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Thema: Gefühle gären in mir (Gedicht)

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Zitat Zitat
    [...]und letztendlich ist Poesie ein fließendes Bild. Gerade bei solchen Texten hier ist das schwierig zu erklären, weil das ein sehr subjektvies Empfinden und dazu auch nur Gefühlssache ist.
    Bukowski hat mal irgendwann gesagt: "Poetry is a wet rag in the sink." Dieser Ausspruch prangt auf meiner StudiVZ-Seite und bei Gott, für solche Aussagen liebe ich diesen Mann. Zwar ist das eher eine Beschreibung für seine Gedichte, die einem wie ein feuchtes Handtuch um die Ohren geklatscht werden. Anders als beispielsweise Pound, dessen Gedicht, wie du oben erwähntes, in Bildern dahinfließen und man so gefangen von den Gefühlen, die hinter den Worten verborgen liegen, ist, dass man zum Schluss trauert, weil das Gedicht zu Ende ist. Aber man liest und liest und liest es immer wieder, man begreift immer mehr und mehr und das Gefühl bleibt bestehen, brennt sich fest ins Gedächtnis. Und Wochen später liest man das Gedicht wieder und – BAM – das Gefühl ist wieder da, es war nur verborgen und ist wieder aufgetaucht. Wie bei einem Fingerschnippen. Zack!

    Vielleicht meinst du ja das, was ich oben geschrieben habe, wenn du von "subjektivem Empfinden" sprichst. Gerade das ist das besondere an Gedichten. Es gibt welche, die zwar hohe Kunst sind, aber einem nicht das geben, was man will oder was man braucht, sondern einfach "nur" kunstvoll sind. Mir gibt Baudelaire beispielsweise gar nichts, obwohl die Form seiner Gedichte (in Originalsprache) ein Beispiel für "Perfektion" ist. Durch dieses (ich nenn es mal) Geben-Nehmen-Prinzip erhalten für mich weniger kunstvoll versierte Dichter, die die Wahrheit am Schopfe packen und sie einem vor den Kopf stoßen wie vor eine Wand, mehr Bedeutung als andere. Eigentlich will ich dabei nur auf eins hinaus: Bukowski > Baudelair oder Direktheit > Strukturelle Perfektion. =)

    Aber das ist wiederum äußerst subjektiv und da wären wir wieder am Anfang der Diskussion. xD

    Zitat Zitat
    Mehr oder weniger nach Gefühl, aber vor allem durch bewusste Enjambements. Das ist, wie Freierfall schon bemerkt hat, sehr subjektiv, meiner Meinung aber verbindet das die Bilder mehr miteinander, wenn du sie verteilst. Bei dir ist es wirklich:
    Bild
    Bild
    Bild

    Das kann gut sein, aber gerade hier finde ich, ist es ein wenig kontraproduktiv und auch nicht komplex genug, um das Gefühl zu fassen, dass du beschreiben möchtest (das, wie ich mal stark annehme, eins der Gefühle ist, für die die Menschheit keine Namen gefunden hat).
    Das Problem bei mir ist, dass mir andere Versstrukturen derweil zu willkürlich wirken. Ich muss wissen, wonach ich das strukturieren soll. Hab's auch einige Male nach Gefühl versucht, aber das wirkte mir nach mehrmaligem lesen dann irgendwie zu ...hm... "laienhaft".

    Wobei:
    Zitat Zitat
    Zitat Zitat
    Tropfende
    Hähne
    Jucken
    In meinen Ohren, triefende Mäuler
    Stopfen mir den Rachen
    Voll mit schäumendem Nonsens
    Das ist wieder mein subjektiver Eindruck, das gleich mal vorausgesandt. Wenn du schon "tropfend" schreibst, dann lass doch auch deine Worte tropfen; wenn du schon mit Teilen des Körpers sprichst, dann verbinde die doch auf absurde Weise; wenn du schon von "stopfen" sprichst, dann lass dem Leser doch auch Zeit zu würgen.
    Ich empfehle dir dazu mal unter allen Vorbehalten Erich Fried, den ich zwar über alles in der Welt nicht ausstehen kann, der aber doch in der Lage ist, die Bilder auch versgerecht zu transportieren.
    DAS klingt richtig genial. Diese Versstruktur kann ich auch nachvollziehen. Ich bin beispielsweise noch nicht darauf gekommen, die Verse nach der Wortwahl und der von ihr erzeugten Bilder zu strukturieren. Siehste, wieder was vernünftiges gelernt. ^^

    Zitat Zitat
    Das ist jetzt sehr vereinfacht, aber im Grunde liest man in Wirklichkeit in etwa so. Du unterteilst ein Gedicht ja gerade deshalb in Verse, damit du damit eine gewisse Spannung erzeugen kannst und um das weiterzuspinnen: Es gibt gerade deshalb Metren, weil ein Vers eine in sich geschlossene Einheit bildet. Wenn du aber kein Metrum hast, muss das einen Grund haben - bei dieser Art von Gedicht ist es meist die Abstrahierung einiger Bilder untereinander. Wenn du die Bilder nur Vers für Vers aufzählst, wird das deinem Leser bald langweilig.
    Wenn ein Vers eine in sich geschlossen Einheit ist (hab ich schon verstanden), dann verstehe ich diese Verseinteilung nicht, die du in einem deiner oberen Posts als Beispiel genannt hast.
    Zitat Zitat
    brodelt es
    in mir drin und zerfressen
    werden jene Prozesse,
    die beißend mein Blut
    zum Kochen bringen
    Enjambements brechen diese Einheit auf, aber was bleibt, darf keine Grütze sein. Und weil ich diese Einteilung nicht durchblicken kann, sieht es für mich wie Grütze aus. Sorry für das Beispiel. ^^

    Zitat Zitat
    Erich Fried
    Unter Vorbehalt notiert. Vielleicht findet sich was in der Bibliothek.

    Zitat Zitat
    (beispielsweise sollten Konnektoren und Präpositionen nur unter bestimmten Bedingungen am Versende stehen - mit "streben nach ... Stimmen." hast du das gemeistert, aber wo ein "und" am Ende steht, ist es meistens fehl am Platz; genauso Relativpronomen, die solltest du nur selten vom Rest des Nebensatzes abkappen).
    Klingt logisch. Werde beim Schreiben mal genauer drauf acht geben.

    Zitat Zitat
    Für meine Begriffe bist du schon sehr weit vorn und glaub mir, ich persönlich wäre froh, wenn mir öfter solche Einfälle kämen wie dir. Du musst jetzt halt nur noch an manchen Stellen ein klein wenig feilen - das Gesamtbild ist dadurch aber nicht minder gut, nur noch nicht ganz perfekt .
    Das geht runter wie Butter.
    Danke.

  2. #2
    Zitat Zitat von Gonzo Beitrag anzeigen
    Wenn ein Vers eine in sich geschlossen Einheit ist (hab ich schon verstanden), dann verstehe ich diese Verseinteilung nicht, die du in einem deiner oberen Posts als Beispiel genannt hast.

    Enjambements brechen diese Einheit auf, aber was bleibt, darf keine Grütze sein. Und weil ich diese Einteilung nicht durchblicken kann, sieht es für mich wie Grütze aus. Sorry für das Beispiel. ^^
    Nur ganz kurz: Ich sollte lernen, mich klarer auszudrücken .__." .
    Ich meinte damit, dass, wenn du kein Metrum hast, du die Verse einteilen kannst, wie du willst. In einem Gedicht muss grundsätzlich alles irgendeinem Sinn folgen - selbst wenn dieser Sinn wie oftmals sein sollte "Ich weiß nich, wie man ein Metrum macht". Bei dir ist das nun, dass du mit der Verseinteilung (vereinfacht gesagt) Pausen machen möchtest, die deinem Leser das Gefühl näher bringen, dein Vers ist also keine geschlossene Einheit, sondern hat Bildwert. Das bedeutet - wenn man es jetzt mal auf eine höhere Ebene hebt -, dass du deine Bilderwelt dadurch unterstützen, kompromittieren oder ins Absurde ziehen kannst. Unterstützend wäre beispielsweise eben "Tropfende ... Hähne ... Jucken", besonders absurd beispielsweise finde ich die Verbindung "In meinen Ohren, triefende Mäuler"; kompromittierend wäre vielleicht annähernd sowas wie "Die beißend mein Blut".

    Es geht darum, dass du auch in Prosa schreiben könntest, wenn dir die Gedichtform nicht entscheidende Mittel in die Hand geben würde. Semiotisch betrachtet hast du damit zwei Bildebenen: die grammatikalische "triefende Mäuler stopfen mir den Rachen voll" und die lyrische "In meinen Ohren, triefende Mäuler". Und die können eben wunderschön miteinander interagieren .


    Im Übrigen war das "geschlossene Einheit" wirklich schlecht gewählt, weil das tatsächlich nur auf Metrentexte zutrifft und da dann auch nicht immer (Rilke hat mit Enjambements Wunder getan) - es ging mehr darum, dass du damit auf alle Fälle irgendeine Einheit herstellst (was auf einer Zeile steht, gehört nunmal irgendwie zusammen).
    Fakt ist jedenfalls, dass die Versform einen durchaus erkennbaren Sinn braucht - du meintest ja selbst, dass dein Problem ist, dass es etwas willkürlich klingt und das stimmt auch irgendwie. Schau einfach, was den Ausdruck des Gedichtes am besten unterstützt, was die Worte vielleicht auch spannender rüberkommen lässt.

  3. #3
    Ist gebongt.

    Sorry für den Spam.

  4. #4
    Gefühle gären in mir (verbesserte Version)
    -

    Wie gleißend
    rasende Geysire
    brodelt es in mir
    drin und zerfressen
    werden jene Prozesse,
    die, beißend,
    mein Blut
    zum kochen bringen.

    Jegliches Haar
    an meinem Körper
    wird gesengt
    von aufkeimenden
    Gefühlen,
    die vollkommen wertlos sind
    in hundert Jahren.

    Tropfende
    Hähne
    jucken
    in meinen Ohren,
    triefende
    Mäuler
    stopfen
    mir den Rachen voll
    mit schäumendem Nonsens,
    fahrende Jagdhunde
    auf der Suche nach
    Papier zerfleischen meine
    Seele,
    gierige
    ______Augen
    suchen nach Sinn
    in ihrem Leben
    in meinem Portemonnaie,
    Pinguine reiten Holzpflöcke
    und streben nach Stimmen.

    Alle suchen etwas,
    wollen etwas,
    das nicht auf dieser Welt
    ist.

    Es ist woanders.

    Wie das Klicken eines
    Nagelknipsers,
    kurz und schmerzlos
    wie die Injektion
    einer Spritze,
    wie das Ausreißen
    eines Nasenhaars,
    wie pisswarmes Wasser
    gären Gefühle in mir
    und treiben mich
    zum Alkohol.
    Es reinigt die
    Wunden, es schweißt
    die Infektion ans Nichts,
    es liebkost
    die fließende Wunde
    und grausam
    und zäh bringt es
    die Blume zum Gedeihen.

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