Huhu,
ich fang mal ohne Umschweife an:
Als erstes fällt auf, dass du (ich sprech der Einfachheit halber mal vom 'du') drei Stilelemente in den Vordergrund stellst: Wiederholungen, Wortmotive und Detailverzögerungen. Das ist an sich erstmal sehr löblich, zu manchen Teilen ist das auch sehr passend eingeflossen, aber du hast dir damit auch ein paar Stilfallen gestellt, die meiner Meinung nach zu stark ins Auge springen.
Die Zigaretten führen durch die Geschichte, sind aber eher nur so "nebenbei da". Was symbolisieren sie? Falsche Hinweise gibst du damit, dass er den Rest der Zigarette auf den Boden wirft und drauf rumtrampelt.
Die Zahlenmotive sind mir persönlich zu kitischig, vorallem stören die den Lesefluss und haben keine tiefere Bedeutung für die Geschichte selbst.
Was bezweckst du überhaupt mit diesen Verzögerungen? Unnötige Informationswellen können durchaus ein passendes Stilmittel sein, aber hier bekommt man keine klare Vorstellung von deiner Intention als Autor.
Auch die phrasischen Wiederholungen folgen meinem Empfinden nach keinem Prinzip. Sie fügen sich nicht schlecht ein, aber man erkennt keinen tieferen Sinn dahinter.
Solche Stilspitzen zu setzen sagt deinem Leser immer: Aufgepasst, hier passiert etwas Besonderes. Du lässt einen dann allerdings auch im Regen stehen, weil dieses "Besondere" ausbleibt. Wären es beispielsweise die abseitigen Informationen gewesen, die die ganze Zeit schon einen Hinweis auf den Ausgang der Geschichte trugen, wäre das mehr als genial. Würden die Wiederholungen wirklich Charakterzüge untermalen, wäre das sehr passend. Wären es die Zigaretten, die ihn am Ende umgebracht hätten, hättest du eine schöne Schleife geschaffen. So aber erscheint mir das leider wenig abgerundet.
Ich weiß, dass das durchaus gewollt ist, aber die Wiederholung wirkt störend.Zitat
Die Attributierung ist platitüd und passt meiner Meinung nach auch nicht zum sonstigen Schreibstil.Zitat
Pass auch etwas auf deine Kommasetzung auf: Der Duden sagt zwar, dass Infinitivkonstruktionen sowohl mit, als auch ohne Komma stehen können, gerade hier aber deutet es an, dass sich eine Aufzählung an "erlaubte" reiht - oder du setzt halt das Komma und setzt nach der Infinitivkonstruktion ein Semikolon. So krümelkackerisch das auch ist, es stört den Lesefluss (und zu deiner Beruhigung: Sowas ist alles andere als eine Schande und man muss es auch nicht zwangsläufig berichtigen.)
Hier kürzt du einen Zeitraum weg, der dir gut hätte dazu dienen können, deinen Protagonisten noch etwas zu charakterisieren. Außerdem schreibst du in einer Art Sekundenstil - die Ausparung erscheint da doch sehr unpassend (was ist mit den Straßenlaternen, die am Straßenrand entlangwandern und der schmutzigen Frontscheibe, dem Tacho, der Sitzheizung? Überall anders wird man mit belanglosen Details bombardiert).Zitat
Durch die Parenthese wirkt das sehr gestälzt: Der Fakt, dass Licht brennt, reicht deinem Leser. Wenn du auf die Angewohnheiten der Bewohner eingehen willst, dann tu das unterschwelliger ("...brannte schon oder noch Licht,..."). Parenthese sagt: "Wichtiges Detail!"Zitat
Ich als Nichtraucher hab mir erstmal gesagt: "Hm?"Zitat
Beschreib doch die Glut, die den Schriftzug auffrisst wenigstens kurz, damit auch Ahnungslose den Bezug herstellen können.
Meiner Meinung nach ein Stilbruch. Außerdem sind solche Idiome auch schon wieder arg gestälzt.Zitat
Obwohl man schon irgendwo merkt, dass der Protagonist nicht grad die Sprachmimose schlechthin ist, sticht der krasse Ausdruck doch ganz schön ins Auge.Zitat
Ich würde "Gutherzigkeit" übrigens nicht an den Türöffnungsgewohnheiten ablesen. Nenn's beispielsweise lieber Naivität.
=/Zitat
Die Beschreibung ist mehr als fragwürdig. Sie erkennt in Panik ihren Stalker, stammelt Worte ausstoßend und hat trotzdem die Fassung, postwendend Auskünfte über ihren Freund zu geben und sich taff die Strähnen aus dem Gesicht zu wischen?Zitat
Ein bisschen mag man ihr die Naivität sogar abnehmen, aber das ist mehr als undicht.
'verlassen hatte', du erzählst in der Vergangenheitsform etwas, das vergangen ist --> Vorvergangenheit.Zitat
Was spielt das für eine Rolle?Zitat
Das schneidet sich nochmal stark mit der Charakterisierung.Zitat
Das ist wiederum mehr als glaubhaft und fast ein bisschen tiefgehend. Dass du hier Zärtlichkeit und Animalisches verbindest, qualifiziert das Ganze zu einen tollen Psychogramm. Meiner Meinung nach die stärkste Stelle im Text.Zitat
Was genau mir hier nicht gefällt, kann ich nichtmal genau beschreiben. Es ist einfach die Tatsache, dass du den Vorgang des Schitten nach hinten Ziehens nochmal erklärst - das klingt einfach überflüssig und ... seltsam.Zitat
Ich versteh nie so ganz, warum man das mit der Hirnmasse beschreiben muss - aber das sei mal dahingestellt, das ist mein persönliches Empfinden.Zitat
Was soll die Vermutung über die Wand? Wohin sollte sie sonst gehören?
Das ist schon wieder sonne Stelle: "Halbnackt" und "nur mit einer Boxershorts bekleidet" sagt doch das Gleiche, oder?Zitat
Schockreaktionen sehen anders aus.Zitat
Das ist stilistisch ziemlich blöd und bettet sich wieder nicht in den sonstigen Schreibstil ein. Es klingt auch wieder so staksig - schreib doch "Er schmunzelte über die Ironie, dass er ihn ins Herz getroffen hatte."Zitat
Das das Herz hier als Wortmotiv herhalten muss, halte ich für unpassend und auch ein bisschen zu belegt; hier wird zu keinem Zeitpunkt eine Situation mit "Herz" beschrieben, vielmehr eine durchgehend düstere, zwecksgehorchende Erzählwelt.
Hmpf, das ist so unspektakulär ._." .Zitat
Du musst eine Mitte zu deinem Stil finden: Verkürzungen mithilfe des Genitivs und umgangssprachliche, teils platitüde Ausdrücke passen einfach nicht zu Hirnmasse an der Wand, Nutten und kotgepflasterten Straßen.Zitat
Und wieder begründest du Tatsachen, die du schon vorher genannt hast - Die Feuerwehrzufahrt sollte deinem Leser Anhaltspunkt genug sein.
Das nimmt der Geschichte viel. Erster erfüllst du deinen Spannungsbogen bei Weitem nicht und zweiter wünscht man sich dann doch ein etwas einfallsreicheres Ende.Zitat
Alles in allem würde ich vorallem an Stil und Idee noch arbeiten. Zwecks der wohl geplanten Psychoanalyse bedarf es noch einiger Übung, damit die Charaktere glaubwürdiger und vorallem dichter werden und der Umgang mit dem ein oder anderen Stilmittel liegt dir wie beschrieben auch noch nicht so ganz. Ich würde bei sowas an deiner Stelle auch mehr in die Länge gehen, denn der verkürzte Stil tut dir auf keinen Fall gut, weil man da zu schnell zu Erzählfehlern neigt. Letztendlich ist der Ausdruck nicht übel, aber auch nicht wirklich gut. Ich hab jetzt aus Faulheit und um deine Geduld nicht allzu sehr zu strapazieren die Kommentierung der allgemeinen Satzstruktur weggelassen, aber gerade in puncto "Tempo der Geschichte" solltest du noch etwas sicherer werden, weil beispielsweise ein Punkt und ein Komma zwei verschiedene paar Schuhe machen und es direkte Regeln gibt, wie man bestimmte Szenen passend mit dem Satztempo untermalt (http://de.wikibooks.org/wiki/Literar...chreiben#Tempo).





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