller Pässe, inklusive der biometrischen Merkmale, bei jeder Ein- und Ausreise aus dem Schengenraum. Auch ein Abgleich mit zentralen Datenbanken ist dabei vorgesehen.

    In Deutschland ist zwar eine zentrale biometrische Datenbank nach dem alten und auch nach dem geplanten neuen Personalausweisgesetz explizit ausgeschlossen (in Paragraph 26, Satz 4):

    Eine bundesweite Datenbank der biometrischen Merkmale wird nicht errichtet.

    Was die Geheimdienste mit ihren neuen automatisierten Möglichkeiten vorhaben, weiß man nicht. Das könnte in ein paar Jahren aber dann wieder ein Untersuchungsausschuss klären.

    Quelle

  19. #1899
    Ich hab das "Online Feature" eh nicht gerafft und deswegen meinen neuen Perso gar nicht erst aktivieren lassen...
    Da fragt man sich wieder, was Thomas und Bundesregierung eigentlich so in der Birne haben...

  20. #1900
    Dann wird wohl 2022 mein Ausweis aus versehen auf mein Induktionsherd fallen, während dieser in Betrieb ist.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •