Ja, aber zumindest in meiner Vorstellung von Hydraulik ist es einer U-Bahn-Tür einfach nicht möglich, zu zu knallen.
Ich denke, ein 'wieder' würde die Sache tatsächlich entschärfen. Ich weiß, das klingt irgendwie nach Krümelkackerei, aber wenn du zwei verschiedene Vorgänge mit den gleichen Worten beschreibst, löst das automatisch Assoziationen hervor - vorallem das "beginnen" ist hier irreführend, weil das immer den Eindruck von Erstmaligkeit erzeugtZitat
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Das ist im Endeffekt deine Sache. Es ging nur darum, dass du die Tätigkeit "lachen" nicht ohne Weiteres als teuflisch bezeichnen kannst. Um das zu verdeutlichen vielleicht ein Beispiel:Zitat
Du hattest das 'für' aber selber eingesetzt, nämlich "etwas für ernst nehmen" ;P. Wenn dir das so nicht gefällt (ich kann dir nicht mal sagen, ob das grammatisch tatsächlich richtig ist, ich hab's eben von "etw. für voll nehmen" abgeleitet), dann musst du die Anreihung ändern: "keiner im Abteil nahm diese Durchsage ernst, oder als selbstverständlich hin/oder betrachtete sie gar als selbstverständlich"Zitat
Im Nachhinein übrigens, solltest du das vollständig voneinander trennen: "keiner im Abteil nahm diese Durchsage ernst, allerdings konnte sie auch keiner als selbstverständlich hinnehmen."
Nunja, das ist wie gesagt mein persönliches Empfinden - die Erklärung ist eben so dahergebetet... Dann mach daraus doch wenigstens einen Vergleich: "Fast als flüstere ihnen ein Dämon Witze ins Ohr"Zitat
Mit dem Wort 'Dämon' verbinde ich immer diese billig produzierten Ostmärchen, was der Sache irgendwie den makaberen Gehalt vollends nimmt.
Dann beschreib doch wenigstens ihre Panik näher, anstatt quasi über sie herzuziehen. Unheimlich passend wäre hier auch, dass sich sein Erzähler auch zum Lachen gedrungen sieht und in das Verhalten der Leute irgendwas total absurd Witziges reindeutet, vielleicht den Leser damit auch verstört. Denn vergiss nicht: Er sitzt genauso wie alle anderen in dieser Bahn und ist genauso wie die anderen so ein Miesepeter, dem man dort sonst kein Lachen abgewinnt - im Moment steht er vollkommen abseits von den Geschehnissen und rasselt halt alles so ernüchtert, fast übersouverän runter.Zitat
Deine Aufgabe als Autor ist es, die Situation nicht nur zu schildern, sondern auch zu manipulieren - du weißt genau, was passieren wird, ganz im Gegensatz zu deinem Leser. Diesen Vorteil kannst du wunderbar ausnutzen, um ihn auf das Geschehen vorzubereiten, oder ihn vielleicht sogar damit zu erschrecken. Und selbst, wenn vorher noch alles in Ordnung ist: Danach ist es das nicht mehr, denn immerhin ist ein Mensch gestorben. Du brauchst nur mal durch die Öffentlich-Rechtlichen zu zappen um zu sehen, wie unrealistisch man die Reaktionen von Menschen auf einen Toten darstellen kann. Allerdings wissen selbst die Autoren dort, dass ein Toter wirklich alles durcheinander haut - dein Stil aber bleibt ganz gemächlich und unverbraucht... ist ja nur ein Fremder, der die nächste halbe Stunde mit einem auf engstem Raum rumliegtZitat
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Der Schmelztiegel (melting pot - Achtung, nich das sozialwissenschaftliche Ding): "Figuren im „Schmelztiegel“ werden durch äußere Umstände daran gehindert, sich voneinander zu entfernen: der ideale Nährboden für Konflikte."
Die Leute in der U-Bahn sitzen praktisch aufeinander. Ihnen allen wird gesagt, dass sie sterben werden, wenn sie lachen. Ein Toter. Panik. Vier Tote. Immernoch Panik. (wenn du nicht soviel Panik willst, musst du auch das schildern - es ist einfach nur unrealistisch, wenn die Leute sich nach ein paar Minuten wieder beruhigen) Panische Menschen handeln irrational und suchen gleichzeitig nach Auswegen. Durch die Beengung schaukelt sich das zur Massenhysterie. Wut entsteht - da bringt einer Leute um, ohne tieferen Sinn und Verstand.
Mir ist klar, dass es dir darum nicht vordergründig geht, allerdings musst du das deinem Leser erklären, wenn du die Realität manipulierst, denn ein Szenario stellt ja keineswegs Ansprüche auf Wirklichskeitsnähe, sondern will problematisieren. Die Massenhysterie und Wut beispielsweise könnte sich doch genau in dem Lachen äußern; du als Autor hast den alleinigen Überblick - mach auch gebrauch davon, denn der Leser wird sich nur dann fragen, warum die Leute eigentlich lachen, wenn du ihm das Gefühl vermittelst, dass du zumindest es genau weißt und Hinweise zur Lösung setzt.
Genau das solltest du dir aber sein, denn wie sonst kannst du deinem Leser etwas Ausgereiftes präsentieren, über das er auch nachdenken und zu einem Schluss kommen kann?Zitat
Trotzdem geht es um Menschenleben. Es wäre etwas anderes, wenn der Erzähler es lustig fände, wenn die Leute einer nach dem anderen auf halber Strecke abgesetzt werden, weil die Bahngesellschaft meint, dass Lachen in der U-Bahn das Unfallrisiko steigert. Niemand wird es dir übelnehmen, wenn du einen Protagonisten kreierst, der die Leute halt ein bisschen abfällig betrachtet und beispielsweise die genervte Mutter mit dem quängelnden Kind einmal sarkastisch gelacht hat und jetzt die 2km zu Fuß nach Hause muss. Aber der Tod - oder auch Schmerz, tiefgreifendere Verachtung - ist eine Grenze, die du nur überschreiten solltest, wenn du das Thema ausreichend beleuchten und problematisieren kannst.Zitat
Ich persönlich bin kein Fan von nachträglicher Textüberarbeitung, weil du dich dann irgendwann drauf versteifst, es jemandem (in dem Fall mir) recht zu machen. Ich würde den Text einfach so stehen lassen und stattdessen die Hinweise nochmal durchdenken und daraus genau nur das mitnehmen, was dir für's weitere Schreiben etwas nützt. Ich erdreiste mich sogar zu sagen, dass der Text seine Idee einfach verfehlt und das auch mit Ausbessern schwerlich zu ändern ist und damit wäre weiteres daran Rumwerkeln Leichenfledderei.Zitat
Im Endeffekt ist das aber natürlich ganz allein deine Sache und ich will dir deine Arbeit keineswegs schlechtreden. Ich persönlich sehe den Text aber eher als Übung, um aus den Fehlern zu lernen, als als etwas im Nachhinein wirklich noch Verwertbares. Hm, das klingt schon wieder so gemein herabwürdigend =(.






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