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Ergebnis 1.981 bis 1.991 von 1991

Thema: "Internet 1.984" oder "Wieviel Macht soll der Staat haben?"

  1. #1981
    Warum muss ich in letzter Zeit immer öfter hieran denken?


  2. #1982
    Zitat Zitat
    OLG München: Adblocking ist legal

    Gleich drei Medienhäuser mussten vor dem Oberlandesgericht München eine Schlappe hinnehmen: Die Kammer konnte nichts Gesetzwidriges beim Vertrieb eines Adblockers erkennen. Nächster Halt: Bundesgerichtshof.

    Adblocker verstoßen nicht gegen geltendes Recht. Das hat das Oberlandesgericht München am Donnerstag in drei Verfahren entschieden, mit denen drei Medienunternehmen den Vertrieb des populären Werbeblockers AdBlock Plus stoppen wollten. Nun wird der Streit wohl den Bundesgerichtshof beschäftigen.

    Angriff auf allen Fronten
    Die Kläger – die Süddeutsche Zeitung, der Werbevermarkter IP-Deutschland und die Sendergruppe ProSiebenSat1 – hatten einen ganzen Strauß an Vorwürfen gegen die Eyeo GmbH vorgebracht, die AdBlock Plus herstellt und vertreibt: Marktmissbrauch, Verstöße gegen Urheberrechte und Aushöhlung der Pressefreiheit.

    Mit dem kostenlos vertriebenen Adblock Plus werde die Werbeindustrie genötigt, mit Eyeo teure Verträge zur Durchleitung ihrer Anzeigen abzuschließen, argumentierten Anwälte der Kläger. Der Vertrieb des Adblockers müsse eingestellt und die Erstellung der Blockliste Easylist untersagt werden, forderten die Kläger, die auch Schadensersatzansprüche wegen entgangener Werbegewinne geltend machen.

    Doch die Medienhäuser sind in München mit allen Ansprüchen gescheitert. Die Kammer hatte bereits in der Verhandlung im März klargemacht, dass es der Argumentation der Kläger an Durchschlagskraft fehle. So bejahte der vorsitzende Richter zwar, dass Eyeo mit den Medienunternehmen in einem Wettbewerbesverhältnis stehe, was in vorangegangenen Verfahren noch in Frage gestellt worden war. Für einen Marktmissbrauch fehle jedoch die notwendige Marktmacht.

    Keine "aggressive Handlung"
    Auch beim vor kurzem neu geschaffenen Anspruch wegen einer aggressiven geschäftlichen Handlung, den das Kölner Oberlandesgericht in einem vorhergehenden Urteil bejaht hatte, sahen die Münchener Richter die gesetzlichen Voraussetzungen als nicht gegeben. So sei beispielsweise das Anbieten eines Adblockers keine Drohung mit einer "rechtlich unzulässigen Handlung", da es den Nutzern nicht verboten sei, Werbung auf ihren Rechnern zu blockieren.

    "Indem die Klägerin den Nutzern den ungehinderten Zugang zu ihrem Internetauftritt bei Nutzung des Werbeblockers eröffnet lässt und lediglich die Bitte geäußert hat, auf die Verwendung von Werbeblockern zu verzichten, liegt aus der Sicht der Nutzer eine (schlichte) Einwilligung vor", teilte das Gericht mit. Auch ein technisches Gutachten, mit dem Adblock Plus die gezielte Umgehung von Kopierschutzmaßnahmen der Kläger nachgewiesen werden sollte, überzeugte das Oberlandesgericht nicht.

    Auf nach Karlsruhe
    “Das Urteil bestärkt wieder einmal die Nutzerrechte, für die wir uns mit unseren Produkten einsetzen", erklärt Eyeo-Chef Till Faida nach dem Urteil. "Wir hoffen, jetzt außerhalb des Gerichtssaals einen konstruktiven Dialog mit den Verlagen und Website-Betreibern beginnen zu können." Dafür stehen sie Zeichen aber schlecht: So versuchen Verlage und Werbeindustrie das Adblocker-Problem ohne Eyeo in den Griff zu bekommen.

    Im langjährigen juristischen Tauziehen steht es nun vier zu eins: Das Oberlandesgericht Hamburg hatte im Sinne von Eyeo entschieden, das Oberlandesgericht Köln zumindest teilweise für den Verlagskonzern Axel Springer. Die letzte Entscheidung ist es aber nicht: So haben alle Seiten erklärt, notfalls bis zum Bundesgerichtshof zu ziehen. Eine Verhandlung wird für kommendes Jahr erwartet, ein Termin steht jedoch noch nicht fest.

    Quelle

  3. #1983
    Endlich mal ein Gericht mit Verstand. Wenn sich unternehmen nicht selbst auf unaufdringliche werbung festlegen können, dann müssen sie halt von der Kundschaft dazu genötigt werden. Im Netz haben wir im Gegensatz zu anderswo dazu wenigstens die Möglichkeiten.

  4. #1984
    Zitat Zitat von KingPaddy Beitrag anzeigen
    Endlich mal ein Gericht mit Verstand. Wenn sich unternehmen nicht selbst auf unaufdringliche werbung festlegen können, dann müssen sie halt von der Kundschaft dazu genötigt werden. Im Netz haben wir im Gegensatz zu anderswo dazu wenigstens die Möglichkeiten.
    Noch...

    Eine gute entscheidung, ich hoffe wir dürfen keine böse überraschung erleben wenn es dann letztlich in die höheren instanzen geht.

    EDIT: ich sehe gerade beim nochmal drüberfliegen im text die phrase : "Adblocker-Problem" finde ich gewissermaßen interessant, denn schliesslich habe ich damit gar kein Problem :P

    Nein, Spaß beiseite. Tatsächlich sind das Problem nicht die Adblocker sondern viel mehr das sich die wirtschaft viel zu stark auf einnahmen durch werbung (d.h. ggf auch beeinflussung) verlässt und nicht gewillt ist andere wege zu beschreiten und das ist allerhöchstens ein Armutszeugnis. Niemand sollte das recht haben gegen den willen des recipienten Werbung zu betreiben.

    Geändert von Lord of Riva (18.08.2017 um 12:48 Uhr)

  5. #1985
    Zitat Zitat
    Im Netz haben wir im Gegensatz zu anderswo dazu wenigstens die Möglichkeiten.
    Beim Fernsehen zumindest habe ich auch immer umgeschalten wenn gerade Werbung (die nicht Productplacement war) war. Damals hat auch niemand die Hersteller von Fernbedienungen verklagt.

    Aber dieses ganze Gejammere ist mal wieder von der Marke "Keinen Dunst wie das Internet funktioniert". Als ob diese eine Firma dafür verantwortlich ist, dass Werbeanfragen nicht durchkommen. Adblock Plus ist ohnehin schon wegen ihren "acceptable ads" in gewissen Kreisen verpönt und Alternativen im Trend.

  6. #1986
    Zitat Zitat
    Niemand sollte das recht haben gegen den willen des recipienten Werbung zu betreiben.
    Ach, das Recht haben sie durchaus. Genauso wie wir das Recht haben, diese Werbung nicht anzusehen .

    Aber ein Stück weit kann ich mich auch in die Betreiber hineinversetzen: Wenn du eine Seite hast, auf die jeder kostenlos zugreifen kann, woran willst du dann etwas verdienen, wenn nicht an der geschalteten Werbung? Immer noch besser, als wenn sich sämtliche Seiten hinter Paywalls verkriechen...
    Was aber trotzdem nicht bedeutet, dass ich in absehbarer Zeit meinen Adblocker abschalten werde. Den brauche ich ja schon allein, um nervige Cookie-Meldungen zu blockieren - deren Bestätigung natürlich in Cookies gespeichert wird, die ich von meinem Browser automatisch löschen lasse .

  7. #1987
    Wenn Acceptable Ads nicht nur in "Bezahlt genug und wir lassen euren Scheiß durch" besteht, sondern in echten Kriterien für sichere und unaufdringliche werbung, dann ist die Kritik daran ja eben auch nur: Wir wollen gar keine Werbung. Aber die holen sich dann ohnehin andere Adblocker, die ihnen das anbieten. Ad Block Plus können die ohnehin nur anpissen, weil die damit auch noch Geld verdienen. Stell dir vor, das wären irgendwelche Leute aus Hinterrussland oder China.

    Es ist ja was Semper Video sagt. Wenn die dazu gezwungen werden oder sich dazu entscheiden zuviel Werbung durchzulassen, dann holen sich die Leute halt irgendeinen anderen Adblocker. Gibt genug oder genug Leute die bereit wären Angebote zu ersetzen, die vom Netz genommen werden.

    Abgesehen davon sind ja auch die Vorwürfe aus technischer Sicht alle völlig unhaltbar.

    Zitat Zitat
    Nein, Spaß beiseite. Tatsächlich sind das Problem nicht die Adblocker sondern viel mehr das sich die wirtschaft viel zu stark auf einnahmen durch werbung (d.h. ggf auch beeinflussung) verlässt und nicht gewillt ist andere wege zu beschreiten
    Naja Free-to-Use ist für uns sehr bequem und ich bin auch bereit dafür Werbung zu akzeptieren, aber nicht irgendein kram, der mir den Browser hängen lässt, mir Augenkrebs verschafft oder beim Versuch Overlays wegzuklicken, die sich mit laggenden Java-Animationen über die Seite erst fünf Stunden aufbauen, dann noch auf irgendwelche halbseidenen Drittseiten weiterzuleiten.

  8. #1988
    Free-to-Use ist genauso Free-to-Use wie ein Free-to-play Spiel Free-to-play ist. Du bezahlst ja trotzdem.

    Freie Seiten wie Wikipedia oder tatsächlich seiten die etwas anbieten eg. Amazon, Steam usw. sind von soetwas ja nicht betroffen.

  9. #1989
    Ach hab da keine Angst. Schlimmstenfalls wird das verboten und im Ausland genug Alternativen angeboten. Adblocker werden ja online vertrieben und wenn irgendwelche russischen Hacker da was bauen betrifft die eh nich EU-Recht. (Oder in den USA oder sonstwo.)
    Sollen halt ihre Seiten so gestalten dass es schwerer ist Adblocker zu umgehen. Geht ja.

    BILD blockt mich - obwohl ich keinen Adblocker habe - weil ich angeblich einen nutze. Weil komplett alle anderen Privacy-Einstellungen die man von Hand am Browser vonehmen kann bei mir sehr restriktiv sind.
    Wodurch ich teils auf manchen Seiten sogar gar keine Werbung sah. (Vermute dass die irgendwie probiert haben die IP zu ziehen da gibts irgendwas was man blocken kann was neben dem normalen HTTP läuft wo manche die IP ziehen können - was vielleicht die Werbeanbieter nutzten.)

  10. #1990

  11. #1991
    Zitat Zitat
    Störerhaftung: Bundesrat macht Weg frei für WLAN-Gesetz mit Sperranspruch

    Nach dem Bundestag hat jetzt auch die Länderkammer einen Gesetzentwurf befürwortet, mit dem Betreiber offener Funknetze die Störerhaftung nicht mehr fürchten müssen. Andererseits drohen mehr Websperren.

    Der Bundesrat hat am Freitag das weitgehende Aus für die Störerhaftung besiegelt, die bislang Anbieter öffentlicher WLANs verunsicherte. Die Länderkammer stimmte für den entsprechenden Entwurf zur erneuten "Änderung des Telemediengesetzes" (TMG), den der Bundestag nach langen Kontroversen Ende Juni verabschiedet hatte. Die Initiative kann nun in Kraft treten, sobald sie im Bundesgesetzblatt verkündet worden ist.

    Kritik des Europäischen Gerichtshofs
    Laut dem Vorhaben dürfen Inhaber von Urheberrechten künftig weder Schadenersatz noch Abmahngebühren von Hotspot-Betreibern verlangen, wenn sie feststellen, dass über ein WLAN unerlaubt geschützte Werke etwa per Filesharing illegal verbreitet wurden. Beim vorigen Versuch der großen Koalition 2016, die Störerhaftung abzuschaffen, war ein Unterlassungsanspruch nebst damit verknüpften Abmahnkosten bestehen geblieben. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte dies in einem einschlägigen Urteil wenig später kritisiert.

    Auch die Rechteinhaber wollte Schwarz-Rot aber nicht im Regen stehen lassen. Sie können nun einfacher mit Websperren gegen Urheberrechtsverletzungen in offenen Funknetzen vorgehen. Der Gesetzgeber hat dafür erstmals eine ausdrückliche Anspruchsgrundlage für Blockaden gegen einen Diensteanbieter geschaffen, eine richterliche Anordnung ist dafür zunächst nicht erforderlich. Auf diesem Weg sollen wiederholte Rechtsverstöße verhindert werden können. Die Kosten für eine Anordnung muss der Rechteinhaber tragen, was der Film- und Musikindustrie nicht schmeckt.

    "Overblocking" befürchtet
    Providervertreter, Verbraucherschützer und Bürgerrechtler wiederum halten den neuen Sperranspruch für zu weitgehend und gefährlich, da damit Gerichte keine dem Einzelfall angemessene Entscheidung treffen könnten. Sie befürchten ein "Overblocking".

    Betreiber offener WLANs dürfen laut dem Entwurf nicht behördlich verpflichtet werden, Nutzer zu registrieren oder die Eingabe eines Passwortes durch die Nutzer zu verlangen. Derlei Vorkehrungen sollen aber "auf freiwilliger Basis weiterhin möglich bleiben". Linke und Grüne hatten sich jahrelang mit eigenen Gesetzentwürfen für den Wegfall der Störerhaftung ohne zusätzliche Websperrklausel stark gemacht. Nach Ansicht der Opposition droht nun aufgrund der möglichen Blockadeanforderungen neue Rechtsunsicherheit; die Koalition lasse kleine Anbieter damit im Regen stehen.

    Quelle

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